Archiv für den Monat: März 2014

Reise nach Mui Ne

_DSC0270_miniHô Chi Minh Stadt ist ein Wunder. Ich habe Schwierigkeiten, mir eine Stadt vorzustellen, die ähnlich viel zu bieten hat. Zwar ist die Aufregung, die Geschäftigkeit, das Viele von Vielem für eine gewisse Zeit ein wahres Feuerwerk für die Augen und den Geist, doch wird es auf Dauer einfach nur viel – und je öfter man seine Schritte über die Flüsse setzt, die Pagoden ansieht und den undisziplinierten Motorradfahrern etwas in seiner Sprache nachschreit, dass sie einen nur ja nicht verstehen desto mehr wird man selbst zu Saigon oder weiß, dass man gehen sollte.

_DSC0271_miniMit Stift und Zettel bewaffnet durchsuchte ich eine Straße voller Reisebüros nach dem günstigsten Tarif. Alle Touristen wollen nach Mui Ne – das sollte auch mein Weg sein! Ein wenig musste ich handeln, war aber mit dem Preis nicht unzufrieden – und irgendwie boten ja auch alle Veranstalter insofern das Gleiche, keiner erzählte mir, dass und warum sein Bus mehr hätte.

So vergingen die letzten Tage in der Hauptstadt des Südens wesentlich ruhiger – meine Abreise stand bevor und ich konnte das bunte Gemisch an allem was man hier zu bieten hatte gelassen an mir vorbeirauschen lassen.

Der Sprache immer noch nicht mächtig, verabschiedete ich mich mehr mit Gesten von meinen sehr lieben Gastgebern und war etwas traurig darüber – wir konnten nie wirklich miteinander sprechen, aber man hatte mich sehr gut behandelt.

Ein letztes Mal schaute ich noch in die Đề Thám-Seitenstraße und machte mich durch die dunklen Gassen auf den Weg zum Reisebüro – auf den Bus wartend.

Wir fuhren in den Sonnenuntergang hinein. Diesmal hatte ich zwar darauf geachtet keinen Nachtbus zu erwischen, aber wenn es schon um 6 finster wird, lässt sich die einbrechende Dunkelheit nur schwer vermeiden. Im Bus bin ich einem Vietnamesen mit exzellentem Englisch begegnet. Er war auf dem Weg in die Vereinigten Staaten und erzählte ganz begeistert von seiner Liebe zur Fotografie, die ich nur zu sehr teilte.

Weihnachten an der Bushaltestelle

Weihnachten an der Bushaltestelle

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Für die nächsten Tage blieb er in Phan Thiết bei seiner Familie. Er zeigte mir ein paar seiner Fotos und hatte offensichtlich Talent und kannte auch schöne Mädchen, die sich in den traditionellen Vietnamesischen Kleidern fotografieren ließen.

An seiner Haltestelle tauschten wir noch schnell die Nummern aus und es überraschte mich, wie nahe sich Mui Ne und Phan Thiết sich waren.

In Vietnam habe ich (im krassen Gegensatz zu Europa) nie auch nur ein einziges Zimmer reserviert. Die Gästehäuser oder „nhà nghỉ”s hatten sowieso keine Webseiten und würden dementsprechend nicht ohne einer Suche vor Ort auftauchen.

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In Mui Ne allersdings standen nur Hotel nach westlichem Vorbild und mit Preisen die man vielleicht in Mitteleuropa erwartet hätte. Selbst ein Hostel war gänzlich überteuert.
Irgendwie konnte ich über die Einheimischen, die schon fast am Ende des touristischen Teils der Stadt lebten herausfinden, dass es tatsächlich Unterkünfte gab, die sich am Land und nicht an den Gästen orientierten.

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

_DSC0383_miniZunächst bot mir ein Hotel ein eher teures Zimmer mit dem Fenster zur Straße an. Es war, wie alle Zimmer, die ich in Vietnam hatte sauber, aber ich war nicht ganz zufrieden. Also zerrte ich meinen Koffer weiter, bekam eine Telefonnummer, rief ihn an, und erhielt eine Adresse und war verwundert theoretisch exakt da zu stehen, wo ich eigentlich hin sollte. Nur – obwohl die Straße alle Nummern in der richtigen Reihenfolge hatte fehlten hier ein paar. Wieder erbat ich mir Rat von den umstehenden Menschen und so teilte mir ein Vietnamese mit, dass sich die Nummern in einer Seitenstraße fanden die ich für den Gartenzugang hielt.

"Garten meines Gästehauses"

„Garten meines Gästehauses“

Meine Nachbarn

Meine Nachbarn

Der Preis schin fair und ich stimmte zu, letzten Endes würde ich hier allerdings länger bleiben als ursprünglich gedacht. Kurz nach dem Einlagern meines Hab und Guts schritt ich der Straße entlang, die aus der Stadt führte und fand ein von einer alten Dame bewirtschaftetes Gasthaus, in dem ich mir eine Nudelsuppe schmecken ließ und dazu einen chinesischen Film mit vietnamesischen Untertiteln ansah… oder umgekehrt.

Eli Avivi

_DSC0191_miniRechts schimmerte entfernt das Meer in der untergehenden israelischen Sonne, die den Libanon den man hier fast schon riechen konnte küssten wollte.

Hätte es einen zivilen Grenzübergang gegeben, so wäre ich vielleicht auf einen gegrillten Spieß zum Abendessen weiter nach Norden gegangen – doch stand mir ein Grenzübertritt dennoch bevor.

_DSC0192_miniVor mir lag ein mit einem Palmenhain bewaldeter Hügel, dem vorgelagert ein Wegweiser für die Autofahrer es trug den Titel „Eli Avivi“

Zuerst in Ivrit, dann Arabisch, dann Latein – fast hatte es den Anschein, als hätte Israel den Separatisten Eli endlich anerkannt. Wohl nur wegen des Tourismus, aber kaum jemand fragt nach, warum ein Staat unabhängig geworden ist…

_DSC0194_mini_DSC0195_miniEigentlich hatte ich erwartet, dass Akhzivland einen richtigen Grenzposten hatte, dass zumindest irgendwo ein Banner geschwungen wurde oder was weiß ich, eine Hymne gespielt würde – aber außer einem Schild und der Auffahrt war nichts zu sehen.

