Phu Quoc – ich erfinde mir meine Insel

Als wir am Hafen ankamen wurden wir von den etwas chaotisch anmutenden Fahrern, die die Touristen in ihre Hotels brachten getrennt. Ohnehin war die Wahrscheinlichkeit, dass auch meine chinesischen Freunde dasselbe Hotel hatten wie ich eher gering.

 

Hotel auf Phu Quoc

Hotel auf Phu Quoc

In Saigon hatte ich einen Englischen Universitätsprofessor kennengelernt, der eine Vietnamesin geheiratet hatte. Diese wiederum stammte ursprünglich aus Phu Quoc und ein Teil ihrer Familie lebte noch dort. Ein Teil dieser Familie betrieb ein Hotel und durch meine Bekanntschaft erhielt ich einen recht guten Preis.

 

Eigentlich waren die vietnamesischen Spratlyinseln (Quần đảo Trường Sa) meine erste Wahl gewesen, im Reisebüro hatte man mir dann jedoch Phu Quoc eingeredet. Im Nachhinein ist es immer interessant, wenn man darüber nachdenkt, was passiert wäre, wenn man einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Bis heute habe ich die Spratly-Inseln nicht betreten. Mein Wunsch ist es nach wie vor… vielleicht bringt mich ja die Zukunft dahin?

 

Zurück auf Phu Quoc: Recht bald hatte ich mein Domizil erreicht. Es war eine kleine, angenehme Wohnanlage nahe dem Strand. Trotz seiner Lage auch in toleranter Gehreichweite zum Hauptort Duong Dong (Auch, wenn ich nicht daran glaube, dass es Vietnamesen gibt, die diese Strecke nicht mit dem Moped fahren…).

Zuerst sah ich mich um, dann begrüßte ich die Familie, betrat meinen Raum, positionierte das Gepäck. Und legte mich ins schlafen.

Die Busfahrt war anstrengend genug und wenn man schon auf so einer Insel war, dann wollte man sie ja schließlich auch genießen.

 

Am Abend erwachte ich in meinem, vom omnipräsenten Insektenschutz präparierten Bett. Wie immer war es schon um 6 dunkel geworden und ich hatte mich immer noch nicht daran gewöhnt, wie rasch das ging. In Europa ist es, wenn es warm ist immer bis mindestens 10 hell. Hier war es um 6 genauso hell wie um 10…

 

Als ich mein Zimmer verließ bemerkte ich einen anderen Gast. Eine hübsche, junge vietnamesische Frau, die mit Kameramännern angereist war. Aus Interesse, was sie hier mache stellte ich mich vor und fand heraus, dass ich es mit Thanh Thúy Hà zu tun hatte. Eine Moderatorin der Vietnam News Agency. Soweit ich weiß moderiert sie Sonntags das Nachrichtenprogramm. Während meiner Reise lernte ich noch andere Moderatorinnen kennen und brachte es am Ende selbst zu einem kleinen Beitrag im Vietnamesischen Fernsehn.

 

Ihr Team wollte über die Fischsaucenfabrik berichten, die nahe des Hotels war. Gerade hatten sie einen Drehtag beendet und bereiteten sich zum gemeinsam Essen vor. Es war ausgesprochen freundlich und großzügig von ihnen, mich auch einzuladen. Ein Taxi brachte uns zu einem der vielen Restaurants, die einen angenehmen Blick auf das Meer boten.

 

Die Kellnerin bat mich, kurz mitzukommen, um einen Fisch auszusuchen. Meine Englischkenntnisse waren leider für die Bestimmung von Fischarten ungeeignet. Womöglich hätte ich auch auf Deutsch nicht gewusst, was ich wollte…

Meine neue Freundin beriet mich netterweise auch in der Wahl des Fisches und ich erhielt etwas Aalähnliches mit sehr zartem Fleisch.

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Als Vorspeise erhielten wir gefüllten Tintenfische. Mir schmeckten diese in Vietnam wesentlich besser als hier. Bis heute würde ich gerne wissen, womit die gefüllt werden.

Dazu gab es Tiger-Bier. Für mich als jemanden, der eigentlich nie Alkohol trinkt ein gewisser Alptraum, da es an Stärke den tschechischen Bieren, von denen die Vietnamesen anscheinend ihre Braukunst haben in nichts nachsteht.

Glücklicherweise konnte ich es bei einigem eher lieblosen nippen belassen.

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Danach flanierten wir noch dem bunten Fischmarkt entlang.

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Es war außergewöhnlich, was hier alles zum Verkauf angeboten wurde. Teilweise waren mir diese Fische gänzlich unbekannt. Einige sahen aus wie Barrakudas und ich wunderte mich, wie die wohl schmecken würden. Es wurde spät, wir tauschten noch die Kontaktdaten aus – des nächsten Tages würden sie und ihr Team wohl früher aufstehen als ich.

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Ich für meinen Teil beschloss, nie wieder in der Nacht eine Busfahrt zu machen…

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