Die Wüste lebt… (Juni 2010)

Vor einiger Zeit habe ich auf Facebook folgendes Foto veröffentlicht:

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Es ist 2010 entstanden, als ich in der israelischen Negev-Wüste gearbeitet habe. Eine vietnamesische Freundin meinte daraufhin zu mir:

 „Das schaut doch wie eine Wüste aus, wie kann hier etwas wachsen?“

Nun ja… bevor ich nach Israel gekommen bin war ich auch nicht so ganz sicher, was dort landwirtschaftlich zu erwarten sei. Insbesondere fehlte mir ein Verständnis dafür, was man bitte in einer Wüste groß hochziehen soll. Das war dann auch schon der Grund, warum ich dort gelandet bin.

Anfang Juni erreichte ich den Moschav Beer Milka und gleich nach meiner Ankunft meinte der Bauer namens Golan zu mir, ich solle Bäume pflanzen.

In dem Moment war mir nicht ganz klar, ob ich es mit einem Idealisten oder einem Verrückten zu tun hatte. Wer sonst pflanzt in der Wüste Bäume?

Nachdem ich eine Reihe Neembaumsetzlinge in den Sand platzieren musste, wusste ich, dass die Israelis verrückt sind. Definitiv.

In den kommenden Monaten wurde es schlimmer. Es stellte sich heraus, dass das Wasser aus einer Salzquelle stammt. Sämtliche Kräuter, die um mich herum wuchsen wurden damit bewässert. Und sie gediehen hervorragend. (Naja, der Melisse hat’s nicht sooo gut geschmeckt). Wenn ich das Wasser eines Tages nicht selbst probiert hätte, würde ich noch heute denken, dass Süßwasser hergepumpt würde.

Irgendwann habe ich mich damit abgefunden, dass die Israelis wahrscheinlich verrückt sind, aber irgendwie sehr wohl wissen, was sie tun. Irgendwann habe ich auch festgestellt, dass das nur die Ruhe vor der nächsten Überraschung war:

Ich sollte die Wurzeln einer Pflanze namens Aschwagandha ausheben. Die Pflanze selbst und ihre Früchte sind giftig – die Wurzel jedoch enthält sehr wirksame Ingredienzien. Wie mir Golan gesagt hatte ist es verhältnismäßig knifflig, sie zu züchten und am Leben zu erhalten.

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(Ein Foto von mir beim Aschwagandhaschneiden)

Als er die wertvollen, von mir erbeuteten Wurzeln gewogen hatte lächelte er mich an:“Weißt du, Mario, wegen dem Salzwasser reichern sich mehr Stoffe in der Wurzel an und sie werden schwerer“.

Fassen wir zusammen:

  1. Das ganze Grünzeug wächst in der Wüste
  2. Es wird mit Salzwasser gegossen
    und
  3. wächst genau deswegen besser.

Versteh einer diese Israelis…

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Ich weiß, das klingt jetzt kitschig, aber die Wüste ist voller Leben…

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