Traktat zur künftigen Entwicklung der Stadt Lienz

Traktat
zur künftigen Entwicklung der Stadt Lienz

Mario J. Schwaiger

Der Wegweiser der Geschichte deutet auf ein neues Zeitalter das
auf uns und die Welt zukommt. Noch nie waren die Zeiten so
schnelllebig, Information so verfügbar, Werte so wandelnd und
Möglichkeiten so groß.

Bisher haben wir stets auf bewährtes gesetzt. Sei es aufgrund
mangelnden Wissens von uns oder der Anderen. Das Internet hat seinen
Beitrag geleistet Regionen vergleichbarer zu machen und in stärkere
Konkurrenz zueinander zu positionieren. Bisher zeigt sich Lienz von
seiner bekannten Seite und wir können uns erfolgreich schätzen,
doch sollte dieser Erfolg niemals in Stillstand enden.

Mit „Vordenken für [Ost]Tirol“
hat sich eine starke Initiative gebildet, die dem entgegenwirkt. Doch
liegt es viel mehr denn je an jedem Einzelnen einen Beitrag zu
leisten und gemeinsam in in die Zukunft zu streben.

In den vergangenen Jahren und Monaten
habe ich die Welt bereist und mir Gedanken gemacht zu dem, was ich
gesehen habe. Gedanken, warum Konzepte funktionieren, was die
Besucher davon halten und wie man es auf meine geliebte Heimat
umlegen kann.

Auf den kommenden Seiten bringe ich
diese Funken zu Papier, aufdass auch ich einen leuchteten Beitrag
leiste.

1.
Stadtbotschafter

Wie im Rahmen der „Vordenken für
[Ost]Tirol“-Reihe im äußerst inspirierenden Vortag von Frau Prof.
Dr. Bachinger erklärt bilden in Ingolstadt jugendliche „Botschafter“
eine interessante Art und Weise die Stadt bekannter zu machen.

Idee:

Lienz ist faktisch eine
„Auswanderungsstadt“. Durch die Jugendlichen ergäbe sich eine
optimale Möglichkeit den Nachteil als Vorteil zu gestalten. In Graz
beispielsweise bilden Studenten und Arbeitende eine eigene „Kolonie“.

Wenn jeder potentielle Abgänger der
Stadt (Sprich: Maturant) den Titel eines Stadtbotschafters erhielte
potenziert dies den Werbeeffekt. Es geht hierbei weniger um
hochqualitative Werbung sondern primär um Quantität und
Mundpropaganda.

Die Idee deckt zwei Flanken ab:

  1. Auswanderungsfreudige Jugendliche
    binden sich stärker an die Stadt

  2. Mundpropaganda erreicht neue
    Spähren

Konzept:

Am Anfang würde die Idee faktisch
von Ingolstad abgeschaut. Ein Mitarbeiter des Stadtmarketings (oder
sogar die Bürgermeisterin selbst?) geht mit den Maturanten auf ein
Getränk und erklärt dabei die Aufgaben und verteilt Werbematerial
das für Freunde und Bekannte als kleines Präsent dient.

Hierbei ist es essenziell Lienz mit
einem Gedanken zu verknüpfen.

Ingolstadt hatte sich als Stadt der
Wirtschaft und Zukunft positioniert. So wurden bsp. USB-Sticks mit
dem Spruch „Schlüssel zum Erfolg“ verteilt.

Was zählt ist hier die
freundschaftliche Distribution von Massengütern guter Qualität.

Wie dieser Weg weiterhin verfolgt wird,
zeigt die Zukunft. Ich erachte es als einen interessanten Aspekt auch
weiterhin mit den Botschaftern in Verbindung zu bleiben, damit sie
ihre Erfahrungen teilen. Da Onlineformulare langweilig sind wäre
vielleicht eine Einladung in den Semester- und/oder Sommerferien auf
ein gemütliches Beisammensein bei Getränken ein Vorschlag.
Mitarbeiter der Gemeinde könnten dann hierbei die Erfahrungen
auswerten sodass sich mehr und mehr ein eigener „Lienzer Weg“
abzeichnet.

Zukunft/Parallel/Gedanken:

Viele meiner Freunde, die ich während
des Studiums kennengelernt habe sind wie ich begeisterte Alpinisten.
Doch obwohl Osttirol von allen Bezirken Österreichs die höchste
3000er-Dichte aufweist ist sind wir ob der Distanz eher unattraktiv.
Lieber fährt man früh morgens in die Nachbargemeinde und besteigt
dort etwas, als durch halb Österreich zu fahren.

Das ist vermutlich weniger eine Frage
der Erreichbarkeit als der Kosten. Ein beliebtes Konzept zur
Kundenbindung und Erhöhung der Attraktivität sind begrenzte
Gutscheine, die mittlerweile von vielen Anbietern beworben werden1
2

Freunde unserer Freunde sind auch
unsere Freunde!
Warum sollte jemand, der mit seinen Lienzer
Freunden in die Stadt kommt keine Vergünstigung bekommen?
Bspw.
auf Einkäufe, Nächtigungen oder Transport.

Als Freund von Stadtbotschaftern solche
Gutscheine zu erhalten erzeugt Lienz gegenüber zusätzlich ncoh ein
positives Gefühl. Ein begrenzt gültiger Gutschein noch einen
leichten Druck.

2.
Italien beginnt am Südtirolerplatz


Lienz verhält sich etwas kurzsichtig, wenn wir uns zu sehr auf
die Innenstadt beschränken. Zumal „Innenstadt“ ein sehr vager
Begriff ist. Hätten wir uns vor Jahrzenten gedacht, dass man
jenseits des Johannesplatzes einen der schönsten Stadtteile
gestaltet? Heute zählt die Rosengasse und deren Erweiterung in die
Messingasse zweifellos zum begehrtesten Stadtteil von Lienz.


Dass die Stadt noch weitere Potentiale hat ist unbestritten. Wie
wir mit diesen Chancen umgehen ist verwerflich.

Die
Problemzonen der Frau Lienz

Lienz zählt zu den reizvollsten Städten Europas. Wenn man
allerdings ein paar Schritte aus dem Tourismusgebiet (alles außer
Hauptplatz und dessen Verlängerung) marschiert könnte man denken,
dass die Berlusconi’sche Misswirtschaft bis hierher reicht.

Eine Stadtbegehung und ggf. eine Neuevaluierung ist vonnöten wenn
wir unser Stadtbild behalten möchten. (Wir können auch den
Ostblock-Weg gehen: Atemberaubende Innenstadt und wenn man in die
falsche Gasse abbiegt kommt man in die 3. Welt)

Ein nicht beachtetes Potential kann unentwickelt zu einem realen
Problem werden während es -sofern man ihm die nötige Beachtung
schenkt- die Wirtschaftsleistung der Stadt multipliziert. Man
bedenke, dass es sobald Händler einen weiteren Anzeiz haben sich
hier niederzulassen eine neue Einkaufsmeile entsteht.

1.1.
Jenseits der Judengasse

Obwohl mit dem City-Center endgültig die Modernisierung in Lienz
eingezogen ist (jetzt haben wir eine Rolltreppe) ist das Verlassen
desselben keine wirkliche Augenweide.

Die Mühlgasse ist Verkehrstechnisch eine ein Grauen. Obwohl es
sich abzeichnet, dass in diesem Areal durchaus Potential besteht (La
Ola, Küchenstudio Ortner, ProBike um nur einige zu nennen) schießen
wir uns „in eigenen Hax“, indem wir insbesondere die Mühlgasse
schändlich ignorieren.

Glücklicherweise wurde inzwischen der Abschnitt ab dem Ende der
Judengasse verbreitert, sodass die Lage verkehrsberuhigt wurde.

De facto könnte aber genau dieses vernachlässigte
Entwicklungsgebiet genau dadurch begehrenswert werden, WEIL es direkt
an den Parkplätzen gelegen ist.

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1.2. Konzept: Aus dem Jenseits ein Paradies machen

Die Judengasse gibt im ersten Moment kaum einen Anreiz
durchzugehen. Aber vielleicht ist es genau diese etwas dunkle, enge
Atmosphäre aus der man eine gewisse Gemütlichkeit herausholen kann.

Im Gegensatz zu den meisten umliegenden Straßen ist die
Pflasterung der Judengasse von ausgezeichneter Qualität.
Infrastruktur ist mit der „Partymeile“ der Zwergengasse gleich
nebenan gegeben. Sie selbst erinnert mich etwas an das Gemälde
„Terrasse du café le soir“ von Vincent Van Gogh.
Obwohl man gleichwohl kein Café
Terrace
hineinquetschen kann ist die Judengasse relativ ruhig.
Mit dem Frisör
Papillota
steht einmal ein Ankerpunkt ab dem man die Entwicklung vorantreiben
kann.


2.1. Innenstadt für Navigatoren

Die Beda-Weber-Gasse vereinigt mehr
Elemente der Stadt Lienz als jede andere vergleichbare Straße.
Einzig Parkplatzmangel, zu enge Passagen und mangelnde Motivation
etwas dagegen zu tun verhindern eine weitere Einkaufsstraße.

