Kategorie-Archiv: Projekte

Hier kommen verschiedene Einzel- und Gemeinschaftsprojekte hinein

Die letzten Tage in Beer Milka

_DSC0254_miniInzwischen waren Monate vergangen seit dem ich nach Israel aufgebrochen bin. In Idan hatte ich Tomatenfelder präpariert und mit den Thai-Workern zusammengearbeitet, Beer Milka forderte mehr und war eine der besten Erfahrungen meines Lebens.

 

Passionsfruchtpflanzen

Passionsfruchtpflanzen

In den letzten Tagen war ich viel alleine. Mein australischer Kollege war schon früher aufgebrochen und ich verbrachte meine Tage großteils mit dem Präparieren von neuen Feldern, mit der Ernte von Kräutern und dem Pflanzen von Setzlingen. Auch Golan kam seltener da er mit dem Hausbau die Hände voll zu tun hatte.

Gerade jetzt wurde mir bewusst, wie viele verschiedene Gewächse wir hier hatten. Golan pflanzte Wein, einige ausgestorbene Dattelarten und noch vieles Andere an.

Alles biologisch und gegossen wurde es mit dem Salzwasser aus der nahen Quelle.

 

Melissenernte

Melissenernte

Lediglich die Melisse war dem mineralstoffhaltigen Zeug gegenüber etwas zu empfindlich und ein Teil der Ernte fiel nicht so gut aus.

Interessant fand ich, dass wir hier den Plantago Major hatten. In Österreich wächst dieses Kraut überall. Jeder Garten hat es, jede Wiese und man nennt es gemeinhin „Breitwegerich“. Gerade als ich die übersensible Melisse abernten wollte, schnitt ich mir tief in den Finger und hatte kein Pflaster parat. Also entnahm ich dem Breitwegerich ein großes Blatt und legte es über die Wunde.

 

Beim Schneiden der Melisse

Beim Schneiden der Melisse

Fingerpflaster sind nie sehr ausdauernd. Weder im Hochpreissegment, noch in der Natur selbst. Doch als es selbst verstärkt mit Klebeband nach einigen Minuten wieder abfiel staunte ich nicht schlecht: Die Wunde war praktisch verheilt.

Und wäre es auch geblieben, wenn ich nicht weitergearbeitet hätte. Zumindest hatte ich die Heilkraft empirisch bestätigt.

Umso faszinierender, dass es in Israel einen Markt dafür gab.

_DSC0152_miniDie Arbeit, diese Kräuter aus dem Boden zu bekommen war bei Weitem die Härteste die ich überhaupt machen musste. Das klingt jetzt recht übertrieben, doch dieser Plantago hatte sehr dichte Wurzeln, die sich noch dazu weit verzweigten. Anfangs riss ich sie aus und musste nach einigen Stück eine Pause einlegen. Trotz dem Sand war meine ganze Stärke notwendig, dieses Grünzeug samt Wurzel sauber aus dem Boden zu bekommen.

Es war nicht hart im Sinne von „An die Grenzen bringen“. Es raubte einem einfach nur seine ganze Kraft. Als würde man zu schwere Gewichte heben.

Später leistete ich mit einer Schaufel Vorarbeit was ein wenig half. Genausogut hätte ich Anker herausziehen können. Vielleicht war das ja einer der Gründe warum Golan sie gepflanzt hat – sie banden den Sand. Eine vergleichbare Pflanze ist Rotem (רותם), die in Israel hauptsächlich deshalb so geschätzt wird, weil sie den Sand zusammenhält und so den Boden fruchtbarer macht.

Obwohl sie über medizinische Substanzen verfügt ernteten wir sie nie, da sie lebedig wertvoller war als in einem Sack. Der Name sollte wohl „verbinden“ bedeuten.

_DSC0345_miniSchließlich kam der Tag meiner Abreise immer näher. Gerade jetzt versuchte ich die Wüste noch in allen Zügen auszukosten. Starrte lange in die unendlichen Weiten des israelischen Negev. Fühlte Wind und Sonne und versuchte das „Lied der Wüste“ zu hören, von dem ich so manches Mal gehört hatte. Abends saß ich meist auf einer Anhöhe hinter dem Bauernhof und blickte zu den beleuchteten Militärbasen die sich durch die Wüste zogen. Wie oft wurden hier Manöver abgehalten. Fast jede Nacht fürchtete ich dass sich Israel und Ägypten gegenseitig überfallen würden, doch wenn man in einem Land aufwächst in dem die Zivilbevölkerung militärische Übungen eher als seltsame Spielereien betrachtet ist man Ländern wie Israel gegenüber, in denen das Heer tatsächlich eine Aufgabe hat wohl etwas übersensibel.

_DSC0084_mini

Noch einen Tag. Einen Teil des Gepäcks ließ ich in Golans Container und machte mich für eine Reise über den Sinai bereit. Mir fiel jedoch erst viel zu spät ein, dass ich ein Visum brauchte – also rief ich kurz vor 17:00 in der ägyptischen Botschaft in Tel Aviv an. Ein Herr mit schlechtem Englisch erklärte mir, dass ich in 10 Minuten noch einmal anrufen sollte. Um mir dann zu sagen, dass sie jetzt geschlossen hätten…

fertig_mini

Eli Avivi

_DSC0191_miniRechts schimmerte entfernt das Meer in der untergehenden israelischen Sonne, die den Libanon den man hier fast schon riechen konnte küssten wollte.

Hätte es einen zivilen Grenzübergang gegeben, so wäre ich vielleicht auf einen gegrillten Spieß zum Abendessen weiter nach Norden gegangen – doch stand mir ein Grenzübertritt dennoch bevor.

_DSC0192_miniVor mir lag ein mit einem Palmenhain bewaldeter Hügel, dem vorgelagert ein Wegweiser für die Autofahrer es trug den Titel „Eli Avivi“

Zuerst in Ivrit, dann Arabisch, dann Latein – fast hatte es den Anschein, als hätte Israel den Separatisten Eli endlich anerkannt. Wohl nur wegen des Tourismus, aber kaum jemand fragt nach, warum ein Staat unabhängig geworden ist…

_DSC0194_mini_DSC0195_miniEigentlich hatte ich erwartet, dass Akhzivland einen richtigen Grenzposten hatte, dass zumindest irgendwo ein Banner geschwungen wurde oder was weiß ich, eine Hymne gespielt würde – aber außer einem Schild und der Auffahrt war nichts zu sehen.

