Durch die Berge Phu Quocs

_DSC0619_miniDie Sense in der Hand, der Dschungel vor mir und entschlossenen Herzens sollte ich den Aufstieg diesmal zu schaffen. Er war nicht ganz so dicht wie beim letzten Mal, aber die Steigung war höher.

_DSC0623_miniErst jetzt erkannte ich den größten Vorteil meiner Sense – mit ihrer Hilfe konnte ich Höhenunterschiede leichter zurücklegen – indem ich mich mit ihrer Spitze an den Bäumen festkrallte.
Die Dschungel in Vietnam sind gänzlich anders als die Wälder in Österreich. Die permanente Schwüle machte mir mehr und mehr zu schaffen. Womöglich könnten mir irgendwelche Tiere gefährlich werden. Das Problem stellte sich alsbald als unproblematisch heraus. Nur ein paar Ameisen schienen mich nicht zu mögen.

_DSC0640_miniWährend meiner Zeit als Lehrer in Kambodscha gab es einmal „Ameisensauce“ als Beilage. Ich vermutete, dass sich die vietnamesischen Cousins jetzt bei mir rächen würden. Sie schienen zur selben Art zu gehören, nur hatten die roten Khmer-Ameisen Angst vor Menschen, während die roten Vietnam-Ameisen sich in meiner Haut verbissen und es mich einige Anstrengung kostete, sie wieder loszuwerden. Diese Biester sind widerstandsfähiger als man meint…

_DSC0681_miniOft wurde ich später gefragt, ob es denn viele Vögel hier gäbe. Nun ja, bei einigen Wanderungen achtete ich darauf, aber ich kann mich an keinen erinnern. Statt dem Zwitschern der österreichischen Wälder war lediglich dieses seltsame Kreischen wie am Vortag präsent.

Die Stunden vergingen und mir tropfte der Schweiß über die Stirn. Irgendwann musste ich doch die Spitze erreichen? Zwar lag die Baumgrenze viel zu niedrig, alsdass dort wirklich ein Aussichtspunkt wäre, aber das war das Tagesziel. Mit der Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, wie gefährlich mein Unterfangen eigentlich war. Niemand wusste wo ich bin… und seit etwa einer Stunde nicht einmal mehr ich selbst.

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Vielleicht würde nach einer Pause alles etwas anders aussehen.
Um nicht wieder den Ameisen zum Opfer zu fallen, stand ich auf einem markanten Felsen, als ich meine Jause verspeiste und starrte in das Dickicht. Auch, wenn ich inzwischen an einer unmöglichen Stelle war war, so hatte es zumindest etwas Einzigartiges: Ich war wohl der erste Mensch, der je hier war!

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_DSC0770_miniEin paar Schritte weiter fand ich ein altes Tintenglas und einen Trampelpfad. Welch Ironie – immerhin: das war jetzt etwas interessanter. Wer mag hier entlangmarschiert sein? Teilweise war der Weg wieder mit stacheligen Büschen vollgewachsen.  Meine Sense konnte damit allerdings wesentlich besser umgehen als meine bloßen Hände am Vortag. Binnen weniger Hiebe war der Weg wieder frei und das Passieren möglich.

Es häuften sich auch ein paar Plastisäcke an und auch sonst war nicht wenig Müll hier. Eigentlich war ich fast von einer Erstbesteigung ausgegangen und jetzt sah es hier so aus, wie im Basislager des Mount Everest?

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Endlich hörte der Wald auf und der Boden war von seltsamen Kräutern bedeckt. Die Sonne blendete mich etwas, hatten doch im Dschungel die Bäume fast alles Licht abgehalten. Ein wunderbarer Augenblick – mit einem Male war die hohe Luftfeuchtigkeit auch weg. Eine kurze Waldpassage hatte ich noch vor mir, dann strahlte im Sonnenlicht eine bewirtschaftete Fläche vor mir. Bewohnt war die Hütte nicht, aber zumindest sollte ich wieder zurück kommen…

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Nur… War hier seltsamerweise kein Weg. Zwei Mal lief ich die Grenze des Grundstücks ab – und es gab keinen Weg? Wie um alles in der Welt kommt der Besitzer hier herauf?

Stabheuschrecke

Stabheuschrecke

Doch entdeckte ich im Wald ein kleines Bächlein, dass ins Tal sprudelte. Wasser sucht sich erfahrungsgemäß immer den kürzesten Weg.
Trotz des Baches, der die Primärarbeit geleistet hatte, fühlte ich mich wieder ein bisschen wie beim Heckenschneiden. Die Palmen und Dorngewächse wollten nicht weniger werden.

Letzten Endes wurde es immer luftiger, bis…

Irgendjemand hatte mitten im Dschungel einen Zaun aufgestellt? Warum auch immer, in meinem Fall war das ein gutes Zeichen. Schon wenige Meter weiter stand das erste Haus. Meine Wanderung war vorbei.

Kaum stand ich vor dem Haus, lief ein kleiner Bub heraus und blieb verwundert stehen. Wohl hatte er mich nicht kommen sehen und nicht damit gerechnet, dass jemals 1,91m große Weiße aus dem Wald kommen würden…

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