Wüstenwanderung 4

Trotz widrigster Umstände kam ich also doch noch zu einem Frühstück. Während desselben unterhielt ich mich mit der Hausherrin. Hin und wieder kam auch eine der Katzen vorbei und ließ sich auf meinem Schoß nieder. (Wenn sie nicht, wie auf dem letzten Foto aus meinem Glas getrunken hat). Wir führten ein interessantes Gespräch. Viele Gäste waren es nicht, die an jenem Tag hierher kamen. Aber ich vermute, dass die meisten aus einem ähnlichen Grund gekommen sind, wie ich – wenn ich das nächste Mal die Gelegenheit dazu habe, hier vorbeizuschauen.

Nochmals bedankte ich mich herzlich für die Bedienung und verschwand aus dem kühlen Schatten in das gleißende Licht der israelischen Mittagshitze.

Hier, wo die Straße aufhörte, und die Wüste begann, lag Schivta.

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Was ich genau erwartet habe, wusste ich nicht, was vor mir lag war eine gewaltige Ansammlung aus gehauenen Felsblöcken, die teilweise noch Gebäude abbildeten. Wohl hatte ich gedacht oder gehofft, eine Karte zu bekommen, oder eine Führung zu machen, nur war ich der Einzige hier. Es gab keinen Infostand oder dergleichen. Nur die Reste einer Ära. Säuberlich ausgegraben, aber nicht mehr.

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Die Größe des Areals hatte mich dann überrascht. Auch, wenn der Weg nur an den am besten erhaltenen Bauten vorbeiging, so war, was hier lag – oder vielmehr – was hier womöglich einmal gelegen war von deutlich größerer Imposanz.

Nur, von Archäologie verstand ich nichts und ich hoffe, dass ich, wenn sich das nächste Mal eine Chance ergibt, Schivta zu sehen eine Lektüre darüber zur Hand habe.

Langsam aber sicher zerstreuten sich die Bruchsteine in eine offene Wüstenlandschaft und während von oben Helios herunterbrannte fegte mir von vorne ein trockener Wind entgegen. Karte hatte ich, wenn ich mich richtig erinnere keine dabei, aber wie alle Männer, die etwas auf sich halten konnte ich mir die Geographie wohl auch ohne merken und setzte mutigen Schrittes meine Wanderung fort.

Ich erreichte einen Canyon, dessen Bachlauf man noch deutlich sehen konnte, der um diese Jahreszeit staubtrocken lag. Auf den Weg konnte ich jederzeit zurück, es hatte für mich wesentlich mehr Reiz, mir alles von oben anzuschauen und wandte mich an die nördlichere der beiden Flanken. Ich gewann an Höhe und konnte die Wüste mehr und mehr überschauen.

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An einem der höheren Punkte begann ich mich umzusehen. Wüste. Viel, viel Wüste.

In der Ferne rollten einige „Al-Hul“s dahin. „Al-Hul“ nennen die Beduinen die Sandteufel, die in der Wüste unzähligerweise dahinrollen. Mich wundert es, dass ich nie von einem überrannt wurde. Gefährlich sind sie nicht. Über sie erzählen die Beduinen, dass es sich um die Seelen verstorbener handelt, die nach Ruhe suchend durch die endlose Wüste ziehen…

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Inzwischen konnte ich den Canyon gut überblicken und beschloss nach unten zu klettern. Auf den Fotos sieht das Geröll so einfach zu besteigen aus wie damals, als ich es versucht hatte. Nur waren diese „natürlichen Stufen“ verhältnismäßig hoch und bröcklig, sodass von Steigkomfort keine Rede war und mich zäh herunterquälte. An der Canyonwand lagen auch noch ein paar kleine Höhlen…

Mühsamst hatte ich endlich hatte ich die Talsohle erreicht und schritt sie entlang. Eher auf gut Glück als mit Ziel, wie ich mir eingestehen muss.

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Nach ein paar Kilometern und einem offenen Sandal regen sich mir die Zweifel, ob das so intelligent sei. Wasser mochte ich zwar genug haben, nur eine zweite Übernachtung sollte sich nicht spielen. Ebenso war mein Nahrungsmittelvorrat nach wie vor auf Gurken und Brot beschränkt. Außerdem war Schivta ja gar nicht mein Reiseziel. Ich musste zurück nach Beer Milka!

Die Entscheidung fiel mir nicht leicht. Im Nachhinein sehe ich, dass ich, dass ich nach 18km die Hauptstraße und Aschalim erreicht hätte. Vielleicht. Mit ein bisschen Pech hätte es genauso eine weitere Nacht auf freier Flur sein können. Vielleicht diesmal ohne Dach über dem Kopf. Eine falsche Abzweigung hätte genügt. Ebenso hätte ich, wenn meine Orientierungskenntnisse total versagt wären in Sde Boker enden können. Viel Erfolg von dort zurück nach Beer Milka. Ohne Geld. Am Samstag Abend.

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Es war Zeit, auszuscheren und wieder folgte ich einem Bachverlauf. Diesmal sollte ich die andere Flanke dieses Tals hier erreichen, die jedoch ob dem Wasser, das hier einst geflossen ist tiefer lag, als bei meinem letzten Abstieg.

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Vor mir konnte ich langsam einen Weg erblicken und schritt darauf zu. Bis… Vor mir eine Artilleriegranate lag. Diesmal im Gegensatz zu den bisherigen gänzlich unversehrt. Womöglich ein Blindgänger.

Mein Gefühl kann sich wohl jeder denken…

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Kamera heraus, Foto… und… einen ganz großen Bogen herum.

Gehofft hatte ich, dass mich ab der Gaststätte vor Schivta vielleicht jemand mitnehmen konnte. Jetzt war alles leer und verriegelt. Es war kurz nach 5, die Sonne ging langsam unter und ich war der Letzte, der hier die Stellung gehalten hatte.

Was war zu erwarten? Die Straße endete (oder fing) an meinem Standort an. Was blieb, war ein weiterer Marsch von 10km… Dann wäre ich zumindest an der Hauptstraße…

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Wie ich heim gekommen bin…? Das erzähle ich nächste Woche

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