Dann ein kleines Häuschen zur Linken und ein großes Anwesen zur Rechten, daneben der Blick aufs offene Gewässer.

_DSC0201_mini_DSC0203_miniEin paar Mal musste ich rufen, bevor Rina Avivi erschien und mir sagte, dass Eli erst später kommen würde. Doch mein Zimmerchen durfte ich schon beziehen und war allgemein positiv überrascht. Mein Reiseführer meinte, es wäre eine Art Hostel, doch glich es einer eigenen Ferienwohnung, die man ungern wieder verlässt.

Restaurants existierten in diesem Staate genausoviele wie auch in vergleichbaren Ländern. Dem Vatikan z.B. oder Sealand.

Zumindest lag nicht weit entfernt eine Tankstelle die auch mit Gemüse handelte und ich tauschte meine Schekel gegen Essbares ein und schritt fröhlich über israelisches Staatsgebiet. Wie anders hier alles war als in der Wüste…

Es gab Wald, Gras und die Temperaturen lagen in einem weitaus angenehmeren Bereich als in meiner neuen „Heimat“ Beer Milka.

Als ich erneut die Grenze passierte war der Präsident eingetroffen. Eli Avivi. Wenn ein Prophet aus meiner alten Kinderbibel vor mir gestanden wäre – ich hätte keinen Unterschied erkannt. Er ist eine imposante Erscheinung.

Eli und Rina Avivi

Eli und Rina Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Wir kamen recht bald ins Gespräch und mich interessierte die Geschichte seines Landes aus seinem Munde erzählt – doch darüber sprach er nicht gerne und er fragte mich, was ich so täte. „Ich bin Programmierer – aber derzeit nur zum Fotografieren unterwegs“ worauf er um meine Kamera bat.

Seine Handgriffe waren durchaus geübt, er erzählte, dass auch er diese Leidenschaft teilte und so war es keine große Überraschung, dass wir den ganzen Abend miteinander plauderten.

 

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_DSC0272_mini_DSC0269_miniAm nächsten Morgen bedauerte ich sehr, keine Badesachen dabei zu haben. Akhzivland überraschte mich jeden Tag aufs Neue (immerhin war ich schon seit einem Tag hier) und die Küste leuchtete fast im Lichte des Vormittags. Nebenan war der Akhziv-Nationalpark und ein anderer Strand…

Langsam wurde ich hungrig und es schien fast, als ob Eli Avivi das gemerkt hätte – er fragte mich, ob ich mit ihm nach Naharia zum Essen wollte. „Gerne“ entgegnete ich und wir fuhren mit einem Taxi los.

Naharia behalte ich bis heute mit einem wunderbaren Gefühl im Herzen. Die Atmosphäre war exakt dieselbe wie in Lienz, der Stadt in der ich geboren wurde. Sie hatte auch in etwa dieselbe Größe und fühlte sich viel „freier“ an, als die meisten Städte Israels.

Wir ließen uns vor einem libanesischen Grillstand nieder und orderten jeweils einen Teller. Während wir speisten stierten wir beide gleichzeitig einem ausgesprochen hübschen arabischen Mädchen nach. Es war kaum zu glauben, dass dieser alte Sack dieselben Gedanken wie ich teilte, machte es doch die ganze Konversation viel komischer. Zu unserem beider Leidwesen verschwand die hübsche Unbekannte recht bald wieder mit ihrem vierschrötig aussehenden Vater(?) und wir konnten nur noch davon sprechen, dass sie wirklich sehr sehr hübsch gewesen ist und sie doch noch ein bisschen länger hätte bleiben sollen…

 

Why are men so attracted to hoes

Today I found an interesting blog on the Internet:

http://mapsontheweb.zoom-maps.com

I love maps and so the idea was born to create such a map on my own. „How Austria googles Europe“:

EuropaBild

According to the data my fellow-citizens shared with the search-engine we mostly think about sport and why other countries are/n’t in the EU. Strangely we don’t care too much about which countries are in the crisis or not. Spain is „liked“ and Italy a „boot“…

France is gay…

In the past days I also watched some old Episodes of the old American cartoon-sitcom „King of the Hill“. When I was a child sometimes I saw some episodes but I guess I haven’t understood that kind of humour back then…

It took me a while to get this, but that’s one of the best punchlines I’ve ever seen…

King of the Ant Hill (Season 1)

King of the Ant Hill (Season 1)

 

Vormittag in Saigon

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Hô Chi Minh Stadt blieb sich treu: Chaotisch und in jeder Hinsicht ein Original.

Speziell morgens saßen in allen Straßenküchen Leute die Nudelsuppe hineinschaufelten.

Guten Morgen, Saigon

Guten Morgen, Saigon

_DSC0012_miniDie Sonne war wesentlich angenehmer als die Mittagshitze in dieser Asphaltlandschaft und erstmals überschritt ich auch die Brücke über den Saigonfluss und erstaunte darüber, dass sich die Umgebung verändert hatte.

Saigon als „homogen“ zu beschreiben entspricht der Bezeichnung „verlässlich“ für eine Person, von der man zu 100% weiß, dass man sich auf sie nicht verlassen kann. Dennoch fühlte sich dieser Teil der Stadt noch einmal gänzlich anders an als der vorige. Als würde ich mit dem anderen Ufer eine ganz andere Geschichte betreten.

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Bisher war mein Bauch leer geblieben und ich hielt an einem Suppenstand um mir mein Frühstück zu holen.

_DSC0120_miniMein heutiger Koch bereitete seine Speisen leicht anders zu als die meisten seiner Kollegen. Das Rindfleisch in meiner Schüssel war noch halb roh.

