Xuân Lộc Road Movie

Die meisten Touristen ließen sich in Mui Ne nur die Sonne auf den Bauch scheinen oder besuchten touristische Ziele der Gegend. Ich hatte auf der Fahrt etwas gesehen, was mich wesentlich mehr faszinierte als Dünen, Wasserfälle oder Strände.

Seit ich ein Kind war wollte ich immer schon Kautschukbäume zu Gesicht bekommen. Irgendwann sind sie wohl in meinen Büchern aufgetaucht weshalb sich ein Interesse bemerkbar machte selbst Entdecker zu werden. Auf der Fahrt von Saigon hatte ich bemerkt, dass es Kautschukplantagen gab die neben der Straße platziert waren.

Ein etwas suspekt wirkender Einheimischer verlieh sein Motorrad zu einem günstigen Preis, vielleicht zu günstig? Aber egal, ich bestieg das Fahrzeug und raste einfach nur nach Süden, „zurück“ nach Saigon. Irgendwo auf der Strecke würde ich finden, was ich begehrte.

_DSC0456_miniEs begann eine „Road Movie“ der anderen Art… Außerhalb Phan Thietes lagen große Felder mit Drachenfrüchten und Händler säumten die Straßen. Fast war es ironisch: In der Touristenhochburg Mui Ne gab man sich so, als seien Drachenfrüchte exquisit und teuer und schon wenige Kilometer außerhalb gibt man gerne etwas mehr an hungrige Touristen ab. So auch an mich – mein Vorrat an Frischobst war für die kommenden Tage eingedeckt. Mir sagte die Frucht dermaßen zu, dass ich vermutlich jeden Tag 1-3 Stück davon gegessen hatte. Gerne hätte ich mehr von den süßeren, aber auch teureren Purpurfleischigen gegessen, doch auch dir Weißen waren ja nicht zu verachten.

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Nach mehreren Kilometern zeigte sich, warum das Motorrad so günstig war. Die Qualität ließ zu wünschen übrig und ich hatte mitten in der Pampa eine Panne.

Wenn das Österreich wäre, so würde Folgendes passieren: Ich stelle das Gefährt am Straßenrand ab, nehme mir ein Taxi in die nächste Stadt, suche dort einen Mechaniker der das Kraftrad abtransportiert und drei Tage später ist alles repariert (wenn er die Teile hat). Wenn das in Österreich schon so lange dauert, was wäre dann wohl hier? Ich haderte, rollte mein Wrack aber tapfer weiter.

Irgendwo am Ende der Welt

Irgendwo am Ende der Welt

_DSC0472_miniWas mir jetzt erst klar wurde war, dass hier überall Werkstätten ihre Dienste feilboten. Nach weniger als 100m Schieben zeichnete sich ab, dass das Haus vor mir eine war. Der Mechaniker konnte kein Englisch, weswegen ich nur auf den Motor zeigte und ihm verdeutlichte, dass es nicht mehr startet. Er nickte und fing an zu werkeln.

Praktischerweise lag neben seinem Betrieb ein kleiner Laden in dem ich mir einen dünnen Tee orderte, meinen Proviant verbrauchte und mich sorgte was wohl hier aus mir werden würde? Vermutlich würde ich bald nichts mehr zu essen haben und mich als Reisbauer verdienen müssen, bis ich wieder zurück konnte. Unterkünfte gab es keine. Wo ich war konnte ich auch nicht sagen…

Nachdem ich Fotos auf der Kamera sortiert hatte, im Wörterbuch nach irgendwelchen Wörtern zu suchen begann und Löcher in die Luft starrte stand der Mechaniker neben mir – es lief wieder. Was genau kaputt war weiß ich bis heute nicht. Gekostet hat es glaube ich etwa einen Dollar.

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_DSC0486_miniDie Region wurde von einigen sanften Hügeln durchzogen und auf der rechten Seite thronte ein Kloster. Zuerst wollte ich nur kurz anhalten, um schnelle Fotos zu schießen, dann fand sich ein Bonze der ein wenig Englisch konnte.

Viel wusste er mir nicht zu sagen, doch war er freundlich und führte mich herum. Ein Buddha schaute zu uns herab, in seinem metallenen Gesicht spiegelte sich das Leuchten der Swastika, die ich immer noch nicht gewohnt war. Sie bauten gerade meinte mein Führer mild als wir an einem unfertigen Teil des Komplexes passierten. Es schienen gute Zeiten für die Mönche zu sein. Als die Tour beendet war, aßen wir violette Maniokwurzeln. Ihr Geschmack ist mir lieber als der heimischer Kartoffeln. Sie haben eine angenehme Note und ein mildes Aroma. Die tiefviolette Farbe ist am Anfang etwas irritierend. In unseren Breiten ist Nahrung mit der Tönung meist verdorben.

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Kanonenkugelfrucht

Kanonenkugelfrucht

Da sie gerade gekocht hatten, tischte mir ein Mädchen aus der Küche noch einen Teller mit vegetarischen Gerichten auf. Zahlung wollten sie keine Annehmen. Ich sei ein Gast. Ich dankte berührt. Gerne wäre ich noch länger geblieben, doch hatte ich mein Tagesziel noch nicht erfüllt.

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Der Weg führte mich vorbei an der Szenerie Vietnams. Unfälle auf der Überlandstraße. CD-Verkäufer, die ihre Musik über ihr Moped in die Welt posaunten und eine Kulisse, in der sich Moschee und Kirche friedlich gegenüberstanden.

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Langsam dämmerte es und ich fragte mich mehr und mehr, ob ich den Weg nachhause wieder finden würde. Es müssten inzwischen fast 70km sein, die ich mit der schwachen Maschine zurückgelegt hatte…

Kirche und Moschee nebeneinander, Xuân Lộc Bezirk

Kirche und Moschee nebeneinander, Xuân Lộc Bezirk

 

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