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Traktat zur künftigen Entwicklung der Stadt Lienz

Traktat
zur künftigen Entwicklung der Stadt Lienz

Mario J. Schwaiger

Der Wegweiser der Geschichte deutet auf ein neues Zeitalter das
auf uns und die Welt zukommt. Noch nie waren die Zeiten so
schnelllebig, Information so verfügbar, Werte so wandelnd und
Möglichkeiten so groß.

Bisher haben wir stets auf bewährtes gesetzt. Sei es aufgrund
mangelnden Wissens von uns oder der Anderen. Das Internet hat seinen
Beitrag geleistet Regionen vergleichbarer zu machen und in stärkere
Konkurrenz zueinander zu positionieren. Bisher zeigt sich Lienz von
seiner bekannten Seite und wir können uns erfolgreich schätzen,
doch sollte dieser Erfolg niemals in Stillstand enden.

Mit „Vordenken für [Ost]Tirol“
hat sich eine starke Initiative gebildet, die dem entgegenwirkt. Doch
liegt es viel mehr denn je an jedem Einzelnen einen Beitrag zu
leisten und gemeinsam in in die Zukunft zu streben.

In den vergangenen Jahren und Monaten
habe ich die Welt bereist und mir Gedanken gemacht zu dem, was ich
gesehen habe. Gedanken, warum Konzepte funktionieren, was die
Besucher davon halten und wie man es auf meine geliebte Heimat
umlegen kann.

Auf den kommenden Seiten bringe ich
diese Funken zu Papier, aufdass auch ich einen leuchteten Beitrag
leiste.

1.
Stadtbotschafter

Wie im Rahmen der „Vordenken für
[Ost]Tirol“-Reihe im äußerst inspirierenden Vortag von Frau Prof.
Dr. Bachinger erklärt bilden in Ingolstadt jugendliche „Botschafter“
eine interessante Art und Weise die Stadt bekannter zu machen.

Idee:

Lienz ist faktisch eine
„Auswanderungsstadt“. Durch die Jugendlichen ergäbe sich eine
optimale Möglichkeit den Nachteil als Vorteil zu gestalten. In Graz
beispielsweise bilden Studenten und Arbeitende eine eigene „Kolonie“.

Wenn jeder potentielle Abgänger der
Stadt (Sprich: Maturant) den Titel eines Stadtbotschafters erhielte
potenziert dies den Werbeeffekt. Es geht hierbei weniger um
hochqualitative Werbung sondern primär um Quantität und
Mundpropaganda.

Die Idee deckt zwei Flanken ab:

  1. Auswanderungsfreudige Jugendliche
    binden sich stärker an die Stadt

  2. Mundpropaganda erreicht neue
    Spähren

Konzept:

Am Anfang würde die Idee faktisch
von Ingolstad abgeschaut. Ein Mitarbeiter des Stadtmarketings (oder
sogar die Bürgermeisterin selbst?) geht mit den Maturanten auf ein
Getränk und erklärt dabei die Aufgaben und verteilt Werbematerial
das für Freunde und Bekannte als kleines Präsent dient.

Hierbei ist es essenziell Lienz mit
einem Gedanken zu verknüpfen.

Ingolstadt hatte sich als Stadt der
Wirtschaft und Zukunft positioniert. So wurden bsp. USB-Sticks mit
dem Spruch „Schlüssel zum Erfolg“ verteilt.

Was zählt ist hier die
freundschaftliche Distribution von Massengütern guter Qualität.

Wie dieser Weg weiterhin verfolgt wird,
zeigt die Zukunft. Ich erachte es als einen interessanten Aspekt auch
weiterhin mit den Botschaftern in Verbindung zu bleiben, damit sie
ihre Erfahrungen teilen. Da Onlineformulare langweilig sind wäre
vielleicht eine Einladung in den Semester- und/oder Sommerferien auf
ein gemütliches Beisammensein bei Getränken ein Vorschlag.
Mitarbeiter der Gemeinde könnten dann hierbei die Erfahrungen
auswerten sodass sich mehr und mehr ein eigener „Lienzer Weg“
abzeichnet.

Zukunft/Parallel/Gedanken:

Viele meiner Freunde, die ich während
des Studiums kennengelernt habe sind wie ich begeisterte Alpinisten.
Doch obwohl Osttirol von allen Bezirken Österreichs die höchste
3000er-Dichte aufweist ist sind wir ob der Distanz eher unattraktiv.
Lieber fährt man früh morgens in die Nachbargemeinde und besteigt
dort etwas, als durch halb Österreich zu fahren.

