Archiv für den Monat: Juni 2013

Und die Wüste wird blühen!

Was unterscheidet Israel eigentlich von anderen Ländern?
Da die Nahostexpertenrate in den westlichen Ländern (lediglich in Nahost ist sie noch wesentlich höher) an der 100%-Hürde kratzt wird die Antwort je nach politischem Couleur anders ausfallen.
Da es allerdings schon mehr als genug Nahostexperten gibt, sei denen dieser Aspekt der Frage überlassen, ich möchte die kommende Artikelreihe mit einem Aspekt der Siedlungspolitik beschäftigen, der in den Medien fast gänzlich ignoriert wird.
Theodor Herzl hatte genau den in „Altneuland“ bereits visualisiert, keine 100 Jahre später findet man in „Arbeit für den Frieden“ (Schimon Perez/Robert Littell) folgende Passage (S. Fischer ’98, S250/51):
Schimon Perez: Aber ich möchte den Arabern damit auch etwas sagen, nämlich: Ihr könnt es uns gleichtun. Und das tun sie auch. Sie errichteten Kolonien, sie haben eine ihrer Städte wiederaufgebaut. Sie sehen, nichts hat nur eine Bedeutung. Alles kann zwei Seiten haben. Vor einigen Wochen traf ich Präsident Mubarak in Sharm el-Scheikh, und er erzählte mir von dem, was die Ägypter tun: Vier Millionen Dunam Land haben sie dem Meer abgewonnen, einen Bewässerungstunnel vom Nil nach Westägypten gebaut, sie werden zwischen Ismailia und Kairo ein Industriezentrum aufbauen. Und schließlich erklärte er mir – sie haben es mit eigenen Augen gesehen -, daß sie dabei sind, die Halbinsel Sianai in ein attraktives Touristenzetnrum zu verwandeln. Und sein Berater Osama el-Baz hat mir erzählt, die Ägypter hätten sehr viel von dem gelernt, was ich in meinem Buch The New Middle East geschrieben habe. Ich antwortete ihm, daß die Menschen über viele Jahre hinweg Ägypten als ein Land angesehen hätten, das mit seiner Geburtenrate schnell wachse, aber gezwungen sei, in den Grenzen des Nildeltas zu leben, da sich dort vor allem das bebaubare Land befinde. Ab und an habe man dann noch eine weitere Sphinx oder eine Pyramide entdeckt, und damit sei Ägypten auch noch mal in die Nachrichten geraten. Jetzt seien die Ägypter dem Delta und den Pyramiden zum ersten Mal entkommen und in ein neues Zeitalter eingetreten.“

Perez, ein Kibbutznik unter vielen – hat die Wüste wie viele Andere zum Blühen gebracht. Heute ist Israel das erste Land, das seine Wüste zurückdrängt und das einzige Land weltweit, das einen größeren Baumbestand hat als vor 50 Jahren.

Im Negev stehen Bauernhöfe und die Wüstenstadt Arad, die in den 20ern wegen Wassermangels aufgegeben wurde. Eben diese zählt heute zu den grünsten Städten des Landes.

Eines meiner Archivfotos zeigt, wie es heute an der Jordanischen Grenze im Arava-Tal aussieht (Das sind Gewächshäuser… In der Wüste):

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Arbeit, Mai-Juni 2010

So, liebe Leser dieser Serie, heute gibt’s ein Quiz zu Beginn!

Welches Volk stellt in vielen der Negev-Yeschufim die Mehrheit?

a) Israelis

b) Beduinen

c) Palästinenser („Volk“, haha!)

d) Andere…?

Die richtige Antwort lautet d: Thai. Für jeden, der nicht selbst im Negev gearbeitet hat, mag dies etwas überraschend kommen. Eine Überraschung, die der Negev damals für mich bereithielt war, wie viel dort (an-)gebaut wird – und wie die paar Leute aus den Siedlungen das zustandebringen. Überall Baustellen und Gewächshäuser.

Früher haben die Araber aus den Autonomiegebieten damit gutes Geld verdient. Nachdem man sie so gut behandelt hat, mussten sie zwei Mal – 1987 und 2000 zeigen, dass sie über gute Manieren verfügen. Seit dem ist der Staat Israel etwas skeptischer, die Bauern benötigen aber weiterhin helfende Hände.