Somit wird die Beda-Weber-Gasse zu
einer Verkehrsdurchzugsstraße bei gleichzeitigem Vorhandensein von
Händlern, Fußgängeranbindungen (Iselkai), Kulturgut
(Michaelskirche), gesellschaftlichen Einrichtungen (Volkshaus, AK,
Wohn- und Pflegeheim) und Verkehrsdrehscheibe des nördlichen Teils
der Stadt (Moarfeld, Patriasdorf, sowie der Gemeinden
Oberlienz/Oberdrum).

Durch den eklatanten Platzmangel im
unteren Teil (ehemals E.P. Moser) und auch der gefährlichen
Anbindung beim Gymnasium müssen wir damit rechnen, diese Teile
früher oder später aufgeben zu müssen, da sie uns wegsterben!


2.2. Konzept: Die Arkaden des Theologen

Wie schon beim ehem. E.P. Moser
dazugebaut und beim der Michaelskirche vorgelagerten Wohnaus
vorhanden vereinigen Arkaden alle architektonischen Maßnahmen die
nötig wären, um die Engpässe in der Beda-Weber-Gasse zu
eliminieren. Vom Stadtbild her sind diese einfach zu integrieren da
Lienz ohnehin ein leicht südliches Flair innehält.

Dadurch würde auch die Luftqualität
signifikant ansteigen da das teilweise lange Stehen mit
eingeschaltetem Motor wegfällt.

In jedem Fall muss etwas passieren da
sich bereits jetzt mehr und mehr abzeichnet, dass die Geschäfte dort
fast immer unrentabel sind. Dass sich dieses Problem durchaus noch
ausweiten kann zeigt die Josef-Gasser-Straße. Kann es sein, dass
sobald ein Tourist die Spittalsbrücke quert vor einer Toten Zone
steht? Obgleich mit der Stadtpfarrkirche, der Michaelskirche und dem
Iselkai gleich mehrere Sehenswürdigkeiten über diesen Weg zu
erreichen sind?

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3.1. Tote unter den Lebenden

Verkehrstechnisch gesehen ist die
Tiroler Straße/B100 die „lebendigste“ Straße unserer Stadt. Mit
der Aufwertung der Rosengasse hat auch die Messingasse drastisch an
Qualität zugenommen.

Was dazwischen bleibt ist die
Mühlgasse. Sie scheint eher als ein ungeliebtes Kind, als eine
dynamische Verbindung. Ein Marsch durch die Kreuzgasse ist faktisch
eine Gefahr, da sie aprupt endet. Mit ihr auch der Gehsteig, sodass
Fußgänger auf die Straße gezwungen sind.

Dieses Areal als baulichen Schandfleck
zu bezeichnen trifft es auf den Punkt. Ein schiefer Zaun der den
Asphalt mitreißt und obwohl hier ständig Baustellen sind, scheint
nie etwas Neues gebaut zu werden.

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3.2. Konzept: Eine neue Seele?

Irgendetwas muss hier zweifelsohne
getan werden. Einerseits, da durchgehende Einkaufsmöglichkeiten von
Messingasse bis Tirolerstraße die Stadt deutlich aufwerten würden,
andererseits um diesem toten Punkt Einhalt zu gebieten.

Andere Städte reden drüber, wir
könnten hier ohne viel Aufwand tatsächlich eine „Begegnungszone“
3
initiieren. Es müsste lediglich das Bild der Straße selbst
aufgewertet werden (soll ja auch herzeigbar sein) und schon hätte
Lienz ein Prestigeprojekt mehr.

De Facto handelt es sich schon um eine
Begegnungszone, da alle Verkehrsteilnehmer aufeinanderprallen. Wenn
wir es schon nicht ändern können oder wollen, so sollten wir es
wenigstens unter Kontrolle bringen?

Als Aufwand ein paar kleinere bauliche
Maßnahmen, als Gewinn hätten wir die vermutlich erste
funktionierende Begegnungszone der Republik.

3. Herzmassage(n) für den Hauptplatz

Ich komme irgendwann im Spätherbst am Montag gegen 20:00 auf
den Hauptplatz und möchte im Zentrum Lienz’ mit einem Freund etwas
trinken. Ist das möglich? Nein.

Es stellt sich jetzt die Frage: Sperren die Cafés so früh zu,
weil keiner kommt oder kommt keiner, weil die Cafés so früh
zusperren?

Problemstellung:

Das Problem ist komplexer Natur, weswegen es nicht nur einen
Königsweg gibt. Am Anfang steht die Frage, warum es nicht möglich
ist, in der Zwischensaison zu genießen was nicht nur Touristen
vorbehalten sein sollte.

Ich halte es nicht für sinnvoll die Lokale zu einem Öffnen zu
„nötigen“. Es scheint mir erstrebenswerter einen Zug zum fahren
zu bringen auf den sie dann, wenn sie nach Gewinn streben schon
aufspringen sollen.

Idee 1: Bei Fremden zu Gast

In Österreich wird derzeit eine Asyl- und Integrationsdebatte
geführt die mit Argumenten der Angst arbeitet. Da wir in Lienz
Asylwerber aufgenommen haben stellt sich die Frage, ob man dies nicht
zum Anlass nehmen sollte eine Vorreiterrolle einzunehmen.

Veranstaltungen,
Vorträge und Projekte

wie „
Fremde
Länder stellen sich vor“ oder
DIE
GANZE WELT TRIFFT SICH IN OSTTIROL“
4
haben ein großes Interesse bei den Lienzern ausgelöst und man
sollte sich ernsthaft fragen, wie man das stärker nutzen könnte.

Konzept
1.1: Das Zentrum als Zentrum

Der
Christkindlmarkt zeigt jedes Jahr, dass „
Schindel
und Holz

hervorragende Hütten am Hauptplatz aufstellen kann. Wir sehen
andererseits auch in Wien, dass der Platz vor dem Rathaus praktisch
das ganze Jahr Besucher anlockt.

Während
den „Lienzer Ethno Wochen“ oder „Schlipfkrapfen mit Curry“5
könnten Osttiroler, die aus über 50 Nationen dieser Welt6
hierher gekommen sind ihr Können zeigen. Sei dies durch Schmankerln,
Kunst oder Musik.

Wichtig
ist dabei, dass wir dies in die Zwischensaison einbauen um die Stadt
mehr zu beleben.

Idee
2: Das kann man sogar in Jugoslawien

Auf
meinen Reisen am Balkan habe ich festgestellt, dass selbst Orte wie
beispielsweise Tutin (Sandžak, Serbien) oder Cetinje (Montenegro) an
Wochentagen über belebtere Hauptplätze verfügen als wir in Lienz.

Obwohl
die Menschen dort meist eher über die schlechte Wirtschaftslage
jammern, als sich aktiv an etwas zu beteiligen, machen die Cafés und
Stände an den Plätzen dort gute Umsätze.

Pessimistisch
könnte man eine zynische Bemerkung machen. Optimistisch könnte man
sich eher fragen, ob man aus perspektivlosen Menschen nicht
Konsumenten machen kann.


Konzept 2.1:
Arbeitslose auf die Straße

Der Termin
beim AMS wird meist als mühsam empfunden. Die Stimmung ist gedrückt.
Es handelt sich um einen Behördengang, man muss sich rechtferigen.

Als ich
nach meiner Rückkehr aus Vietnam auf der Suche nach einem passenden
Job eine Zeitlang Arbeitssuchend war habe ich es als angenehm
empfunden, hin und wieder Zeit mit einer Freundin zu verbringen die
ebenso in entsprechende Zustände gekommen ist.

Ob es
zielführend ist oder nicht kann ich nicht beurteilen, ungezwungene
Treffen mit gleichgesinnten in entspannter Atmosphäre haben
vermutlich noch kaum jemandem geschadet. Ggf. kann man noch einen
lockeren Trainer dazusetzen und ein paar Gutscheine für
Getränkevergünstigungen ausgeben…

Konzept
2.2: Künstler auch auf die Straße

Auf ein
vergleichbares Konzept wird noch verstärkt in „
3.
Die grüne Meile

Bezug genommen. Das Lienz gar nicht so wenige Künstler im
bildnerischen und musikalischen Bereich hat ist nur naheliegend, sich
die Frage zu stellen, wie man das verstärkt zum Einsatz bringt.

Wir
bewegen uns mit großartigen Veranstaltungen wie dem „Eastrock
Festival“, dem „Rockbeat“ oder Vergleichbaren durchaus in die
richtige Richtung. Fragen wir uns aber auch, wie und ob sich das auf
das Stadtzentrum ausbauen lässt.

Wenn
Platzkonzerte derartigen Andrang finden, warum dann nicht auch
jugendlichere Musik? (Es muss ja nicht Metal sein). Die Osttiroler
Künstlerszene ist groß genug. Mit „Drumatic“ existiert auch
eine regionale Band mit Weltruhm.

