Schlagwort-Archiv: DIE TOTEN HOSEN

Voices for Refugees – Wien

Es ist inzwischen ein ganzes Jahr vergangen seit dem ich in Wien war. Sehr viel ist nicht passiert… Naja, inzwischen reden wir uns ein wir hätten eine Flüchtlingskrise und die Parteien haben jetzt einen Grund für ihre miesen Wahlergebnisse jemanden verantwortlich zu machen… Aber sonst? Nein, in einem Jahr passiert in Österreich wenig.

So war meine Rückreise ziemlich gut im Timing mit einem der größten und mit Sicherheit auch genialsten Veranstaltungen der letzten Jahre: Dem „Voices for Refugees“-Konzert in Wien (http://voicesforrefugees.com/).

Meine persönlichen fotografischen Highlights finden sich übrigens hier:

http://www.landmark5.com/2015/10/04/voices-for-refugees-wien-fundstuecke/

Angefangen hatte alles mit einer recht sympathischen Demo für mehr Toleranz auf der Ringstraße bis zum Parlament:

_MJS0285 _MJS0279 _MJS0288 _MJS0291 _MJS0294 _MJS0296 _MJS0299 _MJS0301 _MJS0304 _MJS0309 _MJS0326 _MJS0331 _MJS0332 _MJS0335 _MJS0337

Das Parteienbündins „Wien Anders“ (KPÖ, Piraten, Echt Grün  und Unabhängige) (http://wienanders.at/) hatte das Event auch für Parteiwerbung genutzt. Wobei sie da wohl nicht ganz fehl am Platz waren… Andererseits… Naja.

_MJS0324 _MJS0322

Die Polizisten waren ausgesprochen freundlich – jedoch war es etwas seltsam als ein Beamter an der Oper auf meine Frage:“Fährt heute eine Tram zum Heldenplatz?“ antwortete: „Das kann ich vorläufig nicht sagen, aber es wird im Bereich der Ringstraße gegebenenfalls zu Behinderungen kommen“. Der Herr stammte wohl aus einer Diplomatenfamile…

Die Volkshilfe, die einen Großteil der Veranstaltung und auch für die Flüchtlinge selbst organisiert hat war natürlich mit Spendensammlern omnipräsent.

_MJS0340 _MJS0354

Die Stimmung war schon im Vorfeld großartig. Angemeldet hatten sich laut Facebook über 50.000!eng1

Man kann sich auch denken, dass ein paar eher „merkwürdige“ Gestalten auftauchen würden. Porcman z.B. der auf keine Fragen antwortete und dem seine Gegenstände wegrollten:

_MJS0347

Porcman

_MJS0351

Das Wetter war geradezu perfekt. Vor dem Konzert fanden sich recht viele Besucher auf der Wiese ein. Ursprünglich wollte ich es mir auch dort bequem machen, hatte mich aber dennoch für einen Stehplatz direkt vor der Bühne entschieden. Man weiß ja nie wie viele Leute wirklich kommen würden und ob das komfortable Sitzen wirklich durchziehbar bleiben würde…

_MJS0343

Tool-Fan

_MJS0341 _MJS0345

_MJS0356

Dieses Selfie hätte Facebook während des Konzerts erreichen sollen. Allerdings war temporär das Handynetz zusammengebrochen (Usbekische Verhältnisse?)

Anfangs kreisten noch fleißig Polizei-Hubschrauber über das Gelände… und später kam auch noch der ÖAMTC dazu…

_MJS0385 _MJS0389 _MJS0407 _MJS0386

Der erste Auftritt war von meinen Lieblingen maschek. ich kenne sie seit ihren Auftritten in der ORF-Donnerstagnacht und diesmal hatte ich das erste Mal Gelegenheit sie live zu erleben. Ich habe Tränen gelacht. Umso mehr hoffe ich sie noch einmal bei ihrem eigenen Kabarett zu erleben.

