Road Movie (21. 6. 2010)

Zu Anfang gleich ein Geständnis: Ich gehöre (manchmal) zur Minderheit der Autostopper.

Ob ich ein Typischer bin, weiß ich aber nicht. Den Meisten anderen gegenüber habe ich Vorurteile.

Leute, die kein Geld ausgeben wollen und trotzdem komfortabel zu reisen pflegen.

Ist sicher teilweise wahr. Noch wahrer ist jedoch, dass viele Autostopper eine eigene Geschichte zu erzählen haben. In Rumänien habe ich es gemacht, da ich Leute kennenlernen wollte (und ihnen den ½ Buspreis gezahlt), als ich mir ein Auto gemietet habe, habe ich eine Mutter und ihren Sohn in die nächste Stadt mitgenommen (und natürlich nichts verlangt).

Diese Erlebnisse waren prägend für meine Zeit in Südisrael. Obwohl Israel ein „westlicher“ Staat ist gibt es vereinzelt noch Oasen der Autostopper. Aus Tradition. In der Pionierzeit, hatte nicht jeder ein Auto. Busse gab es noch nicht so viele wie heute. Ein Israeli meinte zu mir, dass damals sogar Minister per Autostopp in die Arbeit gekommen wären. Aber das sei schon lange vorbei… Meinte er leicht betrübt.

In der Tat schwingt beim Daumenhinaushalten wirklich etwas von dieser Zeit mit.

„Ich sehe, dass ich dir helfen kann, also tue ich es“. Nur, dass die Israelis weniger „höflich“ als Europäer stoppen – also nicht, indem sie den Daumen in die gewünschte Richtung halten, sondern den Zeigefinger auf den Boden vor sich richten – sieht eher nach „Hier halten!“ aus, als „bitte in diese Richtung“.

Meine Gründe waren auch hier verschieden. Manchmal hatte ich den Bus verpasst und es war schon spät (dazu etwas kommende Woche), manchmal ging einfach kein Bus dahin, es war Schabbat (und kein Bus fährt) oder ich wollte einfach Leute kennenlernen (und Egged nichts zahlen!).

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Mit der Zeit ändert sich auch die eigene Einstellung gegenüber Anhaltern. Es reicht, selbst in die Lage zu kommen, nicht weiterzukommen, um zu verstehen.

Das klingt jetzt vielleicht etwas einfach. Es benötigt auch ein gewisses Grundvertrauen gegenüber der Person, die man mitnimmt und vice versa.

Mir hat man damals einmal gesagt, im Süden wäre es einfach. Die Menschen sind gelassen und helfen gerne. Im Norden verhält es sich ähnlich.

In Zentralisrael gibt es den „arabischen Faktor“, der die Dinge etwas schwieriger gestaltet. Versetzen Sie sich bitte in die Lage eines israelischen Soldaten, der zum Dienst muss oder vom Dienst kommt und den letzten Bus verpasst hat. Die Sonne ist schon untergegangen, das kontrastreiche orange Licht der Natriumdampflampen strahlt und Sie kennen den Ort nur vom Fenster der Kaserne in der Sie Ihren Dienst verrichten. Und wollen heim. Einfach nur heim.

Vielleicht findet sich ein Samariter (womöglich sogar im wahrsten Sinne des Wortes 😉 ), der Sie mitnimmt. Plötzlich hält ein Auto. Im Auto sitzt ein Araber, der eine schnelle Handbewegung „Einsteigen“ macht.

 

Würden Sie einsteigen?

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