_DSC0124_miniAber ich verstand: Die Suppe selbst war noch fast kochend heiß – praktisch unmöglich zum sofortigen Verzehr. In der Hitze garte das Fleisch schonend vor sich hin und ist pünktlich zum Verzehr „fertig“.

Während ich auch vom Grünzeug am Tisch eifrig Gebrauch machte, grinste mich der Koch stolz an. Vermutlich sah er mir die Verwunderung an oder war stolz darauf, dass auch ein „Botschafter des Westens“ bei ihm einkehrte um in die Genüsse seines Landes zu kommen.

Gestärkt schritt ich ‚gen Norden.

_DSC0150_mini_DSC0144_miniErstmals kam ich auch auf einen Markt, der praktisch nur Einheimischen vorbehalten war. Herrlich. Vergleichbare Märkte muss man jedes Mal suchen und wird nie enttäuscht. Wie immer potenzierte sich das Tohuwabohu und auf einem Pfad zwischen zwei Ständen, der knapp eine Person fassen konnte drängten sich Mopedfahrer, Bettler, Frauen mit den traditionellen Non La-Kegelhut in zwei eng gepfärchten Reihen.

Händler boten Fisch, Fleisch, Gemüse und Kleidung an – was mich alles weniger interessierte. Schließlich fand sich jedoch wonach ich suchte: Auf einer roten Plane bot ein Herr diversen Tand an wie Manikürzubehör, „nützliche“ Haushaltsbehelfe und Esoterika an.

DAS war es, wonach ich wollte – vermutlich sollte alles auf die eine oder andere Art Glück bringen, hier lachte ein Buddha, da lagen goldene Ringe und ein paar zusammengebundene Chinesische Kupfermünzen, für die ich ihm dann ein paar Dong gab.

Wirklich faszinierend waren jedoch die „Dollar“ die er anbot.

Sie hatten die Größe der Silberdollar aus dem 19. Jahrhundert und waren auch mit diesem Prägedatum versehen. Doch jeder Laie konnte mittels hochheben feststellen, dass das Material unedler war. Genau das gefiel mir dabei: Es war eine derart plumpe Fälschung die keinerlei Wert auf Authentizität legte. Leider sprach der Verkäufer kein Englisch und mir blieb der wahre Sinn verborgen, doch ich gab ihm zwei echte Dollar für einen seiner Unechten, was ihn außerordentlich glücklich stimmte.

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Später traf ich eine Freundin in einem der vielen Trung Nguyen Kaffeehäuser und musste warten. Einen Tisch entfernt saß ein anderer Westler, der offensichtlich auch nach Beschäftigung suchte und sprach ihn an. Er war Amerikaner und wartete ebenso auf jemanden. Ich holte meine Münze heraus und hielt sie ihm vor – ob er wisse, was das ist. Verblüfft drehte er das Metall mit dem Indianerkopf darauf und schien zu ahnen, dass es nicht ganz echt sei. Noch verwunderter war er, als ich erwähnte, dass ich es hier auf einem Markt erstanden hatte. Aber vermutlich hätte ich genauso reagiert, würde man mir einen übergroßen Euro aus dem falschen Material in die Hände drücken.

_DSC0141_miniAm Ende lag noch einer dieser überkitschigen Läden, die saisonale Ware feilboten. In diesem Fall „Weihnachtskleidung“ für Kinder.

Wir hatten über 30°C und die hier boten tatsächlich Weihnachtsmützen, rote Pelzjacken und ähnlichen Ramsch an. Wer kauft sowas?

Später lief mir auch eine Horde Kinder über den Weg, die damit angezogen waren…

Ho ho ho...

Ho ho ho…

Haifa

Ich hatte schon bessere Morgen erlebt als den heutigen. Schlaftrunken, aber unfähig, mich wieder ins Land der Träume zu verabschieden brachte ich die Morgentoilette hinter mich und watschelte in den Gemeinschaftsraum, wo ich ein im Preis inbegriffenes Frühstück erhielt:

Schwarztee und einen Schokoladencroissant.

Während ich das Zeug ohne jeglichen Genuss -nach nur vier Stunden Schlaf war ich beileibe nicht dazu in der Lage gewesen- vor mich hin aß dachte ich über die Worte Golans nach: Er war schon einige Male in Haifa gewesen, wisse aber immer noch nicht, was es dort zu sehen gibt.

_DSC0170_miniDen Carmel, den ich schon vom Bus aus sehen konnte war schon einmal ganz impressiv, er dominierte Haifa, wie sonst keine andere Stadt Israels von einem Berg überragt wird.

Sonst war die Stadt… Groß? Sauber?

Aber für Touristen vermutlich nicht ganz der richtige Ort. Ich streunte an Hotels vorbei und überblickte die ganze Hafenmetropole. _DSC0172_miniUnten der geschäftige Port, eine volle Hauptstraße und am Haus vor mir wachtelte eine Brasilien-Flagge im warmen Frühsommerwind. Nichts spektakuläres, Haifa ist vermutlich keine Stadt, die einem Tagestouristen besonders in Erinnerung bleibt.

Die Gärten der Bahai mussten nicht lange gesucht werden, es ist fast unmöglich, nicht auf sie zu stoßen, wenn man in Haifa unterwegs ist. Schwerer war es, außerhalb der Öffnungszeiten eine Führung zu bekommen.

Dieses Foto macht wohl jeder, wenn er Haifa besucht...

Dieses Foto macht wohl jeder, wenn er Haifa besucht…

„Morgen“ solle ich wiederkommen meinte einer der Führer nicht allzu freundlich zu mir, als er wohl sehr glücklich darüber war soeben seine Letzte Gruppe los geworden zu sein.

„Morgen“ sollte ich in Akzivland und nicht in Hafia sein, aber der Kollege von den Bahai blieb hart: Keine Gartenführung für mich.

Damit blieb zumindest noch der öffentliche Teil des Gartens, der ganz nett war aber mir in meinem Streben zum Verständnis gegenüber den Bahai nicht sehr viel beitrug.