Das ist vermutlich weniger eine Frage
der Erreichbarkeit als der Kosten. Ein beliebtes Konzept zur
Kundenbindung und Erhöhung der Attraktivität sind begrenzte
Gutscheine, die mittlerweile von vielen Anbietern beworben werden1
2

Freunde unserer Freunde sind auch
unsere Freunde!
Warum sollte jemand, der mit seinen Lienzer
Freunden in die Stadt kommt keine Vergünstigung bekommen?
Bspw.
auf Einkäufe, Nächtigungen oder Transport.

Als Freund von Stadtbotschaftern solche
Gutscheine zu erhalten erzeugt Lienz gegenüber zusätzlich ncoh ein
positives Gefühl. Ein begrenzt gültiger Gutschein noch einen
leichten Druck.

2.
Italien beginnt am Südtirolerplatz


Lienz verhält sich etwas kurzsichtig, wenn wir uns zu sehr auf
die Innenstadt beschränken. Zumal „Innenstadt“ ein sehr vager
Begriff ist. Hätten wir uns vor Jahrzenten gedacht, dass man
jenseits des Johannesplatzes einen der schönsten Stadtteile
gestaltet? Heute zählt die Rosengasse und deren Erweiterung in die
Messingasse zweifellos zum begehrtesten Stadtteil von Lienz.


Dass die Stadt noch weitere Potentiale hat ist unbestritten. Wie
wir mit diesen Chancen umgehen ist verwerflich.

Die
Problemzonen der Frau Lienz

Lienz zählt zu den reizvollsten Städten Europas. Wenn man
allerdings ein paar Schritte aus dem Tourismusgebiet (alles außer
Hauptplatz und dessen Verlängerung) marschiert könnte man denken,
dass die Berlusconi’sche Misswirtschaft bis hierher reicht.

Eine Stadtbegehung und ggf. eine Neuevaluierung ist vonnöten wenn
wir unser Stadtbild behalten möchten. (Wir können auch den
Ostblock-Weg gehen: Atemberaubende Innenstadt und wenn man in die
falsche Gasse abbiegt kommt man in die 3. Welt)

Ein nicht beachtetes Potential kann unentwickelt zu einem realen
Problem werden während es -sofern man ihm die nötige Beachtung
schenkt- die Wirtschaftsleistung der Stadt multipliziert. Man
bedenke, dass es sobald Händler einen weiteren Anzeiz haben sich
hier niederzulassen eine neue Einkaufsmeile entsteht.

1.1.
Jenseits der Judengasse

Obwohl mit dem City-Center endgültig die Modernisierung in Lienz
eingezogen ist (jetzt haben wir eine Rolltreppe) ist das Verlassen
desselben keine wirkliche Augenweide.

Die Mühlgasse ist Verkehrstechnisch eine ein Grauen. Obwohl es
sich abzeichnet, dass in diesem Areal durchaus Potential besteht (La
Ola, Küchenstudio Ortner, ProBike um nur einige zu nennen) schießen
wir uns „in eigenen Hax“, indem wir insbesondere die Mühlgasse
schändlich ignorieren.

Glücklicherweise wurde inzwischen der Abschnitt ab dem Ende der
Judengasse verbreitert, sodass die Lage verkehrsberuhigt wurde.

De facto könnte aber genau dieses vernachlässigte
Entwicklungsgebiet genau dadurch begehrenswert werden, WEIL es direkt
an den Parkplätzen gelegen ist.

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1.2. Konzept: Aus dem Jenseits ein Paradies machen

Die Judengasse gibt im ersten Moment kaum einen Anreiz
durchzugehen. Aber vielleicht ist es genau diese etwas dunkle, enge
Atmosphäre aus der man eine gewisse Gemütlichkeit herausholen kann.

Im Gegensatz zu den meisten umliegenden Straßen ist die
Pflasterung der Judengasse von ausgezeichneter Qualität.
Infrastruktur ist mit der „Partymeile“ der Zwergengasse gleich
nebenan gegeben. Sie selbst erinnert mich etwas an das Gemälde
„Terrasse du café le soir“ von Vincent Van Gogh.
Obwohl man gleichwohl kein Café
Terrace
hineinquetschen kann ist die Judengasse relativ ruhig.
Mit dem Frisör
Papillota
steht einmal ein Ankerpunkt ab dem man die Entwicklung vorantreiben
kann.


