Durch Stadt, Wüste, Tal und Wässer nach Avdad (2)

Nach einigem Stufensteigen hatte ich den Ein Avdad-Nationalpark also hinter mir gelassen und mein nächstes Ziel war die Nabatäerstadt Avdad.

 

Kaum war ich über der Schlucht, fielen mir schon die ersten Busfahrer auf, die hilflose Touristen gegen Geld weitertransportieren wollten. Ein Alpenrepublikaner wie ich hingegen trotzt der Hitze und geht seinen eigenen Weg. In Tirol haben wir auch nicht überall Straßen, ich kann auch einen ausgetrockneten Flusslauf entlang marschieren.

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Bereits nach wenigen hundert Metern bereute ich die Entscheidung. Die Hitze hier war wirklich etwas übel. Zudem begann ich ernsthaft darüber nachzudenken, wohin ich eigentlich streifte. Nur weil die Straße und die Touristenfänger oben anfangs in diese Richtung führten heißt das noch überhaupt nichts.

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Aber fürs Zweifeln hatte ich keine Zeit. Spätestens, wenn ich absolut keine Ahnung mehr hatte, wo ich eigentlich war konnte ich immer noch umdenken.

Kennt der geneigte Leser eigentlich diese Geschichte schon?

Ein Rabbi fragt seinen Schüler:

„Was ist besser? Ein schnelles oder ein langsames Pferd?“

Der Schüler muss nicht lange nachdenken und antwortet:“Natürlich ein schnelles Pferd, Rabbi-Leben“

Worauf der Rabbi verneint:“ Falsch! Es kommt darauf an, ob man in die richtige oder in die falsche Richtung reitet“.

 

So in der Art ging es mir und ich war heilfroh, dass ich nur zu Fuß unterwegs war und mir keinen Jet der Armee ausgeliehen hatte.

Bis jedoch – ich musste zwei Mal hinschauen – Waren das Wölfe?

Im Schatten eines Felsvorsprungs kauerten zwei Tiere mit Fell, spitzen Ohren und einer Rute, von größerer Statur als Füchse.

Ich erstarrte. Hätte ich doch den Bus genommen, hätte ich doch den Bus genommen, hätte ich doch.. dachte ich immer wieder verzweifelt und versuchte selbstsicher zu wirken. Womöglich hatten diese Wölfe mehr Angst vor mir als umgekehrt. In jedem Fall wählte ich den größtmöglichen Wegradius um sie, sodass ich zumindest Zeit gewinnen konnte. Auch, wenn ich mit Sandalen auf Bachbett Geschwindigkeitseinbußen zu erwarten hatte…

Eieieiei…

Wuff! Wuff“ – jetzt bellte Isegrim auch noch und… Moment! Seit wann bellen Wölfe Menschen an? Noch dazu so penetrant wie die beiden? Ich hatte wohl in meiner Abenteuerlust die Erwartungen zu hoch geschraubt oder schon einen Sonnenstich. Da saßen lediglich zwei Promenadenmischungen und produzierten Lärm!

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Ich erinnerte mich an eine Erzählung von meinem Bauern: Viele Hunde in der Nähe von Siedlungen würden von den Thaiworkern erzogen und benähmen sich gänzlich anders als europäische oder israelische Hunde.

Wie bei arabischen Hunden, scheinen diese armen Wesen in ihrer Jugend oft von den Menschen geschlagen zu werden und nahezu besessen vom Eigentum ihrer Besitzer zu sein: Das bedeutet zwei Dinge:

  1. Sie bellen ständig
  2. Sie haben Angst vor Menschen

In Kambodscha und Vietnam hatte ich manchmal mit Hunden zu tun, die mir wirklich Angst machten aber ich erinnerte mich an meine Lektionen aus Israel:

Stehen bleiben. Einen Stein hochheben und den werfen. Wenn kein Stein in der Nähe ist reicht es, die Hand nach oben zu reißen.

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Ich wollte es überprüfen, ob es tatsächlich Hunde von Thaiworkern waren und warf einen Stein in ihre Richtung, der allerdings ob der Distanz nicht einmal mit viel Fantasie auch nur irgendetwas getroffen hätte.

Aber die Hunde reagierten wie erwartet. Kaum beugte ich mich, zuckten sie zusammen, als ich den Stein in der Luft hielt schreckten sie auf und kaum war der Stein geworfen, nahmen sie Reißaus.

Noch einige Zeit hörte ich die beiden mir nachbellen, was fast so klang, als wollten sie mich verfluchen, weil ich ihnen den schönen Platz streitig gemacht hatte…

 

Zumindest konnte ich jetzt ohne Gebelle den Weg fortsetzen, der mich immer weiter in die Wüste trug.

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Vor mir lag jetzt der Ausläufer des Avdad-Nationalparks. Einige Lacken abgestandenes Wasser voll mit Algen. Trotzdem faszinierend, es noch um diese Jahreszeit in diesen Mengen zu finden…

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Mit der Zeit wurden es immer weniger, bis es schließlich nur noch das Bachbett, ich und die Wüste waren…

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