Der Weg in den Dschungel

Als ich bei der vorherigen Wanderung durch die Bäume ‚gen Meer geblickt hatte war ich mir nicht sicher, ob mir meine Augen einen Streich spielten, oder ob da wirklich jemand eine Statue mitten in den Wald gebaut hatte. Aufgrund meiner Verletzung und der Hoffnungslosigkeit des Unterfangens war zwar der erste Versuch gescheitert. Die Figur hingegen behielt ich im Hinterkopf.

Heute sollte mich mein Weg zumindest zur Statue führen. Nachdem die Karte allerdings unbrauchbar war, ich einen Grünzeugschneider dabei hatte, der unbedingt getestet werden wollte tat der Motivationsüberschuss sein übriges und ich zielte darauf ab, mir eine direkte Route vom Waldbeginn gegenüber der Straße bis zur Statue zu hacken.

Die Sense leistete hervorragende Arbeit. Tatsächlich konnte ich mit ihrer Hilfe sogar verhältnismäßig dicke Äste in einem Hieb zerschneiden. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass sich ein schilfähnliches Buschwerk vor mir auftat, das ich ob der schieren Menge an Pflanzen nicht entfernen konnte. Gerechnet hatte ich viel mehr mit einem Dickicht ähnlich der des Vortages, doch quantitativ war hier wesentlich mehr.

Es lag weniger an meiner Ausrüstung als an der Physik – wahrscheinlich wären auch motorisierte Geräte ob des ganzen Grünzeugs stecken geblieben. Vielleicht hätte ich mit Feuer mehr Erfolg… Vorläufig war wohl ein taktischer Rückzug die beste Idee. Die Statue muss doch auch anders zu erreichen sein.

_DSC0573_mini_DSC0578_miniAls ich die Straße entlangschritt fiel mir eine Pagode auf. Rechnete ich richtig, so müsse ich in etwa ab deren Höhe Richtung Inselmitte marschieren.
Rechts vom Tempel führte ein unscheinbarer Weg genau dahin. Als ich diese Route eingeschlagen hatte, war bald in der Ferne eine Statue zu sehen. Es folgte noch eine Treppe und vor mir stand Quan The Am.

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Oftmals hatte ich Vietnamesen über sie befragt. Obgleich man mir jedes Mal etwas anderes erzählte, betonte jeder ihre Güte. Fast überall in Vietnam stehen ihr zu Ehren Statuen.
Hier überblickte sie nicht nur den Dschungel vor der Pagode, die hinter ihr errichtet wurde, sondern auch das endlos scheinende Meer.

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Die Pagode selbst war sehr schlicht gehalten. Mir liefen ein paar bellende Hunde nach, die _DSC0591_minisich jedoch wieder verkrochen als ich hinter dem Gebäude angekommen war. Hier lag – etwas verwildert ein Friedhof. Vor den normalen Gräbern lagen pyramidenförmig _DSC0606_minigeschichtete Steinhaufen. Dahinter folgten die regulären Grabsteine mit den in Vietnam häufig präsenten Swastiken, die einen Österreicher hin und wieder etwas fragend da stehen lassen…

_DSC0605_miniBis zum Ende meines Aufenthaltes konnte ich mich nicht ganz an den Anblick des Zeichens gewöhnen. In Europa wurde die Swastika ja mit derart vielen Emotionen aufgeladen, dass es unmöglich scheint, sie je wieder in dem Kontext zu verwenden, in dem sie eigentlich stand. Hier in Vietnam waren allerdings die Japaner während des 2. Weltkrieges präsenter als die Deutschen, somit würden vielleicht einige Vietnamesen in Gegenwart der japanischen Rising Sun Flag, der „Kyokujitsuki“ ähnliche Gefühle empfinden.

Der Friedhof schloss mit dem Dschungel ab. Hier stand noch eine letzte Buddhaansammlung auf einem Stein, bevor es steiler wurde und nur mehr Wald zu sehen war.
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Ein gutes Omen, um meine Dschungelwanderung zu beginnen.

Ein Gedanke zu „Der Weg in den Dschungel

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