Hans
Salcher, Oswald Kollreider, Heinz Waschgler und Hannes Neuhold sind
nur einige der Namen die in der Tradition der Osttiroler Kunst
stehen, die Persönlichkeiten wie Albin Egger, Franz von Defregger
oder Hugo Engl.

Ebenso in
der Nebensaison wären vielleicht „Lienzer Kunstabende“ am
Hauptplatz eine Möglichkeit, nicht nur die Bekanntheit der lokalen
Künstler zu fördern, sondern auch Menschen aktiv in das Geschehen
miteinzubeziehen.

Die
Sommerakademie
leistet hier schon einen gewaltigen Beitrag. In diesem Kontext ließen
sich sicherlich Aussteller finden, die bis Herbst oder Frühling
einige Werke schaffen können. Kombinierbar sind diese künstlerischen
Schmankerln ggf. auch mit Kulinarischen.

4.
Und die Sterne…

In
Osttirol existieren mit Dr. Harald Schöpf
7
und der gleich in der Nähe gelegenen Emberger-Alm
8
zwei Keimzellen für eine der interessantesten Wissenschaften: Der
Astronomie.

Während
in Deutschland die Gemeinde Rhön mit einem Sternenpark
9
wirbt könnten wir uns auch Zukunftsträchtig geben und der Plage der
„Lichtverschmutzung“ Einhalt gebieten, indem künftig nur noch
Straßenlaternen installiert werden, die den Blick auf das Firmament
frei halten.

In jedem
Fall ist die „Sternenstadt Lienz“ in Zeiten wachsender
Fokussierungen auf das Thema für einige Zeitungen sicherlich eine
Schlagzeile Wert


5. Die grüne Meile

Am
Anfang stand die Frage, wie man Lienz noch angenehmer gestalten kann.
Doch während Architektur (Man schaue sich den Südtirolerplatz an)
sich nicht überall integrieren kann, bleiben Grünanlagen zeitlos
schön.

Iselkai
Süderweiterung

Trotz
seiner verhältnismäßig geringen Größe kann man den Iselkai schon
fast als „Naherholungsgebiet“ bezeichnen. Ein ausgedehnter
Spaziergang an seiner Erweiterung, dem „Poetensteig“ lässt auch
gerne die Alltagssorgen vergessen. Die Kräuterwanderungen10,
die man dort mittlerweile tätigen kann zeugen von der Qualität auf
dieser Seite der Pfarrbrücke.

Ab der
Spitalsbrücke zeigt sich für den Naturverbundenen Lienzer jedoch
nur noch Tristesse. Das Grand-Hotel das sich inzwischen auch bei
Einheimischen großer Beliebtheit erfreut wird leider viel mehr als
Ende des Iselkais gesehen und weniger als Potentieller Beginn einer
weiteren Grünanlage.

Das Gebiet
zw. Ignaz-Mitterer-Straße und dem Brunnenweg ist zwar verbaut, doch
könnte das Areal jenseits der Grafenbachstraße stärker genutzt
werden und vielleicht einen weiteren Stadtpark bieten, wie es einst
der Wiener Prater gemacht hat, als die Metropole noch nicht derart
angewachsen war.

Dass es
ein Bedürfnis nach der Ruhe der Natur gibt zeigen die Popularität
des Drauparks und moderne Grüne Bewegungen, die im folgenden
Paragraphen erörtert werden.

Garten
Lienz

Weltweit
erfreut sich die „Urbarn Gardening“-Bewegung
11
großer Beliebtheit. Das Prinzip ist denkbar einfach: Innerhalb der
Stadt gibt es gemeinschaftlich genutzte Gartenflächen, bei denen
jeder geben und nehmen darf.

Insbesondere
in Städten wie Berlin ist der „
Prinzessinengarten
faktisch zu einer Ikone geworden, wie sich Umweltbewusstsein,
Zusammenarbeit und grüne Urbanität treffen können. Das Projekt
wird oft und gerne zitiert, wenn es darum geht, für die Gesellschaft
Nutzen bringende Ideen aufzugreifen
12.

Lienz
macht sich einen Namen, indem es Urbanen Gartenbau zur Stadträson
erklärt. Damit wären wir eine der ersten Städte Europas, die diese
Faszination offiziell ausübt.

Ohnehin
wird ständig davon berichtet, wie man die Stadt am Besten
verkehrsentlasten kann und wir sind in der glücklichen Situation,
dass die Innenstadt tatsächlich mehr zur Fußgängerzonenbildung
herangezogen werden kann. Ein Paradebeispiel ist die Rosengasse, die
Lienz ein nostalgisch-modernes Flair verleiht.

Als
nächstes wäre die Schweizergasse an der Reihe, die zwar durch Läden
auf-, jedoch optisch und durch den Hitzestau im Sommer wieder
abgewertet wird. Ein Umbau der Schweizergasse zu einer Urbanen
Gartenstraße gäbe Lienz einen weiteren Grünen Touch (und würde in
den Medien von den Verkehrsproblemen ablenken).

Zu
beachten sei hierbei, dass der Parkplatzausbau stärker anvisiert
werden müsse.


6. Miteinander statt gegeneinander

Bereits
im Rahmen der im Rahmen der „Vordenken für [Ost]Tirol“-Reihe
erörtert stellt sich Lienz die Frage: Wofür steht Lienz
eigentlich?
13

Von
„Dolomitenstadt“ über „Sonnenstadt“ ist Lienz in gewisser
Hinsicht bekannt. Osttirol als „Bergtirol“ – aber sind Berge und
Sonne das Einzige was wir zu bieten haben?

Gewiss
werden die Themen, die ich hier anspreche nicht auf diesen zwei
Seiten gelöst werden. Früher oder später werden wir uns allerdings
damit befassen müssen.

Status
Quo

Im
Moment stehen wir im Bezirk vor ähnlichen Problemen wie große Teile
„Restösterreichs“. Wir sind landwirtschaftlich durch
Subsidiärbauern geprägt, haben uns im 20. Jahrhundert durch
Tourismus und Technologiezuzug gewandelt, aber unser Erbe nie
vollkommen aufgegeben. So leben in Osttirol noch viele
Nebenerwerbsbauern, die jedoch eher gegeneinander agieren und somit
die maximale Wirtschaftlichkeit nicht gegeben ist.

Ein
Positivbeispiel wäre andererseits das „
Kräuterdorf
Irschen

oder die (vielleicht etwas weiter weg gelegene) Zusammenarbeit der
Bauern im steirischen Vulkanland
14.

Wofür
Osttirol bekannt ist, fragt sich immer noch. Sollten wir uns als
„Hollerland Osttirol“ präsentieren, von liberalen Strömungen
profitieren und „Osttiroler Hanf“ anbauen mit einem Fantasiewort
wie „Brantweinerie Osttirol“ werben steht in den Sternen.
Vielleicht ist auch „Trial and Error“ einen Versuch wert.

Aber
alle Länder haben dieses Problem..

In der
Schule beginnen wir praktisch in Konkurrenz zu den anderen
Mitschülern zu leben. Tests sind alleine zu absolvieren. Hausübung
wird nicht gemeinsam geschrieben und bei einem Gruppenprojekt
arbeitet maximal einer. Die coolen Kids sitzen währenddessen am Klo
und rauchen.

Über die
Auslöser sollen sich Andere Gedanken machen, das Problem ist aber
schnell erkannt: In der Landwirtschaft wird eher versucht andere
auszustechen als zu kooperieren. Doch die reine landwirtschaftliche
von Bergbauern Produktion ist längst nicht mehr so lukrativ wie vor
Jahren.

Wie
stellen wir es an, künftig unsere Agrarier gemeinsam an einem
Spitzenprodukt arbeiten, anstatt in einer nicht sehr fruchtbaren
Konkurrenz miteinander zu stehen?

Direkt ist
die Frage nicht beantwortbar. Ein unbarmherziger Kapitalismus wird
trotz Förderungen Seitens der EU seinen Preis fordern. Außer, wir
sind in der Lage die Wirtschaftsordnung für uns zu arbeiten zu
lassen.

Nach
Darwin gilt das Prinzip „Überleben des Anpassungsfähigsten“
15
- die wissenschaftlichen Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen
bei gleichzeitigem Vorhandensein von großen Ackerflächen auf den
Berghängen durch abgewanderte Bauern lässt sich ggf. ein Prinzip
auf Österreich umlegen, das ich einst gesehen habe, als ich als
Knecht auf einem Bauernhof in der israelischen Negev-Wüste gesehen
habe.


Bauernuniversität

Osttirol
hat vorläufig keine tertiäre Bildungseinrichtung (was man auch für
die Abwanderung verantwortlich machen kann). In Israel haben die
Wüsten als Ackerflächen durch die Ben-Gurion Universität des Negev
wieder an Attraktivität gewonnen.

