Yadi und die Palästinenser

Mein künftiger Arbeitsplatz

Mein künftiger Arbeitsplatz

Nach meiner ersten Zusammenkunft mit einem Wunderrabbi konnte ich endlic meinen Vorgänger treffen, der gerade von irgendeiner Demonstration zurückgekommen ist.

Am nächsten Morgen brachte er mich zu meinem künftigen Arbeitsplatz nach Yad Vaschem.

 

Aussicht von Yad Vashem

Aussicht von Yad Vashem

Es war bezeichnend, dass ich mich genau an jenem Tag vorgestellt habe, an dem ein deutscher Freiwilliger seine Abschlussfeier hatte. Der gesamte deutschsprachige Teil der Belegschaft war anwesend und hatte fast eine kleine heimatliche Enklave in Israel gebildet. Die Stimmung war ausgelassen und besonders einen „Kollegen“ habe ich gut in Erinnerung.

 

Meine Kollegen

Meine Kollegen

Sein Name ist Yadi Herschkovitz und er wurde, nachdem ihn seine Mutter in jungen Jahren verstoßen hatte von den Mitarbeitern im „Caravan“, einem hinteren Teil von Yad Vaschem gepflegt und schließlich sogar von jemandem adoptiert. Mit seiner Adoptivmutter bin ich noch einige Zeit in Kontakt gestanden. Sie meinte, dass er sich wohl wegen der traumatischen Erfahrungen in seiner frühen Kindheit oft komisch benähme.

Soweit kam es aber erst etwas später, zu diesem Zeitpunkt wurde der Kleine noch von allen durchgereicht und gefüttert.

Ich hatte seine Mutter kurz getroffen, als ich in den Container gehen wollte. Sie war gerade beim Stillen seiner Geschwister. Ein paar Fotos von ihr gelangen, sie fühlte sich dann aber belästigt und rannte vor mir weg.

Vielleicht hätte ich noch erwähnen sollen, dass Yadi ein Kater ist…

 

Yadis Mutter

Yadis Mutter

Wer ihm was zukommen lassen möchte – er ist auch auf Facebook: https://www.facebook.com/yadi.hershkovitz

 

Der kleine Yadi

Der kleine Yadi

Zurück in meiner geliebten Wüste

Zurück in meiner geliebten Wüste

Nach dem Kennenlernen musste ich wieder zurück in die Wüste. Am Jerusalemer Busbahnhof war es nicht so einfach den richtigen Bus nach Beer Scheba zu finden. Lediglich auf Ivrit kam es es zur Unterscheidung zwischen Bummelbussen und Expressbussen, die eine Stunde Fahrtzeitunterschied hatten.

Ein Soldat stand in meiner Schlange, jedoch konnte er kein Englisch. Eine Araberin mit Kopftuch bot mir netterweise ihre Hilfe an. Sie müsse auch nach Beer Scheba und stellte dem Herrn von der Armee dieselbe Frage in derselben Sprache. Worauf er auch sie bedauernd ansah.

„Kannst du Hebräisch?“ wollte ich von ihr wissen – „Nein, nur Englisch und Arabisch – du?“ „Deutsch und Englisch“. Jemand anders half uns dann weiter und fügte hinzu, wir sollen noch 20 Minuten warten, dann würde der schnellere Bus abfahren.

 

Obwohl ich erst eine gewisse Respektdistanz aufgrund ihres islamischen Touches eingehalten habe konnte ich gut mit ihr reden. Sie war aufgeschlossen, kam aus Betlehem und studierte in Eilat. Die obligatorische Frage von wo ich sei, beantwortete ich mit „Austria“, worauf sie sagte, dass es in Australien sicher sehr schön sei. Danach folgte ein etwas peinlicher Dialog. Sie kannte mein Heimatland überhaupt nicht.

Von Wien müsse sie doch wissen, jedoch überraschte sie die Tatsache, dass da noch ein unbekanntes Land drum herum ist. Eine Hauptstadt war es sicherlich, gab sie zu. Doch von welchem Land?

Von Mozart hatte sie nie gehört, somit waren auch Haydn und andere Komponisten irrelevant – und zu meiner eigenen Schande fiel mir kein wirklich berühmter Österreichischer Schriftsteller oder Maler ein. Jelinek liest niemand gerne, Nestroy und Grillparzer sind auch nur gebildeten Landsleuten ein Begriff. Tiroler Künstler wie Egger-Lienz würde sie nicht kennen, Klimt hätte ich sagen sollen! Sonst… Auf Nietsch kann man nicht stolz sein.

Somit blieben Sachertorte, Mozartkugeln, Schnitzel und der große Schatten von Goethe und Schiller aus dem Norden. Österreich war Genießern vorbehalten. Dichter und Denker lobten unser Land meist wegen der schönen Landschaft und der Kulinarik…

 

Sie versuchte die Situation zu retten:“Seit wann ist Österreich unabhängig?“

„Seit 1945, bzw. 1955…“ – „Na, das ist noch nicht sooo lange her, da ist es kein Wunder, dass ich es nicht kenne“. „… und bevor wir an Deutschland angeschlossen wurden waren wir das größte Land Europas“.

„Ups…“

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