Da ich nicht beabsichtigt hatte, in Tel Aviv zu nächtigen, hatte ich Zeit verloren und konnte mir keines der Museen ansehen. Das Getreidemuseum wäre interessant gewesen.

Beim Verlassen der Bahaigärten bin ich ins „Gespräch“ mit einem christlichen Koreaner auf den Spuren Jesu gekommen. Ob Jesus jemals hier gewesen war konnte ich nicht sagen, vermutlich höchstens dann, wenn er sich Akko ansehen wollte.

_DSC0171_miniDamals war ich noch sehr überrascht, dass es christliche Südkoreaner gibt. Später, als ich mit einem Beduinen am Gipfel des Mosesberges Tee getrunken habe, hatte eine wahre fernöstliche Horde unsere Unterhaltung mit ihren Canti untermalte.

Die Südkoreaner, die ich getroffen hatte schienen mir alle sehr fromm zu sein und selten über ein gutes Englisch zu verfügen – jedoch waren sie immer ausgesprochen freundlich. Es wäre interessant, wie sie wohl im eigenen Land so sind… Nun ja, jetzt war ich noch in Haifa und wollte meinen Bus nach Akzivland bekommen.

Werbung für eine Reise nach Österreich in Haifa

Werbung für eine Reise nach Österreich in Haifa

Der Busfahrer wusste nicht, was er mit mir anfangen soll. „Akzivland“ konnte er nicht einordnen. Mein Reiseführer sagte auch nur mit welchem Bus ich fahren soll und nicht wie lange. Rina, die Frau von Eli Avivi, dem Präsidenten des Staates war zwar telefonisch zu erreichen – aber keine Hilfe, sie wusste weder wo ich war, noch wo ich hinsollte. An der Endstation des Busses, vermutlich war hier der Libanon schon um die Ecke musste ich meine Strategie überdenken. Also noch einmal zurück in den Bus, entgegengesetzte Richtung und jetzt fand sich ein Israeli, der dieses merkwürdige Land genannt „Akziv“ kannte.

Vor dem Staat lag sogar eine Bushaltestelle…

Türme und Brücken von Hanoi

Da im Laufe dieser Woche wurde auf der Seite der Gesellschaft Österreich-Vietnam (https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=699152050105165&id=309570196522&stream_ref=10) eifrig darüber berichtet, dass eines der Wahrzeichen Vietnams, die Long Biên Brücke glücklicherweise doch erhalten bleibt (http://www.thanhniennews.com/reportage-photo/bridging-the-times-24260.html). Deshalb sehe auch ich mich veranlasst, ein paar Monate nach vorne zu springen und kurz diese Impression Hanois zu schildern.

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_DSC0243_mini_DSC0255_miniEs war genau zur Zeit des Tết-Festivals, als sich die Hauptstadt in ihrem wohl berüchtigsten Gewand zeigte – dem, mit dem sie wohl kaum den Wettbewerb der Südostasiatischen Städte mit den meisten Sonnenstunden gewinne würde…

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an...

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an…

Schönwetter in Hanoi

Schönwetter in Hanoi

Tags zuvor strahlte in Hue noch die wärmend die Sonne, die damalige Trennung zwischen Nord- und Südvietnam schien sich auch meteorologisch manifestiert zu haben – Hanoi trug ein Trauerkleid des Wetters, es war kalt, nieselte ständig und ich fragte mich, ob ich je die Sonne wiedersehen würde. Glücklicherweise war ich nicht zum Bräunen in die Hauptstadt gekommen.

Für mich als Programmierer waren die vom französischen Mathematiker Édouard Lucas postulierten kristallenen „Türme von Hanoi“ das Wahrzeichen der Stadt, das mich interessierte und weswegen mich die Metropole seit Jahren faszinierte (wenn man genau rechnet, sogar seit (einem) Jahrzent(en)).

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben...

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben…

Das Problem mit den Türmen von Hanoi ist, dass man sie wohl irgendwann nach Benares gebracht hatten – sofern sie überhaupt jemals existierten.

_DSC0261_miniSomit gab ich mich nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt mit einem Wahrzeichen zufrieden, das mehr den Architekten und Historikern als den Programmierern schmeichelt: Der Long Biên Brücke.

 

_DSC0264_miniMan sah ihr recht gleich an, dass sie viel mehr als eine einfache Brücke war. Obwohl man sie nicht mit einem Auto überqueren konnte besaß sie trotz – oder vielleicht genau wegen ihres Alters etwas, was entgegen den meisten anderen Brücken, die ich während meines Lebens gesehen hatte vor allem eines: Eine Seele.

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Zwei Fahrstreifen, jeweils in eine Richtung für einspurige Fahrzeuge und Fußgänger und in der Mitte Geleise für Züge und dergleichen.

Man sieht ihr das Alter schon an...

Man sieht ihr das Alter schon an…

Ob man zu Beginn 20. Jahrhunderts als sie von der französischen Gesellschaft Daydé & Pillé (inzwischen wurde sie in die Eiffel-Gruppe integriert), deren Schilder sie noch heute trägt erbaut wurde gedacht hat, dass sie über ein Jahrhundert und mehrere Kriege und Weltkriege überstehen würde? Das Faktum, dass sie nicht (mehr) mit dem Auto befahrbar ist spricht für sich.

Mir wurde auch hin und wieder etwas mulmig zumute, als ein Zug sie passierte. Man fühlt die Bewegungen der Schienenfahrzeuge.

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Der Erbauer, Daydé & Pillé

Der Erbauer, Daydé & Pillé

Von den mittlerweile sechs Brücken, die den Roten Fluss (Sông Hồng) gehen ist sie die Älteste.

Die wahre Imposanz der Brücke wird einem erst bewusst, wenn man den ersten Teil, der über den schmäleren Teil des Roten Flusses führt und die Insel überwunden hat. Obwohl schon dieses Teilstück sehr beeindruckend ist, ist das wahre Ausmaß erst etwa zwischen zweitem und letzten Drittel sichtbar.

