Road Movie 2 (7. Juni 2010)

Nachdem ich mich erst letztens „geoutet“ habe möchte ich heute einen Beitrag passend dazu abliefern.

Ich bin gerade mit dem Zug von Naharia (dort habe ich Präsidenten Eli Avivi besucht) nach Beer Scheba gefahren, jedoch war es zu Zeiten meiner Ankunft bereits Nacht und ich hatte den letzten Bus verpasst.
Es hatte auch sein können, dass ich „Nizzana“ wieder einmal falsch ausgesprochen hatte und der müde Busfahrer einfach „Lo“ (Nein) gesagt hatte und weitergefahren ist. Naja, die Busse fahren auch nur bis zur Kreuzung bei Tlalim, aber wer nach Nizzana will, muss dahin… Jedenfalls war es dunkel, ich war von meiner Reise etwas fertig und nachdem langsam aber sicher keine Busse mehr gekommen sind, begann ich mir Sorgen zu machen.

Es war Zeit für einen Autostopp. Hand hoch, Daumen raus, und hoffen, dass sich jemand findet.

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Irgendwann kam ein genervt wirkender, anderer israelischer Jugendlicher (der nicht halb so sympathisch war wie ich) und zeigte mit seinem Zeigefinger vor sich hin (wie schon erklärt, der „israelische Anhalterdaumen“). Ein paar Autos später war er weg. Ich angefressen.

Der nächste Israeli kam und diesmal wollte ich vom Kuchen mitnaschen. Ich fragte ihn, wohin er wolle. „Yerukham“. Es erschien mir schleierhaft, warum man freiwillig nach Yerukham wollte, und positionierte mich wieder. Bald schon kam ein Auto und nahm ihn mit. Frust.

Seit meiner Ankunft war einiges an Zeit verstrichen und der Bauer, bei dem ich gearbeitet hatte wollte eher ungern um 9 Uhr abends aufbrechen, um 80km weiter nördlich seinen Schützling abzuholen.

Ein Hotel für so etwas schien mir auch keine vernünftige Investition zu sein, weswegen ich eine andere Variante probieren mochte.

Ich selbst würde einen Tramper unter drei Aspekten mitnehmen:

  1. Er schnorrt sich sonst nicht durchs Leben
  2. Er hat Gründe
  3. Er ist eine sie

Punkt 3 jetzt zu versuchen würde spätestens dann kläglich scheitern, wenn jemand anhalten würde und meinen „Damenbart“ sehen täte. Also holte ich das Maximum aus 1) und 2) heraus. Und zeigte zudem der Welt meine Ignoranz gegenüber Tatsachen.

Ich marschiere diese 80 Kilometer. Wenn es sein muss in einer Nacht! Mit Marschgepäck.

Und so ging es los… Beer Scheba hatte ich hatte ich verlassen und stapfte in die israelische Wüste hinein. Immer, wenn ich ein Auto hörte hob ich meinen Daumen. Es wirkte tatsächlich. Ein Autofahrer hielt an und meinte, dass er zwar nicht nach Tlalim müsse, aber mich zumindest bei der Kreuzung zu einer Siedlung 30km entfernt herauslassen würde.

Da ich ohnehin in Gehstimmung war, bedankte ich mich und hatte dann nur noch 50 Kilometer Route.

Er hielt, ich bedankte mich nochmals, stieg aus und war auf dem Mond. Zumindest sah der nächtliche Negev so aus:

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Wieder behielt ich meine Strategie bei. Gehen und wenn ein Auto anfährt stoppen. Das nächste hielt noch eher. Ja wohin ich denn müsse fragte ein Vater, dessen halbe Familie im Auto saß. „Beer Milka, kennen Sie zufällig Golan Cohen?“ Der Mann lachte auf. Und ob er den kenne! Ich arbeite für ihn, oder? Na sicher kann ich mit.

Zufällig war das der größte Landwirt in diesem Teil des Negev (vielleicht sogar im gesamten). Auch für ihn war ein Freiwilliger tätig. Er nannte ihn „Felix“, seine Frau meinte, er hieße ganz anders, aber er berief sich darauf, ihn zumindest „Felix“ nennen zu dürfen. Neben dessen Containerwohung war noch eine andere frei. Bis nach Beer Milka würde er mich zwar nicht bringen, aber ich dürfe gerne dort schlafen.

Von so viel Gastfreundschaft war ich überwältigt. Ich denke, das Landgut war bei Kadesch Barnea, dem Ort an dem die Israeliten nach dem Auszug aus Ägypten betreten hatten. Ich schlief gut in dieser Nacht. Ausgeruht hatte ich am nächsten morgen nur noch ein bisschen Fußmarsch zurückzulegen.

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Ein Ding der Unmöglichkeit ohne die Israelische Gastfreundschaft…

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