Die
Studiengänge umfassen u.A. „Nachhaltige Entwicklung“,
„Wüstenstudien“, „Hydrologie und Wasserqualität“ und es
gibt auch Kurse in Pflanzenheilkunde.
16

Ein
Abschnitt auf Wikipedia lässt mich an Osttirol denken
17:

Die
Universität stand, wie keine andere in Israel, vor großen
Schwierigkeiten, vor allem wegen der relativen Abgeschiedenheit vom
Landeszentrum.

Doch es
hat seine Gründe, warum mir von allen Universitäten, die ich
gesehen habe vor Allem diese im Gedächtnis geblieben ist:

Trotzdem
erfuhr die Universität eine stetige Entwicklung, und ihre
Beliebtheit unter den israelischen Studenten war groß. Den größten
bis heute andauernden Entwicklungsschub erfährt die Universität
seit Beginn der 1990er Jahre. Zu Beginn der 1990er Jahre waren etwa
6000 Studenten eingeschrieben, 2005 betrug die Studentenzahl bereits
17.500.

Wäre ein
vergleichbares Modell für Osttirol möglich?

Eine
„Dolomiten-Universität“, die sich auf Studiengänge im Bereich
der Bergbauernlandwirtschaft beschränkt? Ggf. mit weiteren
Studienzweigen als Zusatz zur inzwischen renommierten HTL für
Mechatronik?

Vermutlich
wären Partnerprogramme mit der BOKU in Wien und der erwähnten
Ben-Gurion-Universität denkbar und naheliegend.

Auf einem
der Bauernhöfe, auf denen ich damals gelebt und gearbeitet habe
18
wurden in Zusammenarbeit mit der Universität alte Sorten
experimentell gezüchtet und deren Wachstum im hochariden Klima vom
Bauern protokolliert.

Dafür,
dass er sich um diese Pflanzen gekümmter hat, wurde ihm eine
Aufwandsentschädigung zuteil. Ein ähnliches Modell ließe sich auch
auf Osttirol ablegen.

Wenn man
bedenkt, dass neue Wohnkonstruktionen unter Studenten immer beliebter
werden
19
so könnte es auch ein Gag sein, Studenten hier auf einem Bauernhof
(gemeinsam) leben zu lassen. Einerseits würde so dem Bauernsterben
entgegenwirkt, andererseits würde man die Region unter Jugendlichen
attraktiver gestalten und das Studium bewerben.

2Vgl
„Die Psychologie des Überzeugens“ von Robert B. Cialdini

4http://www.weltbuero.at/services.htm
aufgerufen am 14. Mai 2014

5Beides
Ideen vom Verfasser

6http://www.weltbuero.at/index.htm
aufgerufen am 14. Mai 2014

13Frage
von mir an Dr. Richard Piock am 4. Juni 2013:
https://www.youtube.com/watch?v=heBfO4e4dxo

14Worauf
ich hier anspiele bezieht sich auf die eigenen Erfahrungen ebendort.
Ein Hof ist meist auf ein Produkt spezialisiert. Gäste, die Urlaub
am Bauernhof machen wird eine breite Palette an lokalen Schmankerln
geboten

15Korrekte
Übersetzung von „Survival of the Fittest“

Lienz/Entwicklung/Zukunft Mario
J. Schwaiger Seite 10/10

 

Nachtkautschuk

Es sollte nicht mehr lange dauern, bis die Sonne den Horizont erreichte. Das Licht ließ nach und ich fürchtete, die ganze Reise wäre umsonst gewesen. Auf keiner Straßenseite konnte ich auch nur das geringste waldähnliche Objekt ausfindig machen.

„Noch eine halbe Stunde“, „nein, noch ein bisschen mehr, ich kann jetzt nicht aufgeben“ blitzte mir durch den Kopf. Vermutlich war ich Hô-Chi-Minh-Stadt schon näher als Mui Ne!
Wenn die Sonne weg ist ist hätte es keinen Sinn mehr. Die Fotografie heißt nicht so, weil man sie im Dunkeln betreibt!

Und auf einmal war diese Häuserreihe neben der Straße. Dahinter Wald. Nicht irgendein Wald. Das waren Gummibäume.

Zufälligerweise stand im Garten eines der Häuser eine Frau die gerade mit ihren Kindern sprach. Mit Hilfe meines Wörterbuchs konnte ich sie wohl in „Vietninglish“ fragen, wie man zum Garten hinter ihrem Grund käme. Sie deutete auf die Straße und dann nach links. “Cảm ơn” brachte ich dankend hervor und ratterte weiter, bog ab und war am Ziel angekommen.
Vor Jahren ward dieser Wunsch geboren und jetzt erfüllte ich ihn mir endlich. Kautschukfelder.

Ich war wieder ein Kind. Wann ich das letzte Mal so gestaunt habe wusste ich nicht, es muss aber schon fast ein Jahrzehnt her sein. Zuerst fühlte ich die Rinde der Bäume, dann die Blätter, versuchte den Geruch festzuhalten und wollte ihre Besonderheit verstehen. Umso verwunderter war ich, dass sie sich kaum von regulären Bäumen unterschieden. Die Blätter fühlten sich genauso an wie die anderer Bäume in vergleichbaren Regionen. Die Rinde entsprach auch der Bäume daheim.

nahaufnam__DSC0008_miniDoch der Kautschuk war einzigartig. Noch nie hatte ich etwas derartiges gefühlt. Er war kein Harz, wie es die mir bekannten Bäume hatten.

In meiner Kindheit wollte ich immer wissen, ob man das weiße Zeug trinken könne und probierte jetzt. Es erinnerte an leicht aromatisierte, alte Gummibänder deren abartiger Geschmack sich sofort überall im Mund ausbreitete und ein wenig schäumte. Noch nie waren „Widerlich“ und „Großartig“ so nahe beieinander.
Man kann es vermutlich nicht oral konsumieren.

Die Geschichte im Detail habe ich später ausführlicher niedergeschrieben und auch noch einige andere Bemerkungen festgestellt:
Englisch http://www.landmark5.com/2013/03/23/origin/ und Deutsch: http://www.landmark5.com/2013/03/23/herkunft/

Langsam aber stetig kühlte die Luft ab und ich begann zu sinnieren, ob es nicht intelligenter wäre, langsam zurück zu fahren. Auf der Anfahrt hatte ich bewusst darauf geachtet, immer in Richtung T.P. Hô Chi Minh zu fahren und nie Abzweigungen zu nehmen. Es hatte einige Fotostops, einen Schaden und einen Klosterbesuch gegeben. Wenn ich richtig gerechnet hatte, dann sollte die Rückreise rascher vonstatten gehen als die Hinreise.

Obwohl man mit schwachen Maschinen eher sorgfältig umgehen sollte, holte ich das Maximum aus meiner heraus. (War ja nur geliehen). Blöderweise ließ die Lenkung einmal schnell nach und als ich abgestiegen bin konnte ich auch sehen, warum. Der Vorderreifen hatte keine Luft mehr.

_DSC0090_miniVietnam unterscheidet sich vom Ballungszentrumorientierten Alpenland auch dadurch, dass fast alles irgendwie bewohnt ist. Lange musste ich nicht suchen, bis ich eine Werkstätte hatte. Nur hatten die nicht, was ich brauchte, aber ein paar Jugendliche halfen mir, mein Vehikel weiterzuschieben.

Der nächste Mechaniker versicherte mir, er würde gleich fertig sein. Hier hatte der Nachbar intelligenterweise ein Restaurant gebaut. Vielleicht ist die Idee adaptierbar: Sie essen während wir arbeiten? Ganz fertig war er noch nicht als ich satt war, aber immerhin konnte ich einen Tee trinken.

_DSC0086_mini

_DSC0083_miniAuf die Idee, eine Jacke mitzunehmen bin ich nicht gekommen. Dass ich so lange fahren würde hatte ich nicht kommen sehen. In dieser Äquatornähe brach die Finsternis abrupter herein als in Österreich und nach nur wenigen Minuten war es schlagartig Nacht.
Nachdem ich die Rechnung bezahlt hatte, raste ich in die Nacht hinein. Sicherheitshalber wollte ich mich nach dem Weg erkundigen, doch ein paar ältere Herrn, die neben der Straße standen konnten mit „Mui Ne“ nichts anfangen.

Jetzt war ich froh, im Bus jemanden kennengelernt zu haben, der aus der großen Nachbarstadt Phan Thiet war. Die kannten sie. Und ich war am richtigen Weg…

Xuân Lộc Road Movie

Die meisten Touristen ließen sich in Mui Ne nur die Sonne auf den Bauch scheinen oder besuchten touristische Ziele der Gegend. Ich hatte auf der Fahrt etwas gesehen, was mich wesentlich mehr faszinierte als Dünen, Wasserfälle oder Strände.

Seit ich ein Kind war wollte ich immer schon Kautschukbäume zu Gesicht bekommen. Irgendwann sind sie wohl in meinen Büchern aufgetaucht weshalb sich ein Interesse bemerkbar machte selbst Entdecker zu werden. Auf der Fahrt von Saigon hatte ich bemerkt, dass es Kautschukplantagen gab die neben der Straße platziert waren.

