Archiv für den Monat: Juli 2013

Frieden, 30. Mai 2010, Beer-Scheba

Nachdem diese Woche ganz im Zeichen der neuen „Friedensverhandlungen“ gestanden ist möchte ich erzählen, was ich in Israel selbst erlebt habe.

Israel kann man grob in fünf Regionen einteilen:

  1. Süden
  2. Mitte
  3. Nord
  4. Jerusalem
  5. Judäa, Samaria und Gaza

Im Süden habe ich die meisten Erfahrungen gesammelt. Die Menschen sind hilfsbereit, man nimmt Anhalter mit und spürt noch ein wenig Wind aus der Pionierzeit. Es entstehen Yeshufim (Siedlungen) und die Leute versuchen Wüste in fruchtbares Land zu verwandeln, ein sehr interessantes Beispiel hierfür ist bspw. Aschalim (und Kfar Adiel). Ich habe selten Juden und Beduinen zusammenarbeiten sehen, aber ich hätte auch nie gesehen, dass sie sich im Wege stehen würden. Jeder geht seine eigenen Wege. Nur weil jemand mein Nachbar ist heißt es noch lange nicht, dass auch ich alle seine Interessen teile. Aber man kommt miteinander aus und findet das auch wichtig. Ebenso dient man gemeinsam in der gemeinsamen Armee.

Das heutige Artikelbild stammt aus der Wüstenhauptstadt Beer-Scheba. Es war meine erste und wahrscheinlich prägendste Erfahrung, die ich in Israel gemacht habe:

Am Schouk (Basar/Markt) in Beer-Scheba wird allerlei Tand feilgeboten. Von Juden, Beduinen und wer immer auch sonst noch Lust hat. In Europa, wo der Konflikt unnotwendigerweise unnötig aufgebauscht wird und ständig von Hass die Rede ist fängt man auch an, so über Israel zu denken und wartet nur darauf, dass sich die Juden und Araber zu hassen anfangen.

Was passiert?

Ein (offensichtlich… erkannt am Hijab) muslimisches Pärchen geht zu einem (offensichtlichen – die Kippa hat ihn verraten) Juden Schuhe kaufen. Beide witzeln, beide lachen:

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Wenig später kaufe ich mir bei einem Beduinen ein weißes Ghutra aus Dubai. Sein Englisch ist nicht sehr gut, aber er zeigt mir, wie ich es binde.

Den ganzen Hass, von dem in Europa immer die Rede ist, suche ich vergeblich und höre nach einer Weile auf zu suchen und hol mir stattdessen ein Eis.

Mittelisrael ist einfach nur langweilig, wenn man nach Konflikten sucht. Man hat ständig das Gefühl, dass alle nur arbeiten wollen. In Tel Aviv sucht man das Geschäft mit den Partylustigen, in Haifa alles andere.

Im Norden verhält es sich ähnlich wie im Süden, nur dass viele der Araber Libanesen sind. Entgegen der in Europa verbreiteten Meinungen sprengen sich die nicht in die Luft, sondern meist einfach nur ihren Garten, um sehr wohlschmeckendes Essen aus den Früchten ihrer Arbeit zuzubereiten.

Eine jerusalemer Freundin hat einst in einem Geschäft eines Libanesen in Nordisrael ihre Brieftasche vergessen. Als man dies im Laden bemerkte, ist ihr sogar jemand nachgelaufen, um sie zurückzubringen.

Auch hier musste ich nach einiger Zeit die Suche nach dem Krieg aufgeben und habe stattdessen Schawarma gegessen. Es hat mir nicht geschadet.

Haben Sie schon einmal vom „Paretoprinzip“ gehört? Kurz gesagt ist es ein statistisches Phänomen und eine 80-20 Verteilung. Ein Beispiel: 20% der Leute besitzen 80% des Vermögens. 80% der Arbeit benötigen 20% der Ressourcen. 20% der Arbeit fressen allerdings 80% der Ressourcen.

Warum ich das erwähne? In 80% von Israel läuft alles bestens. Es ist keine Spur von dem ganzen Schwachsinn, mit dem unsere Tagblätter vollgemüllt werden.