Dann ein kleines Häuschen zur Linken und ein großes Anwesen zur Rechten, daneben der Blick aufs offene Gewässer.

_DSC0201_mini_DSC0203_miniEin paar Mal musste ich rufen, bevor Rina Avivi erschien und mir sagte, dass Eli erst später kommen würde. Doch mein Zimmerchen durfte ich schon beziehen und war allgemein positiv überrascht. Mein Reiseführer meinte, es wäre eine Art Hostel, doch glich es einer eigenen Ferienwohnung, die man ungern wieder verlässt.

Restaurants existierten in diesem Staate genausoviele wie auch in vergleichbaren Ländern. Dem Vatikan z.B. oder Sealand.

Zumindest lag nicht weit entfernt eine Tankstelle die auch mit Gemüse handelte und ich tauschte meine Schekel gegen Essbares ein und schritt fröhlich über israelisches Staatsgebiet. Wie anders hier alles war als in der Wüste…

Es gab Wald, Gras und die Temperaturen lagen in einem weitaus angenehmeren Bereich als in meiner neuen „Heimat“ Beer Milka.

Als ich erneut die Grenze passierte war der Präsident eingetroffen. Eli Avivi. Wenn ein Prophet aus meiner alten Kinderbibel vor mir gestanden wäre – ich hätte keinen Unterschied erkannt. Er ist eine imposante Erscheinung.

Eli und Rina Avivi

Eli und Rina Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Wir kamen recht bald ins Gespräch und mich interessierte die Geschichte seines Landes aus seinem Munde erzählt – doch darüber sprach er nicht gerne und er fragte mich, was ich so täte. „Ich bin Programmierer – aber derzeit nur zum Fotografieren unterwegs“ worauf er um meine Kamera bat.

Seine Handgriffe waren durchaus geübt, er erzählte, dass auch er diese Leidenschaft teilte und so war es keine große Überraschung, dass wir den ganzen Abend miteinander plauderten.

 

_DSC0223_mini

_DSC0272_mini_DSC0269_miniAm nächsten Morgen bedauerte ich sehr, keine Badesachen dabei zu haben. Akhzivland überraschte mich jeden Tag aufs Neue (immerhin war ich schon seit einem Tag hier) und die Küste leuchtete fast im Lichte des Vormittags. Nebenan war der Akhziv-Nationalpark und ein anderer Strand…

Langsam wurde ich hungrig und es schien fast, als ob Eli Avivi das gemerkt hätte – er fragte mich, ob ich mit ihm nach Naharia zum Essen wollte. „Gerne“ entgegnete ich und wir fuhren mit einem Taxi los.

Naharia behalte ich bis heute mit einem wunderbaren Gefühl im Herzen. Die Atmosphäre war exakt dieselbe wie in Lienz, der Stadt in der ich geboren wurde. Sie hatte auch in etwa dieselbe Größe und fühlte sich viel „freier“ an, als die meisten Städte Israels.

Wir ließen uns vor einem libanesischen Grillstand nieder und orderten jeweils einen Teller. Während wir speisten stierten wir beide gleichzeitig einem ausgesprochen hübschen arabischen Mädchen nach. Es war kaum zu glauben, dass dieser alte Sack dieselben Gedanken wie ich teilte, machte es doch die ganze Konversation viel komischer. Zu unserem beider Leidwesen verschwand die hübsche Unbekannte recht bald wieder mit ihrem vierschrötig aussehenden Vater(?) und wir konnten nur noch davon sprechen, dass sie wirklich sehr sehr hübsch gewesen ist und sie doch noch ein bisschen länger hätte bleiben sollen…

 

Haifa

Ich hatte schon bessere Morgen erlebt als den heutigen. Schlaftrunken, aber unfähig, mich wieder ins Land der Träume zu verabschieden brachte ich die Morgentoilette hinter mich und watschelte in den Gemeinschaftsraum, wo ich ein im Preis inbegriffenes Frühstück erhielt:

Schwarztee und einen Schokoladencroissant.

Während ich das Zeug ohne jeglichen Genuss -nach nur vier Stunden Schlaf war ich beileibe nicht dazu in der Lage gewesen- vor mich hin aß dachte ich über die Worte Golans nach: Er war schon einige Male in Haifa gewesen, wisse aber immer noch nicht, was es dort zu sehen gibt.

_DSC0170_miniDen Carmel, den ich schon vom Bus aus sehen konnte war schon einmal ganz impressiv, er dominierte Haifa, wie sonst keine andere Stadt Israels von einem Berg überragt wird.

Sonst war die Stadt… Groß? Sauber?

Aber für Touristen vermutlich nicht ganz der richtige Ort. Ich streunte an Hotels vorbei und überblickte die ganze Hafenmetropole. _DSC0172_miniUnten der geschäftige Port, eine volle Hauptstraße und am Haus vor mir wachtelte eine Brasilien-Flagge im warmen Frühsommerwind. Nichts spektakuläres, Haifa ist vermutlich keine Stadt, die einem Tagestouristen besonders in Erinnerung bleibt.

Die Gärten der Bahai mussten nicht lange gesucht werden, es ist fast unmöglich, nicht auf sie zu stoßen, wenn man in Haifa unterwegs ist. Schwerer war es, außerhalb der Öffnungszeiten eine Führung zu bekommen.

Dieses Foto macht wohl jeder, wenn er Haifa besucht...

Dieses Foto macht wohl jeder, wenn er Haifa besucht…

„Morgen“ solle ich wiederkommen meinte einer der Führer nicht allzu freundlich zu mir, als er wohl sehr glücklich darüber war soeben seine Letzte Gruppe los geworden zu sein.

„Morgen“ sollte ich in Akzivland und nicht in Hafia sein, aber der Kollege von den Bahai blieb hart: Keine Gartenführung für mich.

Damit blieb zumindest noch der öffentliche Teil des Gartens, der ganz nett war aber mir in meinem Streben zum Verständnis gegenüber den Bahai nicht sehr viel beitrug.

Da ich nicht beabsichtigt hatte, in Tel Aviv zu nächtigen, hatte ich Zeit verloren und konnte mir keines der Museen ansehen. Das Getreidemuseum wäre interessant gewesen.

