Vormittag in Saigon

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Hô Chi Minh Stadt blieb sich treu: Chaotisch und in jeder Hinsicht ein Original.

Speziell morgens saßen in allen Straßenküchen Leute die Nudelsuppe hineinschaufelten.

Guten Morgen, Saigon

Guten Morgen, Saigon

_DSC0012_miniDie Sonne war wesentlich angenehmer als die Mittagshitze in dieser Asphaltlandschaft und erstmals überschritt ich auch die Brücke über den Saigonfluss und erstaunte darüber, dass sich die Umgebung verändert hatte.

Saigon als „homogen“ zu beschreiben entspricht der Bezeichnung „verlässlich“ für eine Person, von der man zu 100% weiß, dass man sich auf sie nicht verlassen kann. Dennoch fühlte sich dieser Teil der Stadt noch einmal gänzlich anders an als der vorige. Als würde ich mit dem anderen Ufer eine ganz andere Geschichte betreten.

_DSC0075 - _DSC0082_blended_fused_mini

Bisher war mein Bauch leer geblieben und ich hielt an einem Suppenstand um mir mein Frühstück zu holen.

_DSC0120_miniMein heutiger Koch bereitete seine Speisen leicht anders zu als die meisten seiner Kollegen. Das Rindfleisch in meiner Schüssel war noch halb roh.

_DSC0124_miniAber ich verstand: Die Suppe selbst war noch fast kochend heiß – praktisch unmöglich zum sofortigen Verzehr. In der Hitze garte das Fleisch schonend vor sich hin und ist pünktlich zum Verzehr „fertig“.

Während ich auch vom Grünzeug am Tisch eifrig Gebrauch machte, grinste mich der Koch stolz an. Vermutlich sah er mir die Verwunderung an oder war stolz darauf, dass auch ein „Botschafter des Westens“ bei ihm einkehrte um in die Genüsse seines Landes zu kommen.

Gestärkt schritt ich ‚gen Norden.

_DSC0150_mini_DSC0144_miniErstmals kam ich auch auf einen Markt, der praktisch nur Einheimischen vorbehalten war. Herrlich. Vergleichbare Märkte muss man jedes Mal suchen und wird nie enttäuscht. Wie immer potenzierte sich das Tohuwabohu und auf einem Pfad zwischen zwei Ständen, der knapp eine Person fassen konnte drängten sich Mopedfahrer, Bettler, Frauen mit den traditionellen Non La-Kegelhut in zwei eng gepfärchten Reihen.

Händler boten Fisch, Fleisch, Gemüse und Kleidung an – was mich alles weniger interessierte. Schließlich fand sich jedoch wonach ich suchte: Auf einer roten Plane bot ein Herr diversen Tand an wie Manikürzubehör, „nützliche“ Haushaltsbehelfe und Esoterika an.

DAS war es, wonach ich wollte – vermutlich sollte alles auf die eine oder andere Art Glück bringen, hier lachte ein Buddha, da lagen goldene Ringe und ein paar zusammengebundene Chinesische Kupfermünzen, für die ich ihm dann ein paar Dong gab.

Wirklich faszinierend waren jedoch die „Dollar“ die er anbot.

Sie hatten die Größe der Silberdollar aus dem 19. Jahrhundert und waren auch mit diesem Prägedatum versehen. Doch jeder Laie konnte mittels hochheben feststellen, dass das Material unedler war. Genau das gefiel mir dabei: Es war eine derart plumpe Fälschung die keinerlei Wert auf Authentizität legte. Leider sprach der Verkäufer kein Englisch und mir blieb der wahre Sinn verborgen, doch ich gab ihm zwei echte Dollar für einen seiner Unechten, was ihn außerordentlich glücklich stimmte.

_DSC0164 - _DSC0166_mini

Später traf ich eine Freundin in einem der vielen Trung Nguyen Kaffeehäuser und musste warten. Einen Tisch entfernt saß ein anderer Westler, der offensichtlich auch nach Beschäftigung suchte und sprach ihn an. Er war Amerikaner und wartete ebenso auf jemanden. Ich holte meine Münze heraus und hielt sie ihm vor – ob er wisse, was das ist. Verblüfft drehte er das Metall mit dem Indianerkopf darauf und schien zu ahnen, dass es nicht ganz echt sei. Noch verwunderter war er, als ich erwähnte, dass ich es hier auf einem Markt erstanden hatte. Aber vermutlich hätte ich genauso reagiert, würde man mir einen übergroßen Euro aus dem falschen Material in die Hände drücken.

_DSC0141_miniAm Ende lag noch einer dieser überkitschigen Läden, die saisonale Ware feilboten. In diesem Fall „Weihnachtskleidung“ für Kinder.

Wir hatten über 30°C und die hier boten tatsächlich Weihnachtsmützen, rote Pelzjacken und ähnlichen Ramsch an. Wer kauft sowas?

Später lief mir auch eine Horde Kinder über den Weg, die damit angezogen waren…

Ho ho ho...

Ho ho ho…

Kommentar verfassen