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

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Unter der Brücke...

Unter der Brücke…

Auch das Faktum, mitten in einer der größten Städte Südostasiens einen Insel voller Nutzpflanzenfelder vorzufinden ist für einen Mitteleuropäer kaum vorstellbar, für viele jedoch ein faszinierender Gedanke – wobei es in Fernost wohl keine urbane Bohéme ist, die Tomaten anpflanzt, sondern eine andere Gesellschaftsschicht…

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Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Auf der anderen Seite des Flusses finden sich für Touristen eher uninteressante Viertel, sodass ich mich entschieden hatte über die gleich danebenliegende Brücke zu Fuß(!) zurückzumarschieren.

Auf der anderen Seite...

Auf der anderen Seite…

Vermutlich hatte der Brückenwächter, der mich müde ansah keine Lust mit einem Westler zu diskutieren, der noch immer kein Vietnamesisch sprach und ließ mich ziehen – sodass ich erst irgendwann in der Mitte feststellte, dass diese Überquerung gar nicht für Fußgänger gedacht war…

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Einigen Mopedfahrern werde ich wohl auch seltsam vorgekommen sein, doch von hier aus hatte ich doch einen interessanten Blick auf Long Biên Brücke.

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Was folgte war das gewohnt touristische Hanoi… Demnächst sollte ich meine Reisen wohl auf Benares konzentrieren, wenn ich nach meinen Kristalltüremen suche.

Reise in den Norden

Eigentlich sollte ich hier ja möglichst viele Fotos meiner Touren durch Israel posten. Nun ja… Zum ersten Teil der neuen Serie gibt es leider nur ein einziges Bild, das aber vermutlich mehr beschreibt als mir lieb ist.

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Eine Bushaltestelle ohne Reiseangabe.

 

Ich wollte den Präsidenten von Akzivland – Eli Avivi besuchen und musste zu diesem Zweck in Haifa Halt machen. Womöglich hatte ich zu sehr auf mein Glück gesetzt, nachdem mir mein australischer Kollege vom Bauernhof erzählt hatte, wie weit er mittels Tramping gekommen war. Für mich schien es also nicht so unrealistisch, von Beer Milka bis nach Haifa zu gelangen.

Nun ja. Beer Scheba war geglückt. Ein Anwalt hatte mich mitgenommen und sich empfohlen, falls ich einmal Rechtsschwierigkeiten bekäme.

 

Von hier aus löste ich ein Busticket nach Tel Aviv, das war das Nächste, was ich bekommen hatte. In Tel Aviv, so sagte man mir, bekäme ich immer eine Unterkunft. Aus diesem Grunde hatte ich mir nur eine einzige Hosteladresse in Jaffa herausgeschrieben und stand vor ernüchternden Tatsachen: Die Adresse war ausgebucht. So wie alle anderen Hostels in Jaffa.

Es folgte ein endloser Marsch durch den Vorort und die Tatsache, dass ich wirklich viel Pech hatte. Ein Hotel hatte noch ein Zimmer frei und bot mir statt 125 einen Preis von „nur“ 100 $.

Ich dankte, ging und wurde in einem Café darauf aufmerksam gemacht, dass ich in Tel Aviv direkt womöglich mehr Glück hätte als hier – und begab mich dorthin. Ein Passant meinte, dass das größte Hostel immer was frei hätte.

Vermutlich war es das Mugraby, bin mir aber nicht sicher. Inzwischen war es wohl 2 Uhr morgens.

So vollgestopft wie es war würden die wohl jeden nehmen, auch wenn er auf dem Dach (scheinbar gibt es in Jerusalem ein Hostel, bei dem man in Zelten auf dem Dach übernachten kann) schlafen müsste.

Mir sagte man ab. Man sei voll.

Tel Aviv war bei Nacht zum Partymachen durchaus attraktiv. Ich für meinen Teil wollte nur schlafen. Irgendwie bin ich dann wohl über die ganzen Kärtchen, mit denen bestimmte Damen ihre Dienste anboten in eine recht dunkle Bleibe gekommen. Stickige Luft, verdunkelte Fenster, erotische Gemälde an den Wänden.

Nicht mein Traumdomizil, aber die Betten sahen ganz komfortabel aus. Wenngleich ich wohl der einzige Gast war, der sie wirklich nur zum Schlafen verwenden wollte.

Dem Besitzer war ich so suspekt wie er mir. Der Preis war mit, ich denke 25$ nicht allzu schlimm und ich sagte zu. Während er meine Daten niederschrieb bemerkte ich, dass mir nur etwa 22$ zur Verfügung standen.

„Nein“ meinte er harsch. Er werde mir diesen Diskont nicht gewähren.

Kartenzahlung wurde nicht akzeptiert, ich müsse jetzt wohl irgendwo einen Bankomaten finden.

Also wieder raus in die feuchtheiße Nachtluft der Mittelmeermetropole – um festzustellen, dass drei der Bankomaten im Umkreis außer Betrieb waren.

Meine Uhr zeigte kurz vor 3 an.

Auf dem Weg zum Bankomaten #4 tauchte ein weiteres Hostel an der Ecke auf. Der Preis war fair und ich glücklich, endlich in einem Bett liegen zu dürfen. Der Besitzer dieser seltsamen Spelunke würde wohl meinen Eintrag wieder irgendwie löschen müssen.

Während der halbe Raum stöhnte, als ich die Tür öffnete und mein Bett beziehen musste glaubte ich, dass sich das Paradies wohl so anfühlen müsste wie die Pritsche vor mir.

An viel anderes konnte ich nicht mehr denken, der Schlaf übermannte mich nachdem ich auf die harte Matratze gefallen bin.

Bis 7 Uhr morgens. Dann läutete mein Wecker, der noch vom Bauernhofalltag eingestellt war.