_MJS0416 _MJS0418 _MJS0423 _MJS0425 _MJS0433 _MJS0436

Thomas David folgte, danach spielte Thomas Stipsits „Der alte Wessely“ von Georg Danzer. Eine würdige Version. Georg Danzer wäre stolz darauf gewesen. Die Pause die Thomas David zwischen dem lustigen Programm von maschek. und diesem sehr ernsten und aktuellen Lied eingebracht hatte war von den Organisatoren gut geplant.

_MJS0499 _MJS0514 _MJS0521 _MJS0525

Es folgten Salah Ammo & Peter Gabis mit einem Arabisch-Kurdischem Stück das thematisch den Abend sehr gut getroffen hatte.

Christoph & Lollo waren die Nächsten. Ich kannte sie bisher noch von der letzten Nationalratswahl bei der sie sich einen Namen gemacht hatten – wusste aber nicht, dass sie ein wesentlich breiteres Programm abdeckten.

Auf sie folgte die erste Rednerin des Abends: Susanne Scholl. Ich hatte sie glaube ich 2008 oder 2009 in Villach bei einer Buchpräsentation kennengelernt und seit dem ihre Berichte umso lieber gelesen. Eine beeindruckende Frau.

Ihre Rede allerdings toppte meine bisherige – ohnehin schon hohe Achtung. Sie entstammt selbst einer jüdischen Flüchtlingsfamilie. Ihr Vater konnte sich als Arzt und ihre Mutter als Hausmädchen vor den Nationalsozialisten nach England retten.

Der Appell den sie an die Zuschauer richtete war ergreifend. Ich hatte Tränen in den Augen.

_MJS0528 _MJS0537 _MJS0534 _MJS0530

Tagträumer folgten mit einem soliden Auftritt.

_MJS0550 _MJS0554 _MJS0568 _MJS0571 _MJS0576 _MJS0592 _MJS0596 _MJS0603 _MJS0604 _MJS0608 _MJS0609 _MJS0630 _MJS0638 _MJS0642

Und schließlich die Band Kreisky die ich bis dahin nur von Konzertplakaten kannte. Überraschederweise! Sie brachten Exzellenten Linksrock und eine interessante Idee mit den Freiheitlichen umzugehen. Auslachen.

Zitat (Wenn ich mich richtig erinnere):“I hab neulich a Interview mitn Strache in der Zeitung glesen. Er hat gmant, der Klimawandel wär nur a Erfindung von Journalisten. Der gheat ausglacht. Solln de von Puls 4 des von mir aus aussi schneiden was i sag, aber den Strache lach ma jetzt aus.“

(Publikum lacht den Strache aus)

_MJS0655 _MJS0662 _MJS0664 _MJS0668 _MJS0677 _MJS0679 _MJS0681 _MJS0692

Die zweite Rede des Abends war von Harald Krassnitzer. Was von seiner Rede zu halten war konnte ich Anfangs schwer beurteilen – als er jedoch in Fahrt kam beeindruckten mich seine Worte schon sehr.

Als Friedensnobelpreisträger solle sich die EU auch gefälligst so verhalten. Wieder stiegen mir Tränen in die Augen als er seine Ideen auf den Punkt brachte. Großartig, einfach nur großartig…

_MJS0749 _MJS0773 _MJS0775 _MJS0782 _MJS0794 _MJS0800 _MJS0802 _MJS0806

Seiler und Speer kannte ich zu meiner Schande gar nicht. Umso mehr war ich von ihrer Musik – einem modernen Austro doch ziemlich angetan.

_MJS0817 _MJS0821 _MJS0825 _MJS0833 _MJS0841 _MJS0846

_MJS0966 _MJS0964 _MJS0957 _MJS0952 _MJS0914

Erich Fenninger von der Volkshilfe folgte und brachte nach kurzer Rede drei syrische Flüchtlingskinder mit.

_MJS0970 _MJS1015

Das Mädchen war wohl von der Flucht besonders gezeichnet, sie brach fast in Tränen aus und rief eine Welle der Empathie im Publikum hervor.

_MJS1020 _MJS1021 _MJS1023 _MJS1027

Es folgten zwei Burschen die die Flucht aus Afghanistan überstanden hatten.

