Stadtvergleich in Israel

Welche Stadt spiegelt Israel eigentlich am besten wider?

Vermutlich wird es darauf keine absolut einstimmige Antwort geben möchte ich behaupten. „Jerusalem natürlich“ werden sich die meisten denken. Immerhin hat keine Stadt für Israel eine derartige Bedeutung und Geschichte. Eine Argumentation ist natürlich die Geschichte – Aktivisten der einen Seite werden hinzufügen, dass auch die Unteilbarkeit der Stadt für die Unteilbarkeit des Landes, der Juden steht/stehen sollte. Auf der anderen Seite wird man womöglich genau mit dem Gegenteil kokettieren.

„Tel Aviv“ ist genauso richtig. Entstanden als eine moderne Stadt in einem modernen Land, geprägt von Akzeptanz und Toleranz. Jung wie das Land selbst.

„Haifa“ – als Zeichen dessen, was man mit harter Arbeit erreichen kann. Israel ist nicht (nur?) durch Beten und Feiern zu dem geworden, was es heute ist. Wenn man gemeinsam an einem Strang zieht erreicht man mehr als gegeneinander.

Ich muss auch dazu sagen, dass diese bildliche Kette an Argumenten vermutlich mehr für Israel steht als eine Stadt selbst – nicht minder falsch wäre ein Verweis auf Arad (nicht aufgeben!), Naharia (mit Verweis auf die vielen Libanesen, dass man sich mit seinen Feinden versöhnen soll um ein angenehmes Leben zu führen – was am besten dann funktioniert, wenn diese auch noch eine derart schmackhafte Küche haben… hmm), etc, etc. Witzbolde und Menschen in einer provokanten Stimmung könnten auch Yerukham oder Ramalla irgendwie einbringen wollen…

Ich für meinen Teil -das ist ja schließlich auch meine Kolumne!- bin für Beer Scheba… Und 80km davon entfernt beginnt meine heutige Geschichte:

Israelis bauen auf Sand. Können es aber auch

Israelis bauen auf Sand. Können es aber auch

Vor dem Gespräch, das ich letzte Woche mit Golan geführt hatte (http://www.landmark5.com/2014/03/02/chamsinscharav/), half ich ihm noch dabei sein Haus zu bauen. Wenn man den Wüstensand mit Wasser versetzt, wird er hart und kann im Laufe einer weiteren Prozedur tatsächlich zum Bauen von Häusern verwendet werden.

Für einen Europäer, der Sand hauptsächlich vom Italienurlaub kennt ist das, wie vieles in Israel sehr verwirrend. Die Fertigstellung konnte ich leider nicht mehr miterleben, doch allein die Vorbereitungen blieben mir stark in Erinnerung.

Kaum eine so große Stadt wie Beer Scheba wird vermutlich so in Israelreisen ignoriert. Sehr vieles an Sehenswürdigkeiten hat sie doch nicht. Wie kann eine Stadt, die viel früher als Jerusalem in der Bibel vorkommt so wenig an Touristenfallen bieten?

Ein schickes Gebäude steht bald irgendwo, in der Wüstenhauptstadt hatte sich jedoch ein Biotop an Leben gebildet, wie ich es weder vor, noch nach Israel jemals wieder erlebt hatte.

NUR in Beer Scheba: Humus (typisch Israelisch) mit Foul (typisch Ägyptisch). Das gibt es sonst nirgends.

NUR in Beer Scheba:
Humus (typisch Israelisch) mit Foul (typisch Ägyptisch).
Das gibt es sonst nirgends.

Keine Straße? Kein Problem. Ah, doch eine Straße? Auch egal.

Keine Straße? Kein Problem.
Ah, doch eine Straße? Auch egal.

Die Gegend um den Busbahnof hatte das lockere, nicht ganz organisierte Arabische und das moderne, aber nicht viel besser organisierte aber zumindest logischere Israelische irgendwie vereinen können. Busse und Shuttledienste kamen an, stifteten Verwirrung, egal ob man sie brauchte oder nicht und fuhren wieder. Israelis, Beduinen, Araber, Touristen bunt durchgemischt.

Am regulären Markt, der seltsamerweise wesentlich geordneter ist als der Mahane Yehuda in Jerusalem ist zeigt sich der regionale Einfluss des Mittelmeeres in seinen Farben.

Wassermelonen, Paprika, Tomaten, Oliven in allen Formen und Farben – gleich den Oliven auch die Leute.

Noch heute denke ich oft zurück wie es mir ergangen ist, als ich das erste Mal dort flanierte. Zur Verpflegung erstand ich ein paar Feldfrüchte und war davon angetan, dass sie hier mehr „leuchteten“ als in Europa. Neben einem einsamen Österreicher noch eine heterogene Masse an Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Den Leuten geht's einfach zu gut hier, alsdass man streiten würde

Den Leuten geht’s einfach zu gut hier, alsdass man streiten würde

Wie wäre es, wenn statt Jerusalem Beer Scheba der Zankapfel des Nahostkonflikts wäre? Oder wenn die ganzen „internationalen Beobachter“ öfters Beer Scheba inspizierten als andere Regionen. Ihnen wäre schnell langweilig. Man bezahlt keine „unabhängigen Quellen“ dafür, dass sie dann schreiben, dass die Menschen hier einfach ihrem Leben nachgehen. Dass Beduinen beim Juden kaufen und dann und wann selbst irgendwo einen Markt abhalten, der Touristen anzieht.

Kampf zwischen Juden und Arabern in Beer Scheba

Kampf zwischen Juden und Arabern in Beer Scheba

Würde Beer Scheba im Mittelpunkt des Konflikts stehen, so wäre man irgendwann einmal zum Schluss gekommen, dass selbst bei einer Teilung beide verlierten. Im anderen Fall gewinnt der, der mehr hineininvestiert. Darüber würde man vielleicht darüber streiten und sich gegenseitig überbieten, was die eigene Seite mehr dazu beitragen könnte und nicht weniger…

Wieder zurück in der Wüste

Wieder zurück in der Wüste

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