2.1. Innenstadt für Navigatoren

Die Beda-Weber-Gasse vereinigt mehr
Elemente der Stadt Lienz als jede andere vergleichbare Straße.
Einzig Parkplatzmangel, zu enge Passagen und mangelnde Motivation
etwas dagegen zu tun verhindern eine weitere Einkaufsstraße.

Somit wird die Beda-Weber-Gasse zu
einer Verkehrsdurchzugsstraße bei gleichzeitigem Vorhandensein von
Händlern, Fußgängeranbindungen (Iselkai), Kulturgut
(Michaelskirche), gesellschaftlichen Einrichtungen (Volkshaus, AK,
Wohn- und Pflegeheim) und Verkehrsdrehscheibe des nördlichen Teils
der Stadt (Moarfeld, Patriasdorf, sowie der Gemeinden
Oberlienz/Oberdrum).

Durch den eklatanten Platzmangel im
unteren Teil (ehemals E.P. Moser) und auch der gefährlichen
Anbindung beim Gymnasium müssen wir damit rechnen, diese Teile
früher oder später aufgeben zu müssen, da sie uns wegsterben!


2.2. Konzept: Die Arkaden des Theologen

Wie schon beim ehem. E.P. Moser
dazugebaut und beim der Michaelskirche vorgelagerten Wohnaus
vorhanden vereinigen Arkaden alle architektonischen Maßnahmen die
nötig wären, um die Engpässe in der Beda-Weber-Gasse zu
eliminieren. Vom Stadtbild her sind diese einfach zu integrieren da
Lienz ohnehin ein leicht südliches Flair innehält.

Dadurch würde auch die Luftqualität
signifikant ansteigen da das teilweise lange Stehen mit
eingeschaltetem Motor wegfällt.

In jedem Fall muss etwas passieren da
sich bereits jetzt mehr und mehr abzeichnet, dass die Geschäfte dort
fast immer unrentabel sind. Dass sich dieses Problem durchaus noch
ausweiten kann zeigt die Josef-Gasser-Straße. Kann es sein, dass
sobald ein Tourist die Spittalsbrücke quert vor einer Toten Zone
steht? Obgleich mit der Stadtpfarrkirche, der Michaelskirche und dem
Iselkai gleich mehrere Sehenswürdigkeiten über diesen Weg zu
erreichen sind?

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3.1. Tote unter den Lebenden

Verkehrstechnisch gesehen ist die
Tiroler Straße/B100 die „lebendigste“ Straße unserer Stadt. Mit
der Aufwertung der Rosengasse hat auch die Messingasse drastisch an
Qualität zugenommen.

Was dazwischen bleibt ist die
Mühlgasse. Sie scheint eher als ein ungeliebtes Kind, als eine
dynamische Verbindung. Ein Marsch durch die Kreuzgasse ist faktisch
eine Gefahr, da sie aprupt endet. Mit ihr auch der Gehsteig, sodass
Fußgänger auf die Straße gezwungen sind.

Dieses Areal als baulichen Schandfleck
zu bezeichnen trifft es auf den Punkt. Ein schiefer Zaun der den
Asphalt mitreißt und obwohl hier ständig Baustellen sind, scheint
nie etwas Neues gebaut zu werden.

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3.2. Konzept: Eine neue Seele?

Irgendetwas muss hier zweifelsohne
getan werden. Einerseits, da durchgehende Einkaufsmöglichkeiten von
Messingasse bis Tirolerstraße die Stadt deutlich aufwerten würden,
andererseits um diesem toten Punkt Einhalt zu gebieten.

Andere Städte reden drüber, wir
könnten hier ohne viel Aufwand tatsächlich eine „Begegnungszone“
3
initiieren. Es müsste lediglich das Bild der Straße selbst
aufgewertet werden (soll ja auch herzeigbar sein) und schon hätte
Lienz ein Prestigeprojekt mehr.

De Facto handelt es sich schon um eine
Begegnungszone, da alle Verkehrsteilnehmer aufeinanderprallen. Wenn
wir es schon nicht ändern können oder wollen, so sollten wir es
wenigstens unter Kontrolle bringen?

