In der Machpela – Hebron

Es fällt einem etwas schwer, sich in Israel unsicher zu fühlen. Zumindest, wenn die IDF präsent ist. Wie in jedem Reiseführer wurde auch ich in dem meinigen vor Reisen in die Autonomiegebiete gewarnt. Menschenansammlungen, etc. sowieso.

Auch viele Israelis haben Hebron aufgrund der potentiellen Gefahr noch nie besucht, was ich nach der Fahrt durch die Altstadt nachvollziehen konnte. Nach meinem Besuch gab es einige Zwischenfälle mit Toten und ich kann die Sorge verstehen – auch mir geht oftmals beim Lesen der Schlagzeilen der Gedanke durch den Kopf „das hätte ich sein können“.

 

_DSC0853_miniDoch über dem Eingang der Machpela erhob sich ein Turm mit Soldaten, der mir wieder mehr Mut machte. Nach dem Eingang folgte ein Korridor mit Nische für Gebete, Studien und vielleicht auch Gottesdienste.

 

Bewaffnet mit Tallit und Psalmenbüchleich setzte ich meinen Weg fort. Da die Umgangssprache wieder einmal Hebräisch war wusste ich nicht wo ich war oder hingehen soll. Geschweige denn, wo die Gräber waren.

_DSC0854_miniRechts von mir erblickte ich einen kleinen Raum, der schlicht aber doch geschmückt war. Im Gegensatz zum leicht belebten Rest war hier allerdings niemand. Irgendwas konnte ich hier fühlen. Eine einzigartige Atmosphäre. Nach einigem Umsehen hat sich jemand im Raum eingefunden und ich konnte fragen, wo ich sei.

“Das weißt du nicht?” fragte er “Du bist genau zwischen den Gräbern von Avraham und Sarah”. Es war atemberaubend und an das Gitter gestützt versuchte alles auf mich wirken zu lassen. Anstatt die Erfüllung, die ich erwartet oder erhofft hatte gab es nur neue Fragen.

Wenn ich hier in Israel bin, um nach Gott zu suchen. Wieso sollte er bei den Gräbern hier näher sein, als in der Wüste, wo ich arbeite oder in Lienz wo ich den Großteil meines Lebens verbracht hatte. Warum genau hier?

_DSC0858_miniDiese Frage wurde von einem Studenten in Mea’Schearim meiner Meinung nach gut beantwortet und ich stimme ihr zu, daher möchte ich sie auch niederschreiben: Gott ist hier nicht näher. Aber die Menschen geben dem Ort durch ihre Gebete so viel Kraft, dass man sich hier näher fühlt.

Der andere Pilger hat mich gefragt, ob ich Tfillin legen kann. “Nein”, musste ich gestehen, ich kenne weder das Gebet, noch den Ablauf.

Er hat es mir gezeigt und zum ersten Mal in meinem Leben konnte ich sie legen.

Dieses Gefühl werde ich wahrscheinlich niemals vergessen. Aber eines ist merkwürdig dabei:

Wenige Stunden zuvor war ich Beer Scheva, wo mich zwei orthodoxe Juden gefragt hatten, ob ich Tfillin legen kann. Diese hatten es mir dann allerdings freundlich aber bestimmt verweigert, da ich Nichtjude bin.

Leider gibt es aus dieser Szene kein Foto. Vielleicht hätte das aber auch die Erfahrung gemildert.

 

Inzwischen war auch die Zeit verstrichen und ich befürchtete meine Mitfahrgelegenheit zu verpassen. Das Auto stand noch da, nur den Besitzer konnte ich nicht ausfindig machen.

Die Juden, die herumstanden konnten mir nicht weiterhelfen, alle waren zu Besuch hier, hatten eine Unterkunft, kannten den Fahrer nicht.

 

Ein älterer Herr hat mich wohl schon länger beobachtet, wie ich die immer neu auftauchenden Personen fragte, ob sie nach Jerusalem fuhren und kam auf mich zu – „Ich kann dir leider auch nicht helfen“ meinte er etwas bedrückt auf Englisch „aber du wirst hungrig sein. Ich überlasse dir gerne etwas von meinem Lunchpaket“.

 

Tatsächlich war ich inzwischen hungrig geworden und dankte für das Angebot. Während dem Essen auf einer der Stufen vor der Machpela wurde ich zumindest ruhiger. Inzwischen verstrich die Zeit und es wurde immer später… Was würde wohl passieren?

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