_MJS1029 _MJS1033

Danach noch eine ganze syrische Ärztefamilie. Der Mann lernt inzwischen fleißig Deutsch um die Arbeit als Herzchirurg die er in Damaskus zurück gelassen hatte weiterführen zu können…

_MJS1039 _MJS1042 _MJS1050 _MJS1052

Nun warteten wir auf einen der Stars des Abends: Konstantin Wecker. Eine Art Urgestein kritischer guter Musik für eine bessere Welt.

_MJS1054

Bisher hatte ich noch keines seiner Konzerte erlebt, wusste aber über die Musik Bescheid. Er hatte uns nicht enttäuscht.

Er brachte wohl die Revolution in unsere Köpfe…

_MJS1067 _MJS1070 _MJS1074 _MJS1079 _MJS1088 _MJS1091 _MJS1127 _MJS1120 _MJS1115 _MJS1113 _MJS1111 _MJS1102 _MJS1101 _MJS1094 _MJS1092 _MJS1132 _MJS1135

Danach folgte „Soap & Skin“ mit einem künstlerischen Meisterwerk.

_MJS1217 _MJS1214 _MJS1210 _MJS1202 _MJS1197 _MJS1194 _MJS1193

Was allerdings der Bundespräsident auf einer Veranstaltung wie dieser verloren hatte verstehe ich nicht.

Heinz Fischer zählt zu den Unterstützern Assads und hat diesen im Jahr 2007 in Damaskus besucht. 2009 revanchierte sich Assad und besuchte Fischer in Wien.

Wenn man „pro Flüchtlinge“ ist – heißt das dann auch, dass man die Hauptursache unterstützt, damit noch mehr Flüchtlinge kommen?

Assad hatte noch ganz andere Beziehungen zu Österreich: Der NS-Kriegsverbrecher Alois Brunner war ein gern gesehener Gast in Syrien. Österreich weiß davon, dass er sich in Syrien aufhält – und unterhält super Beziehungen mit dem Land obwohl sich Brunner auch auf der Fahndungsliste des Innenministeriums befindet (http://www.bmi.gv.at/cms/bk/_fahndung/_result.aspx?b=PERSONENFAHNDUNG&p=&o=0&f=74D1ED83C7D44DA39B5B7B317D2858E5&w=1). Man kann sagen dass Fischer Nazis relativ egal sind. Er hatte Bruno Kreisky auch im Kampf gegen den Nazi-Jäger Simon Wiesenthal unterstützt. Auf die Frage ob er irgendwelche politischen Entscheidungen in seinem Leben bereue verneinte Fischer.

Conchita Wurst würde wenig später auftreten. Österreichs Leuchtturm der Toleranz in dieser Welt. Ein Land das Schwule und Transgender nicht so toleriert gehört auch zu den Lieblingen von Heinz Fischer. Der Iran. Von dort gibt es im Übrigen auch genügend Flüchtlinge. Ein Land das Heinz Fischer vor wenigen Tagen erst besucht hatte… Österreich hat hervorragende Beziehungen in den Iran. So gute, dass das Mullah-Regime ohne uns und Deutschland nach der Revolution 1979 vielleicht gar nicht lebensfähig gewesen wäre…

Mir stellt sich die Frage ob man demnächst auch Putin oder Kadyrov einladen solle… Auch sie unterstützen Staaten die uns Flüchtlinge schicken.

_MJS1220 _MJS1252 _MJS1243 _MJS1235 _MJS1232 _MJS1229 _MJS1223

Aber genug der Kritik an Fischer, nicht eine, sondern DIE „Schweigeminute“ von Raoul Haspel folgte.

Ich hatte darüber nachgedacht ob ich sie wirklich filmen solle. Es war auch eine Frage der Pietät so einen Moment festzuhalten. Zumindest würde ich keinen Lärm machen… Und wenigstens einen Teil für die Ewigkeit festhalten…

_MJS1256 _MJS1272 _MJS1262 _MJS1260

Auf Conchita Wurst hatte ich mich besonders gefreut. Ich bin wohl so selten in Österreich dass ich es noch nie geschafft hatte sie live zu erleben.

