Einblicke in Yad Vashem

_DSC0390_miniDa die letzten Wochen „Jerusalem-Wochen“ waren, habe ich mich entschlossen, zeitlich etwas vorzuspringen und schon in Yad Vaschem zu arbeiten.

 

Yad Vaschem liegt etwas außerhalb von Jerusalem – direkt neben dem Herzl-Berg, an dem, wie auch in anderen Teilen der Stadt ein angenehmer Wald angelegt wurde. Benannt ist er nach prominenten Herrn, der hier begraben liegt – Theodor Herzl.

 

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

Vordigitalisierung

Vordigitalisierung

Die Zeit, die ich in Yad Vaschem gearbeitet habe, war großteils von der Vorbereitung zur Digitalisierung geprägt. Wir waren die Ersten, die eingegangene Pakete und Dokumente zu sehen bekamen. Teilweise waren es Gerichtsprotokolle, manchmal Zeitzeugenberichte und einmal erhielten wir sogar einen handgeschriebenen Brief, in dessen Kuvert sich auch ein „Judenstern“ befand. Ein sehr befremdendes Gefühl, derartige Relikte zu Tage zu fördern – und auch anfassen zu können. Bisher hatte ich den „gelben Fleck“ lediglich in Museen vorgefunden (und in einem Wiener Antiquitätenladen).

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_DSC0320_mini_DSC0331_miniIm heutigen Artikel ist es mir wichtig, dass ich auch einige Fotos von damals veröffentlichen kann. Als aktiver Mitarbeiter von Yad Vashem waren die Richtlinien äußerst restriktiv. Jetzt möchte ich ein paar meiner Bilder, die mir gefallen haben online stellen.

Mein Lieblingsfoto

Mein Lieblingsfoto

_DSC0312_miniOftmals war es interessant, die Werke, die man mir gab zu lesen, nur wurde das leider von der Museumsleitung nicht immer gern gesehen. Was für mich Bildung aus Primärliteratur war, war für meine Chefs unproduktive Zeit. Dennoch versuchte ich, so viel wie möglich von dem zu lesen, was ich nummerierte.

 

Einmal hatte ich eine ganze Charge von kopierten Passen übernommen. Teilweise trugen sie einen Vermerk einer österreichischen (!) Vertretung im Ausland – während des Zweiten Weltkrieges. Bis heute habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wie und warum das möglich war. Ab 1938 war Österreich ein integraler Bestandteil des deutschen Reiches. Es gibt heute ja auch keine ausländische Vertretung der gefürsteten Grafschaft Tirol.

Pass mit Inhaber und Frau

Pass mit Inhaber und Frau

Für mich waren die Pässe nicht wirklich aufregend. Oftmals fielen mir jedoch die Zusätze im Pass auf: „Länder für welche dieser Reisepass gilt“. Ursprünglich hatten viele nur europäische Nachbarstaaten aufgelistet – die später durchgestrichen wurden und mit „Für alle Staaten der Welt“ ersetzen.

Meine Aussicht

Meine Aussicht

Das fand ich wiederum interessant, dass Pässe damals teilweise auf Länder limitiert sein konnten. Ebenso, dass bei manchen verheirateten Paaren die Frau nur als die Frau des Inhabers gelistet wurde.

Eine Freundin meinte damals zu mir, dass sie die Pässe recht erfrischend fand, da sie endlich einmal Bilder von den Menschen gesehen hat und nicht nur (deren) Texte.

 

Meine Arbeitsmittel

Meine Arbeitsmittel

Wir nannten den Keller, in dem wir vordigitalisierten spaßhalber „Bunker“, da er unter der Erde gelegen und ob der Kühlung recht „frisch“ blieb. Meine Lieblingskollegin damals hatte an den „Bunkertagen“ immer eine Decke mit. Die Augusthitze Jerusalems fühlte sich nach diesen Intermezzi immer angenehmer an als sonst.

 

Als Österreicher wächst man in einem Land auf, in dem es kaum Klimaanlagen gibt. Die Israelis hingegen sind geradezu klimaanlagenverrückt. Noch gut kann ich mich an Streitereien erinnern, weil es meinem russischen Kollegen zu warm und mir zu kalt war.

Oft habe ich in Yad Vaschem an die Wüste zurückgedacht, in der ich Äcker angelegt hatte, deren Sand und Hitze ich widerstanden und sie am Ende sogar lieben gelernt habe…

Katzen in der jerusalemer Augsthitze

Katzen in der jerusalemer Augsthitze

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