Reise nach Jerusalem

Ich hatte wirklich schon alle Hoffnung verloren, an diesem Freitag nach Jerusalem zu kommen. Der Besitzer des Wagens ließ sich nicht ausfindig machen, die ganzen Gläubigen, die sich inzwischen vor der Machpela eingefunden hatten waren wohl eher ob des Empfangs des Schabbats hier, als zu einer (Rück-)Reise nach Jerusalem.
Langsam aber sicher ließ auch die Temperatur nach, der Hitze des Tages folgte die angenehme Kühle des Abends, die mich nicht zur Ruhe kommen ließ – im Gegenteil.
Im Hintergrund fanden sich immer mehr Soldaten ein, sodass ich schon fast dort nachgefragt hätte, ob jemand am Schabbat frei bekommen wird – jedoch – wie aus dem Nichts hielt plötzlich ein Auto vor mir.

„Du bist der, der nach Jerusalem möchte?“ fragte der Fahrer in schlechtem Englisch. Ohne überhaupt zu verstehen, was das bedeutete, bejahte ich sicherheitshalber. Als ich „Jerusalem“ hörte und das Fahrzeug in meinem Blickfeld hatte, war der ganze Rest ausgeblendet.

Er deutete auf den Beifahrersitz und zeigte, dass ich doch einsteigen solle.
Während der Fahrt kam die Unterhaltung wie ich sehr bedaure nicht ganz in Gang, meine Retter sprachen nur sehr wenig Englisch. Am Rücksitz saßen noch zwei züchtig gekleidete junge Frauen. Ob ich denn jemanden in Jerusalem kenne, wollte der Fahrer wissen. Mir fiel nur mein Vorgänger in Yad Vashem ein. Seine Nummer hatte ich und rief ihn auf der Fahrt mehrmals an. Kein Erfolg.

Wie sich später herausstellte war er gerade irgendwo demonstrieren…
„Dann habe ich wohl niemanden, in Jerusalem“, meinte ich resignierend „ich werde mir wohl irgendein billiges Hostel nehmen“. Der Fahrer machte eine ablehnende Geste – er kenne etwas „Keine Sorge“.

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An einigen Brücken und Tunnels war schon wieder dieses Portrait eines älteren Herrn mit Hut hinaufplakatiert worden, ich hatte das schon so oft gesehen! Natürlich alles auf Hebräisch, das ich damals weder verstand, noch lesen konnte.
Die Israelis würden das sicher verstehen, was das bedeutete! Seine Jünger klebten es ohnehin auf jede mögliche oder unmögliche Wand, also war es nur eine Frage der Zeit bis es wieder… „Was bedeutet der alte Mann da“ fragte ich in meinem einfachsten Englisch, auf das Poster zeigend.

Die beiden Mädels hinten lachten herzlich auf, berieten sich kurz und entschieden der Einfachheit halber zu sagen, „Nobody, hihi, forget him“. Was meine Neugierde alles Andere als befriedigte.

Der Lubawitscher Rebbe

Der Lubawitscher Rebbe

Erst später habe ich erfahren, dass es der Messias sein sollte, oder einer der ganzen Messiase. Es gibt noch mindestens einen anderen, jüngeren in Tel Aviv der wesentlich unfreundlicher dreinschaut als der gute Rabbi Schneerson.
Um uns herum wurde es immer dunkler, die Städte größer und auf einmal tauchte auch die berüchtigte „Apartheidsmauer“ auf. Zumindest denke ich, dass sie es war. Sie sah genauso aus, wie die Straßenabsperrung auf der Autobahnzufahrt Wien-Süd. Auch war sie etwas kürzer als Mauer in meiner Heimat.

Ob der Wall, der die burgenländischen Autofahrer davon abhält einfach so von überall auf die Autobahn aufzufahren (die Österreicher hier werden den Witz verstehen…) ebenso eifrig von der Weltpresse debattiert wurde, wie das Stückerl hier in Israel konnte ich mangels Presseberichten zum Ersteren nicht recherchieren.

Es war absehbar, dass die nächste Stadt Jerusalem sein würde. Das Erste, was ich von der „Stadt von Gold“, wie sie in einem Lied beschrieben wird gesehen habe hatte mich eher an eine etwas größere Stadt in Mittelitalien erinnert.
Es scheint, als ob selbst die möglicherweise Heiligste aller Städte wie eine etwas größere Stadt in Mittelitalien wirkt, wenn man sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
Wo ich übernachten würde wusste ich noch gar nicht. „Kennst du Mea’Schearim?“ fragte der Fahrer. Natürlich hatte auch mein Reiseführer vom „letzten Stedtl“ geschrieben, vom Ort, wo die Charedim leben, dem Gebiet, wo… „Ich bring dich nach Mea’Schearim“.
„Ja, sicher“ lachte ich auf, „natürlich“.

Als wirklich von einer Sekunde auf die Andere überall Ultraorthodoxe herumliefen, blieb mir das Lachen etwas im Hals Stecken. Wir hielten vor einer Talmudschule.

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