In Jerusalem laufen die Dinge etwas anders. Es folgt hier kein Diskurs über Jerusalem. Jeder hat diesbezüglich seine eigene Meinung und ich werde sie mit einem Artikel wahrscheinlich kaum ändern können.

Damit möchte aber auch keinen zu großen Interpretationsspielraum lassen. Jerusalem ist friedlich (Sollte man von einer Stadt, die auf Hebräisch „Die Friedliche“ heißt auch erwarten), ich habe dort selbst eine Zeit gewohnt und abgesehen von einer Schreierei mit einem Araber von dem ich nichts kaufen wollte ist mir nichts passiert. Jedoch drückt auch dieses Beispiel aus, dass die Lage hin und wieder angespannt ist. (Mehr dazu kommende Woche).

Alles in allem denke ich aber, dass Israel auch diese Spannungen noch abbauen kann. In 80% des Landes habe ich eine vorbildlichere Umgebung gefunden als teilweise in Mitteleuropa. Das ist das Werk Israels, nicht der UN.

Was die UN vollbracht hat (oder besser: Ihre Teilorganisation UNRWA) findet man im letzten Punkt zu dem ich am Wenigsten sagen kann. Ich kenne Hebron, habe ein paar Siedlungen von innen gesehen und weiß, dass es vieles gibt, was ich nicht verstehe und wahrscheinlich auch niemals verstehen werde. Ich fürchte jedoch, dass ich mit diesem Eingeständnis schon weitaus mehr verstanden habe, als die meisten, die für diese Thematik zuständig sind…

Damals…

Seinerzeit in Israel

Seinerzeit in Israel

Südtiroler Einfluss im Lande Israel?

Diesen Artikel widme ich dem „Verein der gemäßigten Freunde radikaler Siedler in der so genannten ‚Westbank’“. Immerhin stand diese Woche ganz im Zeichen eines neuerlichen Boykotts gegenüber Israel.

„Boykott“? Die Frage ist gerechtfertigt, es gibt (noch) keinen (offiziellen) Boykott Israels, aber ein solcher will immerhin gut vorbereitet sein. Die Europäische Union bezeichnet sich selbst gerne als das größte Friedensprojekt Europas und verschweigt dabei gerne, dass es auch das größte Wirtschaftsprojekt desselben Kontinents ist. (Den meisten gefällt das Eine immerhin besser als das Andere, wenn man „Wirtschaft“ hört, hat man gefälligst vorsichtig zu sein)

Die Leistungen des Binnenhandels sind allerdings auf keinen Fall klein zu reden – im Gegenteil! – nach der Fragmentierung nach dem Ersten Weltkrieg und der Teilung nach dem Zweiten war es nicht sicher, ob Europa jemals wieder in der Liga spielen kann, in der es vor den Weltkriegen gespielt hat. Konkurrenten wie die USA, China oder die Sowjetunion (die jedoch aus kapitalistischen Gründen seit Beginn der 90er drastisch an Bedeutung verloren hat) standen einem wirtschaftlich geteilten Europa gegenüber.

Wir bauten Handelsschranken ab, gemeinsame Kooperationen auf wuchsen dadurch. Derzeit ist ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten geplant, um den „westlichen“ Teil der Welt marktwirtschaftlich zu verbinden. Wir führen also fort, was uns unseren Erfolg beschert hat.

Israel hatte mit bilateralen Abkommen zu unserem und seinem eigenen Aufschwung beigetragen, wir haben im- und exportiert was der Markt hergab und auch hier Schranken beseitigt. Es ging uns ja besser dadurch, oder?

Es sie denn, Sie haben im Laden Ihrer Wahl einmal eine zu harte israelische Avocado erstanden… Aber Israel wegen so etwas zu beschuldigen ist schon etwas… naja…

Auf jeden Fall scheint sich Europa von seinem bisherigen Weg verabschieden zu wollen:

  • Anstatt freier Handel und Personenverkehr (hier eher eine Anspielung auf die Bewohner des Westjordanlandes) treten restriktive Richtlinien in Kraft
  • Anstatt Frieden fällen wir Entscheidungen, deren Ausgang wir nicht kennen.

