Kategorie-Archiv: Vietnam

Nachtkautschuk

Es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Sonne den Horizont erreichte. Das Licht ließ nach und ich fürchtete, die ganze Reise wäre umsonst gewesen. Auf keiner Straßenseite konnte ich auch nur das geringste waldähnliche Objekt ausfindig machen.

„Noch eine halbe Stunde“, „nein, noch ein bisschen mehr, ich kann jetzt nicht aufgeben“ blitzte mir durch den Kopf. Vermutlich war ich Hô-Chi-Minh-Stadt schon näher als Mui Ne!
Wenn die Sonne weg ist ist hätte es keinen Sinn mehr. Die Fotografie heißt nicht so, weil man sie im Dunkeln betreibt!

Und auf einmal war diese Häuserreihe neben der Straße. Dahinter Wald. Nicht irgendein Wald. Das waren Gummibäume.

Zufälligerweise stand im Garten eines der Häuser eine Frau die gerade mit ihren Kindern sprach. Mit Hilfe meines Wörterbuchs konnte ich sie wohl in „Vietninglish“ fragen, wie man zum Garten hinter ihrem Grund käme. Sie deutete auf die Straße und dann nach links. „Cảm ơn“ brachte ich dankend hervor und ratterte weiter, bog ab und war am Ziel angekommen.
Vor Jahren ward dieser Wunsch geboren und jetzt erfüllte ich ihn mir endlich. Kautschukfelder.

Ich war wieder ein Kind. Wann ich das letzte Mal so gestaunt habe wusste ich nicht, es muss aber schon fast ein Jahrzehnt her sein. Zuerst fühlte ich die Rinde der Bäume, dann die Blätter, versuchte den Geruch festzuhalten und wollte ihre Besonderheit verstehen. Umso verwunderter war ich, dass sie sich kaum von regulären Bäumen unterschieden. Die Blätter fühlten sich genauso an wie die anderer Bäume in vergleichbaren Regionen. Die Rinde entsprach auch der Bäume daheim.

nahaufnam__DSC0008_miniDoch der Kautschuk war einzigartig. Noch nie hatte ich etwas derartiges gefühlt. Er war kein Harz, wie es die mir bekannten Bäume hatten.

In meiner Kindheit wollte ich immer wissen, ob man das weiße Zeug trinken könne und probierte jetzt. Es erinnerte an leicht aromatisierte, alte Gummibänder deren abartiger Geschmack sich sofort überall im Mund ausbreitete und ein wenig schäumte. Noch nie waren „Widerlich“ und „Großartig“ so nahe beieinander.
Man kann es vermutlich nicht oral konsumieren.

Die Geschichte im Detail habe ich später ausführlicher niedergeschrieben und auch noch einige andere Bemerkungen festgestellt:
Englisch http://www.landmark5.com/2013/03/23/origin/ und Deutsch: http://www.landmark5.com/2013/03/23/herkunft/

Langsam aber stetig kühlte die Luft ab und ich begann zu sinnieren, ob es nicht intelligenter wäre, langsam zurück zu fahren. Auf der Anfahrt hatte ich bewusst darauf geachtet, immer in Richtung T.P. Hô Chi Minh zu fahren und nie Abzweigungen zu nehmen. Es hatte einige Fotostops, einen Schaden und einen Klosterbesuch gegeben. Wenn ich richtig gerechnet hatte, dann sollte die Rückreise rascher vonstatten gehen als die Hinreise.

Obwohl man mit schwachen Maschinen eher sorgfältig umgehen sollte, holte ich das Maximum aus meiner heraus. (War ja nur geliehen). Blöderweise ließ die Lenkung einmal schnell nach und als ich abgestiegen bin konnte ich auch sehen, warum. Der Vorderreifen hatte keine Luft mehr.

_DSC0090_miniVietnam unterscheidet sich vom Ballungszentrumorientierten Alpenland auch dadurch, dass fast alles irgendwie bewohnt ist. Lange musste ich nicht suchen, bis ich eine Werkstätte hatte. Nur hatten die nicht, was ich brauchte, aber ein paar Jugendliche halfen mir, mein Vehikel weiterzuschieben.

Der nächste Mechaniker versicherte mir, er würde gleich fertig sein. Hier hatte der Nachbar intelligenterweise ein Restaurant gebaut. Vielleicht ist die Idee adaptierbar: Sie essen während wir arbeiten? Ganz fertig war er noch nicht als ich satt war, aber immerhin konnte ich einen Tee trinken.

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_DSC0083_miniAuf die Idee, eine Jacke mitzunehmen bin ich nicht gekommen. Dass ich so lange fahren würde hatte ich nicht kommen sehen. In dieser Äquatornähe brach die Finsternis abrupter herein als in Österreich und nach nur wenigen Minuten war es schlagartig Nacht.
Nachdem ich die Rechnung bezahlt hatte, raste ich in die Nacht hinein. Sicherheitshalber wollte ich mich nach dem Weg erkundigen, doch ein paar ältere Herrn, die neben der Straße standen konnten mit „Mui Ne“ nichts anfangen.

Jetzt war ich froh, im Bus jemanden kennengelernt zu haben, der aus der großen Nachbarstadt Phan Thiet war. Die kannten sie. Und ich war am richtigen Weg…

Xuân Lộc Road Movie

Die meisten Touristen ließen sich in Mui Ne nur die Sonne auf den Bauch scheinen oder besuchten touristische Ziele der Gegend. Ich hatte auf der Fahrt etwas gesehen, was mich wesentlich mehr faszinierte als Dünen, Wasserfälle oder Strände.

Seit ich ein Kind war wollte ich immer schon Kautschukbäume zu Gesicht bekommen. Irgendwann sind sie wohl in meinen Büchern aufgetaucht weshalb sich ein Interesse bemerkbar machte selbst Entdecker zu werden. Auf der Fahrt von Saigon hatte ich bemerkt, dass es Kautschukplantagen gab die neben der Straße platziert waren.

Ein etwas suspekt wirkender Einheimischer verlieh sein Motorrad zu einem günstigen Preis, vielleicht zu günstig? Aber egal, ich bestieg das Fahrzeug und raste einfach nur nach Süden, „zurück“ nach Saigon. Irgendwo auf der Strecke würde ich finden, was ich begehrte.