Also springt Thailand ein.

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Und so wirklich scheint man das auch nicht zu bereuen. Selten habe ich in meinem Leben so fleißige Arbeiter gesehen. Die Hitze ist den Meisten relativ gleichgültig. Nur der Europäer schreckt sich etwas, wenn er plötzlich eine Horde vermummter Gestalten als vermeintliche Terroristen sieht. Aber nein: Das asiatische Schönheitsideal ist helle Haut. Ein fleißiger Arbeiter hat selten so eine und man kleidet sich entsprechend.

Israel hat im Vergleich mit Thailand äußerst hohe Löhne – speziell für dieselben Arbeiten als Knecht. So kommt es vor, dass nach fünf Jahren harter Arbeit und eisernem Sparen so ein „Thaiworker“ als reicher Mann zurück in die Heimat findet… Und nicht selten auch über ein größeres Kapital verfügt als sein Bauer.

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Eine Freundin von mir meinte, jeder von denen könnte es mit Jackie Chan aufnehmen. Ich hatte darüber gelacht, bis ich sie mit ihren Füßen Volleyball spielen gesehen habe…

 

Library, Minsk, 07th Jun 2011

I’m not sure whether it was too much time to stay away or too short time until the memories fade, since I arrived and left Minsk…

Even though, it is now about two years ago, since I prayed and promised to come again. Now – finally – I got more than just a plan to get there. I also have a plan how to make it.

Like everything in life you have to scarify time. And time is money, so you have to scarify time and money. But – what are such materialistic things against dreams?

Minsk – I’ll be there. Again.

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-Library, Minsk-

Minen, Arava-Tal, Mai 2010

2010 habe ich meinen Traum, in Israel in einem Negevmoschav zu arbeiten erfüllt. Das ganze war damals etwas unorganisiert, jedoch hatte es möglicherweise genau deswegen so starke Eindrücke auf mich.

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Der erste Moschav war Idan im Arava-Tal. Es ist ein ziemliches Abenteuer, dahin zu kommen. Auf einmal geht es von Tel Aviv in die Wüste, dann kommen immer wieder Soldaten mit Sturmgewehren in den Bus, die auf dem Boden schlafen. Das hat bis zu dem Zeitpunkt verstörend auf mich gewirkt, als ich selbst auf dem Fußboden Nickerchen gehalten habe (ohne Sturmgewehr). Bis heute habe ich deswegen eine gewisse „Bequemlichkeit“ in Transportmitteln beibehalten und meine Reisen verlaufen meist ausgesprochen angenehm.

An etwas werde ich mich wohl nie gewöhnen können, weder in Israel, noch in Kambodscha oder Vietnam. Als ich damals von der Bushaltestelle vor Idan zum Moschav gegangen bin, fielen mir gleich die Minen-Warnschilder neben der Straße auf.

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Das ist die Geschichte zu den Minen, die man mir erzählt hat (ohne Gewähr auf Richtigkeit):

1948, als Jordanien noch gegen Israel in den Krieg gezogen ist, war langsam aber sicher klar, dass große Teile des vom Haschemitischen Königreiches erkämpften Gebietes nicht von demselben gehalten werden konnten. Man gab sich als schlechter Verlierer und verminte das halbe Arava-Tal. Die Israelis, die das Gebiet teilweise räumen konnten, verwandelten den Wüstensand in Ackerland und heute stehen dort neben Idan und Hazeva noch andere Moschavim. Alles, was man nicht räumen konnte oder wollte wurde eingezäunt.

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Irgendwann gab sich Jordanien dazu hin, die Position der Minen bekannt zu geben. Nun ja, die Pläne wie die tatsächlichen Minen waren sehr „arabisch“ gehandhabt. Noch dazu leisten auch die Springfluten jedes Jahr einen gewissen Beitrag, die Minen anders auszurichten.