Als Aufwand ein paar kleinere bauliche
Maßnahmen, als Gewinn hätten wir die vermutlich erste
funktionierende Begegnungszone der Republik.

3. Herzmassage(n) für den Hauptplatz

Ich komme irgendwann im Spätherbst am Montag gegen 20:00 auf
den Hauptplatz und möchte im Zentrum Lienz‘ mit einem Freund etwas
trinken. Ist das möglich? Nein.

Es stellt sich jetzt die Frage: Sperren die Cafés so früh zu,
weil keiner kommt oder kommt keiner, weil die Cafés so früh
zusperren?

Problemstellung:

Das Problem ist komplexer Natur, weswegen es nicht nur einen
Königsweg gibt. Am Anfang steht die Frage, warum es nicht möglich
ist, in der Zwischensaison zu genießen was nicht nur Touristen
vorbehalten sein sollte.

Ich halte es nicht für sinnvoll die Lokale zu einem Öffnen zu
„nötigen“. Es scheint mir erstrebenswerter einen Zug zum fahren
zu bringen auf den sie dann, wenn sie nach Gewinn streben schon
aufspringen sollen.

Idee 1: Bei Fremden zu Gast

In Österreich wird derzeit eine Asyl- und Integrationsdebatte
geführt die mit Argumenten der Angst arbeitet. Da wir in Lienz
Asylwerber aufgenommen haben stellt sich die Frage, ob man dies nicht
zum Anlass nehmen sollte eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Veranstaltungen,
Vorträge und Projekte

wie „
Fremde
Länder stellen sich vor“ oder
DIE
GANZE WELT TRIFFT SICH IN OSTTIROL“
4
haben ein großes Interesse bei den Lienzern ausgelöst und man
sollte sich ernsthaft fragen, wie man das stärker nutzen könnte.

Konzept
1.1: Das Zentrum als Zentrum

Der
Christkindlmarkt zeigt jedes Jahr, dass „
Schindel
und Holz

hervorragende Hütten am Hauptplatz aufstellen kann. Wir sehen
andererseits auch in Wien, dass der Platz vor dem Rathaus praktisch
das ganze Jahr Besucher anlockt.

Während
den „Lienzer Ethno Wochen“ oder „Schlipfkrapfen mit Curry“5
könnten Osttiroler, die aus über 50 Nationen dieser Welt6
hierher gekommen sind ihr Können zeigen. Sei dies durch Schmankerln,
Kunst oder Musik.

Wichtig
ist dabei, dass wir dies in die Zwischensaison einbauen um die Stadt
mehr zu beleben.

Idee
2: Das kann man sogar in Jugoslawien

Auf
meinen Reisen am Balkan habe ich festgestellt, dass selbst Orte wie
beispielsweise Tutin (Sandžak, Serbien) oder Cetinje (Montenegro) an
Wochentagen über belebtere Hauptplätze verfügen als wir in Lienz.

Obwohl
die Menschen dort meist eher über die schlechte Wirtschaftslage
jammern, als sich aktiv an etwas zu beteiligen, machen die Cafés und
Stände an den Plätzen dort gute Umsätze.

Pessimistisch
könnte man eine zynische Bemerkung machen. Optimistisch könnte man
sich eher fragen, ob man aus perspektivlosen Menschen nicht
Konsumenten machen kann.


Konzept 2.1:
Arbeitslose auf die Straße

Der Termin
beim AMS wird meist als mühsam empfunden. Die Stimmung ist gedrückt.
Es handelt sich um einen Behördengang, man muss sich rechtferigen.

Als ich
nach meiner Rückkehr aus Vietnam auf der Suche nach einem passenden
Job eine Zeitlang Arbeitssuchend war habe ich es als angenehm
empfunden, hin und wieder Zeit mit einer Freundin zu verbringen die
ebenso in entsprechende Zustände gekommen ist.

Ob es
zielführend ist oder nicht kann ich nicht beurteilen, ungezwungene
Treffen mit gleichgesinnten in entspannter Atmosphäre haben
vermutlich noch kaum jemandem geschadet. Ggf. kann man noch einen
lockeren Trainer dazusetzen und ein paar Gutscheine für
Getränkevergünstigungen ausgeben…

Konzept
2.2: Künstler auch auf die Straße

Auf ein
vergleichbares Konzept wird noch verstärkt in „
3.
Die grüne Meile

Bezug genommen. Das Lienz gar nicht so wenige Künstler im
bildnerischen und musikalischen Bereich hat ist nur naheliegend, sich
die Frage zu stellen, wie man das verstärkt zum Einsatz bringt.