_DSC0456_miniEs begann eine „Road Movie“ der anderen Art… Außerhalb Phan Thietes lagen große Felder mit Drachenfrüchten und Händler säumten die Straßen. Fast war es ironisch: In der Touristenhochburg Mui Ne gab man sich so, als seien Drachenfrüchte exquisit und teuer und schon wenige Kilometer außerhalb gibt man gerne etwas mehr an hungrige Touristen ab. So auch an mich – mein Vorrat an Frischobst war für die kommenden Tage eingedeckt. Mir sagte die Frucht dermaßen zu, dass ich vermutlich jeden Tag 1-3 Stück davon gegessen hatte. Gerne hätte ich mehr von den süßeren, aber auch teureren Purpurfleischigen gegessen, doch auch dir Weißen waren ja nicht zu verachten.

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Nach mehreren Kilometern zeigte sich, warum das Motorrad so günstig war. Die Qualität ließ zu wünschen übrig und ich hatte mitten in der Pampa eine Panne.

Wenn das Österreich wäre, so würde Folgendes passieren: Ich stelle das Gefährt am Straßenrand ab, nehme mir ein Taxi in die nächste Stadt, suche dort einen Mechaniker der das Kraftrad abtransportiert und drei Tage später ist alles repariert (wenn er die Teile hat). Wenn das in Österreich schon so lange dauert, was wäre dann wohl hier? Ich haderte, rollte mein Wrack aber tapfer weiter.

Irgendwo am Ende der Welt

Irgendwo am Ende der Welt

_DSC0472_miniWas mir jetzt erst klar wurde war, dass hier überall Werkstätten ihre Dienste feilboten. Nach weniger als 100m Schieben zeichnete sich ab, dass das Haus vor mir eine war. Der Mechaniker konnte kein Englisch, weswegen ich nur auf den Motor zeigte und ihm verdeutlichte, dass es nicht mehr startet. Er nickte und fing an zu werkeln.

Praktischerweise lag neben seinem Betrieb ein kleiner Laden in dem ich mir einen dünnen Tee orderte, meinen Proviant verbrauchte und mich sorgte was wohl hier aus mir werden würde? Vermutlich würde ich bald nichts mehr zu essen haben und mich als Reisbauer verdienen müssen, bis ich wieder zurück konnte. Unterkünfte gab es keine. Wo ich war konnte ich auch nicht sagen…

Nachdem ich Fotos auf der Kamera sortiert hatte, im Wörterbuch nach irgendwelchen Wörtern zu suchen begann und Löcher in die Luft starrte stand der Mechaniker neben mir – es lief wieder. Was genau kaputt war weiß ich bis heute nicht. Gekostet hat es glaube ich etwa einen Dollar.

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_DSC0486_miniDie Region wurde von einigen sanften Hügeln durchzogen und auf der rechten Seite thronte ein Kloster. Zuerst wollte ich nur kurz anhalten, um schnelle Fotos zu schießen, dann fand sich ein Bonze der ein wenig Englisch konnte.

Viel wusste er mir nicht zu sagen, doch war er freundlich und führte mich herum. Ein Buddha schaute zu uns herab, in seinem metallenen Gesicht spiegelte sich das Leuchten der Swastika, die ich immer noch nicht gewohnt war. Sie bauten gerade meinte mein Führer mild als wir an einem unfertigen Teil des Komplexes passierten. Es schienen gute Zeiten für die Mönche zu sein. Als die Tour beendet war, aßen wir violette Maniokwurzeln. Ihr Geschmack ist mir lieber als der heimischer Kartoffeln. Sie haben eine angenehme Note und ein mildes Aroma. Die tiefviolette Farbe ist am Anfang etwas irritierend. In unseren Breiten ist Nahrung mit der Tönung meist verdorben.

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Kanonenkugelfrucht

Kanonenkugelfrucht

Da sie gerade gekocht hatten, tischte mir ein Mädchen aus der Küche noch einen Teller mit vegetarischen Gerichten auf. Zahlung wollten sie keine Annehmen. Ich sei ein Gast. Ich dankte berührt. Gerne wäre ich noch länger geblieben, doch hatte ich mein Tagesziel noch nicht erfüllt.

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Der Weg führte mich vorbei an der Szenerie Vietnams. Unfälle auf der Überlandstraße. CD-Verkäufer, die ihre Musik über ihr Moped in die Welt posaunten und eine Kulisse, in der sich Moschee und Kirche friedlich gegenüberstanden.

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Langsam dämmerte es und ich fragte mich mehr und mehr, ob ich den Weg nachhause wieder finden würde. Es müssten inzwischen fast 70km sein, die ich mit der schwachen Maschine zurückgelegt hatte…

Kirche und Moschee nebeneinander, Xuân Lộc Bezirk

Kirche und Moschee nebeneinander, Xuân Lộc Bezirk

 

Reise nach Mui Ne

_DSC0270_miniHô Chi Minh Stadt ist ein Wunder. Ich habe Schwierigkeiten, mir eine Stadt vorzustellen, die ähnlich viel zu bieten hat. Zwar ist die Aufregung, die Geschäftigkeit, das Viele von Vielem für eine gewisse Zeit ein wahres Feuerwerk für die Augen und den Geist, doch wird es auf Dauer einfach nur viel – und je öfter man seine Schritte über die Flüsse setzt, die Pagoden ansieht und den undisziplinierten Motorradfahrern etwas in seiner Sprache nachschreit, dass sie einen nur ja nicht verstehen desto mehr wird man selbst zu Saigon oder weiß, dass man gehen sollte.

_DSC0271_miniMit Stift und Zettel bewaffnet durchsuchte ich eine Straße voller Reisebüros nach dem günstigsten Tarif. Alle Touristen wollen nach Mui Ne – das sollte auch mein Weg sein! Ein wenig musste ich handeln, war aber mit dem Preis nicht unzufrieden – und irgendwie boten ja auch alle Veranstalter insofern das Gleiche, keiner erzählte mir, dass und warum sein Bus mehr hätte.

So vergingen die letzten Tage in der Hauptstadt des Südens wesentlich ruhiger – meine Abreise stand bevor und ich konnte das bunte Gemisch an allem was man hier zu bieten hatte gelassen an mir vorbeirauschen lassen.

Der Sprache immer noch nicht mächtig, verabschiedete ich mich mehr mit Gesten von meinen sehr lieben Gastgebern und war etwas traurig darüber – wir konnten nie wirklich miteinander sprechen, aber man hatte mich sehr gut behandelt.

Ein letztes Mal schaute ich noch in die Đề Thám-Seitenstraße und machte mich durch die dunklen Gassen auf den Weg zum Reisebüro – auf den Bus wartend.

