Ramadan (August, 2010)

Es waren damals mehr Sicherheitskräfte als sonst in Jerusalem. Am Anfang schreckt einen Europäer die ständige Präsenz von Menschen mit Sturmgewehren. Irgendwann nimmt man es allerdings anders, fast umgekehrt wahr. Spätestens dann, wenn sich ein Soldat neben einen in den Bus setzt, auf ein Foto will und dabei eine Grimasse schneidet.

Ich war schon in einigen Ländern unterwegs, in denen ich mich unwohler gefühlt habe, je mehr Sicherheitsbedienstete um mich waren. In Israel war es umgekehrt.

Die israelischen Bediensteten haben nie so distanziert gehandelt, wie man es aus schlechten US-Filmen kennt. „Freundlich“ ist auch das falsche Wort… „Sympathisch“ passt auch nicht. Ich würde „israelischer“ vorschlagen. Wer schon einmal in Israel war, weiß, was ich meine. Wer nicht, hat sowieso seine eigene Meinung.

Es war, wie heute Ramadan. Damals hatte ich gerade meine Stelle in Jerusalem angenommen und und kam mitten ins Geschehen. Von einem Tag auf den Anderen war das arabische Viertel der Altstadt tagsüber wesentlich ruhiger. Anders als sonst sah man kaum mehr Leute essen oder schnell herumlaufen. Und wenn, waren es meistens Touristen. In den Geschäften standen müde Menschen, die einen bös ansahen, wenn man die erstandene Süßspeise sofort herunterschlang. Als nichtmuslimischer Europäer merkt man das zwar, aber nicht sofort, warum eigentlich.

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Wenn man zeitgleich den Felsendom oder Al-Aqsa sehen möchte, wird man von Uniformierten darauf aufmerksam gemacht, dass nur Muslime Zutritt hätten. Die Szenerie wirkt auch etwas „eigen“, wenn die Marktpassage zum Zugang der beiden muslimischen Heiligtümer an den Endpunkten bewacht wird. Warum erfährt man nicht sofort.

Israelische Sicherheitskräfte während des Ramadans

Israelische Sicherheitskräfte während des Ramadans

Spätestens, wenn sich nach Sonnenuntergang die Straßen füllen und man plötzlich an allen Orten ein weißes, dickflüssiges „Getränk“ namens „Sahlab“ bekommt weiß man, das irgendetwas anders ist als sonst. Die Altstadt ist immer gut besucht, aber jetzt sind geht es noch etwas wilder zu. Lauter, überall hängen Leuchtgirlanden und auch der Muezzin vom Minarett nebenan brüllt entweder öfters oder lauter… Bin mir nicht ganz sicher.

Es ist Ramadan im Lande Israel. Muslime nehmen während der Tages weder Nahrung noch Flüssigkeit zu sich. Es überrascht nicht, dass in diesen Stunden kaum etwas passiert und nach dem Fastenbrechen sich die Straßen füllen.

 

Zum Abschluss noch ein Foto vom Autor dieses Beitrags beim Genuss von Sahlab:

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