Ein etwas suspekt wirkender Einheimischer verlieh sein Motorrad zu einem günstigen Preis, vielleicht zu günstig? Aber egal, ich bestieg das Fahrzeug und raste einfach nur nach Süden, „zurück“ nach Saigon. Irgendwo auf der Strecke würde ich finden, was ich begehrte.

_DSC0456_miniEs begann eine „Road Movie“ der anderen Art… Außerhalb Phan Thietes lagen große Felder mit Drachenfrüchten und Händler säumten die Straßen. Fast war es ironisch: In der Touristenhochburg Mui Ne gab man sich so, als seien Drachenfrüchte exquisit und teuer und schon wenige Kilometer außerhalb gibt man gerne etwas mehr an hungrige Touristen ab. So auch an mich – mein Vorrat an Frischobst war für die kommenden Tage eingedeckt. Mir sagte die Frucht dermaßen zu, dass ich vermutlich jeden Tag 1-3 Stück davon gegessen hatte. Gerne hätte ich mehr von den süßeren, aber auch teureren Purpurfleischigen gegessen, doch auch dir Weißen waren ja nicht zu verachten.

_DSC0458_mini

Nach mehreren Kilometern zeigte sich, warum das Motorrad so günstig war. Die Qualität ließ zu wünschen übrig und ich hatte mitten in der Pampa eine Panne.

Wenn das Österreich wäre, so würde Folgendes passieren: Ich stelle das Gefährt am Straßenrand ab, nehme mir ein Taxi in die nächste Stadt, suche dort einen Mechaniker der das Kraftrad abtransportiert und drei Tage später ist alles repariert (wenn er die Teile hat). Wenn das in Österreich schon so lange dauert, was wäre dann wohl hier? Ich haderte, rollte mein Wrack aber tapfer weiter.

Irgendwo am Ende der Welt

Irgendwo am Ende der Welt

_DSC0472_miniWas mir jetzt erst klar wurde war, dass hier überall Werkstätten ihre Dienste feilboten. Nach weniger als 100m Schieben zeichnete sich ab, dass das Haus vor mir eine war. Der Mechaniker konnte kein Englisch, weswegen ich nur auf den Motor zeigte und ihm verdeutlichte, dass es nicht mehr startet. Er nickte und fing an zu werkeln.

Praktischerweise lag neben seinem Betrieb ein kleiner Laden in dem ich mir einen dünnen Tee orderte, meinen Proviant verbrauchte und mich sorgte was wohl hier aus mir werden würde? Vermutlich würde ich bald nichts mehr zu essen haben und mich als Reisbauer verdienen müssen, bis ich wieder zurück konnte. Unterkünfte gab es keine. Wo ich war konnte ich auch nicht sagen…

Nachdem ich Fotos auf der Kamera sortiert hatte, im Wörterbuch nach irgendwelchen Wörtern zu suchen begann und Löcher in die Luft starrte stand der Mechaniker neben mir – es lief wieder. Was genau kaputt war weiß ich bis heute nicht. Gekostet hat es glaube ich etwa einen Dollar.

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_DSC0486_miniDie Region wurde von einigen sanften Hügeln durchzogen und auf der rechten Seite thronte ein Kloster. Zuerst wollte ich nur kurz anhalten, um schnelle Fotos zu schießen, dann fand sich ein Bonze der ein wenig Englisch konnte.

Viel wusste er mir nicht zu sagen, doch war er freundlich und führte mich herum. Ein Buddha schaute zu uns herab, in seinem metallenen Gesicht spiegelte sich das Leuchten der Swastika, die ich immer noch nicht gewohnt war. Sie bauten gerade meinte mein Führer mild als wir an einem unfertigen Teil des Komplexes passierten. Es schienen gute Zeiten für die Mönche zu sein. Als die Tour beendet war, aßen wir violette Maniokwurzeln. Ihr Geschmack ist mir lieber als der heimischer Kartoffeln. Sie haben eine angenehme Note und ein mildes Aroma. Die tiefviolette Farbe ist am Anfang etwas irritierend. In unseren Breiten ist Nahrung mit der Tönung meist verdorben.

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Kanonenkugelfrucht

Kanonenkugelfrucht

Da sie gerade gekocht hatten, tischte mir ein Mädchen aus der Küche noch einen Teller mit vegetarischen Gerichten auf. Zahlung wollten sie keine Annehmen. Ich sei ein Gast. Ich dankte berührt. Gerne wäre ich noch länger geblieben, doch hatte ich mein Tagesziel noch nicht erfüllt.

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Der Weg führte mich vorbei an der Szenerie Vietnams. Unfälle auf der Überlandstraße. CD-Verkäufer, die ihre Musik über ihr Moped in die Welt posaunten und eine Kulisse, in der sich Moschee und Kirche friedlich gegenüberstanden.

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Langsam dämmerte es und ich fragte mich mehr und mehr, ob ich den Weg nachhause wieder finden würde. Es müssten inzwischen fast 70km sein, die ich mit der schwachen Maschine zurückgelegt hatte…

Kirche und Moschee nebeneinander, Xuân Lộc Bezirk

Kirche und Moschee nebeneinander, Xuân Lộc Bezirk

 

Die letzten Tage in Beer Milka

_DSC0254_miniInzwischen waren Monate vergangen seit dem ich nach Israel aufgebrochen bin. In Idan hatte ich Tomatenfelder präpariert und mit den Thai-Workern zusammengearbeitet, Beer Milka forderte mehr und war eine der besten Erfahrungen meines Lebens.

 

Passionsfruchtpflanzen

Passionsfruchtpflanzen

In den letzten Tagen war ich viel alleine. Mein australischer Kollege war schon früher aufgebrochen und ich verbrachte meine Tage großteils mit dem Präparieren von neuen Feldern, mit der Ernte von Kräutern und dem Pflanzen von Setzlingen. Auch Golan kam seltener da er mit dem Hausbau die Hände voll zu tun hatte.

Gerade jetzt wurde mir bewusst, wie viele verschiedene Gewächse wir hier hatten. Golan pflanzte Wein, einige ausgestorbene Dattelarten und noch vieles Andere an.

Alles biologisch und gegossen wurde es mit dem Salzwasser aus der nahen Quelle.

 

Melissenernte

Melissenernte

Lediglich die Melisse war dem mineralstoffhaltigen Zeug gegenüber etwas zu empfindlich und ein Teil der Ernte fiel nicht so gut aus.

Interessant fand ich, dass wir hier den Plantago Major hatten. In Österreich wächst dieses Kraut überall. Jeder Garten hat es, jede Wiese und man nennt es gemeinhin „Breitwegerich“. Gerade als ich die übersensible Melisse abernten wollte, schnitt ich mir tief in den Finger und hatte kein Pflaster parat. Also entnahm ich dem Breitwegerich ein großes Blatt und legte es über die Wunde.

 

Beim Schneiden der Melisse

Beim Schneiden der Melisse

Fingerpflaster sind nie sehr ausdauernd. Weder im Hochpreissegment, noch in der Natur selbst. Doch als es selbst verstärkt mit Klebeband nach einigen Minuten wieder abfiel staunte ich nicht schlecht: Die Wunde war praktisch verheilt.

Und wäre es auch geblieben, wenn ich nicht weitergearbeitet hätte. Zumindest hatte ich die Heilkraft empirisch bestätigt.

Umso faszinierender, dass es in Israel einen Markt dafür gab.

_DSC0152_miniDie Arbeit, diese Kräuter aus dem Boden zu bekommen war bei Weitem die Härteste die ich überhaupt machen musste. Das klingt jetzt recht übertrieben, doch dieser Plantago hatte sehr dichte Wurzeln, die sich noch dazu weit verzweigten. Anfangs riss ich sie aus und musste nach einigen Stück eine Pause einlegen. Trotz dem Sand war meine ganze Stärke notwendig, dieses Grünzeug samt Wurzel sauber aus dem Boden zu bekommen.

Es war nicht hart im Sinne von „An die Grenzen bringen“. Es raubte einem einfach nur seine ganze Kraft. Als würde man zu schwere Gewichte heben.

Später leistete ich mit einer Schaufel Vorarbeit was ein wenig half. Genausogut hätte ich Anker herausziehen können. Vielleicht war das ja einer der Gründe warum Golan sie gepflanzt hat – sie banden den Sand. Eine vergleichbare Pflanze ist Rotem (רותם), die in Israel hauptsächlich deshalb so geschätzt wird, weil sie den Sand zusammenhält und so den Boden fruchtbarer macht.

Obwohl sie über medizinische Substanzen verfügt ernteten wir sie nie, da sie lebedig wertvoller war als in einem Sack. Der Name sollte wohl „verbinden“ bedeuten.