Intermezzo in Saigon

Nach etwa einem Monat, während dem ich auch etwas gearbeitet hatte kannte ich Ha Tien zu gut. Es war Zeit, wieder nach Hô-Chi-Minh-Stadt aufzubrechen, wo ich auch meinen größten und schwersten Koffer gelagert hatte.

Wieder entschied ich mich für einen Nachtbus, obwohl ich die kaum ausstehen konnte.

Zumindest hatte ich Zeit, an meinem Buch weiterzuschreiben. Hinter mir saßen ein paar Khmer was ich gleich an der Sprache erkennen konnte. Wir konnten miteinander plaudern und es war sehr angenehm, nach fast zwei Monaten in Vietnam wieder einmal Khmer zu sprechen. Als Europäer ist es sehr viel einfacher Khmer zu lernen als Vietnamesisch, was ich bis zuletzt nicht schaffte.

Khmer und Vietnamesisch sollten eigentlich sehr nahe verwandt sein.

Das aber ist eine Information, die einem ein Sprachforscher geben würde. Nie habe ich einen Vietnamesen getroffen, der Khmer als Brudersprache bezeichnet hätte und nie einen Khmer, der dasselbe von Vietnamesisch behauptet hatte.

Wer einmal versucht, Khmer im praktischen Leben auf Vietnamesisch umzulegen wird recht bald feststellen, dass sein Faktenwissen über Sprachen hier nutzlos ist – und höchstens ein paar ungläubige Blicke einbringt.

Schlafen war bei dem Gewackel ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit und zum Schreiben gab es genug. Dadurch kam mir die Fahrt sehr kurz vor. Schon bald glühte das ehrwürdige Saigon in der Morgendämmerung vor mir.

Dieses Bild zeigt Saigon besser als jedes Andere...

Dieses Bild zeigt Saigon besser als jedes Andere…

Solange man in einer Stadt ist, fällt es nicht auf wie groß sie ist. Saigon ist riesig. Vermutlich die größte Stadt in der ich je war.

HCM in der Früh

HCM in der Früh

Den Bus noch nicht einmal verlassen, scharrten sich schon Motorradtaxis um uns und einer half mir unaufgefordert, meinen Rucksack herauszubekommen.

Ich ignorierte ihn und suchte nach dem Busterminal. Die Busfahrt käme auf vielleicht 5.000 Dong, knappe 25 Dollar-Cents. Das Motorradtaxi auf vielleicht 100.000. Wobei ersteres ob der Last sogar bequemer war. Zuerst hatte ich die Strecke bis ins Zentrum gänzlich falsch eingeschätzt – oder besser: Die wahre Größe der Stadt.

_DSC0625_miniMan könnte ein Jahr lang hier bleiben und jeden Tag fotografieren, alles dokumentieren und kartographieren – am Ende bliebe immer noch zu viel Ungesehenes übrig. Selbst, wenn man es schaffte, so würden hier im Laufe dieses Jahres so viele Dinge passieren, dass man genug Material für ein weiteres Jahr hätte.

Etwas hatte ich mit dieser Aufgabe zwar kokettiert, doch es ist genauso schwierig jemanden zu finden, der verrückt genug ist und die Ausdauer besitzt, diese Stadt gänzlich entdecken zu wollen, wie jemanden der das auch finanziert.

_DSC0752_miniIrgendwann entdeckte ich am Ufer des Saigonflusses eine interessante Kirche, die mir zuvor noch nie aufgefallen war. Fast zwei Wochen hatte ich hier verbracht und versucht, jeden Tag etwas Neues zu finden. Und kaum einen Kilometer Luftlinie war dieses erstaunliche Gebäude von meiner Bleibe entfernt!

Kirche neben dem Saigon-Fluss

Kirche neben dem Saigon-Fluss

Genau das fasziniert mich bis heute an der Stadt.

Kurz nach 6 erreichte ich das Gebäude in dem ich schon das letzte Mal verbracht hatte, die Herrin des Hauses war sichtlich überrascht, mich um diese Uhrzeit zu sehen. Als Langschläfer bekam man mich vor 10 eher nicht zu Gesicht.

Sie machte mir klar, dass mein Zimmer noch besetzt sei, aber bis 10 würde es frei.

Wie sie mir das verständlich gemacht hatte? Offen gesagt, antwortete ich auf diese Frage, müsste ich lügen. Ich weiß es nicht… Sie sprach kein Englisch, ich kein Vietnameisch.

Um Punkt 10 war es aber tatsächlich frei und für mich hergerichtet.

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Weihnachtsmann vor dem Nikon-Vietnam Gebäude. Ob der Hitze eher unpassende Kleidung

Weihnachtsmann vor dem Nikon-Vietnam Gebäude. Ob der Hitze eher unpassende Kleidung

Bis dahin, ja Saigon ist nicht langweilig. Meine Kamera musste aus der Reparatur abgeholt werden, auf dem Weg dahin entdeckte ich einen Markt, den ich noch gar nicht kannte, aß dort eine Suppe zum Frühstück, die mir außerordentlich gut schmeckte.

_DSC0690_miniIn guter Laune ließ ich das auch die Verkäuferin wissen, dass das eine der Besten gewesen sei, die ich hier verspeist hatte – worauf sie freundlich meinte:„Maybe come again tomorrow and try other one too“. Worauf ich antwortete „No, I order it now. I’m still hungry“.

Bis 10 war noch genug Zeit, die durchgemachte Nacht schien mich einfach nur hungrig gemacht zu haben und zum ersten Mal schmeckten mir auch die seltsamen Tischkräuter.

Auch meine Uhr bedurfte einer Reparatur

Auch meine Uhr bedurfte einer Reparatur

Mit ein paar Ringen unter den Augen überreichte man mir um 9 meine geliebte Nikon.

