Im Vorhof des Heiligen

Dass Hebron keine Stadt ist die von Tagestouristen lebt, merkt man recht bald. In den meisten Städten finden sich an der Busstation hinweise auf den weiteren Verbleib im Ort. Hier war ich auf mich alleine gestellt. Ohne Stadtplan, ohne Idee wohin, geführt von der Hoffnung. Natürlich wollte ich die Machpela sehen und ging einfach der Straße entlang, vermutend irgendwo etwas zu finden, was mich zur zweitheiligsten Stätte des Judentums führen würde.

 

Nur leider gab es keine Schilder die auch nur irgendwie nützlich waren. Recht sprach ich einen Herrn an, der sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als einer der Orthodoxen dieser Stadt identifizieren ließ. Höflich fragte ich auf Englisch nach dem Weg, worauf er ausrief, dass er mir natürlich helfen werde und ich ihm folgen solle. Wir gingen ein Stück gemeinsam und er fragte mich, ob ich wisse, warum Hebron den Juden gehörte. Ich antwortet, dass Israel das Gebiet doch seinerzeit erobert habe und… „Weil es in der Tora steht, dass es uns gehört!“ unterbrach er mich, ohne meiner „weltlichen“ Antwort Aufmerksamkeit zu schenken. Hier war ich wohl auf den „harten Kern“ gestoßen, er erzählte mich noch was in der Tora stünde. Mir wurde eine Nachdenkpause gestattet und sogleich hielt er – wieder ohne meine Antwort abzuwarten – ein Auto an. Dem Fahrer erzählte er, dass der junge Herr neben ihm zur Machpela wolle, worauf mich der Autofahrer hereinwinkte.

Ich bedankte mich, verabschiedete mich flüchtig und der Wagen fuhr schon ab. Der Fahrer fragte mich, wo ich den bleiben wolle. Meine Reiseliteratur gab keine Auskunft über Nächtigungsmöglichkeiten, weswegen ich antwortet, dass ich schon irgendwas finden würde. Er machte ein finsteres Gesicht und konzentrierte sich stärker auf die Fahrbahn.

Wir waren wohl im alten Teil der Stadt. An den Straßenrändern lagen überall Steine herum, arabische Jugendliche schlenderten umher, einige blieben stehen und sahen uns nach.

Ich fühlte mich unwohl. In Hebron werden regelmäßig israelische Autos und Busse attackiert. Ein paar Wochen vor meiner Reise flogen wieder Steine.

Golan meinte vor meiner Abreise, dass ich mich nicht sorgen müsse, Palästinenser würden keine Touristen attackieren. Wenn sich die Sicherheitshinweise häuften käme weniger ausländisches Geld in ihre Gebiete. „Außerdem…“ fügte er noch hinzu „siehst du nicht aus wie ein Israeli“.

 

Wenn man meinen Vornamen hört, sehe ich zwar recht bald wie ein Italiener aus, aber ich habe Israelis getroffen, die um einiges deutscher wirken als ich, weswegen ich nachfragte, warum ich nicht wie ein Israeli aussähe.

 

Golan zeigte auf meine Sandalen. Kein Israeli trägt solche Sandalen wie du. In der Tat hatte ich europäische Trekkingsandalen an. Er zeigte auf seine. „Israelis tragen solche. Die sind hier sehr beliebt.“

 

Jetzt saß ich also in einem Auto von jemanden, der offensichtlich Jude war und meine Sandalen halfen mir nicht sehr viel. Zwar wirkte mein Hemd doch sehr „unorthodox“ aber… meinem neuen Freund schienen weder die Araber noch meine „legere“ Kleidung etwas auszumachen.

Er sorgte sich darum, wo ich schlafen könne.

„Wir haben einige hundert Jeschiva-Studenten aus Jerusalem hier, die über den Schabbat in Hebron bleiben“, er behielt seinen konzentrierten Blick bei „Auch in meinem Haus sind schon drei, ich würde dich sonst bei mir schlafen lassen“.

Wir kamen in eine schmale Gasse, in der er die Geschwindigkeit verringern musste, um scharf abzubiegen. Ich sorgte mich immer noch darum, ob alles gut gehen würde.

 

Machpela

Machpela

„Kennst du jemanden in Jerusalem?“ fragte er mich schließlich. „Ja“ und dachte dabei an meinen Kollegen vom Österreichischen Auslandsdienst in Yad Vaschem.

„Dann werde ich dafür sorgen, dass du nach Jersualem kommst“. Wir waren da. Vor uns erhob sich wie eine Festung die Machpela. Er sprach kurz von seinem Fenster aus zu einem der Gläubigen vor dem Monument und zeigte schließlich auf ein Auto. Komm in einer Stunde hierher. Er wird dich nach Jerusalem bringen.

 

Er bedauerte nochmals, dass er mir keine Unterkunft anbieten konnte und zückte, als er sich von mir verabschiedete eine Visitenkarte. „Chairman of the Jewish Community of Hebron“ stand darauf.

Vor mir tummelten sich ein paar Juden und ich machte mich frisch und zog etwas formaleres als meine Reiseklamotten an.

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Von der Jüdischen Gemeinde Kronstadt in Rumänien hatte ich einst eine feine Kippa in Weiß erhalten. Diese setzte ich jetzt auf und besuchte das Grab der Väter….

Danke an die Jüdische Gemeinde Kronstadt/Braşov

Danke an die Jüdische Gemeinde Kronstadt/Braşov

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