Und Conchita weiß wie man einen guten Auftritt hinlegt. Sie hatte damals schon beim Song Contest Haltung und Disziplin bewiesen als die Stimmung gegen Russland fast kippte. Von ihr kann man eine perfekte Show erwarten. Sie hält was sie verspricht.

Wobei ich mir auch manchmal die Frage stelle ob sie ein Flüchtlingsheim besuchen sollte..? Wie würden konservative Araber wohl reagieren..?

_MJS1276 _MJS1394 _MJS1379 _MJS1370 _MJS1367 _MJS1355 _MJS1341 _MJS1319 _MJS1306 _MJS1299 _MJS1297 _MJS1294 _MJS1288 _MJS1284 _MJS1280

Gerald Schöpfer vom Roten Kreuz folgte mit einer syrischen Künstlerin und einer zusammengfeführten Familie.

_MJS1439 _MJS1487 _MJS1482 _MJS1476 _MJS1473 _MJS1469 _MJS1461 _MJS1453 _MJS1447 _MJS1443

Und schließlich Zucchero!

Der gab neben seinen Klassikern auch eine Neuinterpretation von Verdis „Gefangenenchor“ (Va, pensiero) als Schlaflied zum Besten.

_MJS1489 _MJS1564 _MJS1562 _MJS1561 _MJS1545 _MJS1541 _MJS1538 _MJS1534 _MJS1526 _MJS1516 _MJS1509 _MJS1505 _MJS1501 _MJS1499 _MJS1495

Danach war die österreichische „Multifunktionsband“ Bilderbuch dran, die eine einzigartige Bühnenshow lieferte.

_MJS1578 _MJS1763 _MJS1758 _MJS1731 _MJS1716 _MJS1710 _MJS1703 _MJS1685 _MJS1680 _MJS1675 _MJS1674 _MJS1658 _MJS1656 _MJS1642 _MJS1638 _MJS1608 _MJS1605 _MJS1592 _MJS1589 _MJS1581

Und schließlich: Die wohl eigentlichen Stars des Abends: Die Toten Hosen.

Obwohl nach fast 8 Stunden die über 150.000 Menschen am Platz wohl schon etwas ermüdet waren gelang ihnen die Meisterleistung uns alle wach zu rocken!

Es überraschte mich doch wie viele Leute „Toten Hosen“ Fahnen, Bengalische Feuer oder Ähnliches mitgebracht hatten.

Ein würdiger Abschluss für eines der genialsten Konzerte der letzten Jahre.

_MJS1817 _MJS1872 _MJS1874 _MJS1877 _MJS1886 _MJS1890

Und als Video: (Ich war übrigens der mit der Taschenlampe 😉 – das war kein Telefon! )

Das Beste an ihrem Auftritt war die indirekte Aussage, dass Strache nicht relevant genug ist um ihn mit dem korrekten Namen anzusprechen und das Wichtigste:

Unter einem Bürgermeister Strache gäbe es niemals so ein Konzert!

Absolut richtig. Man kann von Häupl halten was man will, aber wohl kaum eine Stadt schafft es derart viele Veranstaltungen zu organisieren wie Wien.

_MJS1911 _MJS1952 _MJS1946 _MJS1937 _MJS1928 _MJS1924 _MJS1921 _MJS1916

Im Hintergrund des Heldenplatzes leuchtete das Rathaus in der Nacht.

Wie wahr – Wien zählt zu den schönsten, tolerantesten und lebenswertesten Städten der Welt. Ein Unmensch wie Strache würde wohl all diese Qualitäten aussaugen wie ein Vampir…

_MJS1972

8 Stunden waren vorbei. Mehr als eine Flasche „Keli“-Saft den mir Mitarbeiter eines Standes der NEOs gegeben hatten hatte ich nicht konsumiert und langsam wurde ich hungrig.

Wie 150.000 andere. Vor allen Imbissständen und Läden hatten sich ewig lange Schlagen gebildet. Sogar noch am Schwedenplatz musste man anstehen… Erst am Praterstern gab’s schlangefreie Pizzen.

Straches Lösung für dieses Problem wäre wohl, alle ausländischen Standbesitzer abzuschieben…

_MJS1981 _MJS1976