Avdad (3)

Die Wasserlacken wurden immer weniger und irgendwann hörte auch der Flusslauf einfach auf. Zwischen Geröll und Rinne stand ich nun etwas verloren und dachte darüber nach, was jetzt wohl zu tun sei. Zu Anfang schien die Straße parallel zum Bachbett ausgerichtet zu sein, weswegen ich meinen bisherigen Pfad in ebendiese Richtung verließ.

 

Meine Entscheidung erwies sich als korrekt: Schon nach wenigen Metern stand ich auf der Straße und fühlte wieder die Adern der Zivilisation.

Im Hintergrund die von der Sonne verbrannten Hügel und Berge des Negev, verschiedene teilweise geschlossene Kleintierbauernhöfe und irgendwo mitten in die Wüste geworfene Container. Irgendwo in der Ferne jagten Sandteufel durch den Staub.

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Ich weiß nicht, ob ich diese Geschichte schon einmal erzählt habe: Bei diesen Wanderungen durch den Negev fielen mir die Sandteufel auf, die auch aus der Ferne gut zu sehen waren. Einmal passierte es mir in Hatzeva bei Idan, dass ich selbst in einen sehr Kleinen geraten war.

Bis auf sandige Augen und auf meinem Fahrrad hängengebliebenem Laub ist mir jedoch nichts passiert. Ich hatte Golan gefragt, wie diese Winde heißen und er erzählte mir, dass die Beduinen „Al Hul“ dazu sagen würden.

In alten Geschichten und Legenden ist die Rede davon, dass es sich hierbei um verlorene Seelen handle, die nach der Erlösung strebten.

 

Eine passendere Beschreibung hätte sich für diese einsame Kreisen durch die Unendlichkeit der Wüste ziehenden Winde wirklich nicht finden lassen, oft betrachtete ich lange, die Bahnen die sei in ihrem ewigen Streben zurücklegten.

 

Damit ich jedoch selbst nicht als solcher Wind endete schritt ich weiter der Straße entlang und hoffte, endlich in Avdad anzukommen. Mit der Zeit fing ich wieder an, Autos anzuhalten und wurde wie in Südisrael üblich recht bald aufgesammelt. Ein freundlicher Israeli in einem schwarzen Audi war so nett und drückte mir auch gleich einen Apfel in die Hand. Ich muss wohl durstig ausgesehen haben…

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Nach jedoch nicht einmal fünf Minuten Fahrt tauchten Ruinen links neben der Fahrbahn auf und er fragte mich, ob ich dahin müsse. Nachdem das Sitzen nach der Wanderung eine doch sehr angenehme Alternative war dachte ich kurz über eine Ausrede nach, was sich jedoch nach einem Schild auf dem gut lesbar „Avdad“ stand als obsolet herausstellte.

Ich dankte nochmals, knusperte an meinem Apfel weiter, lief in das Museum und schaute mir im überdachten und klimatisierten Eingangsbereich die Doku über die Ruinenstadt an. Gleich drei Mal. Nicht jedoch, weil sie so gut war.

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Die ersten Gebäude lagen am Fuße des Hügels und ich war erstaunt, was die alten Nabatäer hier geleistet hatten. Trotz brennender Nachmittagshitze war es in den Räumlichkeiten doch ausgesprochen erträglich. An den Wänden liefen Geckos auf und ab, die meinen Bewegungen mit ihren großen Augen folgten.

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Das erste Bauwerk schien einmal ein Badehaus gewesen zu sein. Die Tradition der heißen Dampfbäder war wohl schon vor dem Auftauchen von Arabern und Türken bekannt und beliebt. Ich hingegen dachte lieber an die kühlen Wässer des Nationalparks….

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Auch mussten die Nabatäer gute Winzer gewesen zu sein. In den im Hügel gefundenen Höhlen fanden sich haufenweise Amphoren – und auch die Temperaturen lagen auf dem Niveau eines Weinkellers.

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Ganz oben am Gipfel lag die Ruine der Festung auf deren Vorplatz heute der israelische Magen David weht.

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Dahinter noch eine Befriedung, darum nur Trümmerhaufen. Als Laie konnte ich höchstens erahnen was hier errichtet wurde, bevor die Nabatäer von der Bildfläche verschwunden waren… Großteils fand sich keinerlei ausgehangene Information über die vielen bunten herumliegenden Tonscherben und Splitter.

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Trotz dieser verhältnismäßig großen Fülle an Ruinen, die dieses Volk hinterlassen hat ist heute immer noch recht wenig über sei bekannt. Insbesondere in Israel wird jedoch viel zu dem Thema geforscht, was genau sie nicht hinterlassen hatten. Dazu zählt vor Allem das Wissen um die Landwirtschaft, das sie womöglich mit ins Grab genommen haben.

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