Wir fuhren in den Sonnenuntergang hinein. Diesmal hatte ich zwar darauf geachtet keinen Nachtbus zu erwischen, aber wenn es schon um 6 finster wird, lässt sich die einbrechende Dunkelheit nur schwer vermeiden. Im Bus bin ich einem Vietnamesen mit exzellentem Englisch begegnet. Er war auf dem Weg in die Vereinigten Staaten und erzählte ganz begeistert von seiner Liebe zur Fotografie, die ich nur zu sehr teilte.

Weihnachten an der Bushaltestelle

Weihnachten an der Bushaltestelle

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Für die nächsten Tage blieb er in Phan Thiết bei seiner Familie. Er zeigte mir ein paar seiner Fotos und hatte offensichtlich Talent und kannte auch schöne Mädchen, die sich in den traditionellen Vietnamesischen Kleidern fotografieren ließen.

An seiner Haltestelle tauschten wir noch schnell die Nummern aus und es überraschte mich, wie nahe sich Mui Ne und Phan Thiết sich waren.

In Vietnam habe ich (im krassen Gegensatz zu Europa) nie auch nur ein einziges Zimmer reserviert. Die Gästehäuser oder „nhà nghỉ”s hatten sowieso keine Webseiten und würden dementsprechend nicht ohne einer Suche vor Ort auftauchen.

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In Mui Ne allersdings standen nur Hotel nach westlichem Vorbild und mit Preisen die man vielleicht in Mitteleuropa erwartet hätte. Selbst ein Hostel war gänzlich überteuert.
Irgendwie konnte ich über die Einheimischen, die schon fast am Ende des touristischen Teils der Stadt lebten herausfinden, dass es tatsächlich Unterkünfte gab, die sich am Land und nicht an den Gästen orientierten.

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

_DSC0383_miniZunächst bot mir ein Hotel ein eher teures Zimmer mit dem Fenster zur Straße an. Es war, wie alle Zimmer, die ich in Vietnam hatte sauber, aber ich war nicht ganz zufrieden. Also zerrte ich meinen Koffer weiter, bekam eine Telefonnummer, rief ihn an, und erhielt eine Adresse und war verwundert theoretisch exakt da zu stehen, wo ich eigentlich hin sollte. Nur – obwohl die Straße alle Nummern in der richtigen Reihenfolge hatte fehlten hier ein paar. Wieder erbat ich mir Rat von den umstehenden Menschen und so teilte mir ein Vietnamese mit, dass sich die Nummern in einer Seitenstraße fanden die ich für den Gartenzugang hielt.

"Garten meines Gästehauses"

„Garten meines Gästehauses“

Meine Nachbarn

Meine Nachbarn

Der Preis schin fair und ich stimmte zu, letzten Endes würde ich hier allerdings länger bleiben als ursprünglich gedacht. Kurz nach dem Einlagern meines Hab und Guts schritt ich der Straße entlang, die aus der Stadt führte und fand ein von einer alten Dame bewirtschaftetes Gasthaus, in dem ich mir eine Nudelsuppe schmecken ließ und dazu einen chinesischen Film mit vietnamesischen Untertiteln ansah… oder umgekehrt.

Vormittag in Saigon

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Hô Chi Minh Stadt blieb sich treu: Chaotisch und in jeder Hinsicht ein Original.

Speziell morgens saßen in allen Straßenküchen Leute die Nudelsuppe hineinschaufelten.

Guten Morgen, Saigon

Guten Morgen, Saigon

_DSC0012_miniDie Sonne war wesentlich angenehmer als die Mittagshitze in dieser Asphaltlandschaft und erstmals überschritt ich auch die Brücke über den Saigonfluss und erstaunte darüber, dass sich die Umgebung verändert hatte.

Saigon als „homogen“ zu beschreiben entspricht der Bezeichnung „verlässlich“ für eine Person, von der man zu 100% weiß, dass man sich auf sie nicht verlassen kann. Dennoch fühlte sich dieser Teil der Stadt noch einmal gänzlich anders an als der vorige. Als würde ich mit dem anderen Ufer eine ganz andere Geschichte betreten.

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Bisher war mein Bauch leer geblieben und ich hielt an einem Suppenstand um mir mein Frühstück zu holen.

_DSC0120_miniMein heutiger Koch bereitete seine Speisen leicht anders zu als die meisten seiner Kollegen. Das Rindfleisch in meiner Schüssel war noch halb roh.

_DSC0124_miniAber ich verstand: Die Suppe selbst war noch fast kochend heiß – praktisch unmöglich zum sofortigen Verzehr. In der Hitze garte das Fleisch schonend vor sich hin und ist pünktlich zum Verzehr „fertig“.

Während ich auch vom Grünzeug am Tisch eifrig Gebrauch machte, grinste mich der Koch stolz an. Vermutlich sah er mir die Verwunderung an oder war stolz darauf, dass auch ein „Botschafter des Westens“ bei ihm einkehrte um in die Genüsse seines Landes zu kommen.

Gestärkt schritt ich ‚gen Norden.

_DSC0150_mini_DSC0144_miniErstmals kam ich auch auf einen Markt, der praktisch nur Einheimischen vorbehalten war. Herrlich. Vergleichbare Märkte muss man jedes Mal suchen und wird nie enttäuscht. Wie immer potenzierte sich das Tohuwabohu und auf einem Pfad zwischen zwei Ständen, der knapp eine Person fassen konnte drängten sich Mopedfahrer, Bettler, Frauen mit den traditionellen Non La-Kegelhut in zwei eng gepfärchten Reihen.

Händler boten Fisch, Fleisch, Gemüse und Kleidung an – was mich alles weniger interessierte. Schließlich fand sich jedoch wonach ich suchte: Auf einer roten Plane bot ein Herr diversen Tand an wie Manikürzubehör, „nützliche“ Haushaltsbehelfe und Esoterika an.

DAS war es, wonach ich wollte – vermutlich sollte alles auf die eine oder andere Art Glück bringen, hier lachte ein Buddha, da lagen goldene Ringe und ein paar zusammengebundene Chinesische Kupfermünzen, für die ich ihm dann ein paar Dong gab.

Wirklich faszinierend waren jedoch die „Dollar“ die er anbot.

Sie hatten die Größe der Silberdollar aus dem 19. Jahrhundert und waren auch mit diesem Prägedatum versehen. Doch jeder Laie konnte mittels hochheben feststellen, dass das Material unedler war. Genau das gefiel mir dabei: Es war eine derart plumpe Fälschung die keinerlei Wert auf Authentizität legte. Leider sprach der Verkäufer kein Englisch und mir blieb der wahre Sinn verborgen, doch ich gab ihm zwei echte Dollar für einen seiner Unechten, was ihn außerordentlich glücklich stimmte.