Was bleibt, sind die Moschavim, die hier Gemüse anbauen – und Touristen, die sich so ein Schild als Souvenir mitnehmen…

Die Wüste lebt… (Juni 2010)

Vor einiger Zeit habe ich auf Facebook folgendes Foto veröffentlicht:

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Es ist 2010 entstanden, als ich in der israelischen Negev-Wüste gearbeitet habe. Eine vietnamesische Freundin meinte daraufhin zu mir:

 „Das schaut doch wie eine Wüste aus, wie kann hier etwas wachsen?“

Nun ja… bevor ich nach Israel gekommen bin war ich auch nicht so ganz sicher, was dort landwirtschaftlich zu erwarten sei. Insbesondere fehlte mir ein Verständnis dafür, was man bitte in einer Wüste groß hochziehen soll. Das war dann auch schon der Grund, warum ich dort gelandet bin.

Anfang Juni erreichte ich den Moschav Beer Milka und gleich nach meiner Ankunft meinte der Bauer namens Golan zu mir, ich solle Bäume pflanzen.

In dem Moment war mir nicht ganz klar, ob ich es mit einem Idealisten oder einem Verrückten zu tun hatte. Wer sonst pflanzt in der Wüste Bäume?

Nachdem ich eine Reihe Neembaumsetzlinge in den Sand platzieren musste, wusste ich, dass die Israelis verrückt sind. Definitiv.

In den kommenden Monaten wurde es schlimmer. Es stellte sich heraus, dass das Wasser aus einer Salzquelle stammt. Sämtliche Kräuter, die um mich herum wuchsen wurden damit bewässert. Und sie gediehen hervorragend. (Naja, der Melisse hat’s nicht sooo gut geschmeckt). Wenn ich das Wasser eines Tages nicht selbst probiert hätte, würde ich noch heute denken, dass Süßwasser hergepumpt würde.

Irgendwann habe ich mich damit abgefunden, dass die Israelis wahrscheinlich verrückt sind, aber irgendwie sehr wohl wissen, was sie tun. Irgendwann habe ich auch festgestellt, dass das nur die Ruhe vor der nächsten Überraschung war:

Ich sollte die Wurzeln einer Pflanze namens Aschwagandha ausheben. Die Pflanze selbst und ihre Früchte sind giftig – die Wurzel jedoch enthält sehr wirksame Ingredienzien. Wie mir Golan gesagt hatte ist es verhältnismäßig knifflig, sie zu züchten und am Leben zu erhalten.

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(Ein Foto von mir beim Aschwagandhaschneiden)

Als er die wertvollen, von mir erbeuteten Wurzeln gewogen hatte lächelte er mich an:“Weißt du, Mario, wegen dem Salzwasser reichern sich mehr Stoffe in der Wurzel an und sie werden schwerer“.

Fassen wir zusammen:

  1. Das ganze Grünzeug wächst in der Wüste
  2. Es wird mit Salzwasser gegossen
    und
  3. wächst genau deswegen besser.

Versteh einer diese Israelis…

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Ich weiß, das klingt jetzt kitschig, aber die Wüste ist voller Leben…

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19.09.2010 – Dead Sea border (Wochenmario)

It’s kinda weird. Usually I don’t dream very often. But during the last days and weeks I have dreams almost every night. But strangely not my regular dreams with a lot of strange and fantastic things happening. No, just short, but beautiful ones.

Today for example I dreamed I’m back in Israel. First I got nervous and asked myself „Oh my god, how do I get back now, there’s job which has to be done!“

But then I just relaxed… I couldn’t remember how I got there (haha, it’s a dream!) but it seemed to have worked well from the moment I „arrived“, so why should it change now?

After my work is done I can leave to Jordan… where I’d really really really want to go somewhen and later on to Iraqi Kurdistan, without depending on a plane – and I’m in the Caucasus, where I’d like to go. Everything’s fine.

But well, there was a Problem. I woke up… Kinda annoying. So, in remembrance of my last time seeing Jordan here’s a picture, taken at the Dead Sea in September 2010. The Dead Sea is consists of one Israeli and one Jordan part. The border is somewhere in the middle.

If you want… Maybe you could take a light boat or something and just cross it. But I wouldn’t recommend that. The Dead Sea is so salty, it’s not so much fun if you have to swim for a long distance. Those days I swum quite a few meters inside and got one (!) water drop into my eyes. Even my tears couldn’t dilute this strong mixture. The seconds before I reached the shore to use my drinking water I thought I’d be blind…

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