Türme und Brücken von Hanoi

Da im Laufe dieser Woche wurde auf der Seite der Gesellschaft Österreich-Vietnam (https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=699152050105165&id=309570196522&stream_ref=10) eifrig darüber berichtet, dass eines der Wahrzeichen Vietnams, die Long Biên Brücke glücklicherweise doch erhalten bleibt (http://www.thanhniennews.com/reportage-photo/bridging-the-times-24260.html). Deshalb sehe auch ich mich veranlasst, ein paar Monate nach vorne zu springen und kurz diese Impression Hanois zu schildern.

_DSC0189_mini

_DSC0243_mini_DSC0255_miniEs war genau zur Zeit des Tết-Festivals, als sich die Hauptstadt in ihrem wohl berüchtigsten Gewand zeigte – dem, mit dem sie wohl kaum den Wettbewerb der Südostasiatischen Städte mit den meisten Sonnenstunden gewinne würde…

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an...

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an…

Schönwetter in Hanoi

Schönwetter in Hanoi

Tags zuvor strahlte in Hue noch die wärmend die Sonne, die damalige Trennung zwischen Nord- und Südvietnam schien sich auch meteorologisch manifestiert zu haben – Hanoi trug ein Trauerkleid des Wetters, es war kalt, nieselte ständig und ich fragte mich, ob ich je die Sonne wiedersehen würde. Glücklicherweise war ich nicht zum Bräunen in die Hauptstadt gekommen.

Für mich als Programmierer waren die vom französischen Mathematiker Édouard Lucas postulierten kristallenen „Türme von Hanoi“ das Wahrzeichen der Stadt, das mich interessierte und weswegen mich die Metropole seit Jahren faszinierte (wenn man genau rechnet, sogar seit (einem) Jahrzent(en)).

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben...

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben…

Das Problem mit den Türmen von Hanoi ist, dass man sie wohl irgendwann nach Benares gebracht hatten – sofern sie überhaupt jemals existierten.

_DSC0261_miniSomit gab ich mich nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt mit einem Wahrzeichen zufrieden, das mehr den Architekten und Historikern als den Programmierern schmeichelt: Der Long Biên Brücke.

 

_DSC0264_miniMan sah ihr recht gleich an, dass sie viel mehr als eine einfache Brücke war. Obwohl man sie nicht mit einem Auto überqueren konnte besaß sie trotz – oder vielleicht genau wegen ihres Alters etwas, was entgegen den meisten anderen Brücken, die ich während meines Lebens gesehen hatte vor allem eines: Eine Seele.

_DSC0269 - _DSC0272_mini

Zwei Fahrstreifen, jeweils in eine Richtung für einspurige Fahrzeuge und Fußgänger und in der Mitte Geleise für Züge und dergleichen.

Man sieht ihr das Alter schon an...

Man sieht ihr das Alter schon an…

Ob man zu Beginn 20. Jahrhunderts als sie von der französischen Gesellschaft Daydé & Pillé (inzwischen wurde sie in die Eiffel-Gruppe integriert), deren Schilder sie noch heute trägt erbaut wurde gedacht hat, dass sie über ein Jahrhundert und mehrere Kriege und Weltkriege überstehen würde? Das Faktum, dass sie nicht (mehr) mit dem Auto befahrbar ist spricht für sich.

Mir wurde auch hin und wieder etwas mulmig zumute, als ein Zug sie passierte. Man fühlt die Bewegungen der Schienenfahrzeuge.

_DSC0302_mini

Der Erbauer, Daydé & Pillé

Der Erbauer, Daydé & Pillé

Von den mittlerweile sechs Brücken, die den Roten Fluss (Sông Hồng) gehen ist sie die Älteste.

Die wahre Imposanz der Brücke wird einem erst bewusst, wenn man den ersten Teil, der über den schmäleren Teil des Roten Flusses führt und die Insel überwunden hat. Obwohl schon dieses Teilstück sehr beeindruckend ist, ist das wahre Ausmaß erst etwa zwischen zweitem und letzten Drittel sichtbar.

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

_DSC0327_mini

Unter der Brücke...

Unter der Brücke…

Auch das Faktum, mitten in einer der größten Städte Südostasiens einen Insel voller Nutzpflanzenfelder vorzufinden ist für einen Mitteleuropäer kaum vorstellbar, für viele jedoch ein faszinierender Gedanke – wobei es in Fernost wohl keine urbane Bohéme ist, die Tomaten anpflanzt, sondern eine andere Gesellschaftsschicht…

_DSC02SC0301lobipan4_mini

_DSC0460_mini

Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Auf der anderen Seite des Flusses finden sich für Touristen eher uninteressante Viertel, sodass ich mich entschieden hatte über die gleich danebenliegende Brücke zu Fuß(!) zurückzumarschieren.

Auf der anderen Seite...

Auf der anderen Seite…

Vermutlich hatte der Brückenwächter, der mich müde ansah keine Lust mit einem Westler zu diskutieren, der noch immer kein Vietnamesisch sprach und ließ mich ziehen – sodass ich erst irgendwann in der Mitte feststellte, dass diese Überquerung gar nicht für Fußgänger gedacht war…

_DSC0450_mini

Einigen Mopedfahrern werde ich wohl auch seltsam vorgekommen sein, doch von hier aus hatte ich doch einen interessanten Blick auf Long Biên Brücke.

_DSC0455_mini

Was folgte war das gewohnt touristische Hanoi… Demnächst sollte ich meine Reisen wohl auf Benares konzentrieren, wenn ich nach meinen Kristalltüremen suche.

Kommentar verfassen