Mayim

Mir kam es immer so vor, als wäre die Wüste ein trockener Ort, an dem kaum Leben existiert. Was trotzdem an Leben existiert wird meist in teuren Dokus gezeigt – als „normaler“ Mensch würde man sowas eher nicht finden.

Die Wahrheit ist, dass es keine singuläre Wahrheit gibt. Ich habe so viele verschiedene Tiere in dieser Gegend gesehen, die ich niemals in die Kategorie „Wüste“ eingeordnet hätte. Darunter Frösche, große Käfer, wilde Katzen und Hunde, Chamäleons und Grillen. Und das waren nur die, die ich nicht erwartet hatte.

Im Endeffekt ist natürlich das Wasser dafür verantwortlich, dass sich solcherlei Getier überhaupt hier einfindet. Woher das Wasser kommt… Gute Frage. An der ägyptischen Grenze, nahe Beer Scheba kann es passieren, dass die Nächte sehr feucht werden und man am morgen einen Wasserfilm am Sandboden erkennen kann. Während des Winters kann es sogar zu wahren Torrenten kommen, die bei Ktziot eine Brücke zerstört haben.

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Im Winter – soll die ganze Wüste grünen, habe ich gehört. Ich habe Fotos gesehen, die das auch gezeigt haben, nur mit eigenen Augen durfte ich es noch nie erblicken. Aber wer weiß? Vielleicht findet sich ja bald jemand, der mich auf eine Auftragsreise nach Israel aussendet? Dann würden die Fotos recht bald ins Internet wandern.

 

Mit Regen ist höchstens in den kalten Monaten zu rechnen. Nur kommt es hin und wieder auch vor, dass es stehende und fließende Gewässer direkt in der Wüste gibt.

Es hat mich überrascht, direkt an der ägyptischen Grenze einen natürlichen Teich vorzufinden. Was mich erstaunt hat war, dass derselbe ein Fliegennest sondergleichen war. In Beer Scheba gibt es sogar einen kleinen Fluss, der aber leider nicht sehr einladend wirkt.

Kommende Woche werde ich meine Reise nach Avdad schildern – es ist ein wahres Wunder, was man dort vorfindet.

Aber zurück in die Wüste, wie man sie sich vorstellt (Avdad ist etwas gänzlich Anderes): Morgens sind die Temperaturen anders als während des Tages – wer also früh genug aufsteht, stürzt sich direkt in ein äußerst sehenswertes Getümmel.

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Es gibt ein Wetterphänomen, das Chamsin (Arabisch) oder Scharav (Hebräisch) genannt wird. Wir lernen heute auch ein wenig Arabisch: Wer die Chamsa kennt soll einmal die Finger nachzählen. Im Idealfall sind es fünf. Daher auch der Name. „Chamsin“ heißt „50“, da dieses Ereignis innerhalb eines 50-tägigen Zeitfensters auftritt. In Israel ist es während dessen weniger heiß, aber dafür viel feuchter.

Der Bauer Golan meinte auf meine Frage, ob das gut für die Pflanzen sei, dass Wüstenpflanzen nicht auf so feuchte Luft eingestellt seien. Zudem ist manchmal auch viel Sand in der Luft.

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Jedes Mal, wenn ich an einen Ort fern meiner gewohnten Wetterlage bin, versuche ich ein Gespür für die meteorologischen Bedingungen zu bekommen. In der Wüste ist das schwieriger als man denkt. Am Scharav-Tag hatte ich mit Regen gerechnet, ihn aber für absurd gehalten. Als ich auf den Feldern gearbeitet hatte fühlte ich ein paar Tropfen. Es war schneller vorbei, als es angefangen hatte, aber ich lag prinzipiell richtig.

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Die letzte von mir entdeckte Möglichkeit, in der israelischen Wüste an Wasser zu kommen ist das schlichte finden von defekten Wasserleitungen. Nicht alle Bauern gehen mit dem Gut so sorgsam um, wie sie es sollten. An den Stellen, an denen das Wasser dann austritt ist die Vegetation natürlich recht üppig…

Ein Gedanke zu „Mayim

  1. Axel Stolpe

    Ich habe mich schon immer gewundert warum Israel so viel Wüste hat. Anders als in anderen Wüsten gibt es kein kaltes Meer vor der Haustür. Das Mittelmeer wird sehr warm und wenn man in Hochsommer in Tel Aviv ist, denkt man es müßte jeden Abend gewittern. Das wäre jedenfalls bei uns in Berlin so. Nur in Israel ist es anders. Ich verstehe nicht den Zusammenhang.

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