Traum und Wirklichkeit

Bevor ich nach Israel gekommen bin, habe ich mir oft vorgestellt, wie die Wüsten-Kibbutzim und Moschavim wohl aussehen. Natürlich denkt man zuallererst an ein paar mehr oder weniger gut ausgebaute Hütten, unasphaltierte Wege und Israelis, die in der prallen Sonne die Früchte von irgendwelchen Wüstenpflanzen ernten. Darüber liegt ein orientalischer Charme und eine Stimmung der Pionierzeit.

Die Realität hat damit dann (leider) nicht so viel damit zu tun. Von arabischen Charme und ein paar verdorrenden Stauden lebt es sich etwas schwer, auch, wenn so mach ein tagträumender Österreicher gerne einmal so etwas erleben würde.

Die Realität ist viel näher an der Realität. Israelis bauen einfach gute Straßen. So gute, dass sie nicht gerne auf Sandböden herumkurven (und wenn, dann eher aus Abenteuerlust und nicht aus Notwendigkeit). Zudem baut in der heutigen Welt wahrscheinlich kaum jemand sein Lebenszentrum in einer wackligen Hütte auf.

Theodor Herzl hatte in seinem Buch „Altneuland“ einige sehr interessante Visionen niedergeschrieben. Einige davon hätten Israel (und vermutlich noch vielen anderen Staaten) nicht geschadet, sie umzusetzen, einige waren eher schwärmerische Träumereien, die wohl nie funktioniert hätten, aber in manchen Fällen hat er recht behalten.

Er schrieb über „reizende kleine Ortschaften, Städte und villenartige Niederlassungen [blinkten,] von den östlichen und westlichen Höhen. Von Zeit zu Zeit stürmten auf dem rechten Ufer Züge der Jordantalbahn vorüber…“

Und wirklich haben die Siedlungen im Negev eine sehr eigene Art, die man wohl nirgends sonst in der Welt findet.

Ein wenig antiquierter Charme aus tausendundeiner Nacht, aber westlich, ruhig, aber nicht still, geschäftig, aber nicht hektisch und doch sind diese Begriffe nicht genug, um zu beschreiben, wie die Menschen der Wüste leben.

Hier ist ein Foto aus dem Moschav Idan im Arava-Tal. Im ersten Moment glaubt man vielleicht nicht, dass die Siedlung direkt in die Wüste gebaut wurde. Es könnte genausogut ein römischer Vorort der oberen Mittelklasse sein?

Doch jenseits der Straßen und Gärten, die sich der Mensch in jahrzenhtelanger Arbeit geschaffen hat weht immer noch der Sand der unendlichen Wüste aus Jordanien her.

 

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