_DSC0345_miniSchließlich kam der Tag meiner Abreise immer näher. Gerade jetzt versuchte ich die Wüste noch in allen Zügen auszukosten. Starrte lange in die unendlichen Weiten des israelischen Negev. Fühlte Wind und Sonne und versuchte das „Lied der Wüste“ zu hören, von dem ich so manches Mal gehört hatte. Abends saß ich meist auf einer Anhöhe hinter dem Bauernhof und blickte zu den beleuchteten Militärbasen die sich durch die Wüste zogen. Wie oft wurden hier Manöver abgehalten. Fast jede Nacht fürchtete ich dass sich Israel und Ägypten gegenseitig überfallen würden, doch wenn man in einem Land aufwächst in dem die Zivilbevölkerung militärische Übungen eher als seltsame Spielereien betrachtet ist man Ländern wie Israel gegenüber, in denen das Heer tatsächlich eine Aufgabe hat wohl etwas übersensibel.

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Noch einen Tag. Einen Teil des Gepäcks ließ ich in Golans Container und machte mich für eine Reise über den Sinai bereit. Mir fiel jedoch erst viel zu spät ein, dass ich ein Visum brauchte – also rief ich kurz vor 17:00 in der ägyptischen Botschaft in Tel Aviv an. Ein Herr mit schlechtem Englisch erklärte mir, dass ich in 10 Minuten noch einmal anrufen sollte. Um mir dann zu sagen, dass sie jetzt geschlossen hätten…

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Reise nach Mui Ne

_DSC0270_miniHô Chi Minh Stadt ist ein Wunder. Ich habe Schwierigkeiten, mir eine Stadt vorzustellen, die ähnlich viel zu bieten hat. Zwar ist die Aufregung, die Geschäftigkeit, das Viele von Vielem für eine gewisse Zeit ein wahres Feuerwerk für die Augen und den Geist, doch wird es auf Dauer einfach nur viel – und je öfter man seine Schritte über die Flüsse setzt, die Pagoden ansieht und den undisziplinierten Motorradfahrern etwas in seiner Sprache nachschreit, dass sie einen nur ja nicht verstehen desto mehr wird man selbst zu Saigon oder weiß, dass man gehen sollte.

_DSC0271_miniMit Stift und Zettel bewaffnet durchsuchte ich eine Straße voller Reisebüros nach dem günstigsten Tarif. Alle Touristen wollen nach Mui Ne – das sollte auch mein Weg sein! Ein wenig musste ich handeln, war aber mit dem Preis nicht unzufrieden – und irgendwie boten ja auch alle Veranstalter insofern das Gleiche, keiner erzählte mir, dass und warum sein Bus mehr hätte.

So vergingen die letzten Tage in der Hauptstadt des Südens wesentlich ruhiger – meine Abreise stand bevor und ich konnte das bunte Gemisch an allem was man hier zu bieten hatte gelassen an mir vorbeirauschen lassen.

Der Sprache immer noch nicht mächtig, verabschiedete ich mich mehr mit Gesten von meinen sehr lieben Gastgebern und war etwas traurig darüber – wir konnten nie wirklich miteinander sprechen, aber man hatte mich sehr gut behandelt.

Ein letztes Mal schaute ich noch in die Đề Thám-Seitenstraße und machte mich durch die dunklen Gassen auf den Weg zum Reisebüro – auf den Bus wartend.

Wir fuhren in den Sonnenuntergang hinein. Diesmal hatte ich zwar darauf geachtet keinen Nachtbus zu erwischen, aber wenn es schon um 6 finster wird, lässt sich die einbrechende Dunkelheit nur schwer vermeiden. Im Bus bin ich einem Vietnamesen mit exzellentem Englisch begegnet. Er war auf dem Weg in die Vereinigten Staaten und erzählte ganz begeistert von seiner Liebe zur Fotografie, die ich nur zu sehr teilte.

Weihnachten an der Bushaltestelle

Weihnachten an der Bushaltestelle

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Es stellte sich heraus, dass Phan Thiet wirklich gleich um die Ecke lag

Für die nächsten Tage blieb er in Phan Thiết bei seiner Familie. Er zeigte mir ein paar seiner Fotos und hatte offensichtlich Talent und kannte auch schöne Mädchen, die sich in den traditionellen Vietnamesischen Kleidern fotografieren ließen.

An seiner Haltestelle tauschten wir noch schnell die Nummern aus und es überraschte mich, wie nahe sich Mui Ne und Phan Thiết sich waren.

In Vietnam habe ich (im krassen Gegensatz zu Europa) nie auch nur ein einziges Zimmer reserviert. Die Gästehäuser oder „nhà nghỉ”s hatten sowieso keine Webseiten und würden dementsprechend nicht ohne einer Suche vor Ort auftauchen.

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In Mui Ne allersdings standen nur Hotel nach westlichem Vorbild und mit Preisen die man vielleicht in Mitteleuropa erwartet hätte. Selbst ein Hostel war gänzlich überteuert.
Irgendwie konnte ich über die Einheimischen, die schon fast am Ende des touristischen Teils der Stadt lebten herausfinden, dass es tatsächlich Unterkünfte gab, die sich am Land und nicht an den Gästen orientierten.

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

Auch die Umgebung wurde den Gästen angepasst

_DSC0383_miniZunächst bot mir ein Hotel ein eher teures Zimmer mit dem Fenster zur Straße an. Es war, wie alle Zimmer, die ich in Vietnam hatte sauber, aber ich war nicht ganz zufrieden. Also zerrte ich meinen Koffer weiter, bekam eine Telefonnummer, rief ihn an, und erhielt eine Adresse und war verwundert theoretisch exakt da zu stehen, wo ich eigentlich hin sollte. Nur – obwohl die Straße alle Nummern in der richtigen Reihenfolge hatte fehlten hier ein paar. Wieder erbat ich mir Rat von den umstehenden Menschen und so teilte mir ein Vietnamese mit, dass sich die Nummern in einer Seitenstraße fanden die ich für den Gartenzugang hielt.

"Garten meines Gästehauses"

“Garten meines Gästehauses”

Meine Nachbarn

Meine Nachbarn

Der Preis schin fair und ich stimmte zu, letzten Endes würde ich hier allerdings länger bleiben als ursprünglich gedacht. Kurz nach dem Einlagern meines Hab und Guts schritt ich der Straße entlang, die aus der Stadt führte und fand ein von einer alten Dame bewirtschaftetes Gasthaus, in dem ich mir eine Nudelsuppe schmecken ließ und dazu einen chinesischen Film mit vietnamesischen Untertiteln ansah… oder umgekehrt.

Eli Avivi

_DSC0191_miniRechts schimmerte entfernt das Meer in der untergehenden israelischen Sonne, die den Libanon den man hier fast schon riechen konnte küssten wollte.

Hätte es einen zivilen Grenzübergang gegeben, so wäre ich vielleicht auf einen gegrillten Spieß zum Abendessen weiter nach Norden gegangen – doch stand mir ein Grenzübertritt dennoch bevor.

_DSC0192_miniVor mir lag ein mit einem Palmenhain bewaldeter Hügel, dem vorgelagert ein Wegweiser für die Autofahrer es trug den Titel „Eli Avivi“

Zuerst in Ivrit, dann Arabisch, dann Latein – fast hatte es den Anschein, als hätte Israel den Separatisten Eli endlich anerkannt. Wohl nur wegen des Tourismus, aber kaum jemand fragt nach, warum ein Staat unabhängig geworden ist…

_DSC0194_mini_DSC0195_miniEigentlich hatte ich erwartet, dass Akhzivland einen richtigen Grenzposten hatte, dass zumindest irgendwo ein Banner geschwungen wurde oder was weiß ich, eine Hymne gespielt würde – aber außer einem Schild und der Auffahrt war nichts zu sehen.

Dann ein kleines Häuschen zur Linken und ein großes Anwesen zur Rechten, daneben der Blick aufs offene Gewässer.

_DSC0201_mini_DSC0203_miniEin paar Mal musste ich rufen, bevor Rina Avivi erschien und mir sagte, dass Eli erst später kommen würde. Doch mein Zimmerchen durfte ich schon beziehen und war allgemein positiv überrascht. Mein Reiseführer meinte, es wäre eine Art Hostel, doch glich es einer eigenen Ferienwohnung, die man ungern wieder verlässt.

Restaurants existierten in diesem Staate genausoviele wie auch in vergleichbaren Ländern. Dem Vatikan z.B. oder Sealand.

Zumindest lag nicht weit entfernt eine Tankstelle die auch mit Gemüse handelte und ich tauschte meine Schekel gegen Essbares ein und schritt fröhlich über israelisches Staatsgebiet. Wie anders hier alles war als in der Wüste…

Es gab Wald, Gras und die Temperaturen lagen in einem weitaus angenehmeren Bereich als in meiner neuen „Heimat“ Beer Milka.

Als ich erneut die Grenze passierte war der Präsident eingetroffen. Eli Avivi. Wenn ein Prophet aus meiner alten Kinderbibel vor mir gestanden wäre – ich hätte keinen Unterschied erkannt. Er ist eine imposante Erscheinung.