Wir
bewegen uns mit großartigen Veranstaltungen wie dem „Eastrock
Festival“, dem „Rockbeat“ oder Vergleichbaren durchaus in die
richtige Richtung. Fragen wir uns aber auch, wie und ob sich das auf
das Stadtzentrum ausbauen lässt.

Wenn
Platzkonzerte derartigen Andrang finden, warum dann nicht auch
jugendlichere Musik? (Es muss ja nicht Metal sein). Die Osttiroler
Künstlerszene ist groß genug. Mit „Drumatic“ existiert auch
eine regionale Band mit Weltruhm.

Hans
Salcher, Oswald Kollreider, Heinz Waschgler und Hannes Neuhold sind
nur einige der Namen die in der Tradition der Osttiroler Kunst
stehen, die Persönlichkeiten wie Albin Egger, Franz von Defregger
oder Hugo Engl.

Ebenso in
der Nebensaison wären vielleicht „Lienzer Kunstabende“ am
Hauptplatz eine Möglichkeit, nicht nur die Bekanntheit der lokalen
Künstler zu fördern, sondern auch Menschen aktiv in das Geschehen
miteinzubeziehen.

Die
Sommerakademie
leistet hier schon einen gewaltigen Beitrag. In diesem Kontext ließen
sich sicherlich Aussteller finden, die bis Herbst oder Frühling
einige Werke schaffen können. Kombinierbar sind diese künstlerischen
Schmankerln ggf. auch mit Kulinarischen.

4.
Und die Sterne…

In
Osttirol existieren mit Dr. Harald Schöpf
7
und der gleich in der Nähe gelegenen Emberger-Alm
8
zwei Keimzellen für eine der interessantesten Wissenschaften: Der
Astronomie.

Während
in Deutschland die Gemeinde Rhön mit einem Sternenpark
9
wirbt könnten wir uns auch Zukunftsträchtig geben und der Plage der
„Lichtverschmutzung“ Einhalt gebieten, indem künftig nur noch
Straßenlaternen installiert werden, die den Blick auf das Firmament
frei halten.

In jedem
Fall ist die „Sternenstadt Lienz“ in Zeiten wachsender
Fokussierungen auf das Thema für einige Zeitungen sicherlich eine
Schlagzeile Wert


5. Die grüne Meile

Am
Anfang stand die Frage, wie man Lienz noch angenehmer gestalten kann.
Doch während Architektur (Man schaue sich den Südtirolerplatz an)
sich nicht überall integrieren kann, bleiben Grünanlagen zeitlos
schön.

Iselkai
Süderweiterung

Trotz
seiner verhältnismäßig geringen Größe kann man den Iselkai schon
fast als „Naherholungsgebiet“ bezeichnen. Ein ausgedehnter
Spaziergang an seiner Erweiterung, dem „Poetensteig“ lässt auch
gerne die Alltagssorgen vergessen. Die Kräuterwanderungen10,
die man dort mittlerweile tätigen kann zeugen von der Qualität auf
dieser Seite der Pfarrbrücke.

Ab der
Spitalsbrücke zeigt sich für den Naturverbundenen Lienzer jedoch
nur noch Tristesse. Das Grand-Hotel das sich inzwischen auch bei
Einheimischen großer Beliebtheit erfreut wird leider viel mehr als
Ende des Iselkais gesehen und weniger als Potentieller Beginn einer
weiteren Grünanlage.

Das Gebiet
zw. Ignaz-Mitterer-Straße und dem Brunnenweg ist zwar verbaut, doch
könnte das Areal jenseits der Grafenbachstraße stärker genutzt
werden und vielleicht einen weiteren Stadtpark bieten, wie es einst
der Wiener Prater gemacht hat, als die Metropole noch nicht derart
angewachsen war.

Dass es
ein Bedürfnis nach der Ruhe der Natur gibt zeigen die Popularität
des Drauparks und moderne Grüne Bewegungen, die im folgenden
Paragraphen erörtert werden.

