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Alltägliche Arbeit im Touristenzentrum des Mitzpe Ramon

Alltägliche Arbeit im Touristenzentrum des Mitzpe Ramon

Mein neuer Freund war mit seinen Erledigungen fertig geworden, benötigte aber länger als geplant. Mit einem gestressten „Ok, yalla bye“ verabschiedete sich Eitan im Gehen von seinen Kollegen.

 

Sowas müsste ich auch sagen können dachte ich bei mir und rief zurück:

„Ani yalla gam“

Man sah mich einen Moment an und brach in schallendes Gelächter aus. Hatte ich etwas falsch gemacht?

„Ani“ heißt „ich“.

„Gam“ heißt „auch“.

„Yalla“ heißt doch „gehen“?

 

Eitan musste etwas mit sich ringen, um wieder zur Fassung zu kommen und wollte wissen, was ich sagen möchte. „’Ich gehe auch‘. Und ‚yalla‘ kann man doch mit ‚gehen‘ übersetzen?“

 

„Ja! Aber nur, wenn du Beduine bist und deinem Kamel zurufst, dass sich bewegen soll!“ lachte er auf „’Yalla‘ heißt gar nichts, das sagt man einfach nur. Genausogut hättest du sagen können, dass du Eseltreiber bist“

 

Richtig… Eine goldene Stunde der Übersetzung lag hinter mir, aber immerhin waren 2/3 meines Satzes korrekt und ich durfte etwas dazulernen.

 

_DSC0097_mini_DSC0102_miniEitan erreichte inzwischen eine wahre Zeitnot und entschuldigte sich bei mir, dass er mich weiter weg von Kziot herauslassen müsse. Kein Problem, dann soll es eben der Bus sein. Wir verabschiedeten uns und ich radelte zur Haltestelle. Während des Wartens merkte ich dass mir das Wasser ausgeronnen war; dachte nach und erblickte einen Armeeposten gleich in der Nähe.

 

Mit dem Fahrrad rollte ich auf den Eingang zu und winkte der Wache, die mich unschlüssig ansah. Auf Englisch fragte ich nach Wasser und hielt eine Flasche hin. Der Jugendliche Soldat, der kaum älter als ich war nahm sie etwas unsicher, ging in die Wachstube und hatte sie aufgefüllt.

„Toda raba“.

 

Wer noch nie in Israel war kann sich kaum vorstellen, wie unproblematisch der Umgang mit Uniformierten hier ist. Wenn das nur in allen Ländern der Welt so wäre…

 

Der Bus fuhr ein und der Fahrer erklärte dass ich einmal umsteigen müsse, was nach ein paar Minuten Fahrt auch passierte.

 

Dann behinderte ein kleiner Fehler das Weiterkommen:

_DSC0098_miniKaum ein Busfahrer kannte den Ort Beer Milka – immerhin hatte diese Siedlung keine Busanbindung. Daher gab ich meist die nahe Endstation Nitsana an. Diesen Namen konnte ich mir aber schlecht merken – ich hatte immer noch eine Art „Ivrit-Overkill“ und machte oftmals „Nitsanea“ daraus, was keinen Sinn ergab. Wenn der Busfahrer schlecht gelaunt war antwortete er ob sein Fahrzeug dahin ginge mit einem „Nein“ und ich konnte nur raten, ob die Antwort ihren Ursprung in der Route oder in der Frage hatte.

 

Vermutlich hatte sich gerade der Nitsana-Busfahrer verabschiedet.

Der letzte für heute.

 

_DSC0105_miniAls Alternative blieb zumindest der kostenfreie Privattransport durch Dritte.

Erstmalig in meiner Anhalter-Karriere stoppte ein Audi-Fahrer, der sich jedoch wieder entschuldigend verabschiedete als er merkte, dass mein Fahrrad nicht in seinen Kofferraum passte.

 

Ob Golan weiterhelfen konnte? Ich rief ihn an und fragte, ob es möglich sei, mich abzuholen. Ihm war es zu weit, aber er versprach, sich etwas einfallen zu lassen. Tatsächlich klingelte keine zehn Minuten später mein Handy. Ja, gleich komme jemand, teilte er mir mit.

 

Eine Freundin von ihm hatte in Beer Scheba zu tun und war gerade auf dem Heimweg, als er sie erreicht hatte. Ihr Weg ging ohnehin über diese Haltestelle (oder war nur ein kleiner Umweg), weswegen sie mich (und mein Bike) gerne mitnahm (sie besaß einen Pick Up).

 

Während der Fahrt sprachen wir über Dieses und Jenes und kamen auch auf Tirol. Ich erzählte vom Südtirol-Konflikt, der ja bis heute noch nicht ganz abgeklungen ist.

1918 annektierte Italien aufgrund des Kriegsausgangs und der Unfähigkeit des amerikanischen Präsidenten Land, in dem die Mehrheitssprache Deutsch war.

Unter Hitler sollten die deutschen Südtiroler entweder Italiener werden oder ihre Heimat verlassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten mehrere separatistische Gruppen Anschläge auf Polizeistationen und Zuggeleise durch, wobei sich Österreich und Italien sich immer wieder in diplomatische Scharmützel stürzten. Erst, als Österreich 1995 der EU beitreten wollte kam es zu etwas Ähnlichem wie einem Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern. Doch gelöst ist das Problem noch lange nicht…

 

Die Fahrerin hatte bis dato von diesem territorialen Konflikt wenig gehört und lauschte den Worten sehr überrascht. Irgendwann schüttelte sie ungläubig den Kopf und meinte: „Und dieses Europa schimpft mit uns…“

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