Eli und Rina Avivi

Eli und Rina Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Foto aufgenommen von Eli Avivi

Wir kamen recht bald ins Gespräch und mich interessierte die Geschichte seines Landes aus seinem Munde erzählt – doch darüber sprach er nicht gerne und er fragte mich, was ich so täte. „Ich bin Programmierer – aber derzeit nur zum Fotografieren unterwegs“ worauf er um meine Kamera bat.

Seine Handgriffe waren durchaus geübt, er erzählte, dass auch er diese Leidenschaft teilte und so war es keine große Überraschung, dass wir den ganzen Abend miteinander plauderten.

 

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_DSC0272_mini_DSC0269_miniAm nächsten Morgen bedauerte ich sehr, keine Badesachen dabei zu haben. Akhzivland überraschte mich jeden Tag aufs Neue (immerhin war ich schon seit einem Tag hier) und die Küste leuchtete fast im Lichte des Vormittags. Nebenan war der Akhziv-Nationalpark und ein anderer Strand…

Langsam wurde ich hungrig und es schien fast, als ob Eli Avivi das gemerkt hätte – er fragte mich, ob ich mit ihm nach Naharia zum Essen wollte. „Gerne“ entgegnete ich und wir fuhren mit einem Taxi los.

Naharia behalte ich bis heute mit einem wunderbaren Gefühl im Herzen. Die Atmosphäre war exakt dieselbe wie in Lienz, der Stadt in der ich geboren wurde. Sie hatte auch in etwa dieselbe Größe und fühlte sich viel „freier“ an, als die meisten Städte Israels.

Wir ließen uns vor einem libanesischen Grillstand nieder und orderten jeweils einen Teller. Während wir speisten stierten wir beide gleichzeitig einem ausgesprochen hübschen arabischen Mädchen nach. Es war kaum zu glauben, dass dieser alte Sack dieselben Gedanken wie ich teilte, machte es doch die ganze Konversation viel komischer. Zu unserem beider Leidwesen verschwand die hübsche Unbekannte recht bald wieder mit ihrem vierschrötig aussehenden Vater(?) und wir konnten nur noch davon sprechen, dass sie wirklich sehr sehr hübsch gewesen ist und sie doch noch ein bisschen länger hätte bleiben sollen…

 

Why are men so attracted to hoes

Today I found an interesting blog on the Internet:

http://mapsontheweb.zoom-maps.com

I love maps and so the idea was born to create such a map on my own. “How Austria googles Europe”:

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According to the data my fellow-citizens shared with the search-engine we mostly think about sport and why other countries are/n’t in the EU. Strangely we don’t care too much about which countries are in the crisis or not. Spain is “liked” and Italy a “boot”…

France is gay…

In the past days I also watched some old Episodes of the old American cartoon-sitcom “King of the Hill”. When I was a child sometimes I saw some episodes but I guess I haven’t understood that kind of humour back then…

It took me a while to get this, but that’s one of the best punchlines I’ve ever seen…

King of the Ant Hill (Season 1)

King of the Ant Hill (Season 1)

 

Vormittag in Saigon

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein typisches Bild in Hô Chi Minh Stadt

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Ein bisschen sauberer könnts manchmal aber schon sein

Hô Chi Minh Stadt blieb sich treu: Chaotisch und in jeder Hinsicht ein Original.

Speziell morgens saßen in allen Straßenküchen Leute die Nudelsuppe hineinschaufelten.

Guten Morgen, Saigon

Guten Morgen, Saigon

_DSC0012_miniDie Sonne war wesentlich angenehmer als die Mittagshitze in dieser Asphaltlandschaft und erstmals überschritt ich auch die Brücke über den Saigonfluss und erstaunte darüber, dass sich die Umgebung verändert hatte.

Saigon als „homogen“ zu beschreiben entspricht der Bezeichnung „verlässlich“ für eine Person, von der man zu 100% weiß, dass man sich auf sie nicht verlassen kann. Dennoch fühlte sich dieser Teil der Stadt noch einmal gänzlich anders an als der vorige. Als würde ich mit dem anderen Ufer eine ganz andere Geschichte betreten.

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Bisher war mein Bauch leer geblieben und ich hielt an einem Suppenstand um mir mein Frühstück zu holen.

_DSC0120_miniMein heutiger Koch bereitete seine Speisen leicht anders zu als die meisten seiner Kollegen. Das Rindfleisch in meiner Schüssel war noch halb roh.

_DSC0124_miniAber ich verstand: Die Suppe selbst war noch fast kochend heiß – praktisch unmöglich zum sofortigen Verzehr. In der Hitze garte das Fleisch schonend vor sich hin und ist pünktlich zum Verzehr „fertig“.

Während ich auch vom Grünzeug am Tisch eifrig Gebrauch machte, grinste mich der Koch stolz an. Vermutlich sah er mir die Verwunderung an oder war stolz darauf, dass auch ein „Botschafter des Westens“ bei ihm einkehrte um in die Genüsse seines Landes zu kommen.

Gestärkt schritt ich ‘gen Norden.

_DSC0150_mini_DSC0144_miniErstmals kam ich auch auf einen Markt, der praktisch nur Einheimischen vorbehalten war. Herrlich. Vergleichbare Märkte muss man jedes Mal suchen und wird nie enttäuscht. Wie immer potenzierte sich das Tohuwabohu und auf einem Pfad zwischen zwei Ständen, der knapp eine Person fassen konnte drängten sich Mopedfahrer, Bettler, Frauen mit den traditionellen Non La-Kegelhut in zwei eng gepfärchten Reihen.

Händler boten Fisch, Fleisch, Gemüse und Kleidung an – was mich alles weniger interessierte. Schließlich fand sich jedoch wonach ich suchte: Auf einer roten Plane bot ein Herr diversen Tand an wie Manikürzubehör, „nützliche“ Haushaltsbehelfe und Esoterika an.

DAS war es, wonach ich wollte – vermutlich sollte alles auf die eine oder andere Art Glück bringen, hier lachte ein Buddha, da lagen goldene Ringe und ein paar zusammengebundene Chinesische Kupfermünzen, für die ich ihm dann ein paar Dong gab.

Wirklich faszinierend waren jedoch die „Dollar“ die er anbot.

Sie hatten die Größe der Silberdollar aus dem 19. Jahrhundert und waren auch mit diesem Prägedatum versehen. Doch jeder Laie konnte mittels hochheben feststellen, dass das Material unedler war. Genau das gefiel mir dabei: Es war eine derart plumpe Fälschung die keinerlei Wert auf Authentizität legte. Leider sprach der Verkäufer kein Englisch und mir blieb der wahre Sinn verborgen, doch ich gab ihm zwei echte Dollar für einen seiner Unechten, was ihn außerordentlich glücklich stimmte.

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Später traf ich eine Freundin in einem der vielen Trung Nguyen Kaffeehäuser und musste warten. Einen Tisch entfernt saß ein anderer Westler, der offensichtlich auch nach Beschäftigung suchte und sprach ihn an. Er war Amerikaner und wartete ebenso auf jemanden. Ich holte meine Münze heraus und hielt sie ihm vor – ob er wisse, was das ist. Verblüfft drehte er das Metall mit dem Indianerkopf darauf und schien zu ahnen, dass es nicht ganz echt sei. Noch verwunderter war er, als ich erwähnte, dass ich es hier auf einem Markt erstanden hatte. Aber vermutlich hätte ich genauso reagiert, würde man mir einen übergroßen Euro aus dem falschen Material in die Hände drücken.

_DSC0141_miniAm Ende lag noch einer dieser überkitschigen Läden, die saisonale Ware feilboten. In diesem Fall „Weihnachtskleidung“ für Kinder.

Wir hatten über 30°C und die hier boten tatsächlich Weihnachtsmützen, rote Pelzjacken und ähnlichen Ramsch an. Wer kauft sowas?

Später lief mir auch eine Horde Kinder über den Weg, die damit angezogen waren…

Ho ho ho...

Ho ho ho…

Haifa

Ich hatte schon bessere Morgen erlebt als den heutigen. Schlaftrunken, aber unfähig, mich wieder ins Land der Träume zu verabschieden brachte ich die Morgentoilette hinter mich und watschelte in den Gemeinschaftsraum, wo ich ein im Preis inbegriffenes Frühstück erhielt:

Schwarztee und einen Schokoladencroissant.

Während ich das Zeug ohne jeglichen Genuss -nach nur vier Stunden Schlaf war ich beileibe nicht dazu in der Lage gewesen- vor mich hin aß dachte ich über die Worte Golans nach: Er war schon einige Male in Haifa gewesen, wisse aber immer noch nicht, was es dort zu sehen gibt.

_DSC0170_miniDen Carmel, den ich schon vom Bus aus sehen konnte war schon einmal ganz impressiv, er dominierte Haifa, wie sonst keine andere Stadt Israels von einem Berg überragt wird.

Sonst war die Stadt… Groß? Sauber?