Beim Verlassen der Bahaigärten bin ich ins „Gespräch“ mit einem christlichen Koreaner auf den Spuren Jesu gekommen. Ob Jesus jemals hier gewesen war konnte ich nicht sagen, vermutlich höchstens dann, wenn er sich Akko ansehen wollte.

_DSC0171_miniDamals war ich noch sehr überrascht, dass es christliche Südkoreaner gibt. Später, als ich mit einem Beduinen am Gipfel des Mosesberges Tee getrunken habe, hatte eine wahre fernöstliche Horde unsere Unterhaltung mit ihren Canti untermalte.

Die Südkoreaner, die ich getroffen hatte schienen mir alle sehr fromm zu sein und selten über ein gutes Englisch zu verfügen – jedoch waren sie immer ausgesprochen freundlich. Es wäre interessant, wie sie wohl im eigenen Land so sind… Nun ja, jetzt war ich noch in Haifa und wollte meinen Bus nach Akzivland bekommen.

Werbung für eine Reise nach Österreich in Haifa

Werbung für eine Reise nach Österreich in Haifa

Der Busfahrer wusste nicht, was er mit mir anfangen soll. „Akzivland“ konnte er nicht einordnen. Mein Reiseführer sagte auch nur mit welchem Bus ich fahren soll und nicht wie lange. Rina, die Frau von Eli Avivi, dem Präsidenten des Staates war zwar telefonisch zu erreichen – aber keine Hilfe, sie wusste weder wo ich war, noch wo ich hinsollte. An der Endstation des Busses, vermutlich war hier der Libanon schon um die Ecke musste ich meine Strategie überdenken. Also noch einmal zurück in den Bus, entgegengesetzte Richtung und jetzt fand sich ein Israeli, der dieses merkwürdige Land genannt „Akziv“ kannte.

Vor dem Staat lag sogar eine Bushaltestelle…

Reise in den Norden

Eigentlich sollte ich hier ja möglichst viele Fotos meiner Touren durch Israel posten. Nun ja… Zum ersten Teil der neuen Serie gibt es leider nur ein einziges Bild, das aber vermutlich mehr beschreibt als mir lieb ist.

_DSC0169_mini

Eine Bushaltestelle ohne Reiseangabe.

 

Ich wollte den Präsidenten von Akzivland – Eli Avivi besuchen und musste zu diesem Zweck in Haifa Halt machen. Womöglich hatte ich zu sehr auf mein Glück gesetzt, nachdem mir mein australischer Kollege vom Bauernhof erzählt hatte, wie weit er mittels Tramping gekommen war. Für mich schien es also nicht so unrealistisch, von Beer Milka bis nach Haifa zu gelangen.

Nun ja. Beer Scheba war geglückt. Ein Anwalt hatte mich mitgenommen und sich empfohlen, falls ich einmal Rechtsschwierigkeiten bekäme.

 

Von hier aus löste ich ein Busticket nach Tel Aviv, das war das Nächste, was ich bekommen hatte. In Tel Aviv, so sagte man mir, bekäme ich immer eine Unterkunft. Aus diesem Grunde hatte ich mir nur eine einzige Hosteladresse in Jaffa herausgeschrieben und stand vor ernüchternden Tatsachen: Die Adresse war ausgebucht. So wie alle anderen Hostels in Jaffa.

Es folgte ein endloser Marsch durch den Vorort und die Tatsache, dass ich wirklich viel Pech hatte. Ein Hotel hatte noch ein Zimmer frei und bot mir statt 125 einen Preis von „nur“ 100 $.

Ich dankte, ging und wurde in einem Café darauf aufmerksam gemacht, dass ich in Tel Aviv direkt womöglich mehr Glück hätte als hier – und begab mich dorthin. Ein Passant meinte, dass das größte Hostel immer was frei hätte.

Vermutlich war es das Mugraby, bin mir aber nicht sicher. Inzwischen war es wohl 2 Uhr morgens.

So vollgestopft wie es war würden die wohl jeden nehmen, auch wenn er auf dem Dach (scheinbar gibt es in Jerusalem ein Hostel, bei dem man in Zelten auf dem Dach übernachten kann) schlafen müsste.

Mir sagte man ab. Man sei voll.

Tel Aviv war bei Nacht zum Partymachen durchaus attraktiv. Ich für meinen Teil wollte nur schlafen. Irgendwie bin ich dann wohl über die ganzen Kärtchen, mit denen bestimmte Damen ihre Dienste anboten in eine recht dunkle Bleibe gekommen. Stickige Luft, verdunkelte Fenster, erotische Gemälde an den Wänden.

Nicht mein Traumdomizil, aber die Betten sahen ganz komfortabel aus. Wenngleich ich wohl der einzige Gast war, der sie wirklich nur zum Schlafen verwenden wollte.

Dem Besitzer war ich so suspekt wie er mir. Der Preis war mit, ich denke 25$ nicht allzu schlimm und ich sagte zu. Während er meine Daten niederschrieb bemerkte ich, dass mir nur etwa 22$ zur Verfügung standen.

„Nein“ meinte er harsch. Er werde mir diesen Diskont nicht gewähren.

Kartenzahlung wurde nicht akzeptiert, ich müsse jetzt wohl irgendwo einen Bankomaten finden.

Also wieder raus in die feuchtheiße Nachtluft der Mittelmeermetropole – um festzustellen, dass drei der Bankomaten im Umkreis außer Betrieb waren.

Meine Uhr zeigte kurz vor 3 an.

Auf dem Weg zum Bankomaten #4 tauchte ein weiteres Hostel an der Ecke auf. Der Preis war fair und ich glücklich, endlich in einem Bett liegen zu dürfen. Der Besitzer dieser seltsamen Spelunke würde wohl meinen Eintrag wieder irgendwie löschen müssen.

Während der halbe Raum stöhnte, als ich die Tür öffnete und mein Bett beziehen musste glaubte ich, dass sich das Paradies wohl so anfühlen müsste wie die Pritsche vor mir.

An viel anderes konnte ich nicht mehr denken, der Schlaf übermannte mich nachdem ich auf die harte Matratze gefallen bin.

Bis 7 Uhr morgens. Dann läutete mein Wecker, der noch vom Bauernhofalltag eingestellt war.

Stadtvergleich in Israel

Welche Stadt spiegelt Israel eigentlich am besten wider?

