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Das Tal des Wassers (1)

DSC0132_miniJe weiter ich nach Osten gekommen bin, desto unerträglicher wurde die Wüste. An der ägyptischen Grenze konnte ich bis in den frühen Nachmittag hineinarbeiten, ohne, dass mir die Hitze wirklich zu schaffen machte. Jetzt stand ich in Sde Boker und und mir rannen die Schweißperlen über die Stirn. Was da vom Himmel brannte war selbst für Israel ziemlich arg.

Natürlich hatte ich keine Karte von Sde Boker bei mir und musste das Dorfzentrum eher „nach Gefühl“ als nach Wissen suchen.

Gleiches galt für mein Hotel.

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Immerhin hat sich meine Präferenz für den Besuch kleiner Ortschaften wieder bezahlt gemacht – die Wahrscheinlichkeit, dass man gänzlich woanders landet ist eher minimal. Ein bisschen Intuition ist hilfreich, den Rest erledigt man dann eben, indem man ein bisschen nachfragt. In meiner Herberge konnte ich mich zuerst einmal meiner Nutzlast entledigen. Ich erhielt ein Zimmer mit Klimaanlage. Oder besser vor der Klimaanlage. Den virtuosen „Sound“ musste ich dann eben ein wenig erdulden, aber egal.

Erst einmal Mittagessen, ich hatte noch kein Frühstück. Irgendwo in der Ortsmitte fand sich ein Treff, an dem ich mir Schoarma mit Humus und Falaffel genehmigen konnte. Ich setzte mich zu einer Soldatin, die auf ihren Bus warten musste und wir plauderten ein wenig. Sie hieß Esther und war russischer Herkunft. Diesen Aspekt vermisse ich am meisten an Israel. Sich in Mitteleuropa mit einer fettigen Speise einfach an den Tisch zu einem Mädchen zu setzen und dabei nicht auf irgendwelche Ambitionen hoffen zu lassen ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

 

Ihr Englisch war leider nicht das Allerbeste, aber wir konnten doch irgendwie miteinander. Nachdem sich mein Imbiss ebenso dem Ende zuneigte wie ihre Zeit gingen wir beide wieder unsere Wege und ich stand recht bald am Ortsrand, wo die Wüste bereits ihre Klauen nach der Zivilisation ausstreckte.

Dort drüben in den Bergen sollte irgendwo Avdad sein. Ich sah allerdings nur Schluchten, die sich nicht voneinander unterschieden. Eine trister und trockener als die Andere. Ich dachte an die Geschichten, die ich über die Hagana gehört hatte, die noch ohne die heutige Infrastruktur durch diese Gebiete gezogen sind.

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In diese pittoreske Weite konnte ich fast eine Ewigkeit starren. Die Wüste gibt einem wie keine andere Landschaft ein Gefühl der Unendlichkeit. Von Sonne und Wind gepeitschte Hänge und Gründe lagen da, wie sie der Allmächtige einst auf diesen Planeten geschleudert hatte.

 

Als eine Art Vorposten zur Wüste standen zwei Stelen, die ich zuerst nicht richtig zuordnen konnte. Sde Boker ist kein mit vielen Denkmälern verzierter Ort. Erst war ich verwundert, jedoch konnte ich recht bald die Inschrift sehen:

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Vor mir lag das Grab des Staatsgründers David Ben Gurion und das seiner Frau. Die letzte Ruhestätte – Midreschet Sde Boker – auf Deutsch das “Gartengrab” bestach hauptsächlich durch die Schlichtheit. Es war keine seltsame Touristenattraktion, sondern ein würdiges Monument. Fast schon symbolisch platziert. Hier Ben Gurion, davor nur Wüste, dahinter das Leben.

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Es dämmerte langsam, ich wandelte durch die Straßen Sde Bokers in die Hotelkantine. Der morgige Tag würde Anstrengend sein, es sollte eine Reise durch das Tal des Wassers werden. Ich fand allein die Idee, hier in der Wüste Wasser zu finden absurd…

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