Stimmungsmache (Israel statt Herbst)

Heute ist in Österreich Nationalratswahl. Normalerweise um wärmen um diese Zeit die letzten Sonnenstrahlen der Saison, bevor sich zwischen Oktober und November die kalten Klauen des Winters an uns Bergbewohnern festklammern.
Doch heute klebt eine dicke Nebeldecke an den Berghängen. Erstmals dieses Jahr traute ich mich nicht ohne Mantel aus dem Haus und wurde, als ich meiner Pflicht als Staatsbürger nachgekommen bin von einem kalten Nieselregen empfangen.

Ich schaue meine Fotos aus Israel an und erinnere mich, wie noch Ende September die Sonne auf der Haut gebrannt hat, wie ich damals noch im toten Meer baden gegangen bin und anstatt meiner üblichen Geschichten möchte ich diesen Artikel all jenen widmen, die wie ich dem Sommer nachtrauern.

Nachdem die inzwischen doch manchmal empfindliche kalten jerusalemer Bergnächte (Jerusalem liegt höher als so manche Stadt in Tirol!) vorbei sind heitz die heiße, israelische Sonne wie gewohnt recht bald die letzten Erinnerungen daran weg. In den Gärten von Süd-Jerusalem wachsen die Früchte der Granatäpfelbäume auf die Straße hinaus und die Unkenntnis der israelischen Gesetze lässt mich zwei dieser schmackhaften Früchte mitnehmen.

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Während der Mittagszeit, in denen die Sonne zwar nicht mehr senkrecht steht wie im Juni sucht man sich die Straßenseite trotzdem mit mehr Bedacht aus, um nicht zu viel von dem abzubekommen, was im kalten Zentraleuropa mittlerweile Mangelware geworden ist.

Die israelischen, sandsteinfarbenen Häuser sind diese Tage ideal für den Aufenthalt. Immer noch sehe ich die Architektur vor mir, alles ist viel geradeliniger als bei uns, die Dächer sind nicht spitz zulaufend, sondern flach und geben dem Ort dieses orientalische Ambiente, das mich immer wieder etwas träumerisch macht.

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Ich habe auch gelernt, wie man die Granatäpfel öffnet. Zwar nicht von einer Israelin, aber von einem persischen Mädchen, mit dem ich einmal zusammen war. Früher habe ich meist versucht, sie nach dem Halbieren auseinanderzunehmen und stand am Ende frustriert, mit rot gescheckerter Kleidung vor einem Mischmasch aus den Samen und den weißen Trennelementen.
Heute wähle ich je nach Bedarf zwischen zwei Optionen: Entweder, man halbiert sie und klopft mit einem Löffel auf die konvexe Seite der Hälfte, sodass die Frucht ordentlich vibriert. Dabei schießen die Kerne von der geschnittenen Seite heraus, ohne zu viel vom unappetitlichen weißen Zeug mitzunehmen.
Die andere Methode ist, den Granatapfel zu vierteln und aus diesen Stückchen das Essbare herauszupicken. Obwohl ersteres schneller zu gehen scheint, bin ich der Meinung, dass man dafür mehr Geduld braucht.

An den Wänden und Stromkästen findet man von Sonne und Wind ausgebleichte Plakate auf Ivrit. Manchmal über Veranstaltungen, manchmal über einen potentiellen Messias. Je nach Richtung mit mehr oder weniger Text dabei.

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Die Hitze wird immer ermüdender. Meistens zu sehr, um sich mit nichtdeutschen Texten zu beschäftigen. Und während Helios langsam über den Himmel zieht, fragt man sich, wie man es im kalten Europa um diese Jahreszeit überhaupt aushält….

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