Frieden, 30. Mai 2010, Beer-Scheba

Nachdem diese Woche ganz im Zeichen der neuen „Friedensverhandlungen“ gestanden ist möchte ich erzählen, was ich in Israel selbst erlebt habe.

Israel kann man grob in fünf Regionen einteilen:

  1. Süden
  2. Mitte
  3. Nord
  4. Jerusalem
  5. Judäa, Samaria und Gaza

Im Süden habe ich die meisten Erfahrungen gesammelt. Die Menschen sind hilfsbereit, man nimmt Anhalter mit und spürt noch ein wenig Wind aus der Pionierzeit. Es entstehen Yeshufim (Siedlungen) und die Leute versuchen Wüste in fruchtbares Land zu verwandeln, ein sehr interessantes Beispiel hierfür ist bspw. Aschalim (und Kfar Adiel). Ich habe selten Juden und Beduinen zusammenarbeiten sehen, aber ich hätte auch nie gesehen, dass sie sich im Wege stehen würden. Jeder geht seine eigenen Wege. Nur weil jemand mein Nachbar ist heißt es noch lange nicht, dass auch ich alle seine Interessen teile. Aber man kommt miteinander aus und findet das auch wichtig. Ebenso dient man gemeinsam in der gemeinsamen Armee.

Das heutige Artikelbild stammt aus der Wüstenhauptstadt Beer-Scheba. Es war meine erste und wahrscheinlich prägendste Erfahrung, die ich in Israel gemacht habe:

Am Schouk (Basar/Markt) in Beer-Scheba wird allerlei Tand feilgeboten. Von Juden, Beduinen und wer immer auch sonst noch Lust hat. In Europa, wo der Konflikt unnotwendigerweise unnötig aufgebauscht wird und ständig von Hass die Rede ist fängt man auch an, so über Israel zu denken und wartet nur darauf, dass sich die Juden und Araber zu hassen anfangen.

Was passiert?

Ein (offensichtlich… erkannt am Hijab) muslimisches Pärchen geht zu einem (offensichtlichen – die Kippa hat ihn verraten) Juden Schuhe kaufen. Beide witzeln, beide lachen:

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Wenig später kaufe ich mir bei einem Beduinen ein weißes Ghutra aus Dubai. Sein Englisch ist nicht sehr gut, aber er zeigt mir, wie ich es binde.

Den ganzen Hass, von dem in Europa immer die Rede ist, suche ich vergeblich und höre nach einer Weile auf zu suchen und hol mir stattdessen ein Eis.

Mittelisrael ist einfach nur langweilig, wenn man nach Konflikten sucht. Man hat ständig das Gefühl, dass alle nur arbeiten wollen. In Tel Aviv sucht man das Geschäft mit den Partylustigen, in Haifa alles andere.

Im Norden verhält es sich ähnlich wie im Süden, nur dass viele der Araber Libanesen sind. Entgegen der in Europa verbreiteten Meinungen sprengen sich die nicht in die Luft, sondern meist einfach nur ihren Garten, um sehr wohlschmeckendes Essen aus den Früchten ihrer Arbeit zuzubereiten.

Eine jerusalemer Freundin hat einst in einem Geschäft eines Libanesen in Nordisrael ihre Brieftasche vergessen. Als man dies im Laden bemerkte, ist ihr sogar jemand nachgelaufen, um sie zurückzubringen.

Auch hier musste ich nach einiger Zeit die Suche nach dem Krieg aufgeben und habe stattdessen Schawarma gegessen. Es hat mir nicht geschadet.

Haben Sie schon einmal vom „Paretoprinzip“ gehört? Kurz gesagt ist es ein statistisches Phänomen und eine 80-20 Verteilung. Ein Beispiel: 20% der Leute besitzen 80% des Vermögens. 80% der Arbeit benötigen 20% der Ressourcen. 20% der Arbeit fressen allerdings 80% der Ressourcen.

Warum ich das erwähne? In 80% von Israel läuft alles bestens. Es ist keine Spur von dem ganzen Schwachsinn, mit dem unsere Tagblätter vollgemüllt werden.

In Jerusalem laufen die Dinge etwas anders. Es folgt hier kein Diskurs über Jerusalem. Jeder hat diesbezüglich seine eigene Meinung und ich werde sie mit einem Artikel wahrscheinlich kaum ändern können.

Damit möchte aber auch keinen zu großen Interpretationsspielraum lassen. Jerusalem ist friedlich (Sollte man von einer Stadt, die auf Hebräisch „Die Friedliche“ heißt auch erwarten), ich habe dort selbst eine Zeit gewohnt und abgesehen von einer Schreierei mit einem Araber von dem ich nichts kaufen wollte ist mir nichts passiert. Jedoch drückt auch dieses Beispiel aus, dass die Lage hin und wieder angespannt ist. (Mehr dazu kommende Woche).

Alles in allem denke ich aber, dass Israel auch diese Spannungen noch abbauen kann. In 80% des Landes habe ich eine vorbildlichere Umgebung gefunden als teilweise in Mitteleuropa. Das ist das Werk Israels, nicht der UN.

Was die UN vollbracht hat (oder besser: Ihre Teilorganisation UNRWA) findet man im letzten Punkt zu dem ich am Wenigsten sagen kann. Ich kenne Hebron, habe ein paar Siedlungen von innen gesehen und weiß, dass es vieles gibt, was ich nicht verstehe und wahrscheinlich auch niemals verstehen werde. Ich fürchte jedoch, dass ich mit diesem Eingeständnis schon weitaus mehr verstanden habe, als die meisten, die für diese Thematik zuständig sind…

Damals…

Seinerzeit in Israel

Seinerzeit in Israel

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