Phu Quoc für Profis

So wirklich die „Nacht meines Lebens“ wollte es nicht werden. Der Bus holperte auf irgendwelchen Straßen immer weiter ‚gen Westen durch die Nacht. Hin und wieder schrie jemand in sein Telefon und ließ den ganzen Bus an seinen sozialen Fertigkeiten teilhaben.

Man erinnert sich auch nur selten an Nächte, in denen man gut geschlafen hat, von daher weiß ich auch noch, dass ich auf diesen sehr knapp in ihrer Länge bemessenen Liegen nicht so wirklich das tun konnte, wofür sie konzipiert waren: Schlafen. Es fehlten etwas mehr als 20cm zu meinem Glück – etwas euphorisch konnte man meine Schlafstellung als den „Embryo im 10. Monat“ bezeichnen.

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Wir waren auf dem Weg von Saigon nach Rach Gia und ich hatte wieder einmal eine Nachtfahrt gebucht. Irgendwann gegen 4 Uhr schreckte ich auf einmal hoch.

Der ganze Bus war gleißend hell erleuchtet und es spielte laute Vietnamesische Musik. Im ersten Moment meinte ich, wir seien angekommen, doch nein, wir fuhren noch gut eine halbe Stunde. Weiterschlafen konnte ich nicht, wach sein auch nicht und alles dazwischen war zwar nicht zufriedenstellend, aber auch nicht lösbar.

 

Irgendwann hielten wir doch und jetzt musste ich wohl oder übel wach sein und aussteigen. Eigentlich sollte es noch einen Transfer zum Hafen geben, doch wo der sein sollte konnte uns niemand sagen. Stattdessen sammelte sich langsam eine beängstigende Menge an Tuk-Tuk-Fahrern um uns herum, die sich irgendwelche Fantasiepreise für zwei Kilometer ausdachten. Die Fahrtbegleiter konnten kein Englisch und kein Vietnamesisch. Der Bus fuhr irgendwohin weiter und wir standen, umzingelt von Motortaxifahrern am Platz. Die meisten der anderen Touristen gaben recht schnell nach und zahlten brav. Ich verhandelte – und konnte mir nichts herausschlagen.

Neben mir gab es noch ein chinesisches Pärchen, das sich ebenso weigerte mehr zu zahlen als notwendig und etwas ratlos dastand. Ich hingegen wollte Glück mit Instinkt mischen, schulterte meinen Rucksack und stapfte durch die kühle Morgenluft in ‚gen Meer.

Diese riesige Menge an Wasser ist so gigantisch. Es sollte schwerer sein, an ihr vorbeizugehen, als sie zu finden – ein paar Touristen, die schon vor mir hier waren erzählten mir Tage zuvor, dass der Weg nicht so schwer zu finden und zu Fuß zurücklegbar sei.

 

Neben der Straße bauten inzwischen zahlreiche Leute ihre Marktstände auf. Als ich nach dem Weg fragte, konnte mir keiner weiterhelfen. Was „Hafen“ auf Vietnamesisch hieß konnte ich nicht einmal ahnen. Auch das Finalziel meiner Reise – Phu Quoc half mir nicht sonderlich weiter.

Ich bedankte mich trotzdem mit einem „Cam on“ bei der älteren Dame, die immer noch nicht so recht wusste, was ich denn von ihr wollte.

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Etwa hundert Meter vor mir war ein Wegweiserschild aufgestellt. Nur mit den Informationen darauf wusste ich herzlich wenig anzufangen. Genau jetzt trat der chinesische Herr von Vorhin auf mich zu und meinte, er wisse den Weg. Etwas überrascht fragte ich, ob er denn Vietnamesisch könne. Er verneinte – aber ihn hatte ein anderer Verkäufer scheinbar besser verstanden als mich. Den nächsten Teil des Weges legten wir also gemeinsam zurück.

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Uns allen rannen die Schweißperlen von der Stirn. Nach dem verlassen des Busses war es fast eiskalt gewesen, aber langsam heizte sich die Luft zu ihrer gewohnten Temperatur auf. Als dann auch die ersten Sonnenstrahlen am Horizont auftauchten glitzerte uns auch das Wasser eines Meerkanals zu. Wir waren da.

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Vor uns lag der Hafen von Rach Gia. Das Schiff sollte erst in ein paar Stunden losfahren, deswegen aßen wir drei noch gemeinsam zu Frühstück. Es gab wie immer Nudelsuppe – und danach einen Kaffee, der so süß war, dass man erst gar keine Sachertorte dazu essen musste.

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Nachdem einige Schiffe bereits abgelegt hatten, waren auch wir bald an der Reihe und fuhren immer weiter in den Golf von Thailand hinaus. Vorbei an vielen kleineren Inseln, die ich auf der Karte gar nicht gesehen hatte. Mehrmals schlief ich dabei ein. Das Schiff hatte zwei Klassen – und ich verstand nicht so wirklich, wie ich es geschafft hatte, in die erste zu kommen. Eine englische Gruppe hatte für ihr Ticket genauso viel bezahlt wie ich und saß im Gegensatz zu mir nicht auf einem bequemen Sofa, sondern auf einer Holzbank…

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Am Ende haben wir auf der größten der ganzen Inseln angelegt – und hier begann auch mein nächstes Abenteuer: Phu Quoc.

 

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