Auf den ersten Fotos stellte ich fest, dass man den Defekt behoben hatte. Auf dem dritten und vierten Foto zeigte sich dafür ein ganz neuer Defekt – der mir ob des Faktums, dass seine Entstehung für mich schwer nachzuvollziehen war – irgendwie cool war…

 

 

 

Nutzloser aber interessanter Fehler: In einem bestimmten Winkel gehalten ist die Hälfte der Aufnahme nicht sichtibar

Nutzloser aber interessanter Fehler: In einem bestimmten Winkel gehalten ist die Hälfte der Aufnahme nicht sichtbar

 

Stadtvergleich in Israel

Welche Stadt spiegelt Israel eigentlich am besten wider?

Vermutlich wird es darauf keine absolut einstimmige Antwort geben möchte ich behaupten. „Jerusalem natürlich“ werden sich die meisten denken. Immerhin hat keine Stadt für Israel eine derartige Bedeutung und Geschichte. Eine Argumentation ist natürlich die Geschichte – Aktivisten der einen Seite werden hinzufügen, dass auch die Unteilbarkeit der Stadt für die Unteilbarkeit des Landes, der Juden steht/stehen sollte. Auf der anderen Seite wird man womöglich genau mit dem Gegenteil kokettieren.

„Tel Aviv“ ist genauso richtig. Entstanden als eine moderne Stadt in einem modernen Land, geprägt von Akzeptanz und Toleranz. Jung wie das Land selbst.

„Haifa“ – als Zeichen dessen, was man mit harter Arbeit erreichen kann. Israel ist nicht (nur?) durch Beten und Feiern zu dem geworden, was es heute ist. Wenn man gemeinsam an einem Strang zieht erreicht man mehr als gegeneinander.

Ich muss auch dazu sagen, dass diese bildliche Kette an Argumenten vermutlich mehr für Israel steht als eine Stadt selbst – nicht minder falsch wäre ein Verweis auf Arad (nicht aufgeben!), Naharia (mit Verweis auf die vielen Libanesen, dass man sich mit seinen Feinden versöhnen soll um ein angenehmes Leben zu führen – was am besten dann funktioniert, wenn diese auch noch eine derart schmackhafte Küche haben… hmm), etc, etc. Witzbolde und Menschen in einer provokanten Stimmung könnten auch Yerukham oder Ramalla irgendwie einbringen wollen…

Ich für meinen Teil -das ist ja schließlich auch meine Kolumne!- bin für Beer Scheba… Und 80km davon entfernt beginnt meine heutige Geschichte:

Israelis bauen auf Sand. Können es aber auch

Israelis bauen auf Sand. Können es aber auch

Vor dem Gespräch, das ich letzte Woche mit Golan geführt hatte (http://www.landmark5.com/2014/03/02/chamsinscharav/), half ich ihm noch dabei sein Haus zu bauen. Wenn man den Wüstensand mit Wasser versetzt, wird er hart und kann im Laufe einer weiteren Prozedur tatsächlich zum Bauen von Häusern verwendet werden.

Für einen Europäer, der Sand hauptsächlich vom Italienurlaub kennt ist das, wie vieles in Israel sehr verwirrend. Die Fertigstellung konnte ich leider nicht mehr miterleben, doch allein die Vorbereitungen blieben mir stark in Erinnerung.

Kaum eine so große Stadt wie Beer Scheba wird vermutlich so in Israelreisen ignoriert. Sehr vieles an Sehenswürdigkeiten hat sie doch nicht. Wie kann eine Stadt, die viel früher als Jerusalem in der Bibel vorkommt so wenig an Touristenfallen bieten?

Ein schickes Gebäude steht bald irgendwo, in der Wüstenhauptstadt hatte sich jedoch ein Biotop an Leben gebildet, wie ich es weder vor, noch nach Israel jemals wieder erlebt hatte.

NUR in Beer Scheba: Humus (typisch Israelisch) mit Foul (typisch Ägyptisch). Das gibt es sonst nirgends.

NUR in Beer Scheba:
Humus (typisch Israelisch) mit Foul (typisch Ägyptisch).
Das gibt es sonst nirgends.

Keine Straße? Kein Problem. Ah, doch eine Straße? Auch egal.

Keine Straße? Kein Problem.
Ah, doch eine Straße? Auch egal.

Die Gegend um den Busbahnof hatte das lockere, nicht ganz organisierte Arabische und das moderne, aber nicht viel besser organisierte aber zumindest logischere Israelische irgendwie vereinen können. Busse und Shuttledienste kamen an, stifteten Verwirrung, egal ob man sie brauchte oder nicht und fuhren wieder. Israelis, Beduinen, Araber, Touristen bunt durchgemischt.

Am regulären Markt, der seltsamerweise wesentlich geordneter ist als der Mahane Yehuda in Jerusalem ist zeigt sich der regionale Einfluss des Mittelmeeres in seinen Farben.

Wassermelonen, Paprika, Tomaten, Oliven in allen Formen und Farben – gleich den Oliven auch die Leute.

Noch heute denke ich oft zurück wie es mir ergangen ist, als ich das erste Mal dort flanierte. Zur Verpflegung erstand ich ein paar Feldfrüchte und war davon angetan, dass sie hier mehr „leuchteten“ als in Europa. Neben einem einsamen Österreicher noch eine heterogene Masse an Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Den Leuten geht's einfach zu gut hier, alsdass man streiten würde

Den Leuten geht’s einfach zu gut hier, alsdass man streiten würde

Wie wäre es, wenn statt Jerusalem Beer Scheba der Zankapfel des Nahostkonflikts wäre? Oder wenn die ganzen „internationalen Beobachter“ öfters Beer Scheba inspizierten als andere Regionen. Ihnen wäre schnell langweilig. Man bezahlt keine „unabhängigen Quellen“ dafür, dass sie dann schreiben, dass die Menschen hier einfach ihrem Leben nachgehen. Dass Beduinen beim Juden kaufen und dann und wann selbst irgendwo einen Markt abhalten, der Touristen anzieht.