Garten
Lienz

Weltweit
erfreut sich die „Urbarn Gardening“-Bewegung
11
großer Beliebtheit. Das Prinzip ist denkbar einfach: Innerhalb der
Stadt gibt es gemeinschaftlich genutzte Gartenflächen, bei denen
jeder geben und nehmen darf.

Insbesondere
in Städten wie Berlin ist der „
Prinzessinengarten
faktisch zu einer Ikone geworden, wie sich Umweltbewusstsein,
Zusammenarbeit und grüne Urbanität treffen können. Das Projekt
wird oft und gerne zitiert, wenn es darum geht, für die Gesellschaft
Nutzen bringende Ideen aufzugreifen
12.

Lienz
macht sich einen Namen, indem es Urbanen Gartenbau zur Stadträson
erklärt. Damit wären wir eine der ersten Städte Europas, die diese
Faszination offiziell ausübt.

Ohnehin
wird ständig davon berichtet, wie man die Stadt am Besten
verkehrsentlasten kann und wir sind in der glücklichen Situation,
dass die Innenstadt tatsächlich mehr zur Fußgängerzonenbildung
herangezogen werden kann. Ein Paradebeispiel ist die Rosengasse, die
Lienz ein nostalgisch-modernes Flair verleiht.

Als
nächstes wäre die Schweizergasse an der Reihe, die zwar durch Läden
auf-, jedoch optisch und durch den Hitzestau im Sommer wieder
abgewertet wird. Ein Umbau der Schweizergasse zu einer Urbanen
Gartenstraße gäbe Lienz einen weiteren Grünen Touch (und würde in
den Medien von den Verkehrsproblemen ablenken).

Zu
beachten sei hierbei, dass der Parkplatzausbau stärker anvisiert
werden müsse.


6. Miteinander statt gegeneinander

Bereits
im Rahmen der im Rahmen der „Vordenken für [Ost]Tirol“-Reihe
erörtert stellt sich Lienz die Frage: Wofür steht Lienz
eigentlich?
13

Von
„Dolomitenstadt“ über „Sonnenstadt“ ist Lienz in gewisser
Hinsicht bekannt. Osttirol als „Bergtirol“ – aber sind Berge und
Sonne das Einzige was wir zu bieten haben?

Gewiss
werden die Themen, die ich hier anspreche nicht auf diesen zwei
Seiten gelöst werden. Früher oder später werden wir uns allerdings
damit befassen müssen.

Status
Quo

Im
Moment stehen wir im Bezirk vor ähnlichen Problemen wie große Teile
„Restösterreichs“. Wir sind landwirtschaftlich durch
Subsidiärbauern geprägt, haben uns im 20. Jahrhundert durch
Tourismus und Technologiezuzug gewandelt, aber unser Erbe nie
vollkommen aufgegeben. So leben in Osttirol noch viele
Nebenerwerbsbauern, die jedoch eher gegeneinander agieren und somit
die maximale Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist.

Ein
Positivbeispiel wäre andererseits das „
Kräuterdorf
Irschen

oder die (vielleicht etwas weiter weg gelegene) Zusammenarbeit der
Bauern im steirischen Vulkanland
14.

Wofür
Osttirol bekannt ist, fragt sich immer noch. Sollten wir uns als
„Hollerland Osttirol“ präsentieren, von liberalen Strömungen
profitieren und „Osttiroler Hanf“ anbauen mit einem Fantasiewort
wie „Brantweinerie Osttirol“ werben steht in den Sternen.
Vielleicht ist auch „Trial and Error“ einen Versuch wert.

Aber
alle Länder haben dieses Problem..

In der
Schule beginnen wir praktisch in Konkurrenz zu den anderen
Mitschülern zu leben. Tests sind alleine zu absolvieren. Hausübung
wird nicht gemeinsam geschrieben und bei einem Gruppenprojekt
arbeitet maximal einer. Die coolen Kids sitzen währenddessen am Klo
und rauchen.

Über die
Auslöser sollen sich Andere Gedanken machen, das Problem ist aber
schnell erkannt: In der Landwirtschaft wird eher versucht andere
auszustechen als zu kooperieren. Doch die reine landwirtschaftliche
von Bergbauern Produktion ist längst nicht mehr so lukrativ wie vor
Jahren.

Wie
stellen wir es an, künftig unsere Agrarier gemeinsam an einem
Spitzenprodukt arbeiten, anstatt in einer nicht sehr fruchtbaren
Konkurrenz miteinander zu stehen?