Im Falle Sloweniens und Kroatiens waren die Grenzen bis vor einiger Zeit alles andere als sicher. Doch als die EU Kroatien Vorteile versprochen hat, sollte das Problem lösbar sein ging plötzlich etwas weiter. Im Falle Israels setzt man lieber Nachteile in die Tat um… Egal, ob Israel der Union beitreten will oder nicht…

Aber genug davon – der geneigte Leser wird im Internet noch zahlreiche andere Artikel zu diesem Thema finden, die weitaus ausführlicher gestaltet sind… Passend zum Thema Handel habe ich in meinem heutigen Artikel ein passendes Foto, dass den Österreichern unter meinen Lesern unbekannter sein wird, als den Nicht-Österreichern.

Dieses Bild wurde am Busbahnhof von Tel Aviv aufgenommen und zeigt neben anderen erstehbaren Produkten auch die „Quadratini“ der Firma Loacker, die zwar Südtiroler Herkunft ist, aber auch in Österreich, wenige Kilometer vor meiner Heimatstadt produziert und äußerst wohlschmeckende Schnitten und andere Süßigkeiten herstellt… und selbstverständlich auch in die ganze Welt exportiert.

Als „quadratisches Stück Heimat“ habe ich sie mir oft gerne im Dorfladen besorgt und hin und wieder (je nachdem, ob ich nicht zuvor schon alle gegessen hatte) auch mit meinen Kollegen geteilt.

Loacker ist äußerst beliebt in Israel, habe ich festgestellt – aber auch etwas teurer, als lokale Produkte.

Allerdings… um wieder auf Österreich zurück zu kommen. Hier kennt man diese Schnitten kaum, man isst -weniger aus Wohlgeschmack, sondern eher aus Tradition- Mannerschnitten.

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Gül Baba

DSC0552_01_miniWalking along the Turk’s Street… Remembering I’ve been here years before. I turn around and see a bumpy narrow street going up. The last time is so long ago, then it was winter, now it is summer and the hot sun makes me think I might be somewhere on the Balkan. I’m almost there, on my left-hand-side is Gül Baba Street.DSC0553_mini

I put of my sandals and run, I don’t care about the angle of the way, I don’t care about the blocks, heading out from the ground, jumping like an ibex from stone to stone.

I’m there. Arcades of this monument are above me.

I don’t sweat but I gasp. The angle was pretty high – I rather finish such ways quick than suffer.

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The statue is still watching the people. He has a long kaftan, an abdominal belt like me, a scroll in DSC0567_01_minihis hands and on his turban his hallmark: A Rose. This is Gül Baba – “Father Rose” or Gül Dede “Derwish Rose”. In the garden inside the walls beneath his statue is his octagon-shaped tomb with the golden crescent of Islam on the top. I’m in front of the northernmost place of pilgrimage of Islam.

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I am in Budapest.

Gül Baba came in the middle of the 16th century with Suleiman the Magnificent to Budapest. It is told he brought the cultivated roses to Hungary and was famous for preaching tolerance.

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During I was inside the tomb I recognized a group of four people, darker skin, doing their praying around the Cenotaph of the holy Derwish. Outside again we were talking about this monk, what he did but they didn’t know more than I’ve read already. But they came from Pakistan and said his importance was similar to Hafez or Rumi.

Inside the tomb it scents of roses and it appears to be in a different dimension than the rest of Budapest. So peaceful, so quiet. As I went out at 5pm they closed the door behind me. While I left I could see all the roses in the garden which weren’t visible as I was there the last time.

The day became evening and as it is in summer you more have the feeling, the day would never end…

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Tomaten, Mai/Juni 2010, Negev

Heute gibt es zur Abwechslung einmal einen Beitrag für alle unsere proisraelischen Hobbygärtner!

Ich möchte ein wenig über die Anbauungsmethoden in den Moschavim sprechen:

Tomaten schlingen sich gerne um Stecken. Es geht natürlich auch ohne, nur wird der Ertrag etwas geringer sein, da die Gewächse weniger Platz haben, um Fruchtkörper auszubilden.

Statt einem Stecken kann man allerdings auch eine Schnur an einer Spindel nehmen.

Prinzipiell macht das für die Pflanze keinen Unterschied. Zumindest nicht solange, bis man selbst einen erzeugt.

Jede Pflanze gehorcht der Physik und damit der Gravitation, weswegen sie entsprechend träge vor sich hinwächst. Irgendwann kommen dann die ersten Tomaten und diese muss man unter einem Büschel Blätter herausbekommen.