Vermutlich wird es darauf keine absolut einstimmige Antwort geben möchte ich behaupten. „Jerusalem natürlich“ werden sich die meisten denken. Immerhin hat keine Stadt für Israel eine derartige Bedeutung und Geschichte. Eine Argumentation ist natürlich die Geschichte – Aktivisten der einen Seite werden hinzufügen, dass auch die Unteilbarkeit der Stadt für die Unteilbarkeit des Landes, der Juden steht/stehen sollte. Auf der anderen Seite wird man womöglich genau mit dem Gegenteil kokettieren.

„Tel Aviv“ ist genauso richtig. Entstanden als eine moderne Stadt in einem modernen Land, geprägt von Akzeptanz und Toleranz. Jung wie das Land selbst.

„Haifa“ – als Zeichen dessen, was man mit harter Arbeit erreichen kann. Israel ist nicht (nur?) durch Beten und Feiern zu dem geworden, was es heute ist. Wenn man gemeinsam an einem Strang zieht erreicht man mehr als gegeneinander.

Ich muss auch dazu sagen, dass diese bildliche Kette an Argumenten vermutlich mehr für Israel steht als eine Stadt selbst – nicht minder falsch wäre ein Verweis auf Arad (nicht aufgeben!), Naharia (mit Verweis auf die vielen Libanesen, dass man sich mit seinen Feinden versöhnen soll um ein angenehmes Leben zu führen – was am besten dann funktioniert, wenn diese auch noch eine derart schmackhafte Küche haben… hmm), etc, etc. Witzbolde und Menschen in einer provokanten Stimmung könnten auch Yerukham oder Ramalla irgendwie einbringen wollen…

Ich für meinen Teil -das ist ja schließlich auch meine Kolumne!- bin für Beer Scheba… Und 80km davon entfernt beginnt meine heutige Geschichte:

Israelis bauen auf Sand. Können es aber auch

Israelis bauen auf Sand. Können es aber auch

Vor dem Gespräch, das ich letzte Woche mit Golan geführt hatte (http://www.landmark5.com/2014/03/02/chamsinscharav/), half ich ihm noch dabei sein Haus zu bauen. Wenn man den Wüstensand mit Wasser versetzt, wird er hart und kann im Laufe einer weiteren Prozedur tatsächlich zum Bauen von Häusern verwendet werden.

Für einen Europäer, der Sand hauptsächlich vom Italienurlaub kennt ist das, wie vieles in Israel sehr verwirrend. Die Fertigstellung konnte ich leider nicht mehr miterleben, doch allein die Vorbereitungen blieben mir stark in Erinnerung.

Kaum eine so große Stadt wie Beer Scheba wird vermutlich so in Israelreisen ignoriert. Sehr vieles an Sehenswürdigkeiten hat sie doch nicht. Wie kann eine Stadt, die viel früher als Jerusalem in der Bibel vorkommt so wenig an Touristenfallen bieten?

Ein schickes Gebäude steht bald irgendwo, in der Wüstenhauptstadt hatte sich jedoch ein Biotop an Leben gebildet, wie ich es weder vor, noch nach Israel jemals wieder erlebt hatte.

NUR in Beer Scheba: Humus (typisch Israelisch) mit Foul (typisch Ägyptisch). Das gibt es sonst nirgends.

NUR in Beer Scheba:
Humus (typisch Israelisch) mit Foul (typisch Ägyptisch).
Das gibt es sonst nirgends.

Keine Straße? Kein Problem. Ah, doch eine Straße? Auch egal.

Keine Straße? Kein Problem.
Ah, doch eine Straße? Auch egal.

Die Gegend um den Busbahnof hatte das lockere, nicht ganz organisierte Arabische und das moderne, aber nicht viel besser organisierte aber zumindest logischere Israelische irgendwie vereinen können. Busse und Shuttledienste kamen an, stifteten Verwirrung, egal ob man sie brauchte oder nicht und fuhren wieder. Israelis, Beduinen, Araber, Touristen bunt durchgemischt.

Am regulären Markt, der seltsamerweise wesentlich geordneter ist als der Mahane Yehuda in Jerusalem ist zeigt sich der regionale Einfluss des Mittelmeeres in seinen Farben.

Wassermelonen, Paprika, Tomaten, Oliven in allen Formen und Farben – gleich den Oliven auch die Leute.

Noch heute denke ich oft zurück wie es mir ergangen ist, als ich das erste Mal dort flanierte. Zur Verpflegung erstand ich ein paar Feldfrüchte und war davon angetan, dass sie hier mehr „leuchteten“ als in Europa. Neben einem einsamen Österreicher noch eine heterogene Masse an Menschen unterschiedlichster Herkunft.

Den Leuten geht's einfach zu gut hier, alsdass man streiten würde

Den Leuten geht’s einfach zu gut hier, alsdass man streiten würde

Wie wäre es, wenn statt Jerusalem Beer Scheba der Zankapfel des Nahostkonflikts wäre? Oder wenn die ganzen „internationalen Beobachter“ öfters Beer Scheba inspizierten als andere Regionen. Ihnen wäre schnell langweilig. Man bezahlt keine „unabhängigen Quellen“ dafür, dass sie dann schreiben, dass die Menschen hier einfach ihrem Leben nachgehen. Dass Beduinen beim Juden kaufen und dann und wann selbst irgendwo einen Markt abhalten, der Touristen anzieht.

Kampf zwischen Juden und Arabern in Beer Scheba

Kampf zwischen Juden und Arabern in Beer Scheba

Würde Beer Scheba im Mittelpunkt des Konflikts stehen, so wäre man irgendwann einmal zum Schluss gekommen, dass selbst bei einer Teilung beide verlierten. Im anderen Fall gewinnt der, der mehr hineininvestiert. Darüber würde man vielleicht darüber streiten und sich gegenseitig überbieten, was die eigene Seite mehr dazu beitragen könnte und nicht weniger…

Wieder zurück in der Wüste

Wieder zurück in der Wüste

Chamsin/Scharav

Golan wirkte während der Autofahrt sehr nachdenklich. Er hatte in Beer Scheba zu tun und nahm mich netterweise mit, seine Mimik blieb mir nicht verborgen. „Wegen dem Chamsin?“ fragte ich. Er nickte.

