Hô Chi Minhs Mitternachtsimbiss

Mein Name ist Mario J. Schwaiger, ich bin IT-Ingenieur mit einer großen Passion für die Fotografie und habe 2012/13 im Zeitraum von fast einem halben Jahr Vietnam bereist, dort gearbeitet und versucht zu dokumentieren, was ich gesehen habe.

Es gibt für uns Europäer wahrscheinlich Orte auf diesen Planeten, an denen wir uns nicht so fremd fühlen, wie am Ende Asiens, am Ende der Welt.

Trotz allem habe ich versucht, verstehen zu lernen. Habe mich manchmal an Orten wiedergefunden, die womöglich kaum ein Tourist je gesehen hat und dennoch bin ich noch so weit davon entfernt, die Mentalität dieses Volkes – oder der Völker in Vietnam zu verstehen.

Anfangs war ich relativ lange in Saigon – oder Hô Chi Minh-Stadt, wie diese Metropole heute heißt. Die Stadtstruktur entspricht keiner der mir bekannten Logiken und die Adern der Infrastruktur fließen, wie ich es nie zuvor gesehen habe. In manchen Nächten bin ich durch die dunklen Gassen gehuscht, meine Kamera am Stativ, die Hand am Auslöser und das Auge am Sucher.

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Es ist schwierig, in Vietnam hungrig zu werden. In jeder Stadt und jedem Dorf wimmelt es nur so von Essensständen, die meist zu fairen Preisen verkaufen. Es sollte für etwa 20.000 Dong (~1$) zu haben sein. So habe ich eines Nachts wieder einmal meine Runden gezogen und versucht, die Lichter einzufangen, als ich in einer Straße gelandet bin, die eher nur von Einheimischen frequentiert wurde. An den Rändern waren Cafés und Küchen geöffnet.

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Ein Herr lenkte besonders meine Aufmerksamkeit auf sich – wie viele andere hatte auch er einen Gasgriller mit darauf positioniertem Wok und bereitete gegrilltes Fleisch, Gemüse und Meeresfrüchte zu.

Doch was mich sofort bannte war das Feuer, das er ständig entfachte. Manchmal kam mir der Gedanke, es handle sich nur um eine Art Werbegag – doch er war der Einzige, der diese Art der Zubereitung nutzte. Nach einigen Nahaufnahmen meinerseits, stellte sich auf meiner Seite der Pfanne heraus, dass die Stichflammen mit einer Intensität durch die Luft huschten, die nicht auf Jux und Tollerei schließen ließen.

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Zuerst goss er Öl in den Wok und heizte dasselbe an, bis es Feuer fing. Just in dem Moment schleuderte er mit einer gezielten Handbewegung die Rohmaterialien hinein und schwenkte permanent, bis sich die Brunst legte, kurz dampfte und er es nur noch garen musste.

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Da er mein Geknipse toleriert hatte, wollte auch ich ihm einen Gefallen tun, und meinen Mitternachtssnack bei ihm ordern. Dabei fiel mir auf, dass er neben seinem Haus gar keine Sessel hatte, sondern seine Kunden die Sitzmöglichkeiten der anderen Cafés nutzten oder die Speisen mitnahmen.

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Die Kellnerin des Cafés ihm gegenüber sprach etwas Englisch, sodass ich wusste, was ich ordern musste, um etwas Flambiertes zu erhalten. Meine Wahl fiel auf gebratenes Rind mit Reis und in Erwartung einer weiteren Stichflamme schielte ich von meinem viel zu niedrigem Plastiksessel aus auf den Koch.

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Doch es tat sich zu meiner Überraschung nichts und er brutzelte nur „normal“ vor sich hin.

Auf meine Frage und einiger Diskussion, da mein Vietnamesisch absolut zum Vergessen war stellte sich heraus, dass er hauptsächlich Meeresfrüchte und Schwein so zubereitete. Rind enthielt zu viel Wasser, alsdass diese Methode sinnvoll gewesen wäre. Etwas verwundert schlang ich mein Abendessen herunter. Es schmeckte hervorragend, doch blieb der Wermutstropfen.

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Zumindest hatte er sich einen guten Kunden geangelt. Des nächsten Abends erhielt ich nun endlich meine „feurigen“ Meeresfrüchte.

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