Das Tal des Wassers (II)

Schon relativ früh am Tage brannte die Sonne erbarmungslos auf das Land hernieder. Hier im Zentrum Israels kam es mir ärger vor, als „daheim“ in Beer Milka.
Nach einem schnellen Frühstück schritt ich noch einmal an Ben Gurions Grab vorbei und vor mir lag die der Negev, die ungezähmte Wildnis – durch die die Israelis eine Straße gebaut hatten – aber ich will nicht ablenken.

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DSC0202_miniÜber die Straße gehen war mir etwas zu langweilig, weswegen ich nach einem interessanteren Weg Ausschau hielt. Während mich der verbundene Grat einiger Hügelkuppen anlächelte huschte unterhalb meiner Position etwas vorbei. Zuerst dachte ich, ein Hirtenjunge hätte wohl ein paar Ziegen verloren, jedoch waren das Syrische Steinböcke, die nur ein paar Meter von mir entfernt ihres Weges gingen. Ob sie mich nicht bemerkten, oder einfach nur ignorierten konnte ich nicht sagen. Auch als Österreicher war ich nicht sooo fit, dass ich ihnen mit meinen Sandalen über den Hang folgen hätte können.

DSC0203_miniSchließlich entschied ich mich für die Wanderung zwischen den Abhängen, die aus der Distanz recht einfach wirkte. Erst mitten im Geschehen fiel mir auf, dass das Gelände hier eine Katastrophe war und musste meinen Plan vom schnellen voranschreiten revidieren. Etwas notdürftig wechselte ich auf die sichere Straße und wunderte mich, wieso mein „Weg“ von oben viel leichter ausgesehen hatte…

DSC0207_miniWährend also Helios über mir fleißig Wasserstoff in Feuer zerbombte fühlte ich mich wie ein einsamer Cowboy, dem man das Pferd gestohlen hatte. Und es war heiß. Richtig heiß.
In Amerika wäre ich wahrscheinlich ein paar Meilen weit marschiert, bis ich überhaupt wo wäre, aber Israel ist glücklicherweise viel kompakter. Schon nach wenigen Minuten grünte die Wüste.
Nicht, dass es zu Missverständnissen kommt – soooo klein ist Israel dann auch wieder nicht, dass man, wenn man nur lange genug nach Süden marschiert, irgendwo im Norden herauskommt – ich konnte selbst nicht erklären, wieso hier plötzlich überall grüne Büsche wuchsen und teilweise sogar Gras den Boden bedeckte.
Dabei war die Antwort ziemlich klar. Wegen dem ganzen Wasser.

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Vor mir lag der Ein Avdad Nationalpark. Einer der wenigen (wenn nicht sogar der einzige) Ort hier im Zentrum des Negev, an dem oberirdisches Wasser zu finden ist (sollte es noch andere geben – mir bitte ein Mail schreiben, da muss ich hin!).

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Nach dem Bezahlen des Eintritsspreises türmten sich die Wände der Schlucht wie Pfeiler um mich herum – und spendeten angenehmen Schatten. Es waren locker wieder 40°C.
Womit ich absolut nicht gerechnet hatte blitzte wie eine Fata Morgana vor mir auf: Wasser – in so einer Menge, wie ich es selbst in Tirol nur selten auf einmal in der Wildnis gesehen hatte. Es war mehr als bloß eine Lacke. Hier lag förmlich ein Weiher mitsamt Grotte. Nur Schwimmen war hier verboten… und es bleibt der Fantasie des Lesers überlassen, ob und wie sehr ich mich daran gehalten habe nicht in das kühle Nass zu steigen…

Jedenfalls war diese tröpfelnde Grotte noch bei weitem nicht das Einzige, was Ein Avdad zu bieten hatte. Es war notwendig, ein wenig zu klettern, bis ich die nächste Ebene der Terrassen erreichen konnte. Eine Etage höher lagen teilweise von Algen überzogene, grüne Tümpel. Wieder einmal in einer  Ausdehnung, wie es sich jemand, der die peitschende Wüste gesehen hat kaum vorzustellen vermag.

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Es scheint wirklich so zu sein, das alles auf diesem Planeten nach Leben strebt. Selbst so etwas „Unbelebtes“ das Wasser.

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Es folgten noch weitere Etagen und schließlich auch Höhlen, die über dem gesamten Tal thronten. Im Angesicht dieses – ich möchte jetzt nicht zu euphorisch klingen – Wunders begann ich mich zu fragen, wie viele andere Ort auf diesem Planeten noch existieren mochten, deren Existenz ich mir derzeit nicht einmal vorzustellen vermag. Vielleicht ist es genau das, was mich ständig dazu bringt, weiterzureisen… Einmal verweilte ich noch mit einem Blick zurück, als mir der heiße Wüstenwind entgegenfegte. Vor mir lag die Straße nach Avdad.

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