Scharav vor Sonnenaufgang

Scharav vor Sonnenaufgang

_DSC0137_mini_DSC0135_miniHeute wurde ich irgendwann kurz vor Sonnenaufgang wach und marschierte eine kleine Runde um das Containerhäuschen. Alles war mit Nebel bedeckt. Die Stimmung war einzigartig. Kein Laut war zu hören und dieses gespenstische Weiß bedeckt die Wüste, die unter dem Tag so gnadenlos brannte mit einem sanften Schleier aus Wassertröpfchen.

Als ich später zu meiner regulären Zeit aufwachte lag dieser Dampf immer noch in der Gegend herum. Es war weder kalt noch warm – die Sonne, als heller Ball unregelmäßig geformt stieg am Himmel empor und hatte einen Kranz aus Licht um sich gebildet.

Fast wie bei Schneefall klang alles dumpfer – oder kam mir zumindest so vor. Als Golan am Bauernhof ankam war ich bereits am Arbeiten und begann Schläuche aus dem Sand zu graben.

Pflanze überwuchert ihre Bewässerung. Durch die ständigen Sandbewegungen akkumulieren die Menge

Pflanze überwuchert ihre Bewässerung. Durch die ständigen Sandbewegungen akkumulieren die Menge

Durch Wind und Wetter hatte sich massenhaft Sand auf ihnen abgelagert, weswegen die Wasserversorgung einiger Stauden ineffizient wurde.

Manchmal reichte es, einfach den Schlauch herauszugraben. Der Hauptteil war die halbe Miete, sobald man den am stärksten mit Sand überhäuften Part draußen hatte konnte man den Rest problemlos befreien.

Sand war und ist ein für mich fremdes Terrain – anfangs hielt ich es für äußerst einfach „das bisschen“ Sand einfach auszuhebeln, doch im Gegensatz zu Erde, die sich bei Druck (von unten) spaltet lagert Sand immer wieder aufs Neue ab und hat dadurch effektiv mehr Gewicht – verglichen mit einer „Bergungsaktion“ aus der Erde.

Bei einem Gewächs half auch das Ziehen nichts. Als ich meine gesamte Kraft hineinsteckte merkte ich, dass nur der Strauch schiefer wurde. Nach ein paar Stichen mit der Schaufel erklärte sich das „Phänomen“ von selbst: Die Schläuche waren so lange nicht mehr instand gehalten, dass die Wurzeln bereits ÜBER sie wucherten. Also durfte ich den Schlauch gleich in allen Seiten gänzlich herausholen und neu verlegen. Dabei musste ich immer aufpassen, dass ich keine Lufträume im Boden hinterließ.

_DSC0163_miniJem_DSC0169_miniand beobachtete mich – er war klein, lag im Sand und schuppig. Eine Eidechse sah meinem Treiben zu ließ sich dabei die Sonne auf den Bauch scheinen (bzw. auf den Rücken). Vermutlich hatte der chamsinbedingte Nachtnebel ihr Domizil stärker abgekühlt als normalerweise und sie holte sich jetzt ihre Energie zurück. Die Reptilien hier waren ausgesprochen sympathisch. Sie waren sehr ruhig und der orange Freund meines derzeitigen Beobachters grinste mich sogar eine Zeit lang an… Fast schon zutraulich waren die Gesellen.

Lachende Eidechsen

Lachende Eidechsen

Für heute hatte ich genug getan, gleich mehrere Nutzpflanzenreihen hatten ihre Bewässerung erneuert bekommen und es ging in die Hauptstadt des Südbezirks.

„Es ist nicht normal, wie der Chamsin dieses Jahr ist“ murmelte Golan vor sich hin. Ich verstand nicht. „Sonst ist er nicht so feucht“.

„Wie? Das sollte doch gut sein für die Pflanzen? Dann bekommen sie doch mehr Wasser?“

„Die Wüstenpflanzen sind nicht auf so hohe Luftfeuchtigkeit ausgelegt, es schadet ihnen“

Wüstenpflanzen

Wüstenpflanzen

Ein Jahr, bevor ich nach Israel gegangen bin hatten wir im Winter binnen kurzer Zeit so viel Schnee, dass sogar einige kleinere Pässe gesperrt werden mussten. Nächster Winter war einfach nur kalt. Aber kaum Schnee.

Mir war die „Erderwärmungstheorie“ immer etwas ungenügend vorgekommen und Golan fasste meine Sorgen zusammen: „Sie [die Erde] erwärmt sich nicht – nur. Es passiert etwas, aber ich weiß nicht was. Und in den letzten Jahren wird es immer mehr. Ich denke nicht, dass das ’nur‘ das CO2 ist – sicher, es trägt wahrscheinlich auch einen Teil dazu bei, aber der Mensch sollte die Erde besser behandeln“

Zurück zum Bauernhof

Alltägliche Arbeit im Touristenzentrum des Mitzpe Ramon

Alltägliche Arbeit im Touristenzentrum des Mitzpe Ramon

Mein neuer Freund war mit seinen Erledigungen fertig geworden, benötigte aber länger als geplant. Mit einem gestressten „Ok, yalla bye“ verabschiedete sich Eitan im Gehen von seinen Kollegen.

 

Sowas müsste ich auch sagen können dachte ich bei mir und rief zurück:

„Ani yalla gam“

Man sah mich einen Moment an und brach in schallendes Gelächter aus. Hatte ich etwas falsch gemacht?

„Ani“ heißt „ich“.

„Gam“ heißt „auch“.

„Yalla“ heißt doch „gehen“?

 

Eitan musste etwas mit sich ringen, um wieder zur Fassung zu kommen und wollte wissen, was ich sagen möchte. „’Ich gehe auch‘. Und ‚yalla‘ kann man doch mit ‚gehen‘ übersetzen?“

 

„Ja! Aber nur, wenn du Beduine bist und deinem Kamel zurufst, dass sich bewegen soll!“ lachte er auf „’Yalla‘ heißt gar nichts, das sagt man einfach nur. Genausogut hättest du sagen können, dass du Eseltreiber bist“

 

Richtig… Eine goldene Stunde der Übersetzung lag hinter mir, aber immerhin waren 2/3 meines Satzes korrekt und ich durfte etwas dazulernen.

 

_DSC0097_mini_DSC0102_miniEitan erreichte inzwischen eine wahre Zeitnot und entschuldigte sich bei mir, dass er mich weiter weg von Kziot herauslassen müsse. Kein Problem, dann soll es eben der Bus sein. Wir verabschiedeten uns und ich radelte zur Haltestelle. Während des Wartens merkte ich dass mir das Wasser ausgeronnen war; dachte nach und erblickte einen Armeeposten gleich in der Nähe.