Aber für Touristen vermutlich nicht ganz der richtige Ort. Ich streunte an Hotels vorbei und überblickte die ganze Hafenmetropole. _DSC0172_miniUnten der geschäftige Port, eine volle Hauptstraße und am Haus vor mir wachtelte eine Brasilien-Flagge im warmen Frühsommerwind. Nichts spektakuläres, Haifa ist vermutlich keine Stadt, die einem Tagestouristen besonders in Erinnerung bleibt.

Die Gärten der Bahai mussten nicht lange gesucht werden, es ist fast unmöglich, nicht auf sie zu stoßen, wenn man in Haifa unterwegs ist. Schwerer war es, außerhalb der Öffnungszeiten eine Führung zu bekommen.

Dieses Foto macht wohl jeder, wenn er Haifa besucht...

Dieses Foto macht wohl jeder, wenn er Haifa besucht…

„Morgen“ solle ich wiederkommen meinte einer der Führer nicht allzu freundlich zu mir, als er wohl sehr glücklich darüber war soeben seine Letzte Gruppe los geworden zu sein.

„Morgen“ sollte ich in Akzivland und nicht in Hafia sein, aber der Kollege von den Bahai blieb hart: Keine Gartenführung für mich.

Damit blieb zumindest noch der öffentliche Teil des Gartens, der ganz nett war aber mir in meinem Streben zum Verständnis gegenüber den Bahai nicht sehr viel beitrug.

Da ich nicht beabsichtigt hatte, in Tel Aviv zu nächtigen, hatte ich Zeit verloren und konnte mir keines der Museen ansehen. Das Getreidemuseum wäre interessant gewesen.

Beim Verlassen der Bahaigärten bin ich ins „Gespräch“ mit einem christlichen Koreaner auf den Spuren Jesu gekommen. Ob Jesus jemals hier gewesen war konnte ich nicht sagen, vermutlich höchstens dann, wenn er sich Akko ansehen wollte.

_DSC0171_miniDamals war ich noch sehr überrascht, dass es christliche Südkoreaner gibt. Später, als ich mit einem Beduinen am Gipfel des Mosesberges Tee getrunken habe, hatte eine wahre fernöstliche Horde unsere Unterhaltung mit ihren Canti untermalte.

Die Südkoreaner, die ich getroffen hatte schienen mir alle sehr fromm zu sein und selten über ein gutes Englisch zu verfügen – jedoch waren sie immer ausgesprochen freundlich. Es wäre interessant, wie sie wohl im eigenen Land so sind… Nun ja, jetzt war ich noch in Haifa und wollte meinen Bus nach Akzivland bekommen.

Werbung für eine Reise nach Österreich in Haifa

Werbung für eine Reise nach Österreich in Haifa

Der Busfahrer wusste nicht, was er mit mir anfangen soll. „Akzivland“ konnte er nicht einordnen. Mein Reiseführer sagte auch nur mit welchem Bus ich fahren soll und nicht wie lange. Rina, die Frau von Eli Avivi, dem Präsidenten des Staates war zwar telefonisch zu erreichen – aber keine Hilfe, sie wusste weder wo ich war, noch wo ich hinsollte. An der Endstation des Busses, vermutlich war hier der Libanon schon um die Ecke musste ich meine Strategie überdenken. Also noch einmal zurück in den Bus, entgegengesetzte Richtung und jetzt fand sich ein Israeli, der dieses merkwürdige Land genannt „Akziv“ kannte.

Vor dem Staat lag sogar eine Bushaltestelle…

Türme und Brücken von Hanoi

Da im Laufe dieser Woche wurde auf der Seite der Gesellschaft Österreich-Vietnam (https://www.facebook.com/permalink.php?story_fbid=699152050105165&id=309570196522&stream_ref=10) eifrig darüber berichtet, dass eines der Wahrzeichen Vietnams, die Long Biên Brücke glücklicherweise doch erhalten bleibt (http://www.thanhniennews.com/reportage-photo/bridging-the-times-24260.html). Deshalb sehe auch ich mich veranlasst, ein paar Monate nach vorne zu springen und kurz diese Impression Hanois zu schildern.

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_DSC0243_mini_DSC0255_miniEs war genau zur Zeit des Tết-Festivals, als sich die Hauptstadt in ihrem wohl berüchtigsten Gewand zeigte – dem, mit dem sie wohl kaum den Wettbewerb der Südostasiatischen Städte mit den meisten Sonnenstunden gewinne würde…

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Man merkte schon recht stark, dass wir inzwischen Neujahr feierten

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an...

Der Abreisetag in Hue kündigte schon das Wetter in Hanoi an…

Schönwetter in Hanoi

Schönwetter in Hanoi

Tags zuvor strahlte in Hue noch die wärmend die Sonne, die damalige Trennung zwischen Nord- und Südvietnam schien sich auch meteorologisch manifestiert zu haben – Hanoi trug ein Trauerkleid des Wetters, es war kalt, nieselte ständig und ich fragte mich, ob ich je die Sonne wiedersehen würde. Glücklicherweise war ich nicht zum Bräunen in die Hauptstadt gekommen.

Für mich als Programmierer waren die vom französischen Mathematiker Édouard Lucas postulierten kristallenen „Türme von Hanoi“ das Wahrzeichen der Stadt, das mich interessierte und weswegen mich die Metropole seit Jahren faszinierte (wenn man genau rechnet, sogar seit (einem) Jahrzent(en)).

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben...

Dabei werden die Türme von Hanoi sogar noch touristisch beworben…

Das Problem mit den Türmen von Hanoi ist, dass man sie wohl irgendwann nach Benares gebracht hatten – sofern sie überhaupt jemals existierten.

_DSC0261_miniSomit gab ich mich nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt mit einem Wahrzeichen zufrieden, das mehr den Architekten und Historikern als den Programmierern schmeichelt: Der Long Biên Brücke.

 

_DSC0264_miniMan sah ihr recht gleich an, dass sie viel mehr als eine einfache Brücke war. Obwohl man sie nicht mit einem Auto überqueren konnte besaß sie trotz – oder vielleicht genau wegen ihres Alters etwas, was entgegen den meisten anderen Brücken, die ich während meines Lebens gesehen hatte vor allem eines: Eine Seele.

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Zwei Fahrstreifen, jeweils in eine Richtung für einspurige Fahrzeuge und Fußgänger und in der Mitte Geleise für Züge und dergleichen.

Man sieht ihr das Alter schon an...

Man sieht ihr das Alter schon an…

Ob man zu Beginn 20. Jahrhunderts als sie von der französischen Gesellschaft Daydé & Pillé (inzwischen wurde sie in die Eiffel-Gruppe integriert), deren Schilder sie noch heute trägt erbaut wurde gedacht hat, dass sie über ein Jahrhundert und mehrere Kriege und Weltkriege überstehen würde? Das Faktum, dass sie nicht (mehr) mit dem Auto befahrbar ist spricht für sich.

Mir wurde auch hin und wieder etwas mulmig zumute, als ein Zug sie passierte. Man fühlt die Bewegungen der Schienenfahrzeuge.

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Der Erbauer, Daydé & Pillé

Der Erbauer, Daydé & Pillé

Von den mittlerweile sechs Brücken, die den Roten Fluss (Sông Hồng) gehen ist sie die Älteste.

Die wahre Imposanz der Brücke wird einem erst bewusst, wenn man den ersten Teil, der über den schmäleren Teil des Roten Flusses führt und die Insel überwunden hat. Obwohl schon dieses Teilstück sehr beeindruckend ist, ist das wahre Ausmaß erst etwa zwischen zweitem und letzten Drittel sichtbar.

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

Der rote Fluss (Sông Hồng) von der Long Bien Brücke an der imposantesten Stelle

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Unter der Brücke...

Unter der Brücke…

Auch das Faktum, mitten in einer der größten Städte Südostasiens einen Insel voller Nutzpflanzenfelder vorzufinden ist für einen Mitteleuropäer kaum vorstellbar, für viele jedoch ein faszinierender Gedanke – wobei es in Fernost wohl keine urbane Bohéme ist, die Tomaten anpflanzt, sondern eine andere Gesellschaftsschicht…

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Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Allerdings bin ich ein paar Hobbyfotografinnen begegnet

Auf der anderen Seite des Flusses finden sich für Touristen eher uninteressante Viertel, sodass ich mich entschieden hatte über die gleich danebenliegende Brücke zu Fuß(!) zurückzumarschieren.

Auf der anderen Seite...

Auf der anderen Seite…

Vermutlich hatte der Brückenwächter, der mich müde ansah keine Lust mit einem Westler zu diskutieren, der noch immer kein Vietnamesisch sprach und ließ mich ziehen – sodass ich erst irgendwann in der Mitte feststellte, dass diese Überquerung gar nicht für Fußgänger gedacht war…

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Einigen Mopedfahrern werde ich wohl auch seltsam vorgekommen sein, doch von hier aus hatte ich doch einen interessanten Blick auf Long Biên Brücke.

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Was folgte war das gewohnt touristische Hanoi… Demnächst sollte ich meine Reisen wohl auf Benares konzentrieren, wenn ich nach meinen Kristalltüremen suche.