Kampf zwischen Juden und Arabern in Beer Scheba

Kampf zwischen Juden und Arabern in Beer Scheba

Würde Beer Scheba im Mittelpunkt des Konflikts stehen, so wäre man irgendwann einmal zum Schluss gekommen, dass selbst bei einer Teilung beide verlierten. Im anderen Fall gewinnt der, der mehr hineininvestiert. Darüber würde man vielleicht darüber streiten und sich gegenseitig überbieten, was die eigene Seite mehr dazu beitragen könnte und nicht weniger…

Wieder zurück in der Wüste

Wieder zurück in der Wüste

Immer noch Ha Tien

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Hatien war eigentlich wie geschaffen für eine Tourismusstadt:

Sie lag auf einer Transitroute zur Insel Phu Quoc – der größten Vietnams – hatte dabei eine sehr angenehme Einwohnerzahl behalten und war auch noch Grenzstadt zu Kambodscha.

Mangrovenwald

Mangrovenwald

Wirkliche „Sehenswürdigkeiten“ im westlichen Sinne gab es in ihr keine, am Berg gegenüber befand sich malerisch ein großes Frauenkloster und in Richtung Osten erstreckten sich Mangrovenwälder. Als Europäer kannte ich diese Bäume nur aus Büchern. Inzwischen gehören diese Wasserpflanzen zu meinen _DSC0090_miniLieblingsgewächsen. Wovon ich noch nie gehört hatte waren die Wasserkokosnüsse. In faustgroßen Nüssen gediehen sie auf Wasserpalmen. Ihr Geschmack erinnerte an die Kokosnüsse, wie wir sie in Europa kennen, nur etwas trockener. Erwartet hatte ich, dass sie saftiger seien würden.

 

Wasserkokosnuss

Wasserkokosnuss

Für mich waren das alles einmalige Erlebnisse – bis jetzt habe ich noch nirgendwo eine vergleichbare Landschaft gesehen.

 

Nur – Touristen kamen kaum welche. Ein paar Hotels gab es neben dem Markt, ein paar Andere um den Fischerhafen. Irgendwann hatte sich hier auch der Brite Andy niedergelassen, dem die Stadt zwar gefallen hatte, aber eines abgegangen war: Eine Bar.

Kurzerhand hatte er die „Oasis Bar“ eröffnet, die primär auf ausländische Gäste abzielt.

 

Einmal hatten mir britisch-indische Gäste Zuckerrohr mitgebracht

Einmal hatten mir britisch-indische Gäste Zuckerrohr mitgebracht

Andy ist ob seiner Staatsbürgerschaft zwar nicht der Inhaber, hält aber zumindest die Gäste bei Laune. Alles Geschäftliche erledigt seine Frau: Eine Vietnamesin. Wobei ich ihm auch manchmal etwas seltsam vorgekommen bin: Eines Abends haben mich ein paar inländische Bekannte begleitet doch hatte anstatt wie die Anderen kein Bier, sondern einfach nur diesen typischen Vietnamesischen Tee bestellt, der meist auf den Tischen steht und eher als „Wasser mit ein bissi Geschmack“ bezeichnet werden sollte.

„In einer Bar trinkt man doch keinen Tee…“ murmelte er vor sich hin.

 

Kinder freuen sich immer über neue Gesichter

Kinder freuen sich immer über neue Gesichter

Am Fluss, der die Stadt teilte versuchten einige teurere Hotels ihr Glück. An fast jedem Abend spielte man live-Musik, grillte… Und vielleicht eine Handvoll Besucher erschienen überhaupt. Die Stimmung war nicht sehr gut. Es war klar, dass es für die Angestellten nicht leicht war – jeder rechnete damit, dass demnächst mehr Fremde kommen würden. Nur wann?

Gibt man zu früh auf, wird man sich später ärgern, dass man seine einmalige Chance auf ein Monopol nicht wahr genommen hat. Die Alternative ist möglicherweise ein Konkurs.

 

Jedes Hotel und Restaurant lockt die Gäste mit seinen Mitteln...

Jedes Hotel und Restaurant lockt die Gäste mit seinen Mitteln…

Niemand weiß wann und ob einmal mehr kommen. Für den Moment waren mein neuer Freund und ich die einzigen Dauergäste.

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Nachdem ich mich mit dem Holländischen Programmierer inzwischen immer öfter traf und nachdem wir jeden Tag gemeinsam zu Mittag aßen verlegte ich mein Hotel vom Stadtzentrum weg in die Nähe des Seinigem und sparte mir auch einiges an Kosten. Inzwischen war ich schon über vier Monate aus Europa weg und er war der erste Europäer, der nicht nur als Tourist hier war – ähnlich wie ich.

 

Getrockneter Tintenfisch scheint in ganz Vietnam beliebt zu sein. Besonders aber hier

Getrockneter Tintenfisch scheint in ganz Vietnam beliebt zu sein. Besonders aber hier

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Zwei ältere Damen helfen sich gegenseitig beim Treppensteigen

Zwei ältere Damen helfen sich gegenseitig beim Treppensteigen

Einmal machte er mich darauf aufmerksam, dass es in der Nähe einen Tempel gab, der vielleicht ganz interessant ist. Ein paar Dong Eintritt später war ich in einer Höhle, die mit verschiedenen Figuren ausgestellt waren. Auch hier wurde Quan The Am sehr verehrt. Mir ist ihre Statue schon auf Phu Quoc aufgefallen (http://www.landmark5.com/2014/01/13/der-weg-in-den-dschungel/).

Quan The Am

Quan The Am

Speziell ältere Frauen kamen oft zum Beten her.

Ältere Frauen beim Gebet

Ältere Frauen beim Gebet

_DSC0891_mini_DSC0843_miniNach wie vor weiß ich nur sehr wenig über diese Göttin. Zu meinem Leidwesen. Sie scheint besonders für die Gnade zu stehen…

Daneben bot der Berg noch ein bemerkenswertes Panorama. In der Ferne erblickte ich Kambodscha, von wo aus ich Monate zuvor gekommen war…

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