Wo ist denn der Gipfel? (1)

_DSC0006_miniIrgendetwas! Es kann doch nicht sein, dass ich einfach auf der Insel hocke und Nichts tue!

Ich halte es generell nicht lange aus, einfach nur still in der Gegend herum zu sitzen und mich vom vorherigen Tag, an dem ich nichts getan habe zu „erholen“.

 

Also begann ich im Internet nach Wanderrouten für Phu Quoc zu suchen und wurde fündig. Oder besser: Nicht fündig, was ich erhofft hatte.

Damit war mir das Monopol sicher und aus ein paar selbstgefundenen Routen könnte ein nettes Büchlein entstehen. Phu Quoc war touristisch durchaus ausbaufähig. Vielleicht auch für Wanderer und Bergsteiger?

Wanderstiefel hatte ich dabei, ein paar Hügel gab es auch, was jetzt noch fehlte, war eine Karte auf der ich den Weg einzeichnen konnte. Und genau hier fing das Problem an…

Wo bitte sollte ich hier eine topographische Karte mit den Erhebungen herbekommen? Zunächst fiel mir in meinem „Lonely Planet“-Reiseführer eine Karte auf, die ein paar relevante Erhebungen gezeigt hat. Nur mit dem kleinen Maßstab konnte ich kaum etwas anfangen…

 

_DSC0010_miniAlso wurden alle Unterkünfte abgeklappert und deren Rezeptionisten höflich gefragt, ob sie eine Karte besäßen. Das Hotel neben mir hatte eine selbstgedruckte Karte auf A4, die die wichtigsten Orte zeigte, jedoch keine Erhebungen. Danach gab es entweder gar nichts oder eine Touristische mit den schönsten Stränden und Aussichtspunkten. Nutzlos für meine Zwecke. So führte mich der Weg nach Duong Dong, wo man mir im Postamt eine große Karte anbot. Hier passte zwar der Maßstab, der Informationsgehalt war jedoch endenwollend… Nachdem die einzige Alternative dazu eine hässliche Touristenkarte im Papierfachgeschäft war, die mehr Platz brauchte, aber alles kleiner abbildete entschied ich mich für die „offizielle Karte“. Mithilfe der wesentlich detaillierteren Version in meinem Büchlein trug ich markante Punkte ein und am nächsten Morgen sollte der Marsch, die Hügel neben der Straße zu bezwingen beginnen.

 

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie eine Dschungelwanderung gemacht. Im österreichischen Hochgebirge war ich zwar daheim, aber alles, was unterhalb der Baumgrenze lag war ohnehin eher fad. Hier gab es keine Grenze in dem Sinne, überall waren Bäume, das konnte die Sache doch nur besser machen.

Hier muss man gehen, um nach oben zu kommen...

Hier muss man gehen, um nach oben zu kommen…

_DSC0022_miniMit viel Fantasie fragte ich mich bei Hotels und Passanten durch, wie ich am Besten zum Gipfel käme. Die meisten Personen reagierten erstaunt darauf, dass Leute freiwillig auf Bollwerke der Natur steigen würden, versuchten mir aber weiterzuhelfen und nach einigen Umwegen erreichte ich ein paar Bauernhöfe oberhalb der Straße.

 

Vorbei an einem Friedhof...

Vorbei an einem Friedhof…

_DSC0027_miniWeder die Gebäude selbst, noch der Weg dahin fand sich auch in nur

Zumindest war die Aussicht hübsch

Zumindest war die Aussicht hübsch

einer der Karten wieder. Schließlich erreichte ich den höchstgelegenen Hof und wurde freundlich aber verwundert empfangen. Auch sehr erfreut, da sich endlich einmal ein Fremder hierherverirrt hatte. ABER – man versicherte mir, es gäbe einen Weg nach oben – ich musste nur über den Stacheldraht klettern und konnte das Ziel praktisch nicht verfehlen. Nun ja. „Weg“ war übertrieben. Vielleicht fließt hier ja in der Regenzeit Wasser… Aber Weg war das keiner.

 

Der "Eingang" zum Aufstieg

Der „Eingang“ zum Aufstieg

Nichtsdestotrotz erkämpfte ich mir eine Schneise durch das Buschwerk. Die Dornsträucher und Dornpalmen störten mich extrem, schließlich hatte ich ja kein Werkzeug dabei. In Österreich brauchte ich das auch nie…

Nachdem beide Arme voll mit Stacheln waren bereute ich diese nutzlose, störrische Haltung und beschloss, anstatt den Gipfel zu erreichen, lediglich eine Runde zu gehen und an einem anderen Punkt wieder aus dem Dschungel herauszukommen. Ohne Buschmesser war der Aufstieg zum vergessen.

Allerdings wollte ich noch etwas herausfinden. Es war ein äußerst lautes, schrilles Geräusch zu hören, das ich nicht einordnen konnte. Vermutlich kam es von einer Zikade – zu sehen war nichts.

So gut es ging wollte ich es lokalisieren und die Quelle ausfindig machen, kaum war ich jedoch verhältnismäßig nahe – verstummte es.

Dafür tauchte es ganz woanders wieder auf.

In jedem Fall – ich hatte genug für heute. Ständig musste ich irgendwelche Blätter wegstoßen, Dornen aus meiner Haut ziehen oder mich an den Bäumen entlanghanteln, um nicht ganz auf das mehr oder weniger stabile Geröll angewiesen zu sein.

Irgendwann lagen anstatt der gewohnten kleinen Steine plötzlich zwei etwa 1m voneinander getrennte Felsen vor mir. Sicher, ich war ob der Hitze und dem eher nutzlosen Kampf mit dem Urwald geschwächt, aber normalerweise springe ich wie eine Bergziege herum, wenn alles nur hoch genug liegt.

Auch in diesem Fall setzte ich an, sprang…

Schmerz. Die Baumkronen und der Himmel blitzten vor mir auf und ich war im freien Fall. Schließlich der Aufprall.

 

Leicht benommen richtete ich mich auf und schaute auf meine Füße:

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Ein Gedanke zu „Wo ist denn der Gipfel? (1)

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