Vietnamesische Weihnachten

Eigentlich wollte ich ja eine gewisse Kontinuität beim Erzählen meiner Geschichte wahren, nur bemerke ich, dass Weihnachten dieses Jahr besonders früh fällt und ich eigentlich noch gar nicht in Mui Ne angekommen bin, sondern noch auf Phu Quoc festsitze. Wenn der geneigte Leser, der meine Geschichten bisher verfolgt hat dieses Faktum ignoriere, dann kommt jetzt eine Weihnachtsgeschichte…

 

Am 24. Dezember 2012 war ich gerade in Mui Ne angekommen. Ausgerüstet mit einem Moped, das ich mir von einem zwielichtigen Herrn ausgeliehen hatte fuhr ich viel in der Gegend herum und entdeckte ein Fischerdorf südlich des von den Touristen überschwemmten Gebietes.

Recht bald wich die Straße einem sandigen Pfad und die Häuser einer unbewohnten Küstenlandschaft.

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Den Tag verbrachte ich großteils hier, umgeben von einem Friedhof und den riesigen Wellen des Südchinesischen Meeres. Am Abend rollte ich mit meinem Blechkübel nach Phan Thiet und beobachtete das vietnamesische Treiben an Weihnachten.

 

Es war irgendwie fremdartig. In einem Land, in dem vielleicht ein Sechstel der Bewohner jemals Schnee mit eigenen Augen gesehen hatten, in einem Gebiet, in dem es wahrscheinlich noch nie Schnee gab zierten Weihnachtsmänner auf weißer Wolle die Dächer.

_DSC0394_mini_DSC0214_miniWährend mir als Mitteleuropäer schon die langen Hosen etwas zu heiß wurden liefen hier Nikoläuse mit Wintertracht, Zipfelmütze und Sonnenbrille herum und schienen das Spektakel auch noch zu genießen.

An den Straßenrändern schienen mir kitschig beleuchtete Krippen entgegen. Teilweise auch in Überlebensgröße.

Nur etwas habe ich leider nie gesehen – und von kaum etwas hätte ich lieber ein Foto gemacht: Ein vietnamesisch anmutendes Jesuskindlein. Mir war zu Ohren gekommen, dass in China Jesus manchmal als Chinese dargestellt wird. Selbiges musste ich auch nach mehreren Kirchenbesuchen für Vietnam leider verneinen.

Leider sehr europäischer Jesus...

Leider ein sehr europäischer Jesus…

Ein paar Kirchen spielten vor großem Publikum im Freien Bibelszenen und auch wenn ich nicht verstand, was gesagt wurde, so konnte ich doch immer wieder mit etwas Fantasie über die Namen heraushören an welcher Stelle sie gerade waren.

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Mit vielem hatte ich in einem Lande so fern meiner Heimat gerechnet. Nur etwas so banales wie Bibelszenen am Heiligen Abend? Damit wohl nicht.

 

So folgte nach dem Abendessen noch eine Rundfahrt durch die Stadt und schließlich wollte ich zurück in mein Gästezimmer. Doch anstatt eines vietnamesischen Jesus bekam ich ein gänzlich anderes Schauspiel zu sehen, das es wohl nur in Vietnam gibt: Ein Mopedstau.

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Die Haupstraße gegen Süden war voller Mopeds. Anfänglich war es noch erheiternd, schließlich jedoch gab es weder vor, noch zurück. Ganz links zwängten sich wie Wassertropfen in einem verstopften Rohr Gegenverkehrsteilnehmer durch. Bis auch diese Ambitionen gestoppt wurden. Die rechte Spur weitete sich auf die ganze Linke aus. Und auf den Gehsteig.

 

Überall waren Mopedfahrer. Manche alleine, manche mit Freundin – hin und wieder gebrauchten auch einige Väter ihr einspuriges Gefährt als Familienkutsche. Die paar Autofahrer taten mir irgendwie Leid. Viele waren es nicht, aber vermutlich war ihre Situation noch aussichtsloser als meine, wie sich bald zeigen würde.

 

Denn langsam verlor auch ich etwas die Geduld und tendierte nach links, da hier noch mehr frei war.

 

Im Endeffekt ein fataler Fehler.

_DSC0307_miniDie Erstversuche der Polizei waren noch lustig. Einzelne Beamte standen auf verlorenem Posten, „bewaffnet“ mit bunt leuchtender Stange und Motorradhelm zeigten sie etwas hilflos in die Richtung in die ohnehin alle fuhren.

 

Doch je länger der Stau andauerte, desto mehr Beamte marschierten auf. Was mich verwunderte, war, wie rasch das Problem gelöst wurde, als nur genug Uniformierte den Ton angaben.

 

Alle Mopedfahrer auf der Gegenverkehrsfahrbahn sollten sich auch als solche benehmen. Und retour fahren. Nach rechts war es unmöglich sich durchzuschlagen und zeigte auch dem einzigen ortsunkundigen Nichtvietnamesen der Polizist, wohin er zu fahren hatte. Diskutieren brachte nichts. Erst recht nicht, da ich auf Vietnamesisch gerade einmal Nahrungsmittel zuweisen konnte. Und ihm jetzt mit „Nudelsuppe“ oder „heißem Kaffee“ zu kommen hätte nicht viel gebracht.

 

Bin dann wohl irgendwo gelandet...

Bin dann wohl irgendwo gelandet…

Mehrere Versuche, eine Ersatzstraße zu finden ließen mich am Ende auf einer Überlandstraße das ganze Gebiet abfahren. Weihnachten war in weite Ferne gerückt, aber ich hatte einen Berg gefunden, den ich besteigen wollte. Was die Religion an diesem Abend zurückgetreten ist, kam den Gipfel wieder näher…

Noch mindestens 20km bis nachhause...

Noch mindestens 20km bis nachhause…

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