Reise in den Norden

Eigentlich sollte ich hier ja möglichst viele Fotos meiner Touren durch Israel posten. Nun ja… Zum ersten Teil der neuen Serie gibt es leider nur ein einziges Bild, das aber vermutlich mehr beschreibt als mir lieb ist.

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Eine Bushaltestelle ohne Reiseangabe.

 

Ich wollte den Präsidenten von Akzivland – Eli Avivi besuchen und musste zu diesem Zweck in Haifa Halt machen. Womöglich hatte ich zu sehr auf mein Glück gesetzt, nachdem mir mein australischer Kollege vom Bauernhof erzählt hatte, wie weit er mittels Tramping gekommen war. Für mich schien es also nicht so unrealistisch, von Beer Milka bis nach Haifa zu gelangen.

Nun ja. Beer Scheba war geglückt. Ein Anwalt hatte mich mitgenommen und sich empfohlen, falls ich einmal Rechtsschwierigkeiten bekäme.

 

Von hier aus löste ich ein Busticket nach Tel Aviv, das war das Nächste, was ich bekommen hatte. In Tel Aviv, so sagte man mir, bekäme ich immer eine Unterkunft. Aus diesem Grunde hatte ich mir nur eine einzige Hosteladresse in Jaffa herausgeschrieben und stand vor ernüchternden Tatsachen: Die Adresse war ausgebucht. So wie alle anderen Hostels in Jaffa.

Es folgte ein endloser Marsch durch den Vorort und die Tatsache, dass ich wirklich viel Pech hatte. Ein Hotel hatte noch ein Zimmer frei und bot mir statt 125 einen Preis von „nur“ 100 $.

Ich dankte, ging und wurde in einem Café darauf aufmerksam gemacht, dass ich in Tel Aviv direkt womöglich mehr Glück hätte als hier – und begab mich dorthin. Ein Passant meinte, dass das größte Hostel immer was frei hätte.

Vermutlich war es das Mugraby, bin mir aber nicht sicher. Inzwischen war es wohl 2 Uhr morgens.

So vollgestopft wie es war würden die wohl jeden nehmen, auch wenn er auf dem Dach (scheinbar gibt es in Jerusalem ein Hostel, bei dem man in Zelten auf dem Dach übernachten kann) schlafen müsste.

Mir sagte man ab. Man sei voll.

Tel Aviv war bei Nacht zum Partymachen durchaus attraktiv. Ich für meinen Teil wollte nur schlafen. Irgendwie bin ich dann wohl über die ganzen Kärtchen, mit denen bestimmte Damen ihre Dienste anboten in eine recht dunkle Bleibe gekommen. Stickige Luft, verdunkelte Fenster, erotische Gemälde an den Wänden.

Nicht mein Traumdomizil, aber die Betten sahen ganz komfortabel aus. Wenngleich ich wohl der einzige Gast war, der sie wirklich nur zum Schlafen verwenden wollte.

Dem Besitzer war ich so suspekt wie er mir. Der Preis war mit, ich denke 25$ nicht allzu schlimm und ich sagte zu. Während er meine Daten niederschrieb bemerkte ich, dass mir nur etwa 22$ zur Verfügung standen.

„Nein“ meinte er harsch. Er werde mir diesen Diskont nicht gewähren.

Kartenzahlung wurde nicht akzeptiert, ich müsse jetzt wohl irgendwo einen Bankomaten finden.

Also wieder raus in die feuchtheiße Nachtluft der Mittelmeermetropole – um festzustellen, dass drei der Bankomaten im Umkreis außer Betrieb waren.

Meine Uhr zeigte kurz vor 3 an.

Auf dem Weg zum Bankomaten #4 tauchte ein weiteres Hostel an der Ecke auf. Der Preis war fair und ich glücklich, endlich in einem Bett liegen zu dürfen. Der Besitzer dieser seltsamen Spelunke würde wohl meinen Eintrag wieder irgendwie löschen müssen.

Während der halbe Raum stöhnte, als ich die Tür öffnete und mein Bett beziehen musste glaubte ich, dass sich das Paradies wohl so anfühlen müsste wie die Pritsche vor mir.

An viel anderes konnte ich nicht mehr denken, der Schlaf übermannte mich nachdem ich auf die harte Matratze gefallen bin.

Bis 7 Uhr morgens. Dann läutete mein Wecker, der noch vom Bauernhofalltag eingestellt war.

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