Das ist der Moment, in dem man die Macht der Schnur nutzt. Ein leichtes Anziehen bewirkt, dass die Pflanze gestreckt wird und wieder mehr Luft hat. Bei der zweiten (und manchmal auch dritten!) Ernte wird der Ertrag größer ausfallen.

Diese Methode wird in Israel oft verwendet. Aufgrund des heißen Klimas gibt es Tomaten öfters als in Europa und zu günstigeren Preisen. In Kadesch Barnea ist, als ich unten gearbeitet habe ein Bauer von den Tomaten auf ein anderes Produkt umgestiegen und hat alle seine Nachbarn eingeladen, von seinem Feld zu ernten, da er ohnehin keine Verwendung mehr dafür hatte.

Am Ende standen wir mit vier großen Kisten Tomaten da und es gab etwas öfters als sonst Spaghetti…

Ebenso muss man allerdings beim Grünzeug um die Frucht (die übrigens eine Beere ist) herum aufpassen, damit es nicht in der Erde bleibt. Die Tomatenstaude gehört zur Gattung der Nachtschattengewächse und ist somit giftig, weshalb sie für Nachfolgepflanzen nicht sehr optimal auswirkt…

In Idan waren Tomaten das Primärgemüse… Bis ich gekommen bin. Gemeinsam mit den Thaiworkern habe die Felder gereinigt, damit man dann Pfeffer anbauen konnte (Ich war bei der Recherei sehr flink, deswegen sieht man mich auf dem Foto mehrfach):

 

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Traum und Wirklichkeit

Bevor ich nach Israel gekommen bin, habe ich mir oft vorgestellt, wie die Wüsten-Kibbutzim und Moschavim wohl aussehen. Natürlich denkt man zuallererst an ein paar mehr oder weniger gut ausgebaute Hütten, unasphaltierte Wege und Israelis, die in der prallen Sonne die Früchte von irgendwelchen Wüstenpflanzen ernten. Darüber liegt ein orientalischer Charme und eine Stimmung der Pionierzeit.

Die Realität hat damit dann (leider) nicht so viel damit zu tun. Von arabischen Charme und ein paar verdorrenden Stauden lebt es sich etwas schwer, auch, wenn so mach ein tagträumender Österreicher gerne einmal so etwas erleben würde.

Die Realität ist viel näher an der Realität. Israelis bauen einfach gute Straßen. So gute, dass sie nicht gerne auf Sandböden herumkurven (und wenn, dann eher aus Abenteuerlust und nicht aus Notwendigkeit). Zudem baut in der heutigen Welt wahrscheinlich kaum jemand sein Lebenszentrum in einer wackligen Hütte auf.

Theodor Herzl hatte in seinem Buch „Altneuland“ einige sehr interessante Visionen niedergeschrieben. Einige davon hätten Israel (und vermutlich noch vielen anderen Staaten) nicht geschadet, sie umzusetzen, einige waren eher schwärmerische Träumereien, die wohl nie funktioniert hätten, aber in manchen Fällen hat er recht behalten.

Er schrieb über „reizende kleine Ortschaften, Städte und villenartige Niederlassungen [blinkten,] von den östlichen und westlichen Höhen. Von Zeit zu Zeit stürmten auf dem rechten Ufer Züge der Jordantalbahn vorüber…“

Und wirklich haben die Siedlungen im Negev eine sehr eigene Art, die man wohl nirgends sonst in der Welt findet.

Ein wenig antiquierter Charme aus tausendundeiner Nacht, aber westlich, ruhig, aber nicht still, geschäftig, aber nicht hektisch und doch sind diese Begriffe nicht genug, um zu beschreiben, wie die Menschen der Wüste leben.

Hier ist ein Foto aus dem Moschav Idan im Arava-Tal. Im ersten Moment glaubt man vielleicht nicht, dass die Siedlung direkt in die Wüste gebaut wurde. Es könnte genausogut ein römischer Vorort der oberen Mittelklasse sein?

Doch jenseits der Straßen und Gärten, die sich der Mensch in jahrzenhtelanger Arbeit geschaffen hat weht immer noch der Sand der unendlichen Wüste aus Jordanien her.

 

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