Tage am Chinesischen Markt, Saigon

Ich weiß nicht mehr warum ich damals so häufig am Bình Tây Markt war. Gekauft habe ich abgesehen vom Obst eher selten etwas.

DSC0686_mini

Meine erste Reise dahin legte ich mittels Motorradtaxi zurück und stellte fest, dass dies etwa 10x so teuer war als mit dem Bus. Mit etwas Fantasie konnte man auch im Bus herausfinden, wann man da war. Hin und wieder fanden sich nette Studenten, die der Englischen Sprache mächtig waren und einem etwas verirrten Europäer sagten, wann er aussteigen musste.

Bei meinem ersten Besuch am Markt half mir sogar eine jugendliche Vietnamesin über die Straße. Ob sie einfach nur nett sein wollte oder ob ich an jenem Tag älter aussah als sonst konnte ich nicht mit Sicherheit feststellen. Glücklicherweise war ich den Verkehr in Saigon gewohnt. Wenn also die Mopeds angefahren kamen, habe ich mich aufgepumpt. Vielleicht ist das nicht immer die passende Strategie. Ich bin jedoch 1,90m, also ist es zumindest bei mir immer die richtig.

DSC0622_miniOftmals bin ich einfach nur den Markt selbst und seine Peripherie entlanggeschlendert. Obwohl er in den meisten Reiseführern als “Chinesischer Markt” bezeichnet wird, sind heute wahrscheinlich die wenigsten der Verkäufer Chinesen – wobei man sich manchmal ob der Enge an China erinnert fühlt.

Außerhalb des markanten Hauptmarktes ist die Auswahl im Stoffsektor enorm.

DSC0621_miniMehrmals rollten Autos durch die schmalen Gassen, die schon für die unzähligen Fußgänger zu eng waren, die den Mopedfahrern ausweichen mussten. Ich zog mich recht bald in das Hauptgebäude zurück, das ebenso zum bersten voll war. Im Untergeschoss verkaufte man Haushaltsgegenstände und für uns Westler recht kuriose Nahrungsmittel wie Vogelnester.

Mehrmals habe ich in Vietnam Häuser gesehen, die über bestimmte Löcher verfügt haben und die Nester entfernen zu können. Selbst probiert habe ich sie allerdings nie.

DSC0708_mini

Neben dieser etwas “eigenen” Speise fanden sich noch getrocknete Wurzeln und Kräuter… Wenn ich daran denke hätte ich mir gern einmal notiert, was das alles eigentlich war.

DSC0752_mini

DSC0747_mini

DSC0713_mini

Das Obergeschoss war für Vietnamesen interessanter als für Touristen, weswegen ich mich hier gleich wohler gefühlt habe. Die Stände wurden immer kleiner und das warf die Frage auf, wovon die Leute wohl leben würden. Die meisten dieser Verkaufsstände hatten auf den ersten Blick genau das gleiche wie die Nachbarstände… Vielleicht nur in anderen Farben.

DSC0723_mini

Von hier oben bemerkte ich bei meiner ersten Begehung auch, dass der Markt einen Innenhof hatte, der erstaunlich ruhig war. Die Erwartung, dass auch dort so viel los sei, wie herum, bestätigte sich nicht.

DSC0741_mini

In der Mitte erhebt sich ein Denkmal, das einst dem Erbauer des Marktes gewidmet war: Thông Hiệp. Heute findet sich jedoch keine Statue mehr von ihm hier, lediglich das Fundament und dessen Verzierung. In jedem Fall war hier der richtige Ort, eine kleine Verschnaufpause einzulegen.

Im Hinteren Bereich wurde zumeist Obst verkauft. Auch eine Frucht, die man mir als “Quả Gấc” vorstellte. Zum bloßen Verzehr war sie anscheinend nicht geeignet, wies mir die Verkäuferin mit wilden Gesten und schlechtem Englisch. Umso mehr behielt das Rote Teil eine Faszination auf mich. Eine Verkäuferin gestatte mir zwar netterweise sie ein wenig zu kosten, Geschmack hatte sie jedoch keinen…

Interessant war auch der Reliquenladen, der sich am hinteren linken Ende des Marktes befindet. Zwar konnte das Mädchen, das an der Kasse mit ihrem Mobiltelefon spielte nur schlecht Englisch – die Gegenstände selbst übten indes einen “Zauber” auf mich aus… Diese ganzen Amulette und Malas zeugten von der Mystik, von der man als Europäer zu träumen beginnt, wenn man an Fernost denkt.

DSC0754_mini

Irgendwo fand sich dann auch noch ein Essenstand mit Sitzgelegenheit. Ob meiner Größe lagen meine Knie fast höher als der Kopf aber immerhin konnte ich dem bunten Treiben in Ruhe bei einer Nudelsuppe zusehen.

Die Damen, die an den Häusern saßen verkauften Lebendgeflügel und daneben spielten Männer chinesisches Schach oder andere Brettspiele. Es war oftmals faszinierend ihnen dabei zuzuschauen. In Can Tho saßen einmal acht Leute um ein Schachbrett und es war nicht offensichtlich, wer gegen wen spielte – aber sie schienen immerhin viel Spaß zu haben….

 

Kommentar verfassen