Gite Jidn in der Wüste

So wunderschön Israel auch war, so Kraft raubend waren diese zweitägigen Reisen, die ich immer unternommen habe. Einfach ruhig daheim zu bleiben schaffte ich auch nicht. Also fragte ich Golan, ob er nicht eine Idee für mich hätte.

 

_DSC0015_miniIn der Nähe von Kziot existierten es noch bauliche Überbleibsel aus der osmanischen Zeit. Ein alter Wasserturm beispielsweise – und wenn ich mich anstrengte fände ich sicher noch ein paar andere interessante Sachen. Golan wusste, dass ich mich sehr für Geschichte interessierte; für mich stand die Route schon ab dem Wort „Wasserturm“ schon fix.

 

_CSC0021_miniAm nächsten Morgen begann ich den Tag früh auf und radelte bis nach Beer Milka. Ab heizte die israelische Hitze in ihrer gewohnten Intensität – glücklicherweise war mir die israelische Armee ein Vorbild und mein Wasserbehälter war stets griffbereit.

 

_DSC0004_miniAb der Hauptstraße reflektierte der Asphalt die Sonne noch stärker und vor der Kreuzung zum nächsten Yeschuf hielt ich eine Hydrierpause. Ein für diese Jahreszeit unbequem bekleideter Herr schaute hier vor seinem Auto in die Gegend und ich fragte ihn auf Englisch ob ich ihm irgendwie helfen könne. Er erwiderte, dass alles gut sei und aufgrund seines Akzentes fragte ich, auf Deutsch nach, ob er denn auch meine Muttersprache beherrsche. Etwas erstaunt, dass dieser seltsame Wüstenstraßenradfahrer auch Deutsch konnte hatte er sich wohl bei seiner Antwort ein wenig versprochen, weswegen ich im Gegensatz zu seiner ersten Response diese missverstand und für Jiddisch hielt. Ejn giter Jidde mog jo euch Deitsch varschtejn.

Der Dialekt meiner Region ist etwas älter, weswegen ich mir mit dem Verständnis von Jiddisch sehr leicht tue. Mit etwas Mühe und noch mehr Phantasie, wie sich die Laute wohl beugten konnte ich es in Grenzen auch aktiv sprechen:“Oy, du rejdest Jiddisch?“ rief ich ihm zu.

 

Was er mit einem schiefen Blick konterte:“Ich spreche Deutsch!“ – zumindest hatte ich das Eis gebrochen (was bei der Hitze nicht schwer war… ha ha ha…)

Eitan hieß der Kollege und er wollte sich hier in der Region Land kaufen, um medizinische Kräuter anzubauen. Der nordwestliche Negev war verhältnismäßig „kalt“ und für wählerische Pflänzchen somit gerade richtig. Er war auf dem Weg in die nächste Siedlung und wollte dann zum Mitzpe Ramon. Der solle ja wirklich schön sein entgegnete ich – worauf er mich einlud, mitzukommen – und ich zusagte, mein Fahrrad in den Kofferraum quetschte und wir in den Yeschuf fuhren.

 

Die Regel „niemals bei Fremden einsteigen“ gilt in Südisrael nicht, da alle Menschen, die einen mitnehmen nett sind.

 

Leere Cafés sind in Nahost ein sehr seltener Anblick

_DSC0024_miniDer Yeschuf war allerdings nahezu menschenleer. Die, die immer da waren hatten wohl gerade Mittagspause, selbst im Café fand sich kein Einziger und mein neuer Freund fand die für das Land zuständigen nicht. Zumindest erklärte ihm jemand, dass dieser kleine Ort nicht von der Landwirtschaft lebte wie bspw. Beer Milka gleich um die Ecke._DSC0026_mini

 

_DSC0027_miniFür mich war das ein Glück – damit sollte ich diesen riesigen Krater eher sehen. Bis dahin wusste ich nicht, dass entlang der Grenze zu Ägypten eine Straße verlief. Sie war zwar nicht so großzügig ausgebaut wie die Haupstaße des Negev weswegen ich vermutete, dass sie ursprünglich für militärische Zwecke konzipiert war. Im Gegensatz zur Hauptroute kamen hier die Eigenheiten der Region stärker zum tragen. Die auf der ägyptischen Seite stehenden veralteten Polizeistationen, denen der Zahn der Zeit zusetzte, die Kurven in den Gebirgszügen und die unendlichen Weiten dieser grandiosen und gleichzeitig gnadenlosen Landschaft.

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Mizpe Ramon

Mizpe Ramon

Eitan hatte beruflich auch mit der Nationalparkbehörde zu tun, weswegen ich auch einfach so ins Zentrum mitgehen konnte. Mit dem Geschäftlichen hatte ich wenig am Hut, was es mir erlaubte diesen extrem Krater in Ruhe zu betrachten. NICHT jedoch vom Wüsten-Informationszentrum aus. Hier hatten diese verrückten Israelis wieder ihre unsäglichen Klimaanlagen laufen…

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