 

Mit dem Fahrrad rollte ich auf den Eingang zu und winkte der Wache, die mich unschlüssig ansah. Auf Englisch fragte ich nach Wasser und hielt eine Flasche hin. Der Jugendliche Soldat, der kaum älter als ich war nahm sie etwas unsicher, ging in die Wachstube und hatte sie aufgefüllt.

„Toda raba“.

 

Wer noch nie in Israel war kann sich kaum vorstellen, wie unproblematisch der Umgang mit Uniformierten hier ist. Wenn das nur in allen Ländern der Welt so wäre…

 

Der Bus fuhr ein und der Fahrer erklärte dass ich einmal umsteigen müsse, was nach ein paar Minuten Fahrt auch passierte.

 

Dann behinderte ein kleiner Fehler das Weiterkommen:

_DSC0098_miniKaum ein Busfahrer kannte den Ort Beer Milka – immerhin hatte diese Siedlung keine Busanbindung. Daher gab ich meist die nahe Endstation Nitsana an. Diesen Namen konnte ich mir aber schlecht merken – ich hatte immer noch eine Art „Ivrit-Overkill“ und machte oftmals „Nitsanea“ daraus, was keinen Sinn ergab. Wenn der Busfahrer schlecht gelaunt war antwortete er ob sein Fahrzeug dahin ginge mit einem „Nein“ und ich konnte nur raten, ob die Antwort ihren Ursprung in der Route oder in der Frage hatte.

 

Vermutlich hatte sich gerade der Nitsana-Busfahrer verabschiedet.

Der letzte für heute.

 

_DSC0105_miniAls Alternative blieb zumindest der kostenfreie Privattransport durch Dritte.

Erstmalig in meiner Anhalter-Karriere stoppte ein Audi-Fahrer, der sich jedoch wieder entschuldigend verabschiedete als er merkte, dass mein Fahrrad nicht in seinen Kofferraum passte.

 

Ob Golan weiterhelfen konnte? Ich rief ihn an und fragte, ob es möglich sei, mich abzuholen. Ihm war es zu weit, aber er versprach, sich etwas einfallen zu lassen. Tatsächlich klingelte keine zehn Minuten später mein Handy. Ja, gleich komme jemand, teilte er mir mit.

 

Eine Freundin von ihm hatte in Beer Scheba zu tun und war gerade auf dem Heimweg, als er sie erreicht hatte. Ihr Weg ging ohnehin über diese Haltestelle (oder war nur ein kleiner Umweg), weswegen sie mich (und mein Bike) gerne mitnahm (sie besaß einen Pick Up).

 

Während der Fahrt sprachen wir über Dieses und Jenes und kamen auch auf Tirol. Ich erzählte vom Südtirol-Konflikt, der ja bis heute noch nicht ganz abgeklungen ist.

1918 annektierte Italien aufgrund des Kriegsausgangs und der Unfähigkeit des amerikanischen Präsidenten Land, in dem die Mehrheitssprache Deutsch war.

Unter Hitler sollten die deutschen Südtiroler entweder Italiener werden oder ihre Heimat verlassen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg führten mehrere separatistische Gruppen Anschläge auf Polizeistationen und Zuggeleise durch, wobei sich Österreich und Italien sich immer wieder in diplomatische Scharmützel stürzten. Erst, als Österreich 1995 der EU beitreten wollte kam es zu etwas Ähnlichem wie einem Friedensvertrag zwischen den beiden Ländern. Doch gelöst ist das Problem noch lange nicht…

 

Die Fahrerin hatte bis dato von diesem territorialen Konflikt wenig gehört und lauschte den Worten sehr überrascht. Irgendwann schüttelte sie ungläubig den Kopf und meinte: „Und dieses Europa schimpft mit uns…“

_DSC0115_mini

Gite Jidn in der Wüste

So wunderschön Israel auch war, so Kraft raubend waren diese zweitägigen Reisen, die ich immer unternommen habe. Einfach ruhig daheim zu bleiben schaffte ich auch nicht. Also fragte ich Golan, ob er nicht eine Idee für mich hätte.

 

_DSC0015_miniIn der Nähe von Kziot existierten es noch bauliche Überbleibsel aus der osmanischen Zeit. Ein alter Wasserturm beispielsweise – und wenn ich mich anstrengte fände ich sicher noch ein paar andere interessante Sachen. Golan wusste, dass ich mich sehr für Geschichte interessierte; für mich stand die Route schon ab dem Wort „Wasserturm“ schon fix.

 

_CSC0021_miniAm nächsten Morgen begann ich den Tag früh auf und radelte bis nach Beer Milka. Ab heizte die israelische Hitze in ihrer gewohnten Intensität – glücklicherweise war mir die israelische Armee ein Vorbild und mein Wasserbehälter war stets griffbereit.

 

_DSC0004_miniAb der Hauptstraße reflektierte der Asphalt die Sonne noch stärker und vor der Kreuzung zum nächsten Yeschuf hielt ich eine Hydrierpause. Ein für diese Jahreszeit unbequem bekleideter Herr schaute hier vor seinem Auto in die Gegend und ich fragte ihn auf Englisch ob ich ihm irgendwie helfen könne. Er erwiderte, dass alles gut sei und aufgrund seines Akzentes fragte ich, auf Deutsch nach, ob er denn auch meine Muttersprache beherrsche. Etwas erstaunt, dass dieser seltsame Wüstenstraßenradfahrer auch Deutsch konnte hatte er sich wohl bei seiner Antwort ein wenig versprochen, weswegen ich im Gegensatz zu seiner ersten Response diese missverstand und für Jiddisch hielt. Ejn giter Jidde mog jo euch Deitsch varschtejn.

Der Dialekt meiner Region ist etwas älter, weswegen ich mir mit dem Verständnis von Jiddisch sehr leicht tue. Mit etwas Mühe und noch mehr Phantasie, wie sich die Laute wohl beugten konnte ich es in Grenzen auch aktiv sprechen:“Oy, du rejdest Jiddisch?“ rief ich ihm zu.

 

Was er mit einem schiefen Blick konterte:“Ich spreche Deutsch!“ – zumindest hatte ich das Eis gebrochen (was bei der Hitze nicht schwer war… ha ha ha…)

Eitan hieß der Kollege und er wollte sich hier in der Region Land kaufen, um medizinische Kräuter anzubauen. Der nordwestliche Negev war verhältnismäßig „kalt“ und für wählerische Pflänzchen somit gerade richtig. Er war auf dem Weg in die nächste Siedlung und wollte dann zum Mitzpe Ramon. Der solle ja wirklich schön sein entgegnete ich – worauf er mich einlud, mitzukommen – und ich zusagte, mein Fahrrad in den Kofferraum quetschte und wir in den Yeschuf fuhren.

 

Die Regel „niemals bei Fremden einsteigen“ gilt in Südisrael nicht, da alle Menschen, die einen mitnehmen nett sind.

 

Leere Cafés sind in Nahost ein sehr seltener Anblick

_DSC0024_miniDer Yeschuf war allerdings nahezu menschenleer. Die, die immer da waren hatten wohl gerade Mittagspause, selbst im Café fand sich kein Einziger und mein neuer Freund fand die für das Land zuständigen nicht. Zumindest erklärte ihm jemand, dass dieser kleine Ort nicht von der Landwirtschaft lebte wie bspw. Beer Milka gleich um die Ecke._DSC0026_mini

 

_DSC0027_miniFür mich war das ein Glück – damit sollte ich diesen riesigen Krater eher sehen. Bis dahin wusste ich nicht, dass entlang der Grenze zu Ägypten eine Straße verlief. Sie war zwar nicht so großzügig ausgebaut wie die Haupstaße des Negev weswegen ich vermutete, dass sie ursprünglich für militärische Zwecke konzipiert war. Im Gegensatz zur Hauptroute kamen hier die Eigenheiten der Region stärker zum tragen. Die auf der ägyptischen Seite stehenden veralteten Polizeistationen, denen der Zahn der Zeit zusetzte, die Kurven in den Gebirgszügen und die unendlichen Weiten dieser grandiosen und gleichzeitig gnadenlosen Landschaft.

_DSC0039_mini

_DSC0048_mini

_DSC0049_mini

_DSC0051_mini

_DSC0055_mini

 

Mizpe Ramon

Mizpe Ramon

Eitan hatte beruflich auch mit der Nationalparkbehörde zu tun, weswegen ich auch einfach so ins Zentrum mitgehen konnte. Mit dem Geschäftlichen hatte ich wenig am Hut, was es mir erlaubte diesen extrem Krater in Ruhe zu betrachten. NICHT jedoch vom Wüsten-Informationszentrum aus. Hier hatten diese verrückten Israelis wieder ihre unsäglichen Klimaanlagen laufen…

_DSC0092_mini

Ade Phu Quoc

_DSC0832_miniIch wusste immer noch nicht, wie lange ich auf der Insel Phu Quoc bleiben sollte. Das Meer war einfach nicht mein gewohntes Habitat. Die Berge waren gefährlich zu besteigen und selbst, wenn ich es versuchte, könnte ich meine Routen mangels guter Karten nicht veröffentlichen.

 

Am Nachmittag erlaubte ich mir eine Denkpause und schlief. Vielleicht würde mir am Abend mehr einfallen.

 

Auf Phu Quoc kann es zeitweise auch ordentlich regnen

Auf Phu Quoc kann es zeitweise auch ordentlich regnen

Als Idee konnte man das nicht bezeichnen, was ich nach dem Aufwachen hatte. Grübelnd wanderte ich die dunklen Sandstrände entlang und ließ meine Füße immer wieder die sanfte Gischt spüren. Auf einmal rief irgendwer.

Es waren meine chinesischen Freunde, die ich am Tag meiner Ankunft kennengelernt hatte. Das Ehepaar holte mich gleich herzlich zu sich und Wang (so hieß der Herr) orderte mir ein Getränk. Die Verständigung war ein wenig holprig doch wir erzählten einander viel über die Länder aus denen wir kamen.

Als Tiroler konnte ich nicht umhin, von den Bergen in meiner Heimat zu berichten, die die vietnamesischen bei weitem überragten. „Doch…“ dachte ich nach – gab es doch in China eine einzigartige Formation von Hügeln, die ich für mein Leben gerne sehen würde – „ihr wisst, welche ich meine?“

Wang blätterte in seiner Geldbörse und holte einen 20 Yuan-Schein heraus. Auf der einen Seite lächelte Mao, die andere drehte er zu mir. „Diese hier?“ lächelte er.

Zu sehen war ein Fluss mit einem einsamen Flößer, der vor dem Hintergrund gewaltiger ovaler mit Palmen bewaldeter Berge entlangruderte.

„Genau die“, antwortete ich.

Quelle: http://onamission.stalhammar.de/files/domains/onamission/fotos/InTextBilder/20_yuan_note.jpg

Quelle: http://onamission.stalhammar.de/files/domains/onamission/fotos/InTextBilder/20_yuan_note.jpg

Seine Frau dachte kurz nach und sagte, dass es ganz oben im Norden Vietnams auch solche Formationen geben müsse.

Das war die gute Nachricht – sie existierten also in diesem Land. Die schlechte Nachricht war: Noch weiter konnte ich kaum von diesen Naturwunder entfernt zu sein, als auf Phu Quoc. Doch ich musste diese Felsen sehen! Mein Eifer schien meinem chinesischen Freund zu gefallen – er drückte mir die Banknote in die Hand und lächelte „damit du es nicht vergisst“.

Wohl weil ich den Abend so genoss verfolg er so rasch – das Pärchen musste am kommenden Tag früh auf und verabschiedete sich – ich war wieder alleine.

_DSC0846_mini

_DSC0849_mini

_DSC0854_mini

Zumindest wurde mir klar, dass ich auf dieser Insel nichts mehr verloren hatte – von nun an waren es die gigantischen Zeugen der Natur, die mich lockten – ein Stückchen Heimat sollte ich doch auch hier finden! Vorläufig sollten es nur die von Da Lat sein. Die kommenden Tage auf der größten Insel des Landes verbrachte ich mit Reisen ins Landesinnere.

Irgendwann hörten auch einfach die Straßen auf

Irgendwann hörten auch einfach die Straßen auf

_DSC0858_miniHier kamen kaum Touristen her. Die Motorradpreise waren etwas höher als im Rest des Landes, aber ich dachte viel darüber nach irgendwann einmal hier zu nächtigen. Die Ruhe war traumhaft. Teilweise sahen mich die Leute an, als käme ich aus einer anderen Welt – was vermutlich so falsch nicht war. Einige Kinder winkten mir zu, andere starrten mir lange nach und einige liefen weg, sobald sie mich sahen.

Die Strände waren sehr sauber und lediglich Fischerboote und Pfahlbauten zierten den Horizont. Ein wunderschöner Anblick.

strapan1.tif_mini

Das bisschen Dreck schreckt mich nicht....

Das bisschen Dreck schreckt mich nicht….

Je weiter ich fuhr, desto schlechter wurden die Straßen. Es war alles befahrbar, doch schreckte dies wohl einige der Reisenden ab, sodass ich oftmals Kilometer nur für mich allein hatte. Mich hätte der Berg Chua interessiert, der mit 603 Metern die höchste Erhebung darstellte. Doch befindet sich dieser in einem Naturschutzgebiet das auch militärisch genutzt wurde.

_DSC0894_mini

_DSC0895_mini

An der Einfahrt stand ein Häuschen, vor dem Soldaten mit Zivilisten Karten spielten. Als ich mich dem Schranken näherte wies man mich gleich darauf hin, dass ich hier nicht einfahren dürfe.

Einfahrt zum Berg Chua

Einfahrt zum Berg Chua

 

_DSC0908_miniDamit war mir wohl der Gipfelsieg verwehrt geblieben – was blieb war die Erinnerung an ein Herz der Insel wie es wohl kaum ein anderer Besucher je gesehen hatte – und der Wunsch irgendwann abseits des Tourismuswahns wieder hierher zu kommen.

 

 

phuqpan.tif_mini

_DSC0925_mini

Und Abreise...

Und Abreise…

Einblicke in Yad Vashem

_DSC0390_miniDa die letzten Wochen „Jerusalem-Wochen“ waren, habe ich mich entschlossen, zeitlich etwas vorzuspringen und schon in Yad Vaschem zu arbeiten.

 

Yad Vaschem liegt etwas außerhalb von Jerusalem – direkt neben dem Herzl-Berg, an dem, wie auch in anderen Teilen der Stadt ein angenehmer Wald angelegt wurde. Benannt ist er nach prominenten Herrn, der hier begraben liegt – Theodor Herzl.

 

Bei der Arbeit

Bei der Arbeit

Vordigitalisierung

Vordigitalisierung

Die Zeit, die ich in Yad Vaschem gearbeitet habe, war großteils von der Vorbereitung zur Digitalisierung geprägt. Wir waren die Ersten, die eingegangene Pakete und Dokumente zu sehen bekamen. Teilweise waren es Gerichtsprotokolle, manchmal Zeitzeugenberichte und einmal erhielten wir sogar einen handgeschriebenen Brief, in dessen Kuvert sich auch ein „Judenstern“ befand. Ein sehr befremdendes Gefühl, derartige Relikte zu Tage zu fördern – und auch anfassen zu können. Bisher hatte ich den „gelben Fleck“ lediglich in Museen vorgefunden (und in einem Wiener Antiquitätenladen).

dsc0592_mini

 

_DSC0320_mini_DSC0331_miniIm heutigen Artikel ist es mir wichtig, dass ich auch einige Fotos von damals veröffentlichen kann. Als aktiver Mitarbeiter von Yad Vashem waren die Richtlinien äußerst restriktiv. Jetzt möchte ich ein paar meiner Bilder, die mir gefallen haben online stellen.

Mein Lieblingsfoto

Mein Lieblingsfoto

_DSC0312_miniOftmals war es interessant, die Werke, die man mir gab zu lesen, nur wurde das leider von der Museumsleitung nicht immer gern gesehen. Was für mich Bildung aus Primärliteratur war, war für meine Chefs unproduktive Zeit. Dennoch versuchte ich, so viel wie möglich von dem zu lesen, was ich nummerierte.

 

Einmal hatte ich eine ganze Charge von kopierten Passen übernommen. Teilweise trugen sie einen Vermerk einer österreichischen (!) Vertretung im Ausland – während des Zweiten Weltkrieges. Bis heute habe ich nicht in Erfahrung bringen können, wie und warum das möglich war. Ab 1938 war Österreich ein integraler Bestandteil des deutschen Reiches. Es gibt heute ja auch keine ausländische Vertretung der gefürsteten Grafschaft Tirol.

Pass mit Inhaber und Frau

Pass mit Inhaber und Frau

Für mich waren die Pässe nicht wirklich aufregend. Oftmals fielen mir jedoch die Zusätze im Pass auf: „Länder für welche dieser Reisepass gilt“. Ursprünglich hatten viele nur europäische Nachbarstaaten aufgelistet – die später durchgestrichen wurden und mit „Für alle Staaten der Welt“ ersetzen.

Meine Aussicht

Meine Aussicht

Das fand ich wiederum interessant, dass Pässe damals teilweise auf Länder limitiert sein konnten. Ebenso, dass bei manchen verheirateten Paaren die Frau nur als die Frau des Inhabers gelistet wurde.

Eine Freundin meinte damals zu mir, dass sie die Pässe recht erfrischend fand, da sie endlich einmal Bilder von den Menschen gesehen hat und nicht nur (deren) Texte.

 

Meine Arbeitsmittel

Meine Arbeitsmittel

Wir nannten den Keller, in dem wir vordigitalisierten spaßhalber „Bunker“, da er unter der Erde gelegen und ob der Kühlung recht „frisch“ blieb. Meine Lieblingskollegin damals hatte an den „Bunkertagen“ immer eine Decke mit. Die Augusthitze Jerusalems fühlte sich nach diesen Intermezzi immer angenehmer an als sonst.

 

Als Österreicher wächst man in einem Land auf, in dem es kaum Klimaanlagen gibt. Die Israelis hingegen sind geradezu klimaanlagenverrückt. Noch gut kann ich mich an Streitereien erinnern, weil es meinem russischen Kollegen zu warm und mir zu kalt war.

Oft habe ich in Yad Vaschem an die Wüste zurückgedacht, in der ich Äcker angelegt hatte, deren Sand und Hitze ich widerstanden und sie am Ende sogar lieben gelernt habe…

Katzen in der jerusalemer Augsthitze

Katzen in der jerusalemer Augsthitze