Direkt ist
die Frage nicht beantwortbar. Ein unbarmherziger Kapitalismus wird
trotz Förderungen Seitens der EU seinen Preis fordern. Außer, wir
sind in der Lage die Wirtschaftsordnung für uns zu arbeiten zu
lassen.

Nach
Darwin gilt das Prinzip „Überleben des Anpassungsfähigsten“
15
– die wissenschaftlichen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen
bei gleichzeitigem Vorhandensein von großen Ackerflächen auf den
Berghängen durch abgewanderte Bauern lässt sich ggf. ein Prinzip
auf Österreich umlegen, das ich einst gesehen habe, als ich als
Knecht auf einem Bauernhof in der israelischen Negev-Wüste gesehen
habe.


Bauernuniversität

Osttirol
hat vorläufig keine tertiäre Bildungseinrichtung (was man auch für
die Abwanderung verantwortlich machen kann). In Israel haben die
Wüsten als Ackerflächen durch die Ben-Gurion Universität des Negev
wieder an Attraktivität gewonnen.

Die
Studiengänge umfassen u.A. „Nachhaltige Entwicklung“,
„Wüstenstudien“, „Hydrologie und Wasserqualität“ und es
gibt auch Kurse in Pflanzenheilkunde.
16

Ein
Abschnitt auf Wikipedia lässt mich an Osttirol denken
17:

Die
Universität stand, wie keine andere in Israel, vor großen
Schwierigkeiten, vor allem wegen der relativen Abgeschiedenheit vom
Landeszentrum.

Doch es
hat seine Gründe, warum mir von allen Universitäten, die ich
gesehen habe vor Allem diese im Gedächtnis geblieben ist:

Trotzdem
erfuhr die Universität eine stetige Entwicklung, und ihre
Beliebtheit unter den israelischen Studenten war groß. Den größten
bis heute andauernden Entwicklungsschub erfährt die Universität
seit Beginn der 1990er Jahre. Zu Beginn der 1990er Jahre waren etwa
6000 Studenten eingeschrieben, 2005 betrug die Studentenzahl bereits
17.500.

Wäre ein
vergleichbares Modell für Osttirol möglich?

Eine
„Dolomiten-Universität“, die sich auf Studiengänge im Bereich
der Bergbauernlandwirtschaft beschränkt? Ggf. mit weiteren
Studienzweigen als Zusatz zur inzwischen renommierten HTL für
Mechatronik?

Vermutlich
wären Partnerprogramme mit der BOKU in Wien und der erwähnten
Ben-Gurion-Universität denkbar und naheliegend.

Auf einem
der Bauernhöfe, auf denen ich damals gelebt und gearbeitet habe
18
wurden in Zusammenarbeit mit der Universität alte Sorten
experimentell gezüchtet und deren Wachstum im hochariden Klima vom
Bauern protokolliert.

Dafür,
dass er sich um diese Pflanzen gekümmter hat, wurde ihm eine
Aufwandsentschädigung zuteil. Ein ähnliches Modell ließe sich auch
auf Osttirol ablegen.

Wenn man
bedenkt, dass neue Wohnkonstruktionen unter Studenten immer beliebter
werden
19
so könnte es auch ein Gag sein, Studenten hier auf einem Bauernhof
(gemeinsam) leben zu lassen. Einerseits würde so dem Bauernsterben
entgegenwirkt, andererseits würde man die Region unter Jugendlichen
attraktiver gestalten und das Studium bewerben.

2Vgl
„Die Psychologie des Überzeugens“ von Robert B. Cialdini

4http://www.weltbuero.at/services.htm
aufgerufen am 14. Mai 2014

5Beides
Ideen vom Verfasser

6http://www.weltbuero.at/index.htm
aufgerufen am 14. Mai 2014

13Frage
von mir an Dr. Richard Piock am 4. Juni 2013:
https://www.youtube.com/watch?v=heBfO4e4dxo

14Worauf
ich hier anspiele bezieht sich auf die eigenen Erfahrungen ebendort.
Ein Hof ist meist auf ein Produkt spezialisiert. Gäste, die Urlaub
am Bauernhof machen wird eine breite Palette an lokalen Schmankerln
geboten

15Korrekte
Übersetzung von „Survival of the Fittest“

Lienz/Entwicklung/Zukunft Mario
J. Schwaiger Seite 10/10