Chamsin/Scharav

Golan wirkte während der Autofahrt sehr nachdenklich. Er hatte in Beer Scheba zu tun und nahm mich netterweise mit, seine Mimik blieb mir nicht verborgen. „Wegen dem Chamsin?“ fragte ich. Er nickte.

Scharav vor Sonnenaufgang

Scharav vor Sonnenaufgang

_DSC0137_mini_DSC0135_miniHeute wurde ich irgendwann kurz vor Sonnenaufgang wach und marschierte eine kleine Runde um das Containerhäuschen. Alles war mit Nebel bedeckt. Die Stimmung war einzigartig. Kein Laut war zu hören und dieses gespenstische Weiß bedeckt die Wüste, die unter dem Tag so gnadenlos brannte mit einem sanften Schleier aus Wassertröpfchen.

Als ich später zu meiner regulären Zeit aufwachte lag dieser Dampf immer noch in der Gegend herum. Es war weder kalt noch warm – die Sonne, als heller Ball unregelmäßig geformt stieg am Himmel empor und hatte einen Kranz aus Licht um sich gebildet.

Fast wie bei Schneefall klang alles dumpfer – oder kam mir zumindest so vor. Als Golan am Bauernhof ankam war ich bereits am Arbeiten und begann Schläuche aus dem Sand zu graben.

Pflanze überwuchert ihre Bewässerung. Durch die ständigen Sandbewegungen akkumulieren die Menge

Pflanze überwuchert ihre Bewässerung. Durch die ständigen Sandbewegungen akkumulieren die Menge

Durch Wind und Wetter hatte sich massenhaft Sand auf ihnen abgelagert, weswegen die Wasserversorgung einiger Stauden ineffizient wurde.

Manchmal reichte es, einfach den Schlauch herauszugraben. Der Hauptteil war die halbe Miete, sobald man den am stärksten mit Sand überhäuften Part draußen hatte konnte man den Rest problemlos befreien.

Sand war und ist ein für mich fremdes Terrain – anfangs hielt ich es für äußerst einfach „das bisschen“ Sand einfach auszuhebeln, doch im Gegensatz zu Erde, die sich bei Druck (von unten) spaltet lagert Sand immer wieder aufs Neue ab und hat dadurch effektiv mehr Gewicht – verglichen mit einer „Bergungsaktion“ aus der Erde.

Bei einem Gewächs half auch das Ziehen nichts. Als ich meine gesamte Kraft hineinsteckte merkte ich, dass nur der Strauch schiefer wurde. Nach ein paar Stichen mit der Schaufel erklärte sich das „Phänomen“ von selbst: Die Schläuche waren so lange nicht mehr instand gehalten, dass die Wurzeln bereits ÜBER sie wucherten. Also durfte ich den Schlauch gleich in allen Seiten gänzlich herausholen und neu verlegen. Dabei musste ich immer aufpassen, dass ich keine Lufträume im Boden hinterließ.

_DSC0163_miniJem_DSC0169_miniand beobachtete mich – er war klein, lag im Sand und schuppig. Eine Eidechse sah meinem Treiben zu ließ sich dabei die Sonne auf den Bauch scheinen (bzw. auf den Rücken). Vermutlich hatte der chamsinbedingte Nachtnebel ihr Domizil stärker abgekühlt als normalerweise und sie holte sich jetzt ihre Energie zurück. Die Reptilien hier waren ausgesprochen sympathisch. Sie waren sehr ruhig und der orange Freund meines derzeitigen Beobachters grinste mich sogar eine Zeit lang an… Fast schon zutraulich waren die Gesellen.

Lachende Eidechsen

Lachende Eidechsen

Für heute hatte ich genug getan, gleich mehrere Nutzpflanzenreihen hatten ihre Bewässerung erneuert bekommen und es ging in die Hauptstadt des Südbezirks.

„Es ist nicht normal, wie der Chamsin dieses Jahr ist“ murmelte Golan vor sich hin. Ich verstand nicht. „Sonst ist er nicht so feucht“.

„Wie? Das sollte doch gut sein für die Pflanzen? Dann bekommen sie doch mehr Wasser?“

„Die Wüstenpflanzen sind nicht auf so hohe Luftfeuchtigkeit ausgelegt, es schadet ihnen“

Wüstenpflanzen

Wüstenpflanzen

Ein Jahr, bevor ich nach Israel gegangen bin hatten wir im Winter binnen kurzer Zeit so viel Schnee, dass sogar einige kleinere Pässe gesperrt werden mussten. Nächster Winter war einfach nur kalt. Aber kaum Schnee.

Mir war die „Erderwärmungstheorie“ immer etwas ungenügend vorgekommen und Golan fasste meine Sorgen zusammen: „Sie [die Erde] erwärmt sich nicht – nur. Es passiert etwas, aber ich weiß nicht was. Und in den letzten Jahren wird es immer mehr. Ich denke nicht, dass das ’nur‘ das CO2 ist – sicher, es trägt wahrscheinlich auch einen Teil dazu bei, aber der Mensch sollte die Erde besser behandeln“

Ein Gedanke zu „Chamsin/Scharav

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