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Später traf ich eine Freundin in einem der vielen Trung Nguyen Kaffeehäuser und musste warten. Einen Tisch entfernt saß ein anderer Westler, der offensichtlich auch nach Beschäftigung suchte und sprach ihn an. Er war Amerikaner und wartete ebenso auf jemanden. Ich holte meine Münze heraus und hielt sie ihm vor – ob er wisse, was das ist. Verblüfft drehte er das Metall mit dem Indianerkopf darauf und schien zu ahnen, dass es nicht ganz echt sei. Noch verwunderter war er, als ich erwähnte, dass ich es hier auf einem Markt erstanden hatte. Aber vermutlich hätte ich genauso reagiert, würde man mir einen übergroßen Euro aus dem falschen Material in die Hände drücken.

_DSC0141_miniAm Ende lag noch einer dieser überkitschigen Läden, die saisonale Ware feilboten. In diesem Fall „Weihnachtskleidung“ für Kinder.

Wir hatten über 30°C und die hier boten tatsächlich Weihnachtsmützen, rote Pelzjacken und ähnlichen Ramsch an. Wer kauft sowas?

Später lief mir auch eine Horde Kinder über den Weg, die damit angezogen waren…

Ho ho ho...

Ho ho ho…

Türme und Brücken von Hanoi

Da im Laufe dieser Woche wurde auf der Seite der Gesellschaft Österreich-Vietnam (https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=699152050105165&id=309570196522&stream_ref=10) eifrig darüber berichtet, dass eines der Wahrzeichen Vietnams, die Long Biên Brücke glücklicherweise doch erhalten bleibt (http://www.thanhniennews.com/reportage-photo/bridging-the-times-24260.html). Deshalb sehe auch ich mich veranlasst, ein paar Monate nach vorne zu springen und kurz diese Impression Hanois zu schildern.

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_DSC0243_mini_DSC0255_miniEs war genau zur Zeit des Tết-Festivals, als sich die Hauptstadt in ihrem wohl berüchtigsten Gewand zeigte – dem, mit dem sie wohl kaum den Wettbewerb der Südostasiatischen Städte mit den meisten Sonnenstunden gewinne würde…

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an...

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an…

Schönwetter in Hanoi

Schönwetter in Hanoi

Tags zuvor strahlte in Hue noch die wärmend die Sonne, die damalige Trennung zwischen Nord- und Südvietnam schien sich auch meteorologisch manifestiert zu haben – Hanoi trug ein Trauerkleid des Wetters, es war kalt, nieselte ständig und ich fragte mich, ob ich je die Sonne wiedersehen würde. Glücklicherweise war ich nicht zum Bräunen in die Hauptstadt gekommen.

Für mich als Programmierer waren die vom französischen Mathematiker Édouard Lucas postulierten kristallenen „Türme von Hanoi“ das Wahrzeichen der Stadt, das mich interessierte und weswegen mich die Metropole seit Jahren faszinierte (wenn man genau rechnet, sogar seit (einem) Jahrzent(en)).

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben...

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben…

Das Problem mit den Türmen von Hanoi ist, dass man sie wohl irgendwann nach Benares gebracht hatten – sofern sie überhaupt jemals existierten.

_DSC0261_miniSomit gab ich mich nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt mit einem Wahrzeichen zufrieden, das mehr den Architekten und Historikern als den Programmierern schmeichelt: Der Long Biên Brücke.

 

_DSC0264_miniMan sah ihr recht gleich an, dass sie viel mehr als eine einfache Brücke war. Obwohl man sie nicht mit einem Auto überqueren konnte besaß sie trotz – oder vielleicht genau wegen ihres Alters etwas, was entgegen den meisten anderen Brücken, die ich während meines Lebens gesehen hatte vor allem eines: Eine Seele.

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Zwei Fahrstreifen, jeweils in eine Richtung für einspurige Fahrzeuge und Fußgänger und in der Mitte Geleise für Züge und dergleichen.

Man sieht ihr das Alter schon an...

Man sieht ihr das Alter schon an…

Ob man zu Beginn 20. Jahrhunderts als sie von der französischen Gesellschaft Daydé & Pillé (inzwischen wurde sie in die Eiffel-Gruppe integriert), deren Schilder sie noch heute trägt erbaut wurde gedacht hat, dass sie über ein Jahrhundert und mehrere Kriege und Weltkriege überstehen würde? Das Faktum, dass sie nicht (mehr) mit dem Auto befahrbar ist spricht für sich.

Mir wurde auch hin und wieder etwas mulmig zumute, als ein Zug sie passierte. Man fühlt die Bewegungen der Schienenfahrzeuge.

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Der Erbauer, Daydé & Pillé

Der Erbauer, Daydé & Pillé

Von den mittlerweile sechs Brücken, die den Roten Fluss (Sông Hồng) gehen ist sie die Älteste.

Die wahre Imposanz der Brücke wird einem erst bewusst, wenn man den ersten Teil, der über den schmäleren Teil des Roten Flusses führt und die Insel überwunden hat. Obwohl schon dieses Teilstück sehr beeindruckend ist, ist das wahre Ausmaß erst etwa zwischen zweitem und letzten Drittel sichtbar.

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

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Unter der Brücke...

Unter der Brücke…

Auch das Faktum, mitten in einer der größten Städte Südostasiens einen Insel voller Nutzpflanzenfelder vorzufinden ist für einen Mitteleuropäer kaum vorstellbar, für viele jedoch ein faszinierender Gedanke – wobei es in Fernost wohl keine urbane Bohéme ist, die Tomaten anpflanzt, sondern eine andere Gesellschaftsschicht…

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Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Auf der anderen Seite des Flusses finden sich für Touristen eher uninteressante Viertel, sodass ich mich entschieden hatte über die gleich danebenliegende Brücke zu Fuß(!) zurückzumarschieren.

Auf der anderen Seite...

Auf der anderen Seite…

Vermutlich hatte der Brückenwächter, der mich müde ansah keine Lust mit einem Westler zu diskutieren, der noch immer kein Vietnamesisch sprach und ließ mich ziehen – sodass ich erst irgendwann in der Mitte feststellte, dass diese Überquerung gar nicht für Fußgänger gedacht war…

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Einigen Mopedfahrern werde ich wohl auch seltsam vorgekommen sein, doch von hier aus hatte ich doch einen interessanten Blick auf Long Biên Brücke.

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Was folgte war das gewohnt touristische Hanoi… Demnächst sollte ich meine Reisen wohl auf Benares konzentrieren, wenn ich nach meinen Kristalltüremen suche.

Intermezzo in Saigon

Nach etwa einem Monat, während dem ich auch etwas gearbeitet hatte kannte ich Ha Tien zu gut. Es war Zeit, wieder nach Hô-Chi-Minh-Stadt aufzubrechen, wo ich auch meinen größten und schwersten Koffer gelagert hatte.

Wieder entschied ich mich für einen Nachtbus, obwohl ich die kaum ausstehen konnte.

Zumindest hatte ich Zeit, an meinem Buch weiterzuschreiben. Hinter mir saßen ein paar Khmer was ich gleich an der Sprache erkennen konnte. Wir konnten miteinander plaudern und es war sehr angenehm, nach fast zwei Monaten in Vietnam wieder einmal Khmer zu sprechen. Als Europäer ist es sehr viel einfacher Khmer zu lernen als Vietnamesisch, was ich bis zuletzt nicht schaffte.

Khmer und Vietnamesisch sollten eigentlich sehr nahe verwandt sein.

Das aber ist eine Information, die einem ein Sprachforscher geben würde. Nie habe ich einen Vietnamesen getroffen, der Khmer als Brudersprache bezeichnet hätte und nie einen Khmer, der dasselbe von Vietnamesisch behauptet hatte.

Wer einmal versucht, Khmer im praktischen Leben auf Vietnamesisch umzulegen wird recht bald feststellen, dass sein Faktenwissen über Sprachen hier nutzlos ist – und höchstens ein paar ungläubige Blicke einbringt.

Schlafen war bei dem Gewackel ohnehin ein Ding der Unmöglichkeit und zum Schreiben gab es genug. Dadurch kam mir die Fahrt sehr kurz vor. Schon bald glühte das ehrwürdige Saigon in der Morgendämmerung vor mir.

Dieses Bild zeigt Saigon besser als jedes Andere...

Dieses Bild zeigt Saigon besser als jedes Andere…

Solange man in einer Stadt ist, fällt es nicht auf wie groß sie ist. Saigon ist riesig. Vermutlich die größte Stadt in der ich je war.

HCM in der Früh

HCM in der Früh

Den Bus noch nicht einmal verlassen, scharrten sich schon Motorradtaxis um uns und einer half mir unaufgefordert, meinen Rucksack herauszubekommen.

Ich ignorierte ihn und suchte nach dem Busterminal. Die Busfahrt käme auf vielleicht 5.000 Dong, knappe 25 Dollar-Cents. Das Motorradtaxi auf vielleicht 100.000. Wobei ersteres ob der Last sogar bequemer war. Zuerst hatte ich die Strecke bis ins Zentrum gänzlich falsch eingeschätzt – oder besser: Die wahre Größe der Stadt.

_DSC0625_miniMan könnte ein Jahr lang hier bleiben und jeden Tag fotografieren, alles dokumentieren und kartographieren – am Ende bliebe immer noch zu viel Ungesehenes übrig. Selbst, wenn man es schaffte, so würden hier im Laufe dieses Jahres so viele Dinge passieren, dass man genug Material für ein weiteres Jahr hätte.

Etwas hatte ich mit dieser Aufgabe zwar kokettiert, doch es ist genauso schwierig jemanden zu finden, der verrückt genug ist und die Ausdauer besitzt, diese Stadt gänzlich entdecken zu wollen, wie jemanden der das auch finanziert.

_DSC0752_miniIrgendwann entdeckte ich am Ufer des Saigonflusses eine interessante Kirche, die mir zuvor noch nie aufgefallen war. Fast zwei Wochen hatte ich hier verbracht und versucht, jeden Tag etwas Neues zu finden. Und kaum einen Kilometer Luftlinie war dieses erstaunliche Gebäude von meiner Bleibe entfernt!

Kirche neben dem Saigon-Fluss

Kirche neben dem Saigon-Fluss

Genau das fasziniert mich bis heute an der Stadt.

Kurz nach 6 erreichte ich das Gebäude in dem ich schon das letzte Mal verbracht hatte, die Herrin des Hauses war sichtlich überrascht, mich um diese Uhrzeit zu sehen. Als Langschläfer bekam man mich vor 10 eher nicht zu Gesicht.

Sie machte mir klar, dass mein Zimmer noch besetzt sei, aber bis 10 würde es frei.

Wie sie mir das verständlich gemacht hatte? Offen gesagt, antwortete ich auf diese Frage, müsste ich lügen. Ich weiß es nicht… Sie sprach kein Englisch, ich kein Vietnameisch.

Um Punkt 10 war es aber tatsächlich frei und für mich hergerichtet.

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Weihnachtsmann vor dem Nikon-Vietnam Gebäude. Ob der Hitze eher unpassende Kleidung

Weihnachtsmann vor dem Nikon-Vietnam Gebäude. Ob der Hitze eher unpassende Kleidung

Bis dahin, ja Saigon ist nicht langweilig. Meine Kamera musste aus der Reparatur abgeholt werden, auf dem Weg dahin entdeckte ich einen Markt, den ich noch gar nicht kannte, aß dort eine Suppe zum Frühstück, die mir außerordentlich gut schmeckte.

_DSC0690_miniIn guter Laune ließ ich das auch die Verkäuferin wissen, dass das eine der Besten gewesen sei, die ich hier verspeist hatte – worauf sie freundlich meinte:„Maybe come again tomorrow and try other one too“. Worauf ich antwortete „No, I order it now. I’m still hungry“.

Bis 10 war noch genug Zeit, die durchgemachte Nacht schien mich einfach nur hungrig gemacht zu haben und zum ersten Mal schmeckten mir auch die seltsamen Tischkräuter.

Auch meine Uhr bedurfte einer Reparatur

Auch meine Uhr bedurfte einer Reparatur

Mit ein paar Ringen unter den Augen überreichte man mir um 9 meine geliebte Nikon.

Auf den ersten Fotos stellte ich fest, dass man den Defekt behoben hatte. Auf dem dritten und vierten Foto zeigte sich dafür ein ganz neuer Defekt – der mir ob des Faktums, dass seine Entstehung für mich schwer nachzuvollziehen war – irgendwie cool war…

 

 

 

Nutzloser aber interessanter Fehler: In einem bestimmten Winkel gehalten ist die Hälfte der Aufnahme nicht sichtibar

Nutzloser aber interessanter Fehler: In einem bestimmten Winkel gehalten ist die Hälfte der Aufnahme nicht sichtbar

 

Immer noch Ha Tien

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Hatien war eigentlich wie geschaffen für eine Tourismusstadt:

Sie lag auf einer Transitroute zur Insel Phu Quoc – der größten Vietnams – hatte dabei eine sehr angenehme Einwohnerzahl behalten und war auch noch Grenzstadt zu Kambodscha.

Mangrovenwald

Mangrovenwald

Wirkliche „Sehenswürdigkeiten“ im westlichen Sinne gab es in ihr keine, am Berg gegenüber befand sich malerisch ein großes Frauenkloster und in Richtung Osten erstreckten sich Mangrovenwälder. Als Europäer kannte ich diese Bäume nur aus Büchern. Inzwischen gehören diese Wasserpflanzen zu meinen _DSC0090_miniLieblingsgewächsen. Wovon ich noch nie gehört hatte waren die Wasserkokosnüsse. In faustgroßen Nüssen gediehen sie auf Wasserpalmen. Ihr Geschmack erinnerte an die Kokosnüsse, wie wir sie in Europa kennen, nur etwas trockener. Erwartet hatte ich, dass sie saftiger seien würden.

 

Wasserkokosnuss

Wasserkokosnuss

Für mich waren das alles einmalige Erlebnisse – bis jetzt habe ich noch nirgendwo eine vergleichbare Landschaft gesehen.

 

Nur – Touristen kamen kaum welche. Ein paar Hotels gab es neben dem Markt, ein paar Andere um den Fischerhafen. Irgendwann hatte sich hier auch der Brite Andy niedergelassen, dem die Stadt zwar gefallen hatte, aber eines abgegangen war: Eine Bar.

Kurzerhand hatte er die „Oasis Bar“ eröffnet, die primär auf ausländische Gäste abzielt.

 

Einmal hatten mir britisch-indische Gäste Zuckerrohr mitgebracht

Einmal hatten mir britisch-indische Gäste Zuckerrohr mitgebracht

Andy ist ob seiner Staatsbürgerschaft zwar nicht der Inhaber, hält aber zumindest die Gäste bei Laune. Alles Geschäftliche erledigt seine Frau: Eine Vietnamesin. Wobei ich ihm auch manchmal etwas seltsam vorgekommen bin: Eines Abends haben mich ein paar inländische Bekannte begleitet doch hatte anstatt wie die Anderen kein Bier, sondern einfach nur diesen typischen Vietnamesischen Tee bestellt, der meist auf den Tischen steht und eher als „Wasser mit ein bissi Geschmack“ bezeichnet werden sollte.

„In einer Bar trinkt man doch keinen Tee…“ murmelte er vor sich hin.

 

Kinder freuen sich immer über neue Gesichter

Kinder freuen sich immer über neue Gesichter

Am Fluss, der die Stadt teilte versuchten einige teurere Hotels ihr Glück. An fast jedem Abend spielte man live-Musik, grillte… Und vielleicht eine Handvoll Besucher erschienen überhaupt. Die Stimmung war nicht sehr gut. Es war klar, dass es für die Angestellten nicht leicht war – jeder rechnete damit, dass demnächst mehr Fremde kommen würden. Nur wann?

Gibt man zu früh auf, wird man sich später ärgern, dass man seine einmalige Chance auf ein Monopol nicht wahr genommen hat. Die Alternative ist möglicherweise ein Konkurs.

 

Jedes Hotel und Restaurant lockt die Gäste mit seinen Mitteln...

Jedes Hotel und Restaurant lockt die Gäste mit seinen Mitteln…

Niemand weiß wann und ob einmal mehr kommen. Für den Moment waren mein neuer Freund und ich die einzigen Dauergäste.

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Nachdem ich mich mit dem Holländischen Programmierer inzwischen immer öfter traf und nachdem wir jeden Tag gemeinsam zu Mittag aßen verlegte ich mein Hotel vom Stadtzentrum weg in die Nähe des Seinigem und sparte mir auch einiges an Kosten. Inzwischen war ich schon über vier Monate aus Europa weg und er war der erste Europäer, der nicht nur als Tourist hier war – ähnlich wie ich.

 

Getrockneter Tintenfisch scheint in ganz Vietnam beliebt zu sein. Besonders aber hier

Getrockneter Tintenfisch scheint in ganz Vietnam beliebt zu sein. Besonders aber hier

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Zwei ältere Damen helfen sich gegenseitig beim Treppensteigen

Zwei ältere Damen helfen sich gegenseitig beim Treppensteigen

Einmal machte er mich darauf aufmerksam, dass es in der Nähe einen Tempel gab, der vielleicht ganz interessant ist. Ein paar Dong Eintritt später war ich in einer Höhle, die mit verschiedenen Figuren ausgestellt waren. Auch hier wurde Quan The Am sehr verehrt. Mir ist ihre Statue schon auf Phu Quoc aufgefallen (http://www.landmark5.com/2014/01/13/der-weg-in-den-dschungel/).

Quan The Am

Quan The Am

Speziell ältere Frauen kamen oft zum Beten her.

Ältere Frauen beim Gebet

Ältere Frauen beim Gebet

_DSC0891_mini_DSC0843_miniNach wie vor weiß ich nur sehr wenig über diese Göttin. Zu meinem Leidwesen. Sie scheint besonders für die Gnade zu stehen…

Daneben bot der Berg noch ein bemerkenswertes Panorama. In der Ferne erblickte ich Kambodscha, von wo aus ich Monate zuvor gekommen war…

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Stadt der Göttin der Gerüche

Nach Phu Quoc war ich über Rach Gia gekommen. Die Stadt blieb mir nicht sehr gut in Erinnerung. Sie war zu groß und das Geld der Touristen war lieber gesehen als die Menschen.

Auf einer der vielen Seekarten in den Phu Quocer Reisebüros war eine weitere, günstigere Route abgebildet – nach Ha Tien. Ein Versuch, diesen Ort auszuloten konnte nicht schaden und während die Hinreise in der ersten Klasse erfolgte, verlief die Rückreise in einem äußerst wackeligen Boot auf Holzbänken und mir unverständlichem parallel laufenden Fernsehsendungen.

_DSC0984_miniSpäter sollte sich noch herausstellen, dass auch der Name der Stadt beispielhaft für die vielen Töne der Vietnamesischen Sprache war. Ein ungeübter Europäer kann die Tonhöhen kaum unterscheiden.

Je nach Aussprache definiert „Ha Tien“ entweder das Wort „Galaxie“, den Ausspruch „ich habe kein Geld“ oder eben den Name der Stadt, der sich auf eine bestimmte Göttin zurückführen lässt.

 

Berg mit Tempel nahe der Grenze

Berg mit Tempel nahe der Grenze

Ich mochte die Stadt von Anfang an. Sie war eine kleine, gemütliche Grenzstadt, die Gäste aus dem nur einen Steinwurf entfernten Kambodscha mit kostenlosen Visa köderte. Wenn man nicht aufpasste, so hätte man ob dieser Distanz außerhalb versehentlich die Grenze überqueren können.

 

Ein Motorradtaxifahrer brachte mich über die Brücke in die Innenstadt. Ein Hotel direkt gegenüber des Marktes schien mir passend und ich wollte einmal ein paar Tage nachdenken, was ich denn arbeiten könne.

Das günstigste Zimmer hatte kein Fenster und ein hochfeuchtes Badezimmer. Im Moment war mir der fensterlose Raum sogar recht – die Dunkelheit erlaubte mir einen angenehmeren Schlaf. Doch der beißende Geruch im Zimmer war nicht wegleugenbar. Woher kannte ich den nur…

 

Zuerst war ein Putzmittel im Generalverdacht, doch die Intensität ließ an manchen Stellen nach. Es musste sich um Naphtalin handeln. Leider wird dieses Gift noch in einigen Teilen der Welt als Waffe gegen Ungeziefer eingesetzt, obwohl es gänzlich nutzlos ist und für Kinder sogar eine Gefahr darstellt. Mit meiner feinen Nase litt ich besonders darunter.

 

An das Schlafen war nicht mehr zu denken, trotz Müdigkeit. Drei Mal durchforstete ich das Zimmer, fand nichts, legte mich wieder ins Bett, rotierte um die eigene Achse, suchte abermals und blieb erfolglos.

Im Vergleich zum Menschen nutzen Tiere ihre olfaktorische Wahrnehmung primär – nicht die Augen. Angeblich ist der Mensch jedoch in der Lage seinen Geruchssinn genauso effizient einzusetzen wie ein Tier – hatten Experimente mit Schokolade belegt (vgl. http://www.stern.de/wissen/mensch/geruchssinn-die-schoko-schnueffler-578766.html). Sollte das korrekt sein, so wäre das ein guter Moment die Ergebnisse im Selbstversuch zu verifizieren. Mit geschlossenen Augen schnüffelte ich nach der Naphtalinquelle. Geradeaus, rechts, links – nein, mehr rechts, wieder gerade, rechts – zu weit, zurück… Die Türe? Kam das von draußen?

Der Flur war weitgehend geruchsneutral. Also wieder retour. Nirgends war der Gestank so stark wie an der Türe. Die Augen nutzend achtete ich jetzt mehr auf Details. Tatsächlich fand sich jetzt ein türkises Stück Plastik, das in der Garderobe hing. Es war doch kein Türhänger, sondern die Quelle des aromatischen Toxins.

Naphtalin

Naphtalin

Im Flur entsorgte ich den Raumverpester in einem Müllkübel und legte mich schlafen. Es funktionierte.

Erfrischt war die Stadt viel interessanter, allen voran der Markt direkt vorm Hotel – weniger wegen der Architektur als dem Hunger, der an mir zu nagen begann. Touristen kannte man hier kaum, weswegen das Mittagessen für den „Einheimischentarif“ zu haben war. Eine Suppe, Fleisch, ein wenig Gemüse und Reis.

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Nachdenklich starrte ich auf die Fassaden der Häuser gegenüber vom Markt, dachte nach und ging den Markt durch – erst jetzt fiel mir ein Herr auf, der dort saß. Er musste in seinen 50ern sein, hatte blondgraue Haare und war höchstwahrscheinlich kein Vietnamese (was unschwer an seiner Hautfarbe abzulesen war). Das Essen war noch nicht serviert, ich stand auf, schritt zu ihn und fragte ob hier noch frei sei – was er bejahte.

 

Wir kamen ins Gespräch, während ich zu Mittag aß und es stellte sich heraus, dass er ein Holländischer Programmierer war. Irgendwie hatte ich Freundschaft mit jemandem aus meinem Berufsstande geschlossen, noch dazu ebenfalls aus Europa. Über 10.000km von meiner Heimat entfernt…

Durch die Berge Phu Quocs

_DSC0619_miniDie Sense in der Hand, der Dschungel vor mir und entschlossenen Herzens sollte ich den Aufstieg diesmal zu schaffen. Er war nicht ganz so dicht wie beim letzten Mal, aber die Steigung war höher.

_DSC0623_miniErst jetzt erkannte ich den größten Vorteil meiner Sense – mit ihrer Hilfe konnte ich Höhenunterschiede leichter zurücklegen – indem ich mich mit ihrer Spitze an den Bäumen festkrallte.
Die Dschungel in Vietnam sind gänzlich anders als die Wälder in Österreich. Die permanente Schwüle machte mir mehr und mehr zu schaffen. Womöglich könnten mir irgendwelche Tiere gefährlich werden. Das Problem stellte sich alsbald als unproblematisch heraus. Nur ein paar Ameisen schienen mich nicht zu mögen.

_DSC0640_miniWährend meiner Zeit als Lehrer in Kambodscha gab es einmal „Ameisensauce“ als Beilage. Ich vermutete, dass sich die vietnamesischen Cousins jetzt bei mir rächen würden. Sie schienen zur selben Art zu gehören, nur hatten die roten Khmer-Ameisen Angst vor Menschen, während die roten Vietnam-Ameisen sich in meiner Haut verbissen und es mich einige Anstrengung kostete, sie wieder loszuwerden. Diese Biester sind widerstandsfähiger als man meint…

_DSC0681_miniOft wurde ich später gefragt, ob es denn viele Vögel hier gäbe. Nun ja, bei einigen Wanderungen achtete ich darauf, aber ich kann mich an keinen erinnern. Statt dem Zwitschern der österreichischen Wälder war lediglich dieses seltsame Kreischen wie am Vortag präsent.

Die Stunden vergingen und mir tropfte der Schweiß über die Stirn. Irgendwann musste ich doch die Spitze erreichen? Zwar lag die Baumgrenze viel zu niedrig, alsdass dort wirklich ein Aussichtspunkt wäre, aber das war das Tagesziel. Mit der Zeit wurde mir mehr und mehr bewusst, wie gefährlich mein Unterfangen eigentlich war. Niemand wusste wo ich bin… und seit etwa einer Stunde nicht einmal mehr ich selbst.

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Vielleicht würde nach einer Pause alles etwas anders aussehen.
Um nicht wieder den Ameisen zum Opfer zu fallen, stand ich auf einem markanten Felsen, als ich meine Jause verspeiste und starrte in das Dickicht. Auch, wenn ich inzwischen an einer unmöglichen Stelle war war, so hatte es zumindest etwas Einzigartiges: Ich war wohl der erste Mensch, der je hier war!

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_DSC0770_miniEin paar Schritte weiter fand ich ein altes Tintenglas und einen Trampelpfad. Welch Ironie – immerhin: das war jetzt etwas interessanter. Wer mag hier entlangmarschiert sein? Teilweise war der Weg wieder mit stacheligen Büschen vollgewachsen.  Meine Sense konnte damit allerdings wesentlich besser umgehen als meine bloßen Hände am Vortag. Binnen weniger Hiebe war der Weg wieder frei und das Passieren möglich.

Es häuften sich auch ein paar Plastisäcke an und auch sonst war nicht wenig Müll hier. Eigentlich war ich fast von einer Erstbesteigung ausgegangen und jetzt sah es hier so aus, wie im Basislager des Mount Everest?

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Endlich hörte der Wald auf und der Boden war von seltsamen Kräutern bedeckt. Die Sonne blendete mich etwas, hatten doch im Dschungel die Bäume fast alles Licht abgehalten. Ein wunderbarer Augenblick – mit einem Male war die hohe Luftfeuchtigkeit auch weg. Eine kurze Waldpassage hatte ich noch vor mir, dann strahlte im Sonnenlicht eine bewirtschaftete Fläche vor mir. Bewohnt war die Hütte nicht, aber zumindest sollte ich wieder zurück kommen…

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Nur… War hier seltsamerweise kein Weg. Zwei Mal lief ich die Grenze des Grundstücks ab – und es gab keinen Weg? Wie um alles in der Welt kommt der Besitzer hier herauf?

Stabheuschrecke

Stabheuschrecke

Doch entdeckte ich im Wald ein kleines Bächlein, dass ins Tal sprudelte. Wasser sucht sich erfahrungsgemäß immer den kürzesten Weg.
Trotz des Baches, der die Primärarbeit geleistet hatte, fühlte ich mich wieder ein bisschen wie beim Heckenschneiden. Die Palmen und Dorngewächse wollten nicht weniger werden.

Letzten Endes wurde es immer luftiger, bis…

Irgendjemand hatte mitten im Dschungel einen Zaun aufgestellt? Warum auch immer, in meinem Fall war das ein gutes Zeichen. Schon wenige Meter weiter stand das erste Haus. Meine Wanderung war vorbei.

Kaum stand ich vor dem Haus, lief ein kleiner Bub heraus und blieb verwundert stehen. Wohl hatte er mich nicht kommen sehen und nicht damit gerechnet, dass jemals 1,91m große Weiße aus dem Wald kommen würden…

Der Weg in den Dschungel

Als ich bei der vorherigen Wanderung durch die Bäume ‚gen Meer geblickt hatte war ich mir nicht sicher, ob mir meine Augen einen Streich spielten, oder ob da wirklich jemand eine Statue mitten in den Wald gebaut hatte. Aufgrund meiner Verletzung und der Hoffnungslosigkeit des Unterfangens war zwar der erste Versuch gescheitert. Die Figur hingegen behielt ich im Hinterkopf.

Heute sollte mich mein Weg zumindest zur Statue führen. Nachdem die Karte allerdings unbrauchbar war, ich einen Grünzeugschneider dabei hatte, der unbedingt getestet werden wollte tat der Motivationsüberschuss sein übriges und ich zielte darauf ab, mir eine direkte Route vom Waldbeginn gegenüber der Straße bis zur Statue zu hacken.

Die Sense leistete hervorragende Arbeit. Tatsächlich konnte ich mit ihrer Hilfe sogar verhältnismäßig dicke Äste in einem Hieb zerschneiden. Womit ich nicht gerechnet hatte war, dass sich ein schilfähnliches Buschwerk vor mir auftat, das ich ob der schieren Menge an Pflanzen nicht entfernen konnte. Gerechnet hatte ich viel mehr mit einem Dickicht ähnlich der des Vortages, doch quantitativ war hier wesentlich mehr.

Es lag weniger an meiner Ausrüstung als an der Physik – wahrscheinlich wären auch motorisierte Geräte ob des ganzen Grünzeugs stecken geblieben. Vielleicht hätte ich mit Feuer mehr Erfolg… Vorläufig war wohl ein taktischer Rückzug die beste Idee. Die Statue muss doch auch anders zu erreichen sein.

_DSC0573_mini_DSC0578_miniAls ich die Straße entlangschritt fiel mir eine Pagode auf. Rechnete ich richtig, so müsse ich in etwa ab deren Höhe Richtung Inselmitte marschieren.
Rechts vom Tempel führte ein unscheinbarer Weg genau dahin. Als ich diese Route eingeschlagen hatte, war bald in der Ferne eine Statue zu sehen. Es folgte noch eine Treppe und vor mir stand Quan The Am.

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Oftmals hatte ich Vietnamesen über sie befragt. Obgleich man mir jedes Mal etwas anderes erzählte, betonte jeder ihre Güte. Fast überall in Vietnam stehen ihr zu Ehren Statuen.
Hier überblickte sie nicht nur den Dschungel vor der Pagode, die hinter ihr errichtet wurde, sondern auch das endlos scheinende Meer.

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Die Pagode selbst war sehr schlicht gehalten. Mir liefen ein paar bellende Hunde nach, die _DSC0591_minisich jedoch wieder verkrochen als ich hinter dem Gebäude angekommen war. Hier lag – etwas verwildert ein Friedhof. Vor den normalen Gräbern lagen pyramidenförmig _DSC0606_minigeschichtete Steinhaufen. Dahinter folgten die regulären Grabsteine mit den in Vietnam häufig präsenten Swastiken, die einen Österreicher hin und wieder etwas fragend da stehen lassen…

_DSC0605_miniBis zum Ende meines Aufenthaltes konnte ich mich nicht ganz an den Anblick des Zeichens gewöhnen. In Europa wurde die Swastika ja mit derart vielen Emotionen aufgeladen, dass es unmöglich scheint, sie je wieder in dem Kontext zu verwenden, in dem sie eigentlich stand. Hier in Vietnam waren allerdings die Japaner während des 2. Weltkrieges präsenter als die Deutschen, somit würden vielleicht einige Vietnamesen in Gegenwart der japanischen Rising Sun Flag, der „Kyokujitsuki“ ähnliche Gefühle empfinden.

Der Friedhof schloss mit dem Dschungel ab. Hier stand noch eine letzte Buddhaansammlung auf einem Stein, bevor es steiler wurde und nur mehr Wald zu sehen war.
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Ein gutes Omen, um meine Dschungelwanderung zu beginnen.