Reise nach Mui Ne

_DSC0270_miniHô Chi Minh Stadt ist ein Wunder. Ich habe Schwierigkeiten, mir eine Stadt vorzustellen, die ähnlich viel zu bieten hat. Zwar ist die Aufregung, die Geschäftigkeit, das Viele von Vielem für eine gewisse Zeit ein wahres Feuerwerk für die Augen und den Geist, doch wird es auf Dauer einfach nur viel – und je öfter man seine Schritte über die Flüsse setzt, die Pagoden ansieht und den undisziplinierten Motorradfahrern etwas in seiner Sprache nachschreit, dass sie einen nur ja nicht verstehen desto mehr wird man selbst zu Saigon oder weiß, dass man gehen sollte.

_DSC0271_miniMit Stift und Zettel bewaffnet durchsuchte ich eine Straße voller Reisebüros nach dem günstigsten Tarif. Alle Touristen wollen nach Mui Ne – das sollte auch mein Weg sein! Ein wenig musste ich handeln, war aber mit dem Preis nicht unzufrieden – und irgendwie boten ja auch alle Veranstalter insofern das Gleiche, keiner erzählte mir, dass und warum sein Bus mehr hätte.

So vergingen die letzten Tage in der Hauptstadt des Südens wesentlich ruhiger – meine Abreise stand bevor und ich konnte das bunte Gemisch an allem was man hier zu bieten hatte gelassen an mir vorbeirauschen lassen.

Der Sprache immer noch nicht mächtig, verabschiedete ich mich mehr mit Gesten von meinen sehr lieben Gastgebern und war etwas traurig darüber – wir konnten nie wirklich miteinander sprechen, aber man hatte mich sehr gut behandelt.

Ein letztes Mal schaute ich noch in die Đề Thám-Seitenstraße und machte mich durch die dunklen Gassen auf den Weg zum Reisebüro – auf den Bus wartend.

Wir fuhren in den Sonnenuntergang hinein. Diesmal hatte ich zwar darauf geachtet keinen Nachtbus zu erwischen, aber wenn es schon um 6 finster wird, lässt sich die einbrechende Dunkelheit nur schwer vermeiden. Im Bus bin ich einem Vietnamesen mit exzellentem Englisch begegnet. Er war auf dem Weg in die Vereinigten Staaten und erzählte ganz begeistert von seiner Liebe zur Fotografie, die ich nur zu sehr teilte.

Weihnachten an der Bushaltestelle

Weihnachten an der Bushaltestelle

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Für die nächsten Tage blieb er in Phan Thiết bei seiner Familie. Er zeigte mir ein paar seiner Fotos und hatte offensichtlich Talent und kannte auch schöne Mädchen, die sich in den traditionellen Vietnamesischen Kleidern fotografieren ließen.

An seiner Haltestelle tauschten wir noch schnell die Nummern aus und es überraschte mich, wie nahe sich Mui Ne und Phan Thiết sich waren.

In Vietnam habe ich (im krassen Gegensatz zu Europa) nie auch nur ein einziges Zimmer reserviert. Die Gästehäuser oder „nhà nghỉ”s hatten sowieso keine Webseiten und würden dementsprechend nicht ohne einer Suche vor Ort auftauchen.

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In Mui Ne allersdings standen nur Hotel nach westlichem Vorbild und mit Preisen die man vielleicht in Mitteleuropa erwartet hätte. Selbst ein Hostel war gänzlich überteuert.
Irgendwie konnte ich über die Einheimischen, die schon fast am Ende des touristischen Teils der Stadt lebten herausfinden, dass es tatsächlich Unterkünfte gab, die sich am Land und nicht an den Gästen orientierten.

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

_DSC0383_miniZunächst bot mir ein Hotel ein eher teures Zimmer mit dem Fenster zur Straße an. Es war, wie alle Zimmer, die ich in Vietnam hatte sauber, aber ich war nicht ganz zufrieden. Also zerrte ich meinen Koffer weiter, bekam eine Telefonnummer, rief ihn an, und erhielt eine Adresse und war verwundert theoretisch exakt da zu stehen, wo ich eigentlich hin sollte. Nur – obwohl die Straße alle Nummern in der richtigen Reihenfolge hatte fehlten hier ein paar. Wieder erbat ich mir Rat von den umstehenden Menschen und so teilte mir ein Vietnamese mit, dass sich die Nummern in einer Seitenstraße fanden die ich für den Gartenzugang hielt.

"Garten meines Gästehauses"

„Garten meines Gästehauses“

Meine Nachbarn

Meine Nachbarn

Der Preis schin fair und ich stimmte zu, letzten Endes würde ich hier allerdings länger bleiben als ursprünglich gedacht. Kurz nach dem Einlagern meines Hab und Guts schritt ich der Straße entlang, die aus der Stadt führte und fand ein von einer alten Dame bewirtschaftetes Gasthaus, in dem ich mir eine Nudelsuppe schmecken ließ und dazu einen chinesischen Film mit vietnamesischen Untertiteln ansah… oder umgekehrt.

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