Wüstenwanderung (Teil 2)

Die Straße war ich etwas entlangmarschiert und kam inzwischen auf eine Anhöhe, von wo aus ich zumindest die nächsten paar Kilometer überblicken konnte. Links lag eine Kaserne, rechts fanden sich ein paar Hügel und in der Weite rollte mir die Dunkelheit mehr und mehr entgegen.

Langsam wurde mir etwas mulmig zumute.

In diesem Teil der Wüste spielen die Nabatäer nach wie vor eine gewisse Rolle. Nicht, weil es ein weiteres Volk in der Region ist, das Land will, sondern ironischerweise, weil kaum etwas über sie bekannt ist.

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Heute sind sie von der Bildfläche verschwunden, aber vor über 2000 Jahren sollen sie in der Lage gewesen sein, ein verhältnismäßig großes Gebiet im Nahen Osten über Jahrhunderte zu kontrollieren und sich ein faszinierendes landwirtschaftliches Wissen angeeignet haben. Heute sind aus ihrer Zeit nur noch Ruinen übrig.

Die bekanntesten sind Petra (Jordanien), Avdad, Mamschit und Schivta, wo ich hin will.

Bei näherer Begutachtung zeigte sich jedoch, dass der Hügel rechts von mir nicht einfach nur ein „dummer Hügel“ war, sondern, dass dort vor langer Zeit einmal jemand gewohnt hat und noch Überreste davon vorhanden waren.

Damit hatte ich mein Nachtquartier. Vor der Kaserne fand ich noch ein wenig altes (und sehr trockenes!) Holz vor und suchte mir ein paar schöne Scheite heraus. Plötzlich kam ein Radpanzer die Straße entlang und die Soldaten sahen mich. Es muss etwas komisch gewirkt haben, im Halbdunklen einen Ausländer mit Rucksack herumspringen zu sehen, der vor der Kaserne mit einem Haufen Holz herumläuft.

DSC0058_miniIch beschloss eine Offensive und begrüßte die Soldaten gleich. „Hier ist doch irgendwo ein Gasthaus?“ fragte ich. Den Soldaten war ich wesentlich egaler als befürchtet und der eine, der mit mir sprach stimmte etwas gelangeweilt zu. „Wie weit ist es von hier?“ „5 Minuten“ und ich sah in die Weite.

Nichts. Gar nichts.

Ob ich hier Feuer machen dürfe?

„Nein“

„Danke, Schalom“

Und weg waren sie. Ich grübelte. 5 Autominuten vielleicht… Wenn man schnell fährt.

Alles, was ich an Holz finden konnte lud ich auf mich und bestieg den Erdhaufen vor mir. Etwas anstrengend war das schon mit der Nutzlast, aber einem bergverwöhnten Österreicher tut das nichts. Zumindest hatte ich recht behalten. Hier war einmal eine kleine Siedlung und es existieren in den Mugel hineingebaute Häuser.

Nach kurzer Zeit hatte ich auch eine potentielle Feuerstelle gefunden. Die Antwort des Soldaten war mir so egal, wie ich ihm. Was hätte er anderes sagen sollen? „Ja, am besten überall, damit es hell genug ist, um Beachvolleyball zu spielen?“.

Als Zunder verwendete ich altes Gras, aber nicht alle Gräser hier oben waren gleich trocken und gleich stark entflammbar. Erst nach einigen Versuchen hatte ich Erfolg und langsam wurde mein Feuerchen größer. Groß genug, um meinen Proviant, ein paar koschere Frankfurter zu grillen.

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Ich sah in die Nacht hinein. Irgendwo in der Ferne waren wieder einmal Natriumdampflampen. In einer anderen Richtung lag eine Siedlung. Womöglich Kadesch Barnea.

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Als es spät wurde, löschte ich das Feuer und breitete meine Iso-Matte in dem Haus auf. Es war sicher schon etwas länger her, als das letzte Mal jemand hier übernachtet hatte. Besonders gut schlief ich nicht, aber trotz allem verhältnismäßig lange. Des Morgens stieg die Hitze wieder langsam hoch.

Ein wenig mochte ich schon noch hier verweilen und erschloss dieses Gebiet. Nach kurzer Expedition stellte ich fest, dass hier womöglich öfters Leute herkommen, aber noch nicht alles ausgegraben war. Einige Tunnelsysteme waren noch verschüttet.

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Ich wollte Frühstücken, aber die Natur war schneller gewesen. Die Frankfurter, die ich mir aufbewahrt hatte waren großteils von Ameisen verspeist. Der Humus tröstete mich auch nicht darüber hinweg. Im Gegensatz zu den fast unbegrenzt haltbaren Kichererbsen war seine Genießbarkeit eher volatiler Natur.

Das Zeug war sauer.

Und ich…? Marschierte durch die immer heißer werdende Morgensonne ‚gen Schivta.

-Fortsetzung folgt-

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