Wüstenwanderung (Teil 3)

Als Alpenländer kann ich das Gebirge einschätzen. Ich weiß, wie man sich zu verhalten hat, wenn „ein Wetter kommt“, wie wir zu sagen pflegen. Zwar können weite, baumlose Gebirgsplateaus an die Wüste erinnern, doch hat die Wüste einen anderen, eigenen Charakter.

Spaßhalber meinen in meiner Heimat manchmal die Leute: „’s Lebn isch hoat in die Berg“ (das Leben ist hart in den Bergen), ist es auch passend zu erwähnen, dass die Wüste ebenso kein Erbarmen kennt.

Es war kaum 9 Uhr morgens und es hatte bereits Temperaturen jenseits der 30 Grad erreicht.

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Wir hatten Schabbat und somit sollte es eher unwahrscheinlich sein, dass mich jemand mitnehmen würde. So schritt ich entlang der Steppe, an der ich auch eine von einem Beduinen geführte Schafsherde passierte. Es folgten ein paar Haine, die zwar Schatten, aber keine Kühle und kein Wasser spendeten und ich musste hin und wieder darin pausieren.

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Wie gut, dass ich in Israel war. Typisch für diese Israelis, einfach einmal mitten in der Wüste einen Wald zu pflanzen.

Der Schabbat war mein bevorzugter Wandertag, da es mir hier gestattet war in Übungsgebiete der Armee einzudringen. An den Wochentagen sind keine Besuche geduldet. An den Samstagen genoss ich Bewegungsfreiheit.

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Teilweise lagen hier noch Trümmer von Kriegsgeräten. Das meiste davon hielt ich für Überbleibsel von Truppenübungen, ein Freund mit mehr Erfahrung meinte jedoch ob der Korrosion, dass es viel eher aus dem Yom-Kippur-Krieg oder früher stammen würde. Wir waren hier nicht sehr tief in israelischem Territorium. Womöglich sind hier einmal ägyptische und israelische Einheiten während des Sechstagekrieges zusammengestoßen.

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Bis jetzt waren der ganze Schutt wie erhofft vor langer Zeit explodiert und somit vor mir nur noch Hülsen. Dennoch sah ich lieber viermal als dreimal hin, bevor ich näher kam.

Oftmals dachte ich an die Worte des Soldaten vom Vortag. „5 Minuten“! Inzwischen war ich zwei Stunden auf dem Weg und immer noch nichts in Sicht.

Schweißperlen liefen mir über die Stirn. Gegessen hatte ich kaum. Den sauren Humus gab ich der Wüste zum Verzehr. Was blieb waren ein wenig Brot, ein paar frische Gewürzgurken und vielleicht noch etwas Bratwurst, die nicht den Ameisen zum Opfer gefallen war.

Irgendwann erblickte ich dann aber in erreichbarer Distanz das Ende der Straße. Und daneben ein Haus. Schivta.

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Das Haus sollte ein Restaurant sein. Ob es am Schabbat geöffnet hatte, daran habe ich bei der Planung gar nicht gedacht. Ein Auto stand davor, aber ich zweifelte. Der Eingang war auf der andren Seite. Beim Umschreiten des Hauses horchte ich, ob vielleicht jemand da sei, aber außer ein paar Insekten, denen die Mittagshitze nichts auszumachen schien, war nichts zu hören.

Schließlich der Eingang. Geöffnet.

Nun stand ich im kühlen Schatten des Natursteinhauses. Eine sehr freundliche Dame begrüßte mich. Ob ich mich hier kurz ausrasten dürfte (Wichtig(!): Für alle nichtösterreichischen Lesern: Im österreichischen Deutsch bedeutet „ausrasten“ soviel wie „sich entspannen“ oder eher „rasten, bis man wieder kann“)? Ja, sicher.

Ich wollte etwas essen, suchte meine Geldtasche, um zu sehen, wie viel Schekel ich dabei hatte.

Nun ja. Die Geldtasche war wohl daheim geblieben.

Hungrig und bedrückt fragte ich die Hausherrin, ob ich zumindest ein Glas Wasser haben dürfe. Mein Barvermögen war leider dieses Tags nicht bei mir.

Sie wies auf einen Tisch in der Ecke: Vorher wollte hier jemand frühstücken und hatte wohl nur Platz für die Hälfte. Wenn es mir nichts ausmache, dürfte ich auch…

Meine Dankbarkeit war nicht in Worte zu fassen.

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– Fortsetzung Folgt –

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