Eli Avivi

_DSC0191_miniRechts schimmerte entfernt das Meer in der untergehenden israelischen Sonne, die den Libanon den man hier fast schon riechen konnte küssten wollte.

Hätte es einen zivilen Grenzübergang gegeben, so wäre ich vielleicht auf einen gegrillten Spieß zum Abendessen weiter nach Norden gegangen – doch stand mir ein Grenzübertritt dennoch bevor.

_DSC0192_miniVor mir lag ein mit einem Palmenhain bewaldeter Hügel, dem vorgelagert ein Wegweiser für die Autofahrer es trug den Titel „Eli Avivi“

Zuerst in Ivrit, dann Arabisch, dann Latein – fast hatte es den Anschein, als hätte Israel den Separatisten Eli endlich anerkannt. Wohl nur wegen des Tourismus, aber kaum jemand fragt nach, warum ein Staat unabhängig geworden ist…

_DSC0194_mini_DSC0195_miniEigentlich hatte ich erwartet, dass Akhzivland einen richtigen Grenzposten hatte, dass zumindest irgendwo ein Banner geschwungen wurde oder was weiß ich, eine Hymne gespielt würde – aber außer einem Schild und der Auffahrt war nichts zu sehen.

Dann ein kleines Häuschen zur Linken und ein großes Anwesen zur Rechten, daneben der Blick aufs offene Gewässer.

_DSC0201_mini_DSC0203_miniEin paar Mal musste ich rufen, bevor Rina Avivi erschien und mir sagte, dass Eli erst später kommen würde. Doch mein Zimmerchen durfte ich schon beziehen und war allgemein positiv überrascht. Mein Reiseführer meinte, es wäre eine Art Hostel, doch glich es einer eigenen Ferienwohnung, die man ungern wieder verlässt.

Restaurants existierten in diesem Staate genausoviele wie auch in vergleichbaren Ländern. Dem Vatikan z.B. oder Sealand.

Zumindest lag nicht weit entfernt eine Tankstelle die auch mit Gemüse handelte und ich tauschte meine Schekel gegen Essbares ein und schritt fröhlich über israelisches Staatsgebiet. Wie anders hier alles war als in der Wüste…

Es gab Wald, Gras und die Temperaturen lagen in einem weitaus angenehmeren Bereich als in meiner neuen „Heimat“ Beer Milka.

Als ich erneut die Grenze passierte war der Präsident eingetroffen. Eli Avivi. Wenn ein Prophet aus meiner alten Kinderbibel vor mir gestanden wäre – ich hätte keinen Unterschied erkannt. Er ist eine imposante Erscheinung.

Eli und Rina Avivi

Eli und Rina Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Wir kamen recht bald ins Gespräch und mich interessierte die Geschichte seines Landes aus seinem Munde erzählt – doch darüber sprach er nicht gerne und er fragte mich, was ich so täte. „Ich bin Programmierer – aber derzeit nur zum Fotografieren unterwegs“ worauf er um meine Kamera bat.

Seine Handgriffe waren durchaus geübt, er erzählte, dass auch er diese Leidenschaft teilte und so war es keine große Überraschung, dass wir den ganzen Abend miteinander plauderten.

 

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_DSC0272_mini_DSC0269_miniAm nächsten Morgen bedauerte ich sehr, keine Badesachen dabei zu haben. Akhzivland überraschte mich jeden Tag aufs Neue (immerhin war ich schon seit einem Tag hier) und die Küste leuchtete fast im Lichte des Vormittags. Nebenan war der Akhziv-Nationalpark und ein anderer Strand…

Langsam wurde ich hungrig und es schien fast, als ob Eli Avivi das gemerkt hätte – er fragte mich, ob ich mit ihm nach Naharia zum Essen wollte. „Gerne“ entgegnete ich und wir fuhren mit einem Taxi los.

Naharia behalte ich bis heute mit einem wunderbaren Gefühl im Herzen. Die Atmosphäre war exakt dieselbe wie in Lienz, der Stadt in der ich geboren wurde. Sie hatte auch in etwa dieselbe Größe und fühlte sich viel „freier“ an, als die meisten Städte Israels.

Wir ließen uns vor einem libanesischen Grillstand nieder und orderten jeweils einen Teller. Während wir speisten stierten wir beide gleichzeitig einem ausgesprochen hübschen arabischen Mädchen nach. Es war kaum zu glauben, dass dieser alte Sack dieselben Gedanken wie ich teilte, machte es doch die ganze Konversation viel komischer. Zu unserem beider Leidwesen verschwand die hübsche Unbekannte recht bald wieder mit ihrem vierschrötig aussehenden Vater(?) und wir konnten nur noch davon sprechen, dass sie wirklich sehr sehr hübsch gewesen ist und sie doch noch ein